Update: Miteinander statt übereinander reden – Agenda für Treffen mit führenden Personaldienstleister und Agenturen

In einem „geschützten Raum“ treffen sich Freelancer und Agenturen, um über Konfliktpunkte und offene Fragen zu sprechen. Foto/Illustration: geralt, Pixabay

Update (20.04.2018): Vielen Dank für eure zahlreichen E-Mails und Kommentare mit Anregungen, was wir am 24. April alles bei unserem Treffen mit Vertretern von vier führenden Personaldienstleistern und Agenturen (GULP, HAYS, SThree und Westhouse) besprechen sollen.

Wir haben jede einzelne Nachricht gelesen und ausgewertet und die folgende Agenda für das Gespräch abgeleitet und auch unseren Gesprächspartnern schon zukommen lassen.

Die folgenden Punkte sind unseres Erachtens schon eine sehr robuste Beschreibung der wichtigsten Konfliktpunkte von Freiberuflern und „Vermittlern“. Mit den Teilnehmer von unserer Seite haben wir uns heute morgen bei einer Telko die Gesprächsstrategie abgestimmt (und z.B. den Punkt „Gezieltes Matching“ nach vorn gezogen). Wir freuen uns jetzt auf ein konstruktives und produktives Treffen am Dienstag nächster Woche.

A. Gezieltes Matching, kompetente und wertschätzender Vermittlung

  • Angebots-Spam
  • Häufige Kontaktaufnahme per Telefon
  • Qualifikation der Agenturmitarbeiter
  • Können sie mich adäqat verkaufen? / Chancen nutzen
  • Setzen sie sich ausreichend für mich ein?
  • Vertreten Agenturen nur Kundeninteressen oder auch die der Freelancer?
  • Werden wir als austauschbare Ressource behandelt?
  • Wertschätzender Umgang – auch als Voraussetzung für Erfolg der Agentur

B. Honorare und Margen

  • Honorarentwicklung
  • Flexibilität beim Verhandeln von Honoraren
  • Angemessene Höhe der Marge
  • … auch in Relation zur Einsatzdauer
  • Kettenbeauftragung
  • Keine Margen auf Reisekosten
  • Transparenz der Marge (Open-Book-Prinzip)
  • Was leisten Agenturen, worin bestet ihr Mehrwert?
  • Profitieren Agenturen von Rechtsunsicherheit?

C. Rechtssichere und faire Verträge sowie Einsatzpraxis

  • ANÜ ist keine Alternative
  • AGB
  • Freie Wahl des Arbeitsortes
  • Endkunden, die sich durch Gestaltungen schützen wollen
  • Wettbewerbsklauseln
  • Haftungsgrenzen
  • Aktualisierung von Vertägen
  • Zahlungsziele und -vereinbarungen
  • Symmetrische  Regelungen / gleiches Recht für alle
  • Fragen und Vorschläge zu einzelnen Themen

D. Sonstige Fragen

  • Code of conduct der ADESW / Ombudsmann
  • Next steps

 

Miteinander statt übereinander reden: VGSD-Mitglieder treffen Vertreter führender Personaldienstleister und Agenturen

(10.04.2018) Zwischen den Auftraggebern mit ihren Projekten und uns Selbstständigen steht recht häufig eine Agentur, ein Projekt- oder Personaldienstleister, oft auch einfach „Vermittler“ genannt. Dieser übernimmt für den Kunden die Suche nach geeigneten Experten, beauftragt diese und rechnet ihre Leistungen ab. Dafür bekommt er – je nach Vertrag – eine größere oder kleinere Provision bzw. einen „Aufschlag“.

 

Trotz guter Zusammenarbeit auch viele unterschiedliche Interessen und offene Fragen

Die in der ADESW („Allianz für selbständige Wissensarbeit“) organisierten Agenturen haben sich u.a. mit ihrer Kampagne „Experten-arbeit-stärken“ für mehr Rechtssicherheit für Selbstständige und ihre Auftraggeber engagiert – wir haben in diesem Rahmen konstruktiv und wirkungsvoll zusammengearbeitet.

Es gibt aber auch viele unterschiedliche Interessen und offene Fragen zwischen Freelancern und Agenturen:

  • Was leisten die „Vermittler“? Ist ihre Marge angemessen?
  • Werden unsere Skills wirklich verstanden und gewertschätzt – oder sind wir austauschbare „Ressourcen“?
  • Warum wird die direkte Beauftragung von Selbstständigen immer seltener und wer profitiert davon?
  • Welche Änderungen an Verträgen und Vertragspraxis wären rechtlich sinnvoll? Usw.

 

Offenes Gespräch in geschütztem Raum

Diese und viele weitere Fragen werden wir am 24.04.2018 in München mit mehreren Vertretern der ADESW besprechen, darunter sind GULP, HAYS, SThree und Westhouse. Mit dabei von unserer Seite sind neben mir unter anderem Bonhoff-Preisträgerin Christa Weidner („Ich selbst bin eine der größten Kritikerinnen von Vermittlungsagenturen“), Vorstand Sylvie Denarié und zwei weitere IT-Selbstständige aus der Regionalgruppe München.

Die Veranstaltung ist als geschützter Raum definiert. Das heißt: Nur das, wozu alle Teilnehmer ihr Einverständnis geben, darf anschließend nach außen kommuniziert werden. Damit verspricht der Dialog ein wertvoller, ehrlicher und offener Austausch zu werden.

Ziel ist es, die Position des jeweils anderen zunächst einmal besser zu vestehen, um dann auf dieser Grundlage vielleicht zur einen oder anderen – vielleicht auch kreativen – Lösung bzw. Veränderung zu kommen. In ähnlichem Rahmen haben wir uns in der Vergangenheit auch schon mit Vertretern der Industrie- und Handelskammer Frankfurt getroffen.

 

Gerne nehmen wir von dir weitere Fragen, Anregungen und Wünsche auf!

Natürlich haben wir schon etliches im Gepäck, worüber wir diskutieren wollen. Gerne nehmen wir aber weitere Fragen, Anregungen und Wünsche mit auf. Also, bitte immer her damit: Nutze dazu bitte die Kommentarfunktion unten.

62 Kommentare

  1. Christa Weidner schreibt:

    Lieber Andreas, lieber VGSD,
    zunächst einmal Danke, dass Ihr diesen Termin ermöglicht + ich auch noch dabei sein darf. Für mich ist wichtig, dass wir eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe erreichen (also die Vermittlungsagenturen mit uns Selbstständigen). Damit geht einher, dass wir Aufträge mit Rahmenbedingungen erhalten, mit denen wir „leben“ können. Ein weiterer ganz wichtiger Punkt ist für mich – wen wundert es – das Thema Scheinselbstständigkeit. Hier sollten ja die Vermittlungsagenturen aus Eigeninteresse heraus bereits daran arbeiten, dass wir dieses Thema sinnvoll in den Griff bekommen. Sinnvoll heißt für mich, dass wir in einer Art und Weise unsere Aufträge abarbeiten können, die der Deutschen Rentenversicherung keine oder nur ganz wenige Indizien für Scheinselbstständigkeit liefert. Denn, ANÜ ist keine Alternative. Das erkennen ja bereits die ersten Agentur-Vertreter und Kunden.

    Dafür bleibe ich gerne zwei Tage länger in München!

    Lieber Gruß,
    Christa

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    1. Alex schreibt:

      Liebe Christa,

      das sehe ich genauso: ANÜ führt weg von der Selbstständigkeit in einen Zustand, der näher an der Scheinselbstständigkeit liegt. Eigentlich müsste unsere Regierung eher dagegen vorgehen, wenn sie es denn ernst meinen würde mit dem „Kampf“ gegen die Scheinselbstständigkeit.

      VG
      Alex

      Antworten
  2. Bernhard Wallstein schreibt:

    Frage an die Vermittler:

    Bei Anfragen durch die Vermittler zu IT-Experten-Aufträgen, werde ich hauptsächlich von jungen Recruitern (Absolventen, Quereinsteigern etc.) angefragt, die weder den Kunden genau kennen noch die Anforderungen des Kunden verstehen (können).

    Wie soll ich mich fachlich als IT-Experte „verkaufen“, wenn mein Gegenüber noch am IT-Vokabular lernen ist?

    Ich persönlich beantworte solche Anfragen mittlerweile nicht mehr, weil sich das für unsere Unternehmung mit zwei Experten als Zeitverschwendung herausgestellt hat – 3 Projekte in 7 Jahren bei über hundert beantworteten Anfragen!

    Antworten
    1. Oliver H. Ohly schreibt:

      Es ist ein Irrtum anzunehmen, die Zwischenhändler (aka Vermittler, Personaldienstleister) hätten die Kompetenz, passgenau Kandidaten für Anforderungsprofile zu selektieren. Sie gehen Keywordlisten durch und bestimmen anhand dessen den größtmöglichen Match. Das kann jedes Schulkind ohne ADHS.
      Die finale Beurteilung, ob der Experte wirklich zum Projekt passt, obliegt dem Experten selber und dem Kunden.

      Ich hatte diesbezüglich noch nie Probleme, weder mit kompetenten noch mit völlig unwissenden Vermittlern.

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    2. Sabine Katzmair schreibt:

      Hallo Herr Wallenstein,
      ich bin zwar nicht im IT-Bereich tätig, aber auch selbständig in Projekten. Ich bin seit 5 Jahren nun selbständig und habe jetzt mein erstens Projekt, das vermittelt wurde. Wenn ich mich auf Vermittler verlassen hätte, wäre ich schon lange verhungert. Viele Anfragen, meist verläuft es im Sande.
      Deshalb bin ich in die Eigenakquise gegangen, und er weg hat sich gelohnt. Wenn Vermittler dies hören, sind Sie immer erstaunt, das jemand als Soloselbständiger dies schafft. Ja, es geht. Dies sind also meine eigenen Kunden – und ich bin froh darum. Auch meine Erfahrung ist ähnlich – reine Zeitverschwendung. Viele junge Leute, die als Consultants anfangen nach dem Studium – keine Ahnung vom Arbeitsleben geschweige denn Fachkenntnisse für die Vermittlung mitbringen. Sie werden von den Agenturen ‚verheizt‘. Das heisst, hohe Fluktuation, ständige wechselnde Ansprechpartner usw. Meine Erfahrung ist, das auch Kunden, Direktverträge eigentlich lieber sind und deren Erfahrung mit Vermittlern von anderer Seite ähnlich ist – unprofessionell.

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  3. Hans-Heinrich Conradi schreibt:

    Meine Frage:
    Aufgrund der neuen Gesetzgebung (AÜG-Reform, § 611 a BGB) beauftragen einige Kunden bestimmte Positionen (Projektleitung, Projektmanagement, PMO, Interim Management, Datenbank Administration, IT-Support, …) nur noch per Arbeitnehmerüberlassung. Wie gehen Vermittler mit dieser Forderung um?

    Antworten
    1. Frank Marschall, ID NETZ schreibt:

      Zu Ihrer Frage, Herr Conradi:

      Als relativ kleine, spezialisierte Vermittlungsagentur listen wir Kunden aus, die keine freiberuflichen und selbstständigen IT-Experten beauftragen wollen. Wer „Arbeit-Nehmer“ überlassen haben möchte und darin eine Alternative zu der Beauftragung von freien, unabhängigen und erfahrenen Spezialisten sieht, dem können wir nicht helfen.

      Wir haben uns dieses Geschäftsfeld der Zusammenarbeit mit Selbstständigen ausgesucht, weil es betriebswirtschaftlich (d.h. nicht nur wirtschaftlich, sondern vor allem betrieblich) für alle Sinn macht, für den Kunden, für den Berater und auch für uns. Der administrative Aufwand einer Beauftragung ist unvergleichlich geringer als der einer Überlassung. Und, das ist vielleicht der entscheidende Punkt für uns: Es macht einfach viel Spaß, mit selbstständigen, unternehmerisch denkenden Individuen zu arbeiten.

      Wir sehen unsere Aufgaben an der Schnittstelle zwischen einerseits Experten, die sich frei und unabhängig für zeitlich begrenzte Projekte und Konditionen entscheiden und andererseits großen Institutionen, die solche Projekte aufsetzen, staffen und ohne dauerhafte Folgekosten eines fest angestellten Personalkörpers wieder schließen wollen. Diese Art des freien Kontrahierens ist ein unveräußerliches Recht der Sozialen Marktwirtschaft, so wie ich sie kenne und schätze.

      Zwischen freien Experten und den großen Unternehmen mit ihren jeweiligen Interessen gibt es manches zu vermitteln, in erster Linie Aufgaben, Expertisen, einen ordentlichen Rechtsrahmen und einen fairen Ausgleich. Als dedizierter Vermittler von Selbstständigen werden wir keine abhängigen, weisungsgebundene und eingegliederte „Arbeit-Nehmer“ an „Arbeit-Geber“ überlassen.

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      1. Christa Weidner schreibt:

        Ein LIKE von mir für diese Haltung.
        Ich habe es allerdings erlebt, dass eine der Top10 die Ansprechpartner angeschrieben hat mit dem Hinweis: Wir machen jetzt auch ANÜ. Mein Ansprechpartner beim Kunden meinte dann:“Das macht doch für Dich keinen Unterschied.“
        Mir ist mehr und mehr bewusst geworden, dass ausschließlich Angestellte (beim Kunden, beim Einkauf des Kunden, bei der Agentur) darüber entscheiden (wollen), ob wir selbstständig oder als Angestellte eingesetzt werden sollen. Ihnen ist der Unterschied nicht bewusst. Gleichzeitig macht es auch das Problem klar, dass der DRV in die Hände spielt. Dass seeeeehr viele Selbstständige IT-Berater sehr stark in die Organisationen eingebunden sind. Ja es ist so, dass es da oftmals nur ganz geringe Unterschiede gibt.

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  4. Samya Hashish schreibt:

    Lieber Andreas, lieber VGSD,
    super, dass dieses Gespräch stattfindet.
    Ein Thema waere: es kann nicht sein, dass Kunden wie die Deutsche Bank Freelancer einfach fristlos rauswerfen koennen, obwohl man z.B. mit Hays einen Vertrag hat, der besagt, dass z.B. mindestens 7 Werktage betraegt! Als Antwort bekommt man: Die Bank habe sich an keine Fristen zu halten. Hays hat glaub ich 2000 Freelancer dort im Einsatz! Sie setzen sich aber fuer uns NULL ein. Ausserdem kann es nicht sein, dass wenn man einmal mit einem Tagessatz eingestiegen ist, diesen auch nach Jahren (auch wenn man zwischenzeitlich woanders im Einsatz war, und auch fuenfstellige Betraege in die eigene Fortbildung investiert hat!) nicht neu verhandeln kann – sprich ob man eine PMO Stelle hat oder eine Projektleiter-Funktion, spielt keine Rolle! Ich habe z.B. eine Zertifizierung zum Business Coach gemacht und ein neurowissenschaftliches Masterstudium absolviert – durch diese Qualifikation ist es mir quasi nur moeglich das Umfeld in der Finanzbranche zu ‚handlen‘ und mit den Konfliktsituationen professionell umzugehen! Die Qualifikation wird gern genommen – honorieren wollen sie das nicht! Meines Erachtens muessen sich auch diese Personalagenturen fuer uns Freelancer einsetzen! Das ist keine Einbahnstrasse, oder?
    Besten Dank für Eure Bemuehungen! Bin gespannt!
    Viele Gruesse aus Frankfurt!

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    1. Oliver H. Ohly schreibt:

      Dieses spezielle Problem hatte ich auch schon mal mit Hays. Hierfür gibt es zwei Ansatzpunkte:
      1) Die Vertragsgestaltung: Der Vertrag muss „symmetrisch“ sein. Bedeutet: Wenn der EDL nicht einfach aussteigen kann, kann der Vermittler auch nicht fristlos kündigen.
      2) Hält der Recruiter sich nicht an den Vertragstext oder widerspricht der Vertragstext gesetzl. Mindeststandards, dann urteilen die Gerichte IMMER zugunsten des Auftragnehmers im Klagefalle. Will sagen: Hays muss für 1 Woche Abstandszahlung leisten.

      Ich war damals zu nonchalant zum Klagen, da ich schon ein neues weitaus besseres Projekt in petto hatte.

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      1. Pat schreibt:

        Ich bin zum ersten Mal über Hays im Einsatz und muss leider bestätigen, dass Seitens Hays keine Unterstüzung gegeben wird, wenn es um vertragliche Dinge geht. Hays scheint nur die eigene Marge im Blick zu haben. Der Freelancer ist austauschbar (so zumindest die Denke).

        Aber merke: Der Vermittler ist auch austauschbar. Meist ist der Kunde bereit dazu und hat mehrere Agenturen am Laufen! 😉

        Generell hoffe ich, dass wir bald die sinnfreie Tätigkeit des „Vermittelns“ Algorithmen und Maschinen übergeben können. Deren Trefferquote wird höher sein, als das was so manch „gestandene“ Mittler abliefern…

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  5. Simone Mones schreibt:

    Lieber Andreas, lieber VGSD,

    in den letzten 12 Jahren habe ich zu 100% ohne Vermittler gearbeitet. Davor in einer Unternehmensberatung die es mich hat viel kosten lassen (Zeit, Nerven und Geld) selbständig in einem Verbund im Markt aufzutreten.

    Ich habe sehr viel Erfahrung mit Vermittlern jeglicher Art, die für meine Kunden oder bei meinen Kunden tätig waren, auch in Branchen wie Anlagenbau oder Handwerker, Zeitarbeitsfirmen oder Seniorenbetreuung, aber auch Trainings. Als schwierige Themen sehe ich die folgenden:

    Scheinselbständigkeit
    Qualität der Koordination
    Passgenauigkeit des Auftrags
    Transparenz der Kosten/ Margen

    Den Umstand, dass der Dienstleister of als einer unter vielen den man ja nach Belieben auswechseln kann vor Ort behandelt wird, ob Handwerker oder Trainer. Permanente Zufriedenheitsbögen auf der Endverbraucherseite, und permanente Kostenverhandlungen. Wenn einer kommt der billiger ist, wird der bisherige entsorgt. Willkürbeurteilungen wie auf Kreuzfahrten (insbesondere Handwerkern gegenüber). Das im Gegenzug läßt win-win Situationen und langfristig vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen verschwinden.

    Die Vermittlungsinstanzen schwächen die Selbständigkeit. Sie sehen sich als Eigner der Kunden, sie verteilen wer welchen Job bekommt, sie fordern, sie übernehmen manchmal Dienstleistungen für Selbständige die diese besser in der eigenen Hand halten würden, Konditionen gegenüber dem Kunden, eigene Steuererklärung (sic!). Selbständigkeit ist ein Gesamtkonstrukt. Das wird paralysiert durch eine Abhängigkeit.

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  6. Jo schreibt:

    Erst mal großes Lob an den VGSD, dass ihr einen solchen Dialog organisiert.
    Meine Honorare möchte ich als Selbständiger gerne auch weiterhin individuell verhandeln, aber ich finde es gut, dass es Gespräche über grundsätzliche Rahmenbedingungen beim Einsatz über Agenturen gibt. Auch wenn aus dem „geschützten Raum“ veständlicherweise nicht alle Details nach außen dringen können, fände ich es klasse, wenn man mit einigen ToDos und Ideen für Verbesserungen aus dem Gespräch geht und den Dialog nach einiger Zeit fortsetzt.
    Ich werde häufig über solche Agenturen eingesetzt und bin im Großen und Ganzen zufrieden. Ich gönne den Vermittlern auch ihre Provisionen.
    Meine Fragen / Bitten:
    – Es wäre sehr hilfreich, wenn die Agenturen beim Versand ihrer Angebote selektiver vorgehen würden und die Skills der Experten besser berücksichtigen. Es ist erfreulich, wenn man viele Angeobte erhält (wennn man wie ich bei mehreren Agenturen bekannt ist), aber ich erhalte viele Angebote, die einfach nicht passen, z.B. weil ein Angestelltenverhältnis oder eine ANÜ erwünscht ist und ich klar gesagt habe, dass ich das nicht will. Ich sage das dann dem Agentur-Mitarbeiter freundlich, bekomme aber immer wieder Angebote von diesem Unternehmen. Auch was die Anforderunen an Skills betrifft könnte man mit ein wenig mehr Mühe oder einem etwas schlaueren CRM die Zahl der Angebote deutlich reduzieren. Das Ganze grenzt leider schon an „Angebotsspam“ und ich brauche oft bis zu einer Stunde pro Tag um die Spreu vom Weizen zu trennen. Das ist für mich ein echter Kostenfaktor, den die Agenturen bei mir verursachen, statt mir Arbeit abzunehmen.
    – Die Honorare, die in den letzten Jahren erzielbar waren, waren trotz hoher Nachfrage konstant oder sogar leicht rückläufig. Erst in letzer Zeit beobachte ich und mein Umfeld wieder einen kleinen Anstieg. Mich würde interessieren, wie die Agenturen dies wahrnehmen.

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    1. Oliver H. Ohly schreibt:

      Derzeit liegt der durchschnittliche Entgelt merklich höher als vor Jahresfrist oder Zweijahresfrist. Ein Anstieg ist zu konstatieren. Ob das so bleibt, hängt natürlich von der globalen Ökonomie ab und dem Standing der deutschen Automobilindustrie weltweit.
      Die Recruiter spammen tatsächlich gerne, und viele ignorieren die elementarsten Auswahlkriterien: Man erklärt ihnen fünfzig Mal, dass man kein Projekt in Entfernung > 300 km wolle, und beim nächsten Mal kommt wieder was aus Minsk oder Moskau… sehr ärgerlich!
      Ansonsten gibt es aber bessere und schlechtere Recruiter; die guten senden einem Angebote zu, die tatsächlich infrage kommen, zumindest thematisch. Das mit der Geographie müssen die offenbar erst noch lernen… 😉

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  7. Stephan Merkel schreibt:

    Lieber VGSD-Vorstand, toll, dass ihr mal wieder den Stier bei den Hörnern packt!

    Mein Anliegen: Die Vermittler haben oft AGB, mit denen sie uns zu sehr in die Nähe der Beschäftigung rücken. Bestimmungen, dass der Vermittler den Selbstständigen bei entsprechender Statusfeststellung für Sozialversicherungsbeiträge in Anspruch nehmen kann, oder dass ihm keine Vergütung zusteht, wenn er wegen Streik nicht zum Kunden gehen kann, sind inakzeptabel, aber offenbar an der Tagesordnung. Als ich mich beim letzten Mal – im Übrigen erfolgreich – mit Händen und Füßen dagegen gewehrt habe, gab sich mein Vermittler sehr erstaunt.

    Also: Viel Erfolg!

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  8. Ulf schreibt:

    Ich erhalte regelmäßig Angebote von Vermittlern, sowohl von großen und bekannten, aber auch auch von kleinen und weniger bekannten.
    * Manche haben leider keine Ahnung vom Projekt und melden sich, obwohl sie nur EIN Matching zwischen CV und Projektbeschreibung gefunden haben. Die Frage wäre hier, wie die Qualifikation dieser Mitarbeiter und die Qualität des Matching erhöht werden können oder ob sie nicht die Expertise des Selbständigen durch Einbindung in die Diskussion mit dem Kunden genutzt werden könnte.
    * Was mich aber noch viel mehr stört: Typischerweise fordern die Endkunden 100% Präsenz vor Ort, obwohl das nach einer Anlaufphase sachlich oft gar nicht nötig ist. Ich betreue aber noch weitere Kunden und möchte auch zum Schutz des Kunden nur dann vor Ort sein, wenn dies sachlich sinnvoll und notwendig ist. Die Vermittler können die Notwendigkeit einer Präsenz vor Ort selbst i.d.R. nicht beurteilen und beraten den Kunden nicht entsprechend. Ich als Experte erhalte umgekehrt nicht die Möglichkeit, die Anforderungen des Projekts mit ihm direkt zu besprechen. Mir bleibt dann nur, solche Projekte abzulehnen.
    * Ein Thema ist auch die Aushandlung der Honorare: Die meisten Agenturen bieten einen festen Honorarsatz an, den sie durch Abzug ihrer Marge errechnen. Von diesem wollen sie nicht abweichen, obwohl er für mich eine Verschlechterung bedeutet. Warum soll ich von meinem Stundensatz runtergehen, wenn der Vermittler auf seiner Marge besteht?
    * Außerdem finde ich es bei längeren Projekten, zu deren Verlängerung ich durch meine gute Arbeit, Aufzeigen von Bedarfen und Networking beim Kunden entscheidend beitrage, schon etwas dreist, dass die Vermittler dann durchgängig auf einer ungekürzten Marge bestehen. Sie verdienen unter Umständen zwei oder drei Jahre mit, ihr Aufwand ist aber in erster Linie ein einmaliger. Ich wäre deshalb für eine Kürzung der Marge im Zeitablauf.
    Viel Erfolg für das Gespräch und danke für euer Engagement!

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    1. Oliver H. Ohly schreibt:

      Üblicherweise sind Stundensatz bzw. Marge Verhandlungssache.
      Das mit der Anpassung im Langlauffalle sollte man gleich mit in den Vertrag aufnehmen; denn der Vermittler hat ja tatsächlich nur Initialkosten. Der Rest sind turnusmäßige Fixkosten, die kaum ins Gewicht fallen.
      Wenn die Marge hoch ist (Hays nimmt gern 20% vom Brutto), dann wird der Profit mit zunehmender Projektdauer für den Vermittler* immer größer.

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      1. Andreas Lutz schreibt:

        Hallo Oliver, ich habe die mit „*“ markierte Formulierung geändert und in einem anderen Kommentar von dir als entfernt markiert. Bitte bleibe sachlich. Zuspitzungen bringen uns nicht weiter.

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  9. Bernhard schreibt:

    Ich wundere mich, warum nicht mehr remote jobs ausgeschrieben werden. Eventuell auch ganze Projekte: Auftragsbesprechung vor Ort, Umsetzung zu Hause, factory acceptance test und Installation dann wieder vor Ort.
    Das wäre auch eine großartige Möglichkeit, Arbeit in den ländlichen Raum zu bringen, wo -zumindest in einigen Gegenden- erstaunlich viele qualifizierte Leute leben, die oft um die 100km zur Arbeit pendeln.

    Mich würde interessieren, ob bei den Agenturen evtl. Interesse besteht, in dieser Richtung aktiv zu werden.

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  10. Dieter Borchers schreibt:

    Lieber VGSD,

    ich kenne die ganze Problematik aus über 30 Jahren Berufserfahrung. Früher als Angestellter eines großen IT-Herstellers und Systemintegrators, heute als Auftraggeber von rund 50 Freelancern. Damit unser gutes Honorar auch beim Freelancer ankommt, beauftragen wir alle Neuverträge möglichst direkt beim Freelancer. So geht nichts verloren. Gerne bezahlen wir Agenturen eine einmalige Vermittlungsprovision, aber keinen Antel an jeder Stunde für viele Jahre. Aus der Vergangenheit kenne ich unverschämte Margen von ca. 25% pro Arbeitsstunde. Um solche Auswüchse zu unterbinden, sollte das Open-Book-Prinzip Standard werden. D.h. Auftraggeber, Agentur und Freelancer kommunizieren die gezahlten Stundensätze untereinander. Dieses Thema sollte bei dem „offenen Gespräch in München“ diskutiert werden.

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  11. Plus schreibt:

    Bitte sagt den Agenturvertretern, dass Arbeitnehmerüberlassung für uns keine Alternative ist. Ich schreibe jetzt auch nicht über eure Gesprächspartner, sondern über Erfahrungen mit Agenturen allgemein.
    Besonders ärgere ich mich über Angebote mit Hinweisen wie „Bitte nur Kandidaten anbieten, die festangestellt sind oder eine eigene Kapitalgesellschaft mitbringen“ – Ich möchte selbstständig tätig sein. Eine eigene GmbH ist dabei nicht entscheidend und bietet letztlich auch keine Rechtssicherheit, viel wichtiger ist die vertragliche und tatsächliche Ausgestaltung der Zusammenarbeit. Ich arbeite nur noch für Agenturen, die das verstanden haben!
    Es gibt einige Agenturen, deren Checklisten und Verträge sowohl ich als auch mein Rechtsanwalt für verbesserungswürdig halten. Antwort der Mitarbeiter: Auf die Agenturverträge habe ich keinen Einfluss. Es gibt auch andere Beispiele: Mein aktueller Auftraggeber ist auf meine Anmerkungen und Gedanken eingegangen, hat einen Anwalt, den ich auch als Experte zum Thema kenne, drüber schauen lassen und Verbesserungen vorgenommen. (Ich schicke euch dazu weitere Informationen per E-Mail.)
    Dann sind manche Agenturen leider nicht in der Lage mir passende Angebote zuzusenden, die auf mein Profil passen. Da ist man einfach auf einer Mailingliste, die blind an alle Freelancer rausgehauen wird.
    In vielen Agenturen sitzen offenbar junge Leute, die auf Provisionbasis arbeiten – so erlebe ich auf jeden Fall die Qualität von deren Matching. Es wäre wichtig, diese Mitarbeiter inhaltlich und rechtlich besser zu schulen, damit sie wiederum die Endkunden besser beraten können.
    Dann sind die Margen teils extrem hoch, vor allem wenn mehrere Vermittler „in Kette“ tätig sind. Extremfall, aber schon erlebt: Der Kunde zahlt 180 Euro, bei mir kommen 75 Euro an. Und dann meckert der Endkunde über den hohen Preis… Es gibt aber auch andere, die „open bank“ machen, alles offenlegen und teils nur 10 Prozent nehmen.
    Zum Kommentar oben zur Honorarentwicklung: Ich habe nicht das Gefühl, dass die Honorare sinken! 🙂
    Zum Kommentar oben zum Thema 100% beim Kunden: Ich habe in meinen Verträgen freie Ortswahl vereinbart, darauf mache ich auch den Kunden aufmerksam. In meinem Bereich (SAP) ist es Usus von Montag bis Mittwoch oder vielleicht Donnerstag beim Kunden zu sein, die nötige Kommunikation zu erledigen und ansonsten konzentriert von zuhause zu arbeiten. Das ist ja gerade der Vorteil der Selbstständigen, dass die auch mal ruhig und fokussiert zum Arbeiten kommen und nicht ständig in Meetings eingebunden sind.
    Den Vermittlern gönne ich ihren Erfolg, aber ich fände schon gut, wenn die Auftraggeber mehr direkt beauftragen würden. Ich bin in 12 Jahren als Freelancer nur ein mla direkt vom Kunden beauftragt worden.

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    1. Oliver H. Ohly schreibt:

      Große Kunden mögen keine Direktbeauftragung, da sie sonst zu viele Einzelverträge hätten. Statt Hunderte diverser Kontrakte bündeln sie über einen Vermittler. Reduziert Verwaltungsaufwand und mithin Kosten.

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    2. Georg Gschlecht schreibt:

      Ich finde Agenturen sehr wichtig für uns Selbständige. Die Akquise könnte ich alleine trotz eines sehr weit verzweigten Netzwerkes nicht komplett leisten. Wie wichtig muss aber jedr für sich selbst entscheiden. Ausserdem ist das nicht gerae meine Stärke.

      Zum Thema Scheinselbständigkeit möchte ich grundsätzlich anführen, dass es in Deutschland immer noch das Prinzip der Vertragsfreiheit gibt, auch wenn das die DRV nicht wirklich wahr haben möchte. In sozusagen vorauseilendem Gehorsam nun die Freiberufler in die ANÜ halte ich für nicht angebracht. Ich bin vor fast 20 Jahren Unternehmer geworden und bin das immer noch mit Leib und Seele. Und, das will ich auch bleiben.

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  12. Frank Bannert schreibt:

    Lieber Andreas, lieber VGSD,
    super Initiative, ich hoffe, dass ihr was bewirken könnt. Meine Stichpunkte:
    -Transparenz in dem von Vermittlern weiterfakturierten Tagessatz würde eine partnerschaftliche Zusammenarbeit ermöglichen. Die kurzfristige Gewinnmaximierung wie sie Hays und andere betreiben schädigen dem Verhältnis zwischen Freelancer und Endkunden.
    -Projektangebote sind 95% Schrott und klauen sinnlos meine Zeit. Hier muss der Vermittlungsmarkt komplett umdenken.
    -Arbeitnehmerüberlassung oder ähnliches ist keine Option für Freiberufler

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  13. Burkard schreibt:

    Vielen Dank für die Eröffnung dieser äußerst interessanten Diskussion.
    Kurzer Vorspann: In meiner Branche sind wir eher im angelsächsischen Bereich unterwegs. Dies schätze ich sehr und meine Kooperationspartner waren und sind immer sehr fair. Und für Unternehmen aus den USA ist es wohl verständlich, dass sie über eine Vermittlung aus UK oder Irland gehen, um sich Leute vom Kontinent reinzuholen und das soll auch gerne so bleiben (habe mich eh auf diese Seite geschlagen).
    ABER es bleibt die Frage, warum deutsche Unternehmen über die Recruiter aus UK oder Irland gehen. Deshalb zwei Fragen hierzu: 1. Ist es wirklich die Risikovermeidung gegenüber deutschem Sozial- und Arbeitsrecht? 2. Basiert dies wirklich nur auf der Inkompetenz der HR-Abteilungen, die ja nur aus formalrechtlichen Gründen existieren (Vermeidung von Korruptionsverdacht) und von der Sache keine Ahnung haben und die deshalb delegieren müssen?

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  14. G. Hildebrandt schreibt:

    Nachdem die Vermittlung eines Freiberuflers über eine Agentur den Auftraggeber nicht mehr vor den Scheinselbstständigkeit-Folgen schützt stellt sich für mich grundsätzlich die Frage nach dem Sinn der Agenturen:
    – ich erfahre sehr wenig über den Endkunden bevor ich mich verbindlich für das Projekt bewerbe
    – das Vertrags-Verhältnis (Dreieck) ist kompliziert
    – die Agentur-Verträge sind häufig im Interesse der Auftraggeber ausgelegt und benachteiligen Freiberufler
    – Agenturen vertreten nicht unsere Interessen als Freiberufler, weder im öffentlichen Raum noch im konkreten Auftrag
    – die Margen der Agenturen stehen oft in keinem angemessenen Verhältnis zum Aufwand, insbesondere bei langlaufenden Projekten

    Es gibt einen großen Bedarf nach kostenpflichtiger Projekt-Vermittlung zw. Freiberuflern und Auftraggebern.
    Die aktuelle Agentur-Arbeitsweise ist m.E. ein Auslauf-Modell.

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    1. Christa Weidner schreibt:

      Lieber G. Hildebrandt,
      nach wie vor trifft ScheinSe (d.j. Die Feststellung, dass Sozialversicherungspflicht besteht/bestand) den Vertragspartner des Selbstständigen ( = meist die Agentur). Im Fall der verdeckten oder unerlaubten Arbeitnehmerüberlassung (dann entsteht rückwirkend ein Arbeitsverhältnis) immer den Endkunden. Hier zieht die Vorrats-ANÜ-Genehmigung nicht mehr. Die Entscheidung darüber trifft NICHT die DRV. Es liegt auch nicht das Sozialgesetzbuch zugrunde. Beide Sachverhalte werden gerne vermischt (auch ich habe länger gebraucht), bis ich das richtig verstanden hatte.

      Antworten
  15. Gio schreibt:

    Dem Lob an den VGSD für eine solche Veranstaltung schließe ich mich gerne an.
    Meine Haupt-Bauchschmerz-Punkte (z.T. bereits genannt):
    – Qualifikation der Vermittler und Matching: JavaScript und Java sind verschiedene Sprachen
    – Transparenz der Margen: Einige Vermittler betreiben bereits „Open Book“, von anderen weiß ich aus zuverlässiger Quelle, dass auch schon mal 40% aufgeschlagen wurden. Ich halte eine Marge von 10-20% je nach Aufwand für vertretbar, alles, was darüber liegt, finde ich unanständig.
    – Abwerbe-Klauseln und Wettbewerbsverbote sind aus Sicht der Vermittler offenbar notwendig, aber nach einem 2-monatigen Projekt 2 Jahre Sperrfrist (zusätzlich sogar noch für alle anderen Tochter-Firmen eines übergeordneten Konzerns) zu verhängen, ist m.E. sittenwidrig.
    – Ketten-Vermittlungen sind per se schon grenzwertig (soweit ich weiß, in der Schweiz sogar verboten). Wettbewerbs-Verbote über die gesamte Kette der beteiligten Firmen geradezu absurd.
    – Unerfahrene Freelancer denken vielleicht, sie müssen einen Vertrag so unterschreiben, wie er vom Vermittler vorgegeben wird (Stichwort: Augenhöhe). Vielleicht könnte der VGSD mal gemeinsam eine Liste mit den übelsten Klauseln aus der Praxis inklusive juristischer Einordnung zusammenstellen. Wenn ich als Freelancer weiß, dass manche Bedingungen eines Vermittlers nicht BGB-konform sind, kann ich zumindest entscheiden, ob ich sie vor der Unterzeichnung streichen lasse oder sie einfach stillschweigend ignoriere, um den Vertragsabschluss nicht zu gefährden.

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    1. Oliver H. Ohly schreibt:

      „Abwerbe-Klauseln und Wettbewerbsverbote sind aus Sicht der Vermittler offenbar notwendig, aber nach einem 2-monatigen Projekt 2 Jahre Sperrfrist (zusätzlich sogar noch für alle anderen Tochter-Firmen eines übergeordneten Konzerns) zu verhängen, ist m.E. sittenwidrig.“

      Die sind nicht nur sittenwidrig, die sind rechtlich NICHTIG! Das kann man getrost ignorieren; es sei denn, der Auftraggeber hat eine adäquate Karenzentschädigung schriftlich vereinbart. Hab ich bislang noch nie gesehen, war demzufolge immer nichtig.

      Hier das einschlägige Urteil:
      OLG Düsseldorf bestätigt Unwirksamkeit von Wettbewerbsverboten für Freiberufler

      Mit seiner Entscheidung vom 09.09.2004 (Az. I 6 U 38/04) bestätigt das OLG (Oberlandesgericht) Düsseldorf das Urteil des LG (Landgericht) Düsseldorf vom 10.05.2004 (Az. 3 O 135/03) und damit erneut die Unwirksamkeit von Wettbewerbsverboten ohne Karenzentschädigung für Freiberufler. Demnach ist ein Wettbewerbsverbot nur dann für Freiberufler verbindlich, wenn gemäß § 74 Abs. 2 HGB (Handelsgesetzbuch) vertraglich eine Entschädigungszahlung vorgesehen ist .

      Antworten
  16. Sabine Mahr schreibt:

    Hallo Andreas und Max,

    eine sehr gute Initiative! In den Kommentaren sind diverse Punkte angesprochen worden, die mich ebenfalls stören, aber einer noch nicht: Warum versuchen viele Vermittler, die Haftung komplett auf den Freelancer abzuwälzen?

    Ich habe den Eindruck, dass vielen Kolleginnen und Kollegen nicht bewusst ist, dass ein Satz der Art „Es gilt die gesetzliche Haftung“, den ich in einigen Vermittlerverträgen gesehen habe, bedeutet: Du haftest für jeden Fehler, egal ob grobe oder nur leichte Fahrlässigkeit, und zwar ohne monetäre Obergrenze – im schlechtesten Fall kann also z.B. das Eigenheim weg sein. Offensichtlich bestehen auch gewaltige Missverständnisse über die Funktion von unterzeichneten Stundenzetteln und beglichenen Rechnungen – nein, die sind nicht haftungsbefreiend …

    In den letzten Monaten habe ich es von Vermittlerseite mehrfach erlebt, dass man meine Haftung unbegrenzt halten wollte, statt sie für leichte Fahrlässigkeit auf die Deckungssummen aus meiner Berufshaftpflichtversicherung zu beschränken. In einem Fall – mit einem sehr lukrativen Stundensatz – half nicht einmal mein Angebot, meine Deckungssummen bis zu denen des Vermittlers zu erhöhen, sofern sich das noch gerechnet hätte. Wie mir zufällig durch eine andere Anfrage dessselben Vermittlers bekannt wurde, hatte man offensichtlich dem Endkunden gegenüber die unbegrenzte Haftung akzeptiert, weshalb man sie im Vertragsverhältnis mit dem Freelancer nicht einschränken wollte und im Haftungsfall ggf. den Differenzbetrag hätte zahlen müssen. Deswegen haben mehr als vier Wochen Verhandlungen mit der Leiterin der Rechtsabteilung des Vermittlers zu keinem Ergebnis geführt – das Projekt wurde nicht meines.

    In einem anderen Fall hatte der Endkunde mit dem Vermittler einen Werkvertrag vereinbart (in meiner Branche Technische Dokumentation ist das zumindest über Vermittler nicht üblich, da arbeitet man eher mit Dienstverträgen), der vom Vermittler an den Freelancer 1:1 durchgereicht werden sollte. So etwas kann aus zwei Gründen nicht funktionieren: 1. Wenn der Vermittler keine Fachkompetenz auf dem angebotenen Arbeitsgebiet hat, kann er das Arbeitsergebnis nicht korrekt bewerten, was zu Problemen bei der Abnahme führen könnte. 2. Es wurde vorher mein Stundensatz für eine Dienstleistung angefragt. Der liegt naturgemäß um einiges niedriger als beim Werkvertrag, bei dem ich in die Haftung für die Korrektheit und Vollständigkeit meiner Leistung gehe. Deshalb schließe ich Werkverträge grundsätzlich nur mit Endkunden ab, die dann – normalerweise – auch beurteilen können, ob das Werk dem Stand der Technik entspricht.

    Fazit: Ich empfehler jeder Kollegin und jedem Kollegen, die von Vermittlern angebotenen Verträge sehr genau anwaltlich prüfen zu lassen, vor allem in bezug auf Haftungsfragen (und auch Zahlungsmodalitäten). Da erlebt man manchmal sein blaues Wunder, was bestimmte Klauseln bedeuten! Und, zuguterletzt: Wer den Passus zur Haftung komplett vom Vermittler rausnehmen lässt, ist nicht von der Haftung befreit, sondern haftet ganz im Gegenteil nach den gesetzlichen Bestimmungen (siehe oben), also voll!

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  17. Karin Schroeder schreibt:

    Generell würde auch ich von Vermittlern erwarten, dass Sie sich um die von Ihnen vermittelten Freiberufler kümmern, dass sie darauf Wert legen, dass Erfahrung honoriert wird und entsprechende Stundensätze auch gegenüber dem Auftraggeber durchsetzen (hier speziell Hays im Bereich klinische Forschung).
    Des Weiteren würde ich auch begrüßen, dass man sich um Folgeprojekte für den Freiberufler einsetzt, also dass hier mal eine Zusammenarbeit angestrebt wird, die den Namen auch verdient.
    Meist haben auch die Vermittler von den Anforderungen für die Projekte keine Ahnung – sind fachfremd was zu unnötigen Diskussionen führt.
    Zudem sollten Sie die Unternehmen dahingehend „schulen“, dass Freiberufler nicht gleich Freiberufler im Sinne der Scheinselbständigkeit ist (GmbH und GbR sind in der Regel keine Scheinselbständigen)
    Auch sollten die Verträge angepasst werden. Z.B. im Falle wenn ein entsprechend gebuchtes Zeitkontingent auf Dauer nicht abgerufen wird etc.

    Antworten
  18. Joachim Mutter schreibt:

    Hallo Andreas,

    ich habe immer öfter den Eindruck, dass man bei den Agenturen meint, wir sind lediglich ein Werkzeug, dass man ohne mit der Wimper zu zucken austauschen kann.
    Zum einen sollten sich die Agenturen darüber klar sein, dass wir ihr Kapital sind und man damit pfleglich umgehen sollte, sonst ist es nämlich weg. Und zum anderen würde ich mir mehr Professionalität bei der Auswahl der Anfragen wünschen, ich schätze mal das mindestens 30-40% nicht wirklich recherchiert sind, sondern per automatischer Schlagwortsuche verschickt werden.
    Immer häufiger passiert es auch, dass ich bei Anfragen Interesse äußere aber zum entsprechenden Zeitpunkt (meist ist es ja ASAP) nicht gleich kann, was ich so auch kommuniziere aber noch nicht mal eine Antwort zurückerhalte. Das verstärkt meine Einschätzung, dass diese Mails automatisiert erstellt werden und die Agenten so viele Mails am Laufen haben, das man sich um solche Lappalien schlicht nicht kümmern muss.
    Das ist in meinen Augen wenig professionell, hat mit Klienten Bindung nichts zu tun und ich packe solche Agenturen in die SPAM Liste, sofern das mehrmals passiert.
    Was ich noch viel nerviger finde, passiert häufig bei ausländischen Agenturen aus UK, dass die einem einfach ungefragt anrufen statt einen Termin zu vereinbaren, ich persönlich finde das unmöglich.

    Antworten
  19. Peter Axt schreibt:

    Hallo Andreas,

    nach meiner langjährigen Erfahrung im Bereich Unternehmensberatung nutzen die Agenturen in erster Line den Zugang zum Endkunden, da die Einkaufsabteilungen größerer Organisationen und Konzerne, die Auswahl von Selbständigen nicht mehr eingeständig durchführen wollen. Warum auch? Schließlich bezahlt der Selbständige die Marge mit der Reduktion seines Stundensatzes. Das erklärt offenbar auch die steigende Anzahl an Vermittlern und Agenturen, da unzählige Firmen und Organisationen ihre Dienstleiser mit mehr oder weniger unspezifischen Personal-Anforderungen quasi kostenfrei beschäftigen.
    Zudem ist die Qualität, insbesondere der Erstansprache durch unerfahrene Mitarbeiter, für die Agentur und den Selbständigen häufig unbefriedigend und nicht zielführend. Oftmals gibt es auf Seiten der Agentur erhebliche Verständnismängel in Bezug auf die Organisationsstruktur, Geschäftsprozesse und den tatsächlichen Bedarf des (End-) Kunden.
    Leider konnte ich bisher nur ganz wenige Vermittler ausmachen, die im Rahmen der Kandidatenauswahl einen wirklichen Mehrwert für Ihren Kunden erbracht haben. Der (End-) Kunde hätte den selbständigen Mitarbeiter durch eine einfache Suche in den einschlägigen Business-Netzwerken oftmals selbst finden können.

    Antworten
    1. oneProgrammer schreibt:

      Peter das wirkt heute so. 2003 oder 2004 hatte mein damiliger Chef viele Freiberufler einer Abteilung der Post fuer wenige Monate uebernommen. Die Post hatte nur auf die neue Gesetztgebung der Scheinselbstaendigkeit reagiert. Wollen und koennen, die Agenturen in einem so schnell liebigen Markt ueberhaupt einen festen Personalbestand aufbauen. Die wenigsten Agenturen beschaeftigen sich mit neuen Entwicklungen. Die Agenturen reagieren meisten nur asap auf die Anforderungen ihrer Kunden.
      .
      Die Agenturen sind das Resultat der Politik, die Post hatte z.B. selber Mitarbeiter die dies verwaltetet und Erfahrungen im Umgang mit Freiberuflern. Haftungsrecht, Scheinselbstaendigkeit haben die Agenturen so maechtig gemacht. Das Problem sind nicht die Agenturen, dass Problem. Es ist die Politik die seit 2000 nicht versteht wie Softwareentwicklung funktioniert.
      .
      Wir werden die Digitalisierung gegenueber China verlieren, wenn nicht bald ein Umdenken erfolgt. Vorallem die Gewerkschaften und deren nahen Politiker die noch in rauchenden Fabriken und Stempleuhren denken sind hier ein grosses Hinderniss. Es ist sind nur einige Fluege von Linken und SPD der Verdi Chef Frank Bsirske ist bei den Gruenen. Dabei nennt fast jede Partei digital wohl tausendfach am Tag. Die Union sollte in Punkto Rechtssicherheit endlich mal lieferen.

      Antworten
  20. Oliver H. Ohly schreibt:

    Ich hätte gerne folgenden Topic besprochen:
    Wenn man ein neues Projekt bei einem neuen Kunden acquiriert, den „[entfernt*]“ (aka Vermittler, Personaldienstleister) aber behält – wie kann man verhindern, dass die DRV eine arbeitnehmerähnliche Abhängigkeit unterstellt? Der Wechsel des Kunden ist ja nach außen hin nicht sichtbar (Rechnungswesen).

    Antworten
    1. Andreas Lutz schreibt:

      Hallo Oliver, ich habe die mit „*“ markierte Formulierung entfernt. Bitte bleibe sachlich. Zuspitzungen bringen uns nicht weiter.

      Antworten
      1. Antworten
    2. Christa Weidner schreibt:

      Hallo Oliver, das ist kein Thema für den Dialog. Wenn der Rechnungsempfänger (Debitor) in Deiner Buchhaltung ein und derselbe ist, dann gilt das erst einmal als ein Kunde. Bei einem Umsatz von mehr als 5/6 mit diesem Kunden p. a. und keinem sozialversicherungspflichtigen Angestellten, läufst Du Gefahr rentenversicherungspflichtig (im Sinne der arbeitnehmerähnlichen Selbstständigkeit) zu sein.
      LG,
      Christa

      Antworten
      1. Oliver H. Ohly schreibt:

        Ja, das ist arbeitnehmerähnliche Selbständigkeit nach § 2 Nr. 9 SGB VI – aber keine Scheinselbständigkeit. Die bezieht sich auf das Dienstleistungsverhältnis zum Kunden, bei dem (für den) die Erfüllung der Leistung erbracht wird.

        Antworten
  21. tim schreibt:

    Seit 01.01.2018 gibt es den Architekten- und Ingenieurvertrag 650p BGB. Vielleicht lässt sich ein solcher Typ auf andere Gruppen erweitern. Alte Berufsstände wie Juristen, Bauingenieure u. Architekten, Steuerberater geniesen hinsichtlich der Scheinselbständigkeit einen wesentlich bessern Schutz als die neuen Branchen.
    https://dejure.org/gesetze/BGB/650p.html

    Antworten
    1. Dirk schreibt:

      Hallo,

      https://dejure.org/gesetze/BGB/650p.html
      ist ein Untertyp des Werkvertrags. Bei IT-Beratungsleistungen lassen sich meistens im Voraus keine genauen Abnahmekriterien definieren, so dass eher ein Untertyp des Dienstvertrags wie der Behandlungsvertrag
      https://dejure.org/gesetze/BGB/630a.html
      passender wäre.
      Die Annahme der DRV Bund, dass echte Selbstständige natürlich nur Werkverträge machen, dürfte nach dem BSG-Urteil vom 31.03.2017 keine Grundlage mehr haben.

      Viele Grüße Dirk

      Antworten
  22. Petra A. schreibt:

    Großes Lob an den VSGD für diese Initiative, aber ebenso auch an die Agenturen (!), weil sie sich auf ein solches Gespräch und die damit verbundene Diskussion einlassen, bei der ja naturgemäß hauptsächlich negative Punkte angeführt werden. Die Kritikpunkte finde ich auch schon recht vollständig aufgelistet, das wären auch für mich die wichtigsten Agendapunkte.
    Manche Kritik mag sich auch nicht auf die Anwesenden, sondern eher auf die schwarzen Schafe der Branche beziehen. Das heißt jetzt aber nicht, dass die Kritikpunkte nicht berechtigt wäre. Die Vermittler, die ihr für das Gespräch gwonnen habt, sind derartige Schwergewichte, dass da schon auch mal was schief geht. Ist ja dann immer die Frage, wie schnell man etwas daraus lernt. Die Bereitschaft zum Dialog, sich erklären und zuhören ist da natürlich positiv!
    Ich arbeite seit Jahren mit zwei Vermittlern zusammen und für mich hat sich mit ihnen eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickelt. Ich habe akzeptiert, dass bestimmte Kunden nicht direkt beauftragen wollen und dafür bereit sind einen ordentlichen Aufpreis zu bezahlen.
    Bei meinen Vermittlern habe ich auch feste Ansprechpartner und die Fluktuation ist nicht so hoch, da lohnt es sich, auch ein wenig in das Verhältnis mit ihnen zu investieren.
    Die Vermittler, die mich mit unpassenden Angeboten zuspammen, verschiebe ich übrigens so wie Kommentator vor mir in den Spamordner bzw. habe mich von ihrem Verteiler wieder streichen lassen.
    Ich wünsche euch ein kostruktives, ergebnisreiches Gespräch!

    Antworten
  23. Francis schreibt:

    Herzlichen Dank an den VSGD, dass Ihr diesen Thema aufnimmt!

    Ich möchte erstmal unterscheiden zwischen Vermittlern und Vermittlerplattformen.
    Bei Vermittler ist der Freelancer tatsächlich Austauschware, der billigste bekommt den Auftrag. Was mich besonders stört ist:
    a) keine Transparenz bezüglich der Marge, die beim Vermittler bleibt, und der Endpreis für den Freelancer wird schamlos nach unten gedrückt
    b) es werden immer häufige All-Inc Preise verlangt, d.h. der Freelancer trägt seine Kosten selbst – darf aber in keinster Weise mitbestimmen, wie viele Tage vor Ort beim Kunde sinnvoll sind.
    c) der Freelancer wird nicht in die Verhandlung mit dem Kunde involviert, das läuft alles über den Vermittler. Man hat keine Mitsprache.

    Was Vermittlerplattformen angeht (ich weiß nicht, ob diese auch in der Initiative vertreten sind), so sind sie oft bei der Transparenz bedeutend besser, allerdings ist es so, dass die Auswahl der Freelancer fast nur per Algorhythmus stattfindet und mein Eindruck ist, dass die vielen „Relations Manager“, einfach nur den Algorhythymus verwalten!

    Ich bin gespannt, was aus den Gesprächen rauskommt und wünsche Euch viel Erfolg!

    Antworten
  24. Vincent Steger schreibt:

    Lieber Andreas, lieber VGSD,
    viele Dinge die mich zu diesem Thema bewegen wurden bereits in den Kommentaren erwähnt.
    Mich stören 2 Dinge an denen wir Freelancer nichts ändern können:
    1. Viele Konzernkunden lassen ausschließlich ein bis max. drei sog. „Preferred Supplier“ zu. Kommt man über einen Vermittler/Dienstleister der nicht zu dem erlauchten Kreis gehört, befindet man bereits zwangsläufig in einem Kettengeschäft, wenn man für den Endkunden tätig werden möchte. Dies bedeutet aber einen entsprechend redzuierten Stundensatz, da zwei Unternehmen an meiner Arbeit mitverdienen und das auch bei extrem langfristigen Projekten.
    2. Ich wünsche mir von den Vermittlern eine ehrliche Angabe zur Marge im persönlichen Gespräch. Ich halte eine Marge von 15-20% für OK. Alles darüber ist speziell bei langfristigen Projekten und der x.ten Verlängerung unanständig. Kettengeschäfte aufgrund von Vorgaben der Endkunden sind manchmal unvermeidbar. Hier sollte aber der Preferred Supplier dann auf max. 10% herunter.
    Viel Erfolg und gute Gespräche!

    Antworten
  25. Christian Menke schreibt:

    Hallo Andreas, hallo Max,

    für mich als (Nicht-IT) Berater und Interim Manager (kurz IM) Finance sind zwei Themengebiete ganz besonders wichtig:

    a) Nützlichkeit/Werthaltigkeit der Marge :
    Der IM muss neben den Tatsache, dass der Vermittler „geleistet“ ist bei den Unternehmen, nicht nur in Konzernen inzwischen, einen Nutzen haben, d.h. passgenaue Anfragen, sinnvolle Kommunikation und Wertschätzung nicht nur gegenüber dem Kunden, sondern auch gegenüber dem IM. Gemeinsames Interesse, den Auftrag in time und on budget zu erfüllen und/oder rechtzeitige Kommunikation falls Verlängerung des Engagements in Frage kommt. Gerade dahingehend hatte ich kürzlich mit bestimmten Personen bei H*** nicht passende Verhaltensweisen. Dies ist aber häufig von einzelnen Personen abhängig, einige verstehen das Geschäft wirklich, andere nicht oder sind noch zu „grün“, manchmal viel zu sehr.

    Honorar „all-in“ : zunehmend werden Honorar-Angebote einschließlich aller Spesen angefragt, abgesehen davon dass dies in der Regel nicht sonderlich kostensenkend wirkt (z.B. bei Hotelkosten), rechnen die Provider ihre Marge ggf. auf den „all-in“ preis, das halte ich für unangemessen und wirkt sich regelmäßig durch Preis-Druck auf den IM aus! Aus den notwendigen Spesen sollte keiner der drei Beteiligten einen Gewinnanteil ziehen oder ein Risiko haben.

    b) Vertragliches:

    Christa weiss ja bestens Bescheid in Richtung Scheinselbstständigkeit, es ist prima, dass sie dabei ist. Eher offen bleibt bei meinem Geschäftsmodell, das neben beratenden Aufträgen und Projektaufträgen vor allem auch die Vakanz-Überbrückung als Linienmanager vorsieht, aber die Frage wie im Falle der Beauftragung als Manager in der Linie oder bei Restrukturierung/Sanierung vertraglich und tatsächlich eine ggf. schädliche „Einbindung in den Geschäftsbetrieb“ vermieden werden kann. Grundsätze sind bekannt, aber wie kann dies gemeinsam von Kunde, Vermittler und IM gestaltet oder vertraglich abgesichert werden (best practises) oder ist das Interim Management in der Linie durch die Vorgaben zur Scheinselbstständigkeit zum Tode verurteilt?

    Vertragliche Klauseln sollten stets eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe repräsentieren und nicht nur Tagträume einer Rechtsabteilung beinhalten. Ich nehme als Beispiel mal H***, die aus guten internen Gründen kürzlich viel Druck auf die IM’s machten, dass diese der Abrechnung nach Gutschriftsverfahren zustimmten. Grundsätzlich Nichts dagegen zu sagen und es läuft auch gut, ich habe aber in meinen Verträgen darauf bestanden, dass diese Regelung jederzeit von mir widerrufen werden kann, falls z.B. der Prozess terminlich hakt oder ich einen anderen guten Grund habe – diese Regelung kann immer nur freiwillig sein! Ich denke aber, dass viele KollegInnen eingeschüchtert auf so etwas reagiert haben und sich in unangemessene Abhängigkeit begeben.

    Hinsichtlich des Themas lange Zahlungsziele/Zahlungsvereinbarungen habt ihr sicher Einiges im Köcher, H*** z.B. vereinbart ja gerne bei kürzeren Zahlungszielen Skonti, was ich im Dienstleistungsbereich eigentlich für unüblich halte, aber das muss letztlich jeder IM selbstständig kalkulieren :-).

    Einseitig den Vermittler oder Kunden begünstigende Klauseln sollten grundsätzlich nicht in den Verträgen auftauchen. *** hat z.B. als Standard-Vertragsbestandteil seit Kurzem eine zu Gunsten *** einseitige Option zur Verlängerung, die ich vollständig wegverhandelt habe. Auf so einen Blödsinn kann auch nur ein Jurist kommen, akzeptabel sind Einseitigkeiten dem Grunde nach nicht.

    Herzliche Grüße

    Christian

    Antworten
    1. Antworten
  26. Nerd42 schreibt:

    Meinen Dank an den VGSD für diese super Aktion. Bei all den Diskussionen über
    Auftraggeber und Agenturen, dürfen wir nicht vergessen in welchen Märkten diese tätig
    sind. Es herrscht Kostendruck, in Deutschland eine sehr regulative Politik bei der
    Beschäftigung von externen Kräften.
    .
    Welchen Weg würdet Ihr als Manager einer Agentur oder eines Auftraggebers gehen? Die
    Strafen für Fehler in der Scheinselbstständigkeit sind keine Bagatelle mehr. Das Konzerne an
    der Stelle nur mit wenigen Agenturen arbeiten, die Standards verlässlich erfüllen ist
    verständlich. Die Verantwortlichen selbst, können mit Fehlern sich strafrechtlich sowie
    zivilrechtlichen Schadenersatzforderungen ihr Leben und ihre Karriere zerstören. Generelle
    Forderungen nach Transparenz der Margen halte ich für falsch. Wenn Agenturen ihre Kostensturktur transperent veröffentlichen, verlieren sie Wettbewerbsvorteile. Vor allem bei gefragten
    Themen, hat der Wettbewerb bei mir immer für Transparenz und entsprechenden
    Erhöhungen gesorgt. Es gehört zur Selbständigkeit den Markt zu beobachten und seinen individuellen Preis zuerwirtschaften. Was nützt eine effeziente Agentur mit 5% Aufschlag, wenn diese 10 Euro unter dem durchschnitltichen Stundenlohn zahlt?
    .
    Zur Augenhöhe gehört unser Verständnis der anderen. Natürlich hoffe ich, dass die
    Agenturen und Auftraggeber verstehen das wir mehr sind als Schachfiguren. Die Agenturen
    die dies nicht verstehen, werden ihren Bestand an Freiberuflern verlieren. Entweder durch
    Abwanderung in andere Länder oder zu innovativen Softwarefirmen mit Produktvisionen.
    Selbst eine Anstellung im vielleicht langweiligeren öffentlichen Dienst, ist allemal besser als
    ein deutscher IT-Wanderarbeit in ANÜ, Zeit- oder Leiarbeit zu sein. Flexibilität und permanentes
    Lernen ist Teil meines Angebotes als selbständiger Dienstleister. Wenn dies der Markt oder
    der Staat nicht mehr amortisieren lässt, so what dann werden wir die Werkbank Asiens.
    .
    Das wichtigste Thema ist die Rechtsicherheit. Ein Vertragsstandard hilft bei der Orientierung.
    Jedoch werden die Akteure je nach Marktmacht davon abweichen wollen. Habe es immer in
    meinen Nischen versucht und meistens durchgesetzt. Letztendlich macht dies die
    Selbstständigkeit gegenüber Angestellten aus. Was in der Gesellschaft fehlt ist ein positives
    Bild von Selbständigkeit und der Softwareentwicklung. Deutschland ist immer noch ein Land
    der Produktionsunternehmer und Beamten. Was bei der letzten Rede von Martin Schulz
    (SPD) nochmal allzu deutlich wurde.

    Antworten
  27. Volker Stute schreibt:

    Hallo Andreas und Max,

    vielen Dank für Eure Initiative.

    Viele der oben genannten Kommentare sprechen mir aus der Seele.

    Einen Punkt vermisse ich jedoch bei allen (fast) Agenturen:
    Die Agenturen erhalten konkrete Anfragen mit bereits vordefinierten Lösungsansätzen, die sie dann an Freelancer weiterreichen. Häufig ist es so, dass zwar ein Matching zu meinem Expertenprofil besteht, ab nur rund 25% meiner Expertisen abgerufen werden. Tatsächlich könnte ich den Endkunden mit meinem Gesamtwissen deutlich effektiver helfen. Das heißt, was fehlt ist der „umgekehrte Weg“, bei dem Agenturen die komplexen und einzigartigen Profile der Freelancer bei den Endkunden so vermarkten, dass die Aufgabenstellung noch relativ offen ist, und der Freelancer (die Freelancerin) dem Endkunden gesamthafter und in einer komplexeren Art und Weise helfen kann.
    Ich habe es bisher immerhin einmal erlebt, dass eine Recruiterin von Hays erkannt hat, dass ich dem Endkunden einen deutlich höheren Nutzen bringen könnte als in der Projektausschreibung beschrieben. Und sie hat den Endkunden davon überzeugt. Das fand ich schon sehr positiv, ist aber schon eine Weile her (und die Recruiterin hat inzwischen den Job gewechselt), und ich habe das Gefühl, dass die vielen Junior Recruiter dazu nicht in der Lage sind. Die vielen Recruiter aus UK, die für Endkunden in D suchen, sowieso nicht.

    Noch eine Anmerkung an viele Kommentatoren, die sich über unangemessene Vertragswerke bescheren:
    Häufig mache ich es so, dass ich aus meiner Sicht unbequeme Regeln mit einem Aufpreis versehe, z.B. Anwesenheitspflicht kostet 25% Aufpreis, ANÜ kostet 100% Aufpreis, unentgeltliche Überstunden kosten 25% Aufpreis pro Stunde, etc… Alternativ kann man unangemessene Verträge auch einfach ablehnen.
    Viele Grüße,
    Volker

    Antworten
  28. Centa Hollweck schreibt:

    Hallo Max,
    vieles was ich eben gelesen habe, spricht mir aus der Seele. Danke für Eure Initiative. Ob sich was ändern wird, ist fraglich. Aber die Hoffnung stibt zuletzt!
    Ich bin seit über 15 Jahre selbständig, nicht in der IT-Branche. Es gibt andere Branchen, die vor 20-25 Jahren extrem den Bestand eigener Experten abgebaut haben und nun händeringend diese wieder suchen, aber nur noch als externe Consultant. Die Pharma- und Medizinproduktesparte ist dafür ein gutes Beispiel. Viele Gesetzesänderungen und internationale Regulierungen erfordern hohen Aufwand mit viel Expertise. Und natürlich arbeiten diese überwiegend mit Providern zusammen. Ist ja erstmal keine negative Sache. Aber hierzu kann ich den vielen Vorkommentatoren voll zustimmen. Diese stehen nur selten auf unserer Seite und es fehlt absolut die Bereitschaft sich mit den Fachthemen auseinander zusetzen. Es geht nur um möglichst viele Berater in der Datenbank zu haben, die meist auch extrem schlecht gepfegt ist. Man wird ständig angerufen, obwohl man um email-Ansprache gebeten hat und den Kollegen mehrmals mitgeteilt hat, dass man nicht verfügbar ist oder dieses oder jenes Fachgebiet nicht macht oder machen kann. Ignaoranz hoch 3!
    Ich bin froh, dass ich viele meiner Projekte inzwischen direkt durch das eigene Netzwerk bekommen und mich nicht mehr ständig ärgern muss.
    Natürlich gib es die eine oder andere Ausnahme bei den Provider, dazu gehören aber aus meiner Sicht nicht die Markführer oder die sich gerne als solche bezeichnen.
    Viele Grüße und ein gutes Gespräch am 24.04. in Müchen!
    Centa

    Antworten
    1. Oliver H. Ohly schreibt:

      „Man wird ständig angerufen, obwohl man um email-Ansprache gebeten hat und den Kollegen mehrmals mitgeteilt hat, dass man nicht verfügbar ist oder dieses oder jenes Fachgebiet nicht macht oder machen kann. Ignoranz hoch 3!“
      Vielen Dank für diesen Punkt – ich habe das weiter oben nochmal an prominenter Stelle untergebracht.

      Antworten
      1. Antworten
  29. Hendrik schreibt:

    Lieber VGSD,

    in aller Kürze und ohne die anderen Beiträge studiert zu haben (leider keine Zeit): ich fände sauber, mit dem Auftraggeber direkt einen Vertrag zu schließen und an den Vermittler eine Provision auf Rechnung zu zahlen.

    Dabei könnte für den Auftraggeber nachteilig und damit ein Hinderungsgrund sein, dass er sich mit verschiedenen Vertragswerken usw. beschäftigen muss. Vermittler könnten diese standardisieren und bei der Verwaltung helfen. Die Kosten dafür wären über die Provision abgedeckt.

    Auf diese Weise habe ich meinen eigenen Kunden und bin frei im Umgang mit ihm. Meinen Dank für die Vermittlung drücke ich sauber über die Provision aus. Alles anderes scheint mir ein verkapptes Angestelltenverhältnis mit einer Zeitarbeitfirma zu sein.

    Viel Erfolg bei eurem Besprechungen, viele Grüße
    Hendrik

    Antworten
    1. Oliver H. Ohly schreibt:

      Ja, verbunden mit dem Damoklesschwert der arbeitnehmerähnlichen Selbständigkeit nach § 2 Nr. 9 SGB VI.

      Antworten
  30. Andreas Lutz schreibt:

    Vielen Dank an dieser Stelle für euer detailliertes Feedback in den 50 bisherigen Kommentaren. Im Rahmen der Terminvorbereitung bin ich alle Kommentare duchgegangen und habe folgende Agendapunkte abgeleitet:
    .
    A. Honorare und Margen
    – Honorarentwicklung
    – Fehlende Flexibilität beim Verhandeln von Honoraren
    – Angemessene Höhe der Marge
    – … auch in Relation zur Einsatzdauer
    – Kettenbeauftragung
    – Keine Margen auf Reisekosten
    – Transparenz der Marge (Open-Book-Prinzip)
    – Was leisten Agenturen, worin bestet ihr Mehrwert?
    – Profitieren Agenturen von Rechtsunsicherheit?
    B. Gezieltes Matching, kompetente und wertschätzender Vermittlung
    – Angebots-Spam
    – Qualifikation der Agenturmitarbeiter
    – Können sie mich adäqat verkaufen? / Chancen bleiben ungenutzt
    – Setzen sie sich ausreichend für mich ein?
    – Vertreten Agenture nur Kundeninteressen oder auch die der Freelancer?
    – Werden wir als austauschbare Ressource behandelt?
    – Wertschätzender Umgang – auch als Voraussetzung für Erfolg der Agentur
    C. Rechtssichere und faire Veträge sowie Einsatzpraxis
    – ANÜ ist keine Alternative
    – AGB
    – Freie Wahl des Arbeitsortes
    – Kunden, die sich durch Gestaltungen schützen wollen
    – Wettbewerbsklauseln
    – Haftungsgrenzen
    – Aktualisierung von Vertägen
    – Zahlungsziele und -vereinbarungen
    – Symmetrische Regelungen / gleiches Recht für alle
    – Fragen und Vorschläge zu einzelnen Themen
    D. Sonstige Fragen (von mir ergänzt)
    – Code of conduct der ADESW / Ombudsmann
    – Next steps
    .
    Fehlt hier noch ein wichtiger Punkt komplett?

    Antworten
    1. Oliver H. Ohly schreibt:

      Mir fiel noch ein wichtiger Punkt ein, den ich zuvor leider zu erwähnen vergaß:
      Die meisten Recruiter praktizieren Initialkontakt per Telefon, was dazu führt, dass man täglich ein halbes Dutzend Anrufe bekommt. Die anzunehmen hat man in der Regel keine Zeit, es bleibt aber lästig.
      Es sollte ALLEN Recruitern ans Herz gelegt werden, die initiale Ansprache schriftlich – also via LinkedIn, Xing oder eMail vorzunehmen. Das erleichtert die Vorauswahl und spart Zeit und Nerven.

      Es drängt sich der Eindruck auf, dass Headhunter als Telefonisten trainiert werden. Diese Praxis sollte modifiziert werden.

      Antworten
  31. Benedikt schreibt:

    Ich bin als Interim Manager unterwegs und kann vieles von dem, was hier bemängelt wird, nicht nachvollziehen (kein Mitspracherecht, keine Transparenz der Beteiligten o.ä.)

    Viele der hier beschriebenen Probleme habe ich glaub ich deshalb nicht, weil ich mich als unabhängiger Unternehmer betrachte und auch selbstbewusst als solcher auftrete (u.a. als jur. Person mit AGBs statt Einzelverträgen und selbstverständlich übernehme ich die Haftung für mein Tun).

    Auf Augenhöhe mit meinen Auftraggebern und Vermittlern zu verhandeln, ist mir extrem wichtig! Und dabei mache ich die Erfahrung, dass es überhaupt nicht schädlich ist, ihnen auch mal Grenzen zu setzen, egal ob es um Vertragsinhalte, Honorar oder sonstwas geht. Das verschafft mir eher Respekt als Schaden! Klar geht mir dabei auch mal ein Auftrag durch die Lappen, aber letztlich festigt diese Haltung eher meine Zusammenarbeit mit „meinen“ Vermittlern als ihr zu schaden!

    Und vor allem kann ich immer in den Spiegel sehen:-)

    Dabei arbeite ich ausschließlich (!) mit Providern zusammen und bevorzuge dabei die kleineren, lokalen Vermittler, die den Markt, ihre Kunden und eben mich sehr gut kennen. Deshalb passen die Anfragen, die bei mir landen, durchaus zu mir und sie haben meistens wirklich Hand und Fuß. In meinen Augen machen die persönliche Bindung und die gute Kenntnis voneinander die hohe Qualität der Anfragen aus!

    Diese durchaus seriösen Vermittler nehmen mir schlicht und einfach mein Marketing ab! Dafür und eben für die Nutzung ihres Netzwerkes zahle ich gerne in Form ihrer Marge – sofern diese im Rahmen bleibt. Hier finde ich bis max. ca. 25% Aufschlag auf meinen Stundensatz wirklich angemessen dafür, dass ich die Aufträge auf dem Präsentierteller bekomme.

    Komplett anders ist die Zusammenarbeit mit den „Big Playern“. Die habe ich bei mir bis auf wenige Ausnahmen rausgeschmissen. Die Qualität ihrer Angebote empfinde ich meistens als Zumutung, weil die Vertriebler beim Auftraggeber schon nicht zuhören und die Recruiter inhaltlich oft keine Ahnung von meinem Geschäft haben, ein rein renditeorientiertes Massengeschäft. Der dreisteste unter ihnen (auch am 24.4. vertreten) hat mich in einem Fall zunächst in meinem Stundensatz runtergehandelt, bloß um dann 44% (!) auf meinen Stundensatz aufzuschlagen! Und der hatte nicht mal ein Unrechtsbewusstsein, als ich ihn zur Rede stellte.

    Die oben erwähnte wichtige persönliche Bindung ist bei den Big Playern schon deshalb gar nicht möglich, weil sie einer gigantischen Fluktuation unterliegen – die durchschnittliche Halbwertszeit eines Recruiters bei denen schätze ich auf gefühlte 11,3 Monate 😉

    Euch im VGSD auch von meiner Seite vielen Dank für die Initiative!

    Antworten
    1. Antworten
    2. Sabine Katzmair schreibt:

      Hallo Benedikt,
      ich bin ebenso Interim-Managerin und Beraterin. Ich stimme dir in allem voll zu. Siehe auch mein Kommentar. Ich sehe mich auch als Unternehmerin und das klappt auch und mit unseriösen Vermittlern arbeite ich nicht, bzw. habe diese gerade im letzten Jahr komplett rausgeschmissen. – Reine Zeitverschwendung.

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  32. Rolf schreibt:

    Seit vielen Jahren bin ich bei einigen Vermittlern in den Datenbanken. Ich habe meinen Lebenlauf überarbeitet, Referenzen angegeben, eMails mit meinen Tätigkeitsbeschreibungen verschickt. Auch persönliche Besuche in den Agenturen habe ich schon hinter mir.

    Allerdings kam es bislang zu keinem einzigen Auftrag. Bei den vorgestellten Projekte heißt es meist: Übermorgen für einige Monate weit weg. Da ich vor Ort Kunden habe, geht das bei mir leider nicht. Zudem mache ich primär Informationsbeschaffung und -bewertung und kein Qualitätsmanagement – was ich schon zig-Mal erklärt habe.

    Wie komme ich nun an die passenden Projekte und die richtigen Ansprechpersonen?

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  33. Sabine Katzmair schreibt:

    Ich bin aufgrund mangelnder Vermittlungserfolge seitens Vermittler von Anfang meiner Selbständigkeit in die Eigenakquise gegangen, und der Weg hat sich gelohnt. Wenn Vermittler dies hören, sind Sie immer erstaunt, das jemand als Soloselbständiger dies schafft. Ja, es geht. Dies sind also meine eigenen Kunden – und ich bin froh darum. Auch meine Erfahrung ist ähnlich – reine Zeitverschwendung. Viele junge Leute, die als Consultants anfangen nach dem Studium – keine Ahnung vom Arbeitsleben geschweige denn Fachkenntnisse für die Vermittlung mitbringen. Sie werden von den Agenturen ‚verheizt‘. Das heisst, hohe Fluktuation, ständige wechselnde Ansprechpartner usw.
    Die Qualität der Vermittler läßt nach und sowohl Kunden als auf Freelancer sind mit der Vermittlung unzufrieden. Ich habe jetzt nach 5 Jahren den ersten durch einen Provider vermittelten Auftrag. Ich bin den Weg über den Dreiecksvertrag nicht gegangen, denn dieser war absolut inakzeptabel. Ich habe in Absprache mit dem Kunden einen Direktvertrag geschlossen und der Kunden einen reinen Provisionsvertrag mit dem Provider. Dem Kunden war dies sogar lieber, denn auch sein Vertrag war aus seiner Sicht grenzwertig. Diesen Weg werde ich in Zukunft sollte es wieder zu einer Vermittlung wieder beschreiten. Die Vermittler sollten sich aus meiner Sicht wieder auf das beschränken, was Ihr Kerngeschäft ist – Kunde und Freelancer zusammenzubringen und dafür eine Vermittlungsprovision, die der Kunde zahlt, zu kassieren. Alles andere gehört nicht zu deren Business (Auftragsdurchführung usw.) und damit wollen diese auch eigentlich nichts zu tun haben. Deshalb wäre es wichtig hier wirklich wieder eine sichere Gesetzeslage zu schaffen, die es sowohl Kunden und Freelancer ermöglicht rechtssichere Direktverträge zu schließen. Das wäre auch aus meiner Sicht etwas was die Vermittler durchaus profitieren läßt, da diese bei dem Thema Scheinselbständigkeit aussen vor sind, wo sie sich eh nicht auskennen. Vermittler sollten hier ebenso Lobbyarbeit betreiben und sich dafür einsetzen.
    Parallel zu Vermittlung sollten Freiberufler auch ein verstärktes Eigenmarketing, das aus gesetzlichen Gründen schon notwendig ist, um am Markt als Selbständiger aufzutreten, ist wichtig, um eigene Kunden zu akquirieren und sich nicht nur auf Vermittler zu verlassen und damit abhängig zu machen – was wir ja generell alle nicht wollen, richtig?

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