Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

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Bericht: Miteinander statt übereinander reden – So verlief das Treffen mit Hays, Gulp & Co.

Zum Vergrößern bitte anklicken: Vertreter führender Agenturen diskutieren mit VGSD-Mitgliedern. V.l.n.r.: René Troche (Westhouse), Jochen Hagemann, Luca Ingianni, Sylvie Dénarié, Michael Moser (Gulp), Christa Weidner, Andreas Lutz, Luuk Houtepen (SThree) – Carlos Frischmuth (Hays) musste etwas früher gehen und ist deshalb nicht auf dem Foto.

(Update vom 03.05.18) Hier nun unser ausführlicher Bericht über das Treffen mit Hays, Gulp & Co.:

Am Dienstag, 24.04.2018 haben wir uns wie angekündigt mit Vertretern von vier führenden Agenturen und Personaldienstleistern getroffen:

  • Carlos Frischmuth (Hays) – Frischmuth leitet für Hays deutschlandweit das IT-Contracting im öffentlichen Sektor und ist zudem Leiter der Berliner Hauptstadtrepräsentanz und somit Kontaktperson zu Politik und Verbänden. Er ist Vorstandsvorsitzender der ADESW und war treibende Kraft hinter der Kampagne „Experten-Arbeit stärken“, die der VGSD zusammen mit weiteren Selbstständigenverbänden unterstützt hat.
  • Michael Moser (Gulp) – Moser ist Vorsitzender der Geschäftsführung (CEO) von Gulp (einem Unternehmen der Randstad-Gruppe). Er ist zudem Schatzmeister der ADESW.
  • Luuk Houtepen (SThree) – Der gebürtige Holländer ist als Director Business Development DACH des ADESW-Mitglieds SThree für dessen Geschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz verantwortlich. Er war zugleich Gastgeber, das Treffen fand in der Münchener Niederlassung von SThree statt.
  • René Troche (Westhouse) – Der ehemalige Fußballprofi ist Managing Director der Westhouse Consulting Group und leitet von Garching aus das deutsche Geschäft.

Sie vertraten gemeinsam die Allianz für selbständige Wissensarbeit (ADESW), die nach eigener Angabe die „führenden Dienstleister für den projektbasierten Einsatz hochqualifizierter selbständiger Wissensarbeiter“ vereint. Die insgesamt acht ADESW-Mitglieder beschäftigen 4.500 festangestellte Mitarbeiter und vermitteln pro Jahr Selbstständige in durchschnittlich 20.000 Projekte bei 5.000 Unternehmen.

 

Die Teilnehmer von unserer Seite

Von unserer Seite nahmen die VGSD-Vorstände Sylvie Dénarié und Andreas Lutz teil, die Bonhoff-Preisträgerin Christa Weidner sowie die Mitglieder der Münchener Regionalgruppe Luca Ingianni und Jochen Hagemann. Bis auf Andreas waren also alle Teilnehmer von unserer Seite selbstständige IT-Experten und Ingenieure, da dies den Branchen-Schwerpunkt der anwesenden Agenturen ausmacht. Christa Weidner ist vielen von euch durch ihre bundesweiten Vortragsreihen und ihr Engagement für unsere Arbeitsgruppe Scheinselbstständigkeit bekannt. (Sie hat übrigens auf ihrer Seite Freelance-IT ebenfalls einen Bericht über das Treffen veröffentlicht.)

Als Rahmen war ein „geschützter Raum“ definiert. Es wurde verabredet, dass nur nach außen kommuniziert werden darf, was von allen Beteiligten genehmigt wird. So auch dieser Beitrag. Das sollte die Voraussetzung schaffen für ein offenes Gespräch, bei dem man nicht jedes Wort vorher auf die Goldwaage legen muss.

 

Gespräch sorgfältig vorbereitet

Wir hatten uns auf das Gespräch sehr sorgfältig vorbereitet und aus rund 60 Kommentaren sowie zahlreichen E-Mails von euch einen ganzen Katalog (Liste mit Unterpunkten siehe weiter unten) von Gesprächspunkten abgeleitet. Naturgemäß habt ihr uns bei einer solchen Diskussion vor allem die kritischen und problematischen Punkte genannt, auch wenn einige Kommentatoren darauf hingewiesen haben, dass sie überwiegend gut und erfolgreich mit ihren Agenturen zusammenarbeiten.

Die Kritikpunkte hatten wir in folgende drei Themenbereiche eingeordnet:

  • A. Gezieltes Matching, kompetente und wertschätzende Vermittlung
  • B. Honorare und Margen
  • C. Rechtssichere und faire Verträge sowie Einsatzpraxis

Mit diesem Katalog stand schon vor unserem Treffen ein erstes wichtiges Ergebnis fest, denn es ist wichtig, sich darüber klar zu sein, wo überall Unzufriedenheit besteht.

 

Viele Kritikpunkte, aber auch Positives und Konstruktives

Unsere Gesprächspartner haben sich gut drei Stunden Zeit für das Gespräch mit uns genommen und wir haben dank einem guten Zeitmanagement alle Kritikpunkte zumindest kurz ansprechen können, einige haben wir ausführlicher diskutiert.

Naturgemäß kamen die Vertreter der Agenturen durch die Vielzahl an kritischen Punkten zeitweise in eine Verteidigungshaltung, an einer Stelle fragte einer: „Habt ihr denn zum Schluss auch etwas Positives über die Zusammenarbeit mit uns zu sagen?“ Ein anderer Agentur-Teilnehmer sagte, er habe auch viel Positives und Konstruktives herausgehört. Streckenweise gab es durchaus Abschnitte, als Emotionen hochkochten und mehrere Teilnehmer gleichzeitig sprachen und ihre Gedanken mitteilen wollten. Es gab also viel zu diskutieren…

Zugleich verlief das Gespräch aber wertschätzend und stets auf Augenhöhe, die eine oder andere humorvolle Bemerkung half, die sehr ernsthafte Diskussion aufzulockern. Mehrere Teilnehmer – von beiden Seiten – berichteten authentisch über persönliche Erfahrungen, zum Beispiel von Verhandlungen mit (anwesenden) Agenturen, aber auch zwischen Agenturen und Endkunden. Es bestand Einigkeit, dass manche Provisionsregelung „überhaupt nicht geht“, manche aus unserer Sicht problematische Regelung wurde aber auch entschieden verteidigt.

 

Matching und Vermittlungsprozess

Was die Kritik am Matching und an dem Vermittlungsprozess (Punkt A) betrifft, räumten die Vertreter der Agenturen freimütig ein, dass es da aufgrund der enormen Nachfrage an vielen Stellen knirscht, wobei der Fachkräftemangel, eine zu geringe Zahl an Universitätsabsolventen, ein in Deutschland im Vergleich zum EU-Ausland niedrigeres Ansehen von Vertriebstätigkeiten und damit verbunden eine erhöhte Fluktuation alle großen Unternehmen in der Branche vor Herausforderungen stellt.

Intern würde viel in Ausbildung investiert und es würden viele Gespräche darüber geführt, wie die Prozesse weiter verbessert werden könnten. Trotzdem erfolge die Besetzung von Positionen teils unter solchem Zeitdruck, dass es auch nicht einfach sei, das Vorgehen zu ändern. Den Freelancer schneller direkt mit dem Endkunden zu vernetzen, sei nicht nur aus Kundenschutz-Gesichtspunkten schwierig, sondern kann unter Umständen auch zu einer Verunsicherung des Kunden führen. Viele Kunden wollten auch nicht direkt mit den Kandidaten sprechen.

Uns Selbstständigen empfehlen die Agenturen unisono, uns an diejenigen Betreuer zu halten, bei denen wir uns gut aufgehoben fühlen und zu anderen durchaus auch mal höflich und selbstbewusst „nein“ zu sagen oder uns, wenn nur „Angebots-Spam“ hereinkommt, auch von den Listen der Anbieter streichen zu lassen. Zugleich nahmen sie aber auch ihre Mitarbeiter in Schutz und forderten uns auf, diese – auch wo ein deutlicher Alters-, Erfahrungs- und Wissensunterschied bestehen mag – trotzdem wertschätzend und nicht „von oben herab“ zu behandeln. Das Ziel müsse es sein, miteinander wieder stärker auf eine „persönliche Schiene“ zu kommen.

Hier waren wir uns also einig, dass Verbesserungspotenzial besteht.

 

Honorare und Margen

Zum Thema Honorare und Margen (Punkt B) bestätigten die Agenturen, dass sie zuletzt definitiv ein Ansteigen der Honorare beobachtet hätten. Zugleich hätte man aber in den letzten Jahren eine Zunahme der Unternehmen beobachtet, die – bis weit in den Mittelstand hinein – auch für das Contracting einen Einkauf einführen, der relativ aggressiv Rabatte verhandelt und Honorare zu drücken versucht, teilweise würden sogar eBidding-Verfahren genutzt. Der einseitige Fokus nur auf den Preis sei letztlich weder im Interesse des Kunden noch der anderen Beteiligten, aber als veränderte Rahmenbedingung zu akzeptieren.

Hier greife letztlich bei ihnen wie bei uns der Marktmechanismus. Wenn die Agenturen gegenüber den Endkunden auf einem höheren Honorar bestünden, bekämen sie nicht den Auftrag. Wenn sie zu niedrig anbieten würden, bekämen sie dagegen nicht die gewünschte Qualität von Freelancern. Es wäre durchaus auch schon vorgekommen, dass Projekte dann nicht besetzt hätten werden können.

 

Mut haben, öfter mal „nein“ zu sagen

Wir haben hier den Hinweis herausgehört, dass wir Freiberufler nicht jedes – letztlich vom Endkunden vorgegebene – Honorar akzeptieren sollten, sondern durchaus auch hier den Mut haben sollten, öfter mal „nein“ zu sagen. Letztlich bestimmten wir durch unser kollektives Handeln das Niveau der Honorare.

Christa Weidner merkte an, sie wünsche sich von viel mehr Freelancern ein Mindset, dass sie dazu bringe, selbst Angebote zu schreiben und damit unternehmerisch auf dem Markt aufzutreten.

 

Hoher Akquiseaufwand und Mischkalkulation

In Bezug auf die Kritik an zu hohen Margen, insbesondere auch bei länger laufenden Verträgen, verteidigte Carlos Frischmuth, der ja bei Hays für den Bereich Contracting im öffentlichen Sektor verantwortlich ist, die bestehenden Margen. Er berichtete, mit welchem Aufwand ein großes Team bei Hays über viele Jahre akquirierte, um zu erreichen, dass ein großer öffentlicher Auftraggeber sich erstmals bereit erklärte, Aufträge auch an Freelancer zu vergeben. Es bräuchte eine entsprechende Mischkalkulation und somit auch Provisionen aus länger laufenden Projekten, um die teils sehr hohen Akquisitionskosten wieder einzuspielen.

Luca Ingianni konterte mit dem Beispiel eines selbst akquirierten Auftrags, der jedoch über eine Agentur in ihrer Eigenschaft als Preferred Supplier habe abgewickelt werden müssen. Diese habe dafür einen zweitstelligen Euro-Aufschlag pro Stunde über einen längeren Zeitraum berechnet. Es gab durchaus Zustimmung von Agenturseite, dass der Aufschlag doch hoch wäre und man diesen Fall nochmal prüfen würde, sofern es eine Agentur aus dem Diskussionskreis beträfe. Dies war der Fall und tatsächlich fand im Nachgang dazu sehr schnell ein Dialog zur Klärung zwischen Luca  und der Agentur statt.

 

Code of conduct und Ombudsmann

Auch Christa Weidner berichtete aus eigener Erfahrung von teils sehr hohen Margen der Agenturen; Andreas verwies auf die entsprechenden Kommentare.

Sylvie Dénarié sprach sich für mehr Transparenz über die Höhe der Margen und ein „Open-Book-Prinzip“ aus, denn nur, wenn bekannt sei, wieviel eine Agentur verlangt und was sie dafür leistet, könne der Freelancer eine gut informierte unternehmerische Entscheidung treffen und ein Angebot auch ablehnen.

Auch hierfür nannten wir ein Beispiel aus euren Kommentare unten: In einem Fall war ein Selbstständiger über eine Kette von Vermittlern mit 140 Prozent Aufschlag eingesetzt worden. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen des Kunden. Hier stimmten die Agenturvertreter zu, dass dies unethisch und sehr kurzsichtig sei, eine solche Verhaltensweise würde sich schnell rächen.

Die ADESW-Mitgliedsunternehmen haben sich zu Anfang dieses Jahres auf einen Code of Conduct geeinigt, also auf eine Selbstverpflichtung. Sie wollen im nächsten Schritt nun eine Ombudsstelle, besetzt u.a. voraussichtlich von einem ehemaligen Richter, aufbauen. Der gerade geschilderte Sachverhalt wäre dann möglicherweise ein Fall für eine solche Ombudsstelle, wenn die betreffende Agentur ADESW-Mitglied ist und ein Klärungsversuch mit ihr gescheitert wäre.

 

Anwesende Agenturen lehnen „Open-Book-Prinzip“ ab

Das von vielen von euch gewünschte Open-book-Prinzip lehnten die anwesenden Agenturen jedoch übereinstimmend ab. Ihr Argument ähnelt dem der Arbeitgeber gegen das im Februar eingeführte Entgelttransparenzgesetz: Angenommen, man habe ein Honorar frei ausgehandelt und sei damit zufrieden. Würde die Kenntnis der Marge diese Zufriedenheit wirklich erhöhen? Schließlich läge auch hier eine Mischkalkulation vor: Manche strategisch wichtigen Projekte könnten nur mit dünnen Margen besetzt werden, das sei nur möglich durch eine Querfinanzierung von anderen, (für die Agentur) lohnenderen Projekten. Zudem führten unterschiedliche Margen natürlich zwangsläufig auch zu Rückfragen von Kunden.

Ich (Andreas Lutz) regte an, doch zumindest auf die teils sehr hohen Vertragsstrafen zu verzichten, die meines Erachtens nicht mehr zur Realität passen. Unsere Mitglieder berichteten mir, dass die Höhe von Honoraren und Margen früher oder später in aller Regel doch bekannt würden.

Über Honorare und Margen gab es also eine sehr lebendige Diskussion und wir waren uns natürlich nicht überall einig. Konsens bestand jedoch darüber, dass Auswüchse beim Thema Margen nicht nur als ungerecht empfunden werden, sondern auch dem Ansehen der Branche schaden.

 

Rechtssichere und faire Verträge sowie Einsatzpraxis

Der dritte Gesprächsschwerpunkt war das Thema „Rechtssichere und faire Verträge sowie Einsatzpraxis“.

Christa Weidner schlug hier vor, verstärkt Lösungen anzubieten. Der Gedanke dahinter: Mit eigener Vorgehensweise zu einem definierten Ergebnis kommen, wobei man nach Zeit abrechnet. Das setzt jedoch voraus, dass man mit dem Kunden sprechen kann und seinen Bedarf kennt. Dies böte in Hinblick auf Scheinselbstständigkeit mehr Rechtssicherheit und zugleich für erfahrene Selbstständige, die sehr effektiv arbeiten, die Möglichkeit entsprechend ihrer Leistung höhere Einkommen zu realisieren.

Mehrere Agenturvertreter antworteten, dass Sie die Überlegung richtig fänden und Entsprechendes auch schon Kunden angeboten hätten, sich dieses Modell aber bei der Masse von Aufträgen nicht durchsetzen lassen würde.

 

Wahl des Arbeitsortes setzt Aufbau von Vertrauen voraus

Ähnlich verhalte es sich bei der Wahl des Arbeitsortes. Das sei ein „Vertrauensthema“. Der Rat der Personaldienstleister an uns Selbstständige: Erst einmal den Auftrag angehen, den Kunden kennen lernen und dann fragen. Die meisten Kunden täten sich schwer, gleich von Anfang an entsprechende weitreichende Zusagen zu machen, denn sie zahlen viel Geld für den Experten und wollen sicher sein, dass der für dieses Geld auch tatsächlich arbeite.

Nach dem Kennenlernen sei die Antwort aber oft ja. Die Auftraggeber würden sich nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern so verhalten. Gründe für den Einsatz beim Kunden seien auch oft sicherheitskritische oder in der Anschaffung sehr teure Systeme. Außerdem wollten die Kunden gerade zum Beginn der Zusammenarbeit Face to face mit dem Selbstständigen sprechen und ihre Anforderungen erklären.
VGSD-Mitglied Jochen Hagemann sagte, dass er das genauso sehe und am Anfang eines Projekts vor Ort sein wolle, um das Umfeld kennen zu lernen und sich schneller einzuarbeiten.

 

Agenturen evaluieren im Vorfeld Bereitschaft für Home office

Alle Agenturen würden schon bei den Vertragsverhandlungen die Bereitschaft evaluieren, ob der Freelancer perspektivisch auch einen Teil der Zeit von zuhause arbeiten kann und würden das den Kunden auch empfehlen, weil die Produktivität im Home office oft höher sei. Jochen Hagemann bestätigte, dass das bei seinen eigenen Projekten sehr gut funktioniere und er wegen dieser höheren Produktivität im eigenen Büro in Kundenprojekten gezielt darauf hinarbeite, das dafür nötige Vertrauen aufzubauen und dann die Zustimmung zu erhalten.

 

Schadensersatz auf Obergrenzen der Berufshaftpflicht begrenzen

Ein weiteres Diskussionsthema waren die in den Verträgen teils sehr weit gefassten Haftungsregelungen, die oft auch in einem Missverhältnis zum Auftragswert stünden. Die Empfehlung der Agenturvertreter: Auf jeden Fall eine Berufshaftpflicht abschließen und im Vertrag Haftpflichtobergrenzen festlegen, die mit denen der Berufshaftpflicht übereinstimmen. Dies würde in der Regel akzeptiert. Auch solle man sich nicht zu sehr „verrückt machen“, denn die Höhe eines Schadens würde im Haftungsfall ja vor Gericht geklärt.

 

Was wäre, wenn im Vertrag die Namen von Auftraggeber und -nehmer vertauscht wären?

Sylvie Dénarié kritisierte an dieser Stelle die Einseitigkeit der Verträge, die sie in der Vergangenheit mehrfach beobachtet hat. Ihre Frage: „Würden Sie den Vertrag auch akzeptieren, wenn die Namen von Auftraggeber und -nehmer vertauscht wären?“

Die anwesenden Vertreter der ADESW erklärten die häufig als einseitig empfundenen Verträge damit, dass die Endkunden immer größtmögliches Interesse haben, alle Risiken für sich zu minimieren und um sich am liebsten 100%ig abzusichern. In der Praxis sei es aber nach Kenntnis der anwesenden Vertreter der Agenturen noch nie zu einem wirklich gravierenden Haftungsfall gekommen.

 

Top-10-Agenturen haben nur 16 Prozent Marktanteil – und trotzdem gibt es kaum noch direkte Aufträge?

Der IT-Freelancer-Markt in Deutschland habe laut Lünendonk-Studie ein Volumen von 20 Milliarden Euro, die Top-10-Anbieter einen Marktanteil von gerade einmal 16 Prozent, womit die acht in der ADESW organisierten Unternehmens also weniger als 16 Prozent Marktanteil hätten.

Auf diesen relativ niedrigen Marktanteil wurde im Gespräch mehrfach Bezug genommen. Das Argument, dass viele Selbstständige Macht und Einfluss der Agenturen überschätzen würden, war für viele von uns nur schwer „verdaubar“, denn unsere Erfahrung ist, dass direkte Beauftragungen bei großen Kunden extrem selten sind.

Das Angebot der Agenturen sei ein zusätzliches Angebot, das man nicht annehmen müsse, wenn die Bedingungen nicht gut seien. Die anwesenden Vertreter der ADESW sprachen hier explizit von der Wahlfreiheit der Freelancer. Andererseits arbeiteten die anwesenden Freelancer überwiegend für große Unternehmen z.B. aus der Automobilindustrie und in diesen Marktsegmenten ist die wahrgenommene und wohl auch tatsächliche Bedeutung der Agenturen sehr viel größer als auf dem Gesamtmarkt.

Auch wenn hier unterschiedliche Wahrnehmungen bestehen blieben, konnten wir doch in vielen Bereichen die Überschneidungen in der von uns wahrgenommenen Realität vergrößern und manche Marktentwicklung und Verhaltensweise eher nachvollziehen.

Das heißt natürlich nicht, dass wir deshalb mit allem einverstanden sind und keinen Verbesserungsbedarf sehen.

 

Fortsetzung des Dialogs geplant – Was ist deine Meinung?

Wir haben deshalb eine Fortsetzung des Dialogs vorgeschlagen. Dabei wollen wir uns zunächst auf den Themenblock A konzentrieren, weil der Optimierungsbedarf in diesem Bereich am wenigsten strittig ist und beide Seiten von einer Verbesserung profitieren würden. Wir Selbstständigen könnten zu diesem Thema sicherlich kreative Verbesserungsvorschläge beisteuern. Was hältst du davon, diesen Themenblock als erstes anzugehen? Hast du schon konkrete Vorschläge, wie das Matching und der Vermittlungsprozess gezielt verbessert werden könnte? Nutze für dein Feedback bitte die Kommentarfunktion unten.

Ein Punkt, der den Agenturen ebenfalls ein wichtiges Anliegen war, ist das Thema Weiterbildung. Die Agenturen erwarten in Bereichen wie Cloud-Technologie, Data Security, Big Data, aber auch Java eine erhöhte (ungedeckte) Nachfrage bzw. spüren diese schon jetzt. Wer langfristig gut bezahlte Aufträge haben möchte, sollte heute schon anfangen, in die Weiterbildung zu investieren. Wir überlegen, eine Experten-Telko speziell für die IT-Selbstständigen im VGSD zu organisieren, bei der es darum geht, welche Skills morgen (und nicht erst über-übermorgen) nachgefragt werden. Du hast Fragen, Anregungen und Wünsche dazu? Nutze bitte auch dazu die Kommentarfunktion unten.

Wir freuen uns, wenn es uns gelingt, mit dem Dialog-Treffen einen Kommunikationskanal zu den führenden Agenturen aufzubauen, der es uns ermöglicht, auch über kritische Themen offen und lösungsorientiert miteinander zu sprechen. Ob uns das gelingt muss sich zeigen, aber ein wichtiger erster Schritt ist getan!

 

Update: Miteinander statt übereinander reden – Dialog-Treffen mit Hays, Gulp & Co

 

In einem „geschützten Raum“ treffen sich Freelancer und Agenturen, um über Konfliktpunkte und offene Fragen zu sprechen. Foto/Illustration: geralt, Pixabay

(Update vom 27.04.18) Das Treffen mit Hays, Gulp & Co. am Dienstag hat gut drei Stunden gedauert. Wir haben uns auf Augenhöhe unterhalten und alle Beteiligten sprachen von neuen Einsichten und einem besseren Verständnis der jeweils anderen Seite.

 

Wir schreiben gerade an einem ausführlichen Bericht. Wir haben mit den Agenturen eine gegenseitige Freigabe der Berichterstattung über das Treffen vereinbart. Wir gehen davon aus, dass wir den Bericht in der zweiten Hälfte nächster Woche veröffentlichen werden. Ihr dürft gespannt sein.  

 

(Beitrag vom 20.04.18) Vielen Dank für eure zahlreichen E-Mails und Kommentare mit Anregungen, was wir am 24. April alles bei unserem Treffen mit Vertretern von vier führenden Personaldienstleistern und Agenturen (GULP, HAYS, SThree und Westhouse) besprechen sollen.

Wir haben jede einzelne Nachricht gelesen und ausgewertet und die folgende Agenda für das Gespräch abgeleitet und auch unseren Gesprächspartnern schon zukommen lassen.

Die folgenden Punkte sind unseres Erachtens schon eine sehr robuste Beschreibung der wichtigsten Konfliktpunkte von Freiberuflern und „Vermittlern“. Mit den Teilnehmer von unserer Seite haben wir uns heute morgen bei einer Telko die Gesprächsstrategie abgestimmt (und z.B. den Punkt „Gezieltes Matching“ nach vorn gezogen). Wir freuen uns jetzt auf ein konstruktives und produktives Treffen am Dienstag nächster Woche.

A. Gezieltes Matching, kompetente und wertschätzender Vermittlung

  • Angebots-Spam
  • Häufige Kontaktaufnahme per Telefon
  • Qualifikation der Agenturmitarbeiter
  • Können sie mich adäqat verkaufen? / Chancen nutzen
  • Setzen sie sich ausreichend für mich ein?
  • Vertreten Agenturen nur Kundeninteressen oder auch die der Freelancer?
  • Werden wir als austauschbare Ressource behandelt?
  • Wertschätzender Umgang – auch als Voraussetzung für Erfolg der Agentur

B. Honorare und Margen

  • Honorarentwicklung
  • Flexibilität beim Verhandeln von Honoraren
  • Angemessene Höhe der Marge
  • … auch in Relation zur Einsatzdauer
  • Kettenbeauftragung
  • Keine Margen auf Reisekosten
  • Transparenz der Marge (Open-Book-Prinzip)
  • Was leisten Agenturen, worin bestet ihr Mehrwert?
  • Profitieren Agenturen von Rechtsunsicherheit?

C. Rechtssichere und faire Verträge sowie Einsatzpraxis

  • ANÜ ist keine Alternative
  • AGB
  • Freie Wahl des Arbeitsortes
  • Endkunden, die sich durch Gestaltungen schützen wollen
  • Wettbewerbsklauseln
  • Haftungsgrenzen
  • Aktualisierung von Vertägen
  • Zahlungsziele und -vereinbarungen
  • Symmetrische  Regelungen / gleiches Recht für alle
  • Fragen und Vorschläge zu einzelnen Themen

D. Sonstige Fragen

  • Code of conduct der ADESW / Ombudsmann
  • Next steps

 

Miteinander statt übereinander reden: VGSD-Mitglieder treffen Vertreter führender Personaldienstleister und Agenturen

(10.04.2018) Zwischen den Auftraggebern mit ihren Projekten und uns Selbstständigen steht recht häufig eine Agentur, ein Projekt- oder Personaldienstleister, oft auch einfach „Vermittler“ genannt. Dieser übernimmt für den Kunden die Suche nach geeigneten Experten, beauftragt diese und rechnet ihre Leistungen ab. Dafür bekommt er – je nach Vertrag – eine größere oder kleinere Provision bzw. einen „Aufschlag“.

 

Trotz guter Zusammenarbeit auch viele unterschiedliche Interessen und offene Fragen

Die in der ADESW („Allianz für selbständige Wissensarbeit“) organisierten Agenturen haben sich u.a. mit ihrer Kampagne „Experten-arbeit-stärken“ für mehr Rechtssicherheit für Selbstständige und ihre Auftraggeber engagiert – wir haben in diesem Rahmen konstruktiv und wirkungsvoll zusammengearbeitet.

Es gibt aber auch viele unterschiedliche Interessen und offene Fragen zwischen Freelancern und Agenturen:

  • Was leisten die „Vermittler“? Ist ihre Marge angemessen?
  • Werden unsere Skills wirklich verstanden und gewertschätzt – oder sind wir austauschbare „Ressourcen“?
  • Warum wird die direkte Beauftragung von Selbstständigen immer seltener und wer profitiert davon?
  • Welche Änderungen an Verträgen und Vertragspraxis wären rechtlich sinnvoll? Usw.

 

Offenes Gespräch in geschütztem Raum

Diese und viele weitere Fragen werden wir am 24.04.2018 in München mit mehreren Vertretern der ADESW besprechen, darunter sind GULP, HAYS, SThree und Westhouse. Mit dabei von unserer Seite sind neben mir unter anderem Bonhoff-Preisträgerin Christa Weidner („Ich selbst bin eine der größten Kritikerinnen von Vermittlungsagenturen“), Vorstand Sylvie Denarié und zwei weitere IT-Selbstständige aus der Regionalgruppe München.

Die Veranstaltung ist als geschützter Raum definiert. Das heißt: Nur das, wozu alle Teilnehmer ihr Einverständnis geben, darf anschließend nach außen kommuniziert werden. Damit verspricht der Dialog ein wertvoller, ehrlicher und offener Austausch zu werden.

Ziel ist es, die Position des jeweils anderen zunächst einmal besser zu vestehen, um dann auf dieser Grundlage vielleicht zur einen oder anderen – vielleicht auch kreativen – Lösung bzw. Veränderung zu kommen. In ähnlichem Rahmen haben wir uns in der Vergangenheit auch schon mit Vertretern der Industrie- und Handelskammer Frankfurt getroffen.

 

Gerne nehmen wir von dir weitere Fragen, Anregungen und Wünsche auf!

Natürlich haben wir schon etliches im Gepäck, worüber wir diskutieren wollen. Gerne nehmen wir aber weitere Fragen, Anregungen und Wünsche mit auf. Also, bitte immer her damit: Nutze dazu bitte die Kommentarfunktion unten.

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