Nach dem Rekordtief im April hat sich das Geschäftsklima der Solo-Selbstständigen und Kleinstunternehmen im Juni leicht verbessert, bleibt aber deutlich im negativen Bereich. Gleichzeitig wird der Zugang zu Bankkrediten für Selbstständige spürbar schwieriger.
Der Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex stieg auf minus 25,9 Punkte, nach minus 27,7 Punkten im Mai. Seit dem Rekordtief im April ist das der zweite leichte Anstieg in Folge. Ausschlaggebend waren weniger pessimistische Erwartungen (Juni: minus 29,2 Punkte, Mai: minus 33,1 Punkte). Die aktuelle Geschäftslage wurde dagegen etwas schlechter bewertet (Juni: minus 22,5 Punkte, Mai: minus 22,2 Punkte).
In der Gesamtwirtschaft hellte sich die Stimmung im Juni ebenfalls leicht auf (Geschäftsklima: minus 13,0 Punkte). „Die deutsche Wirtschaft hofft auf eine Entspannung der weltpolitischen Situation“, sagt Katrin Demmelhuber vom ifo Institut.
Kreditzugang wird deutlich schwieriger
Für Selbstständige wird der Zugang zu Bankkrediten spürbar schwieriger. Von denjenigen, die im zweiten Quartal 2026 Kreditverhandlungen mit Banken führten, bezeichneten 44,8 Prozent die Kreditvergabe als restriktiv. Im ersten Quartal lag dieser Anteil noch bei 34,6 Prozent. Damit fällt die Kredithürde bei Selbstständigen erneut höher aus als in der Gesamtwirtschaft (40,1 Prozent). Gleichzeitig führen Selbstständige deutlich seltener überhaupt Kreditverhandlungen. Im zweiten Quartal suchten lediglich 9,3 Prozent das Gespräch mit einer Bank. In der Gesamtwirtschaft lag dieser Anteil bei 23,6 Prozent.
„Von einer Erholung sind wir trotz des zweiten leichten Anstiegs noch weit entfernt“, sagt Matthias Henze, Gründer und CEO von Jimdo. „Die Bundesregierung will mit ihren Reformpaketen neues Wachstum ermöglichen. Das wird nur gelingen, wenn Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen dabei konsequent mitgedacht werden. Sie stehen für genau den Unternehmergeist, den Deutschland dringend braucht. Wer wirtschaftliche Dynamik will, muss dafür sorgen, dass Unternehmertum einfacher wird – nicht schwieriger.“
Am häufigsten erleben Selbstständige im Einzelhandel die Kreditvergabe als restriktiv (59,1 Prozent), gefolgt vom Dienstleistungssektor (54,7 Prozent). Im Bauhauptgewerbe lag der Anteil bei 37,5 Prozent, im verarbeitenden Gewerbe bei 27,3 Prozent.
Geschäftsklima verbessert sich in allen Sektoren
Das Geschäftsklima verbesserte sich im Juni in allen vier erfassten Wirtschaftsbereichen. Im Dienstleistungssektor stieg der Klimaindikator auf minus 18,4 Punkte (Mai: minus 20,1 Punkte). Verbesserungen zeigten sich unter anderem bei Architektur- und Ingenieurbüros, Freiberuflern sowie im Grundstücks- und Wohnungswesen. Im Verarbeitenden Gewerbe lag das Geschäftsklima bei minus 34,6 Punkten (Mai: minus 36,2 Punkte), im Baugewerbe auf minus 34,4 Punkte (Mai: minus 36,0 Punkte). Nach drei Rückgängen in Folge hellte sich die Stimmung im Einzelhandel wieder etwas auf. Verantwortlich dafür waren weniger pessimistische Erwartungen. Die laufenden Geschäfte erreichten jedoch mit minus 31,4 Punkten einen neuen Tiefstand. Auch die Umsätze gingen weiterhin stark zurück.
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Beim Blick in die einzelnen Branchen fällt auf, dass die Unternehmensberater/innen sowohl bei der Lage und infolge dessen auch beim Geschäftsklima im Juni ihren tiefsten Punkt der bisherigen Messung (also seit August 2021) erreicht haben. Im Branchen-Ranking steht die Unternehmensberatung aktuell auf Platz fünf von zwölf.
Andreas Lutz: "Empfehlungen der Rentenkommission sind mit erheblichen Mehrbelastungen für Selbstständige verbunden"
Wir als Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD e.V.) warnen davor, Selbstständige im Zuge der geplanten Rentenreform höher zu belasten als Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen. Unser Vorstandsvorsitzender Andreas Lutz sagt: „Die Empfehlungen der Rentenkommission sind mit erheblichen Mehrbelastungen für Selbstständige verbunden, ganz besonders für Gründer*innen. Damit es nicht zu einem starken Einbruch des Gründungsgeschehens und weiteren Anstieg der Insolvenzen kommt, sind eine Reihe begleitender Maßnahmen zwingend nötig – unter anderem die seit Jahren angemahnte faire Berechnung der Sozialbeiträge.“
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