Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

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IT-Freelancer-Index des VGSD – Wenig Bewegung im Markt für IT-Profis

Die IT-Freelancer gehören nach eigener Einschätzung zu den von der Corona-Krise vergleichsweise am wenigsten Betroffenen. „Nur“ 14 Prozent gingen bei der im April/Mai durchgeführten VGSD-Umfrage (vgl. Auswertung durch ZEW, Seite 4) davon aus, innerhalb der nächsten zwölf Monate ihre Selbstständigkeit beenden zu müssen. Zum Vergleich: in der Event- und Veranstaltungsbranche waren es 41, in der Gastronomie sogar 49 Prozent. Also kein Problem?

Das ist mitnichten so. Wenn jede/r siebte Selbstständige vor der Krise ans Aufhören gedacht hätte, hätte dies angesichts des bestehenden Fachkräftemangels sicherlich zu einem Aufschrei geführt. Vor allem aber zeigt sich jetzt, dass die IT zu den Branchen gehört, in denen sich die Auswirkungen der Corona-Krise zeitverzögert zeigen.

 

VGSD-Mitglied hat für VGSD IT-Freelancer-Index entwickelt

Um zu zeigen, wie tiefgreifend die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise selbst für IT-Freelancer sind und um die weitere Entwicklung besser bewerten zu können, hat unser Mitglied Branko Trebsche für den VGSD einen IT-Freelancer-Index entwickelt. Diesen erläutert und kommentiert er im Folgenden:

 

 

Die grüne Linie zeigt die Entwicklung der verfügbaren IT-Projekte am Markt. Je niedriger der Index, desto geringer die Nachfrage nach IT-Experten. Die orangefarbene Linie zeigt das Angebot an verfügbaren Freelancern und Solo-Selbstständigen. Beide Kurven beginnen am 1.1.2020 mit dem Indexwert 100.

 

Die Nachfrage bleibt schwach

Von der immer wieder erhofften und postulierten schnellen Erholung der Wirtschaft ist im IT-Markt noch nichts zu sehen. Es ist ein positiver Trend zu erkennen. Dennoch bleibt das Niveau erschreckend niedrig. Erstaunlich ist die Entwicklung in der Schweiz. Hier zieht der Markt relativ ordentlich an. Wer organisatorisch in der Lage ist, Projekte in der Schweiz durchzuführen, wird hier vielleicht fündig.

Gesucht wurde weiterhin für Projekte, die grundsätzlich eher schwer zu besetzen sind (seltene Fähigkeiten/ Skills) sowie für Projekte aus den Bereichen Administration sowie Support. Vereinzelt starten die Unternehmen wieder neue IT-Projekte.

Die Zahl der verfügbaren Projekte liegt immer noch deutlich unter 50% im Vergleich zum Vorkrisenniveau. Hinzu kommt die Ferienzeit in der typischerweise eher wenig neue Projekte gelauncht werden. Entsprechend gedämpft ist meine Erwartungshaltung für den Monat August.

Die Zahl der verfügbaren IT-Experten verharrt ebenfalls auf hohem Niveau. Der Rückgang ist hauptsächlich mit der aktuellen Ferienzeit zu erklären.

 

Was sind meine Erwartungen für die nächsten Wochen?

„Viele Projekte, die zwingend – zum Beispiel aufgrund rechtlicher Vorgaben – umgesetzt werden müssen, werden wohl bald wieder am Markt angeboten werden.“, so war meine Einschätzung vor drei Wochen. Es ist bereits zu erkennen, dass das eine oder andere Infrastrukturprojekt angeschoben wird. Projekte mit Bezug zu Compliance- und Datenschutzthemen werden ebenfalls vereinzelt wieder gestartet. Dennoch wird es wohl Oktober werden bis wir wissen, wie hart der Einschlag wirklich ist!

 

Wie schätzt du die Marktentwicklung ein?

Stimmst du Branko zu oder bewertest du die bisherige und künftige Marktsituation anders? Wir sind gespannt auf deine Meinung. Bitte nutze hierfür die Kommentarfunktion unten.

Branko möchte die Indexgrafik oben regelmäßig aktualisieren und wird die beobachteten Veränderungen im Rahmen eines Updates jeweils kurz kommentieren.

13 Kommentare

  1. Jens Wagner schreibt:

    Das ist eine Entwicklung, die sich in verschiedene Richtungen negativ auswirken kann:
    .
    a) Das Überangebot an IT-Freelancern in Relation zu den wenigen Projekten wird zu einem Preisdruck bei den Honoraren führen, der nicht der Qualifikation des Freelancers entspricht. Gilt auch für andere Branchen.
    b) Eventuell kann die auftragslose Zeit einige Freelancer auch verleiten, aufzugeben und in die Festanstellung zu wechseln.
    c) Die Wirtschaftskrise wirkt sich auch bei den Auftraggebern aus, was zu verzögerten Honorarzahlungen, ggf. auch Insolvenzen führen kann.
    d) Freelancer könnten nach längerer Durststecke leichtfertig Auftragsbedingungen zustimmen, die klassische Fallen mit Blick auf die Kriterien der Scheinselbständigkeit sind.
    e) Das Image der Freelancer nimmt aktuell großen Schaden alleine durch die Art und Weise, wie die Regierung in puncto nicht gewährtem „Unternehmerlohn“ bei den Soforthilfen mit ihnen umgegangen ist.

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    1. Leopold schreibt:

      Unternehmerpersönlichkeiten werden die Krise meistern. Dunkel sehe ich die Zukunft nicht. Experten mit Spezialwissen waren vor der Krise schon selten und sind meist international aktive. Außerdem kann, wenn der Kunde es möchte nahezu 100 % remote gearbeitet werden. Der Preisverfall wird nur kurz sein, es sei denn man arbeitet für Touristik oder Luftverkehr. Der Staat ist selbst Treiber mit IT-Projekten kann aber selten anstellen. Wer die Konzentration von amerikanischen Beratungsunternehmen in Deutschland kritisch sieht, sollte dem „Garagen-Gründungen“ eine Chance geben und die Vielfalt und den Wettbewerb fördern.
      .
      Rechtssicherheit ist in Deutschland nun wichtiger den je.

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  2. M. Pyhton schreibt:

    Damit die Aufträge schnell, unkompliziert nach den Ferien vergeben werden können, sollte Rechtssicherheit für die Auftraggeber herrschen. Diese werden wohl kaum Leute fest anstellen können und haben die Probleme der Scheinselbstständigkeit bei Freiberuflern.
    Wenn die Aussagen im Frühjahr kein „Geschwätz“ waren, sollte das Wirtschafts- und Arbeitsministerium endlich bei der Reform des Kriterienkatalog handeln. Führende Wirtschaftsexperten rechnen mit einer Pleitewelle im Herbst. Rechtssicherheit ist die Maske für nach der Krise! Es betrifft Dienstleistung jegliche Art. Was unternimmt der VGSD aktuelle bei der Rechtssicherheit?

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    1. Andreas Lutz schreibt:

      Hallo Python,
      du meintest Maßnahme, nicht „Maske“, richtig?
      Im Rahmen des Gesetzes zur Altersvorsorgepflicht (AVP) soll auch eine Reform des Statusfeststellungsverfahrens stattfinden. Die Reform halten wir für unzureichend, zudem könnte sich durch die coronabedingt verspätete Einbringung des Gesetzes das Inkrafttreten auch der Reformmaßnahmen über den ursprünglich geplanten 01.01.21 hinaus verzögern. Wir fürchten außerdem, dass das AVP-Gesetz von seiner Ausgestaltung problematisch sein wird, so dass es (mit Recht) viel Widerstand auslösen wird.
      Schnelle Lösungen wird es hier also nicht geben, weil das Thema ideologisch vermint ist. Vielleicht bietet aber die Krise die Chance, dass verantwortliche Personen erkennen, dass sie die Wirtschaft mit einer pragmatischen Lösung entlasten und fördern könnten, ohne dass es den Bundeshaushalt etwas kostet.
      Auch die Bundestagswahl bietet die Möglichkeit für uns alle, einen Politikwandel herbeizuführen.
      Wir beim VGSD werden das Thema immer wieder adressieren und den Druck im beschriebenen Sinne aufrecht erhalten. Die Diskussion über das AVP-Gesetz wird dafür in der zweiten Jahreshälfte 2020 viel Gelegenheit bieten.

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      1. Vercingetorix schreibt:

        Vielen Dank Andreas. Vielleicht Maske (von Corona Maske)? Um die Wichtigkeit der Rechtssicherheit zu betonen. Bundestagswahl 2021 mit evtl. langen Verhandlungen ist für mich zu spät. Ich warte schon eine Ewigkeit auf eine Lösung. Dann braucht man nur noch für den Umweltschutz zu wählen. Eine radikale grüne Revolution wird zumindest die Lobbies von Union und SPD ins Mark treffen.
        .
        Ok, that means English from now than I have to use Python with AI and other cutting edge technologies fare away. Who will measure the damage of that politics, I thought Germany has a social market economy and not a planned economy.
        .
        I’ll spare you the words like bloody goddamn whatever ….

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  3. Lucia Fischer schreibt:

    @Jens Wagner: Den Thesen kann ich uneingeschränkt zustimmen. Der Druck auf die Preisgestaltung hat jedoch schon vor der Corona-Ära begonnen. Zusätzlich muss noch erwähnt werden, dass, wenn IT-Freelancer auch Dozentenaufträge ausführen, an der untersten Grenze bezahlt wird. Ein Bildungsdienstleister vergibt max. Stundensätze mit 30,00 € (teilweise ohne Fahrtkosten- oder sonstige Aufwandsentschädigung). Damit ist der geltende Honorarsatz für einen Fachinformatiker bzw. adäquatem Abschluss weit entfernt.

    @Leopold: Dass „Unternehmerpersönlichkeiten die Krise meistern“ klingt eher wie Diskriminierung aller anderen Selbstständigen, vor allem der Solo-Selbstständigen, die trotz enormer Anstrengungen eben keine Großverdiener sind. Aus den oben beschriebenen Gründen ist es teilweise nun mal nicht möglich, trotz unternehmerischen Geschicks, mehr zu generieren. Remote arbeiten setzt entsprechende Daten-Performance voraus. Das kann bis zu einer gewissen Last funktionieren, aber dann treten leider Verzögerungen ein, die eine konstruktive Arbeit erschweren. Nicht jeder wohnt in der Stadt und verfügt über Gigabit-Leitungen, Pauschalaussagen sind also vorsichtig zu treffen. Und staatlich fundierte Einsätze, wie z. B. als freiberuflicher Dozent über Bildungsdienstleister bei der Bundeswehr, werden auch nicht besser honoriert. Die daraus resultierende Argumentation, dass eben nur hochbezahlte Aufträge angenommen werden, bzw. die Preise dann entsprechend hoch angesetzt werden müssen, führt oft dazu, dass überhaupt keine Aufträge mehr erteilt werden. Gerade in der aktuellen Zeit, wo bei vielen Privat- und auch Geschäftskunden die Finanzmittel anders priorisiert werden.

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    1. Java schreibt:

      Lucia mir die Situation von Freiberuflern für den Staat durchaus bewusst. Das Problem, was die Politik nicht versteht, es gibt verschiedene Märkte von Freiberuflern. Meiner Meinung nach lassen diese Beschäftigungen sich nicht vergleichen. In dem Umfeld Bildung und Sozialarbeit gibt es keinen wirklichen Markt. Bei der Bildung agieren Lehrer als Beamte, als Angestellte oder als Freiberufler (finde Solo-Selbstständige diskriminierend). In diesem Fall schafft der Staat oder die Sozialdienste (AWO, Caritas, etc.) selbst prekäre Beschäftigungsverhältnisse sehr gut ausgebildeter Menschen. Das Bundessozialgericht hatte zum 31.03.2017 geurteilt, dass ein Satz über 37 Euro pro Stunde unbedenklich bei der Scheinselbstständigkeit ist. Selbst könnte ich mir ein Mindesthonorar als Kriterium der Scheinselbstständigkeit vorstellen. Um zu kritischer finde ich, dass in diesen Bereichen meist Frauen (alleinerziehend) beschäftigt sind. Nimmt doch bitte die entsprechenden Politiker oder Vorstände der Sozialdienste an diesem Punkt in die Pflicht. Übrigens verdienen einige Vorstände von Sozialträgern manchmal deutlich über 150 TSD Euro jährlich. Dort wirklich als Unternehmer zu agieren und zu wachsen halte ich für sehr schwierig bis unmöglich.
      .
      Ich selbst komme aus der IT als gefragten Markt für Wissensarbeiter. Hier behindern die Gesetze und dort gibt es noch Freiraum für Unternehmerpersönlichkeiten. Preisgestaltung sollte sich jeder Unternehmer selbst überlegen, dazu gibt es gefüllte Regalwände in den Bibliotheken.
      .
      Zum Breitbandausbau, ich wohne auf einer Ansammlung von Gehöften und habe das Glück eine schnelle Leitung zu haben. Allerdings kenne ich viele Landbewohner (Selbstständige / Homeoffice) 500 m Luftlinie weiter die nur 6 MBit haben. Eine gute Internetleitung ist natürlich Voraussetzung für Digitalisierung. An diesem Punkt muss sich die GroKo, Landesregierungen und Kreisverwaltungen messen lassen. Zumindest wie in meinem Bundesland (West) die Leitungen verteilt werden, halte ich mittlerweile für fragwürdig und ungerecht.
      .
      Die Denkweisen von Leopold haben wahrscheinlich nichts mit Diskriminierung oder Überheblichkeit zu tun. Die unterschiedlichen Branchen und Märkte sind schlichtweg nicht zu vergleichen. Beim Staat und den Sozialdiensten geht der Honorarsatz ähnlich wie bei den Schlachtern eher nach unten als nach oben. Weil es einfach keinen Markt mit vielen Nachfragern gibt. Nach meiner Kenntnis hat die SPD bis zum aktuellen Skandal immer Branchenregelungen und Mindesthonorare abgelehnt. Ich selbst und einige meiner Bekannten würden einer Bürgerversicherung zustimmen.

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    2. Leopold schreibt:

      Lucia bist Du in der IT? Generell gilt Produkte und Dienstleistungen, die nicht kostendeckend sind, sollten vermieden werden. Gründe hierfür sind Wandel des Geschäftes, neue Anbieter, neue Technologien, Veränderungen der Nachfrage. In der Softwareentwicklung bin ich es nun seit dreißig Jahren gewöhnt. Mein Wissen aus der Ausbildung ist nur eingeschränkt zu verwenden.
      .
      Die Zeiten sind schwer aber nicht hoffnungslos. Ohne Dich zu kennen, drücke ich Dir die Daumen und bin sicher, das Du einen Ausweg findest. Bleibe Gesunde.

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      1. Lucia Fischer schreibt:

        Vielen Dank für die guten Wünsche. Ja, ich bin als IT-Dienstleisterin und im Bildungssektor tätig, alles mit einem ziemlich breiten Spektrum. Aufgeben gilt nicht, Trost ist, dass man/frau nicht allein betroffen ist, sondern viele andere genauso. Die Solidarität bildet den Kern und auch viel die Unterstützung der Community hier bei der VGSD.

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  4. Oliver schreibt:

    Die Grafik lässt sich durch klicken leider nicht vergrößern.

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  5. Beatrice schreibt:

    Ich hoffe sehr, daß wir alle Wege finden werden, diese Krise wirtschaftlich zu überstehen und wünsche allen Marktbegleitern maximales Glück und Resilienz dabei! Eine Frage in die Runde – hat denn schon jemand persönlich Erfahrung mit dem Thema Scheinselbständigkeit gemacht, was musste als Freelancer nachgezahlt werden? Für Antworten wäre ich sehr dankbar!

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    1. Nobody schreibt:

      Der Bekanntest Fall, ist Christa Weidner. Sie wurde mit dem Werner Bornhof Preis ausgezeichnet wurde. Welche Unternehmer stellt sich bei laufenden Verfahren gerne öffentlich zu schau. Zum einen sind Nachteile in einem laufenden Verfahren sowie schlechte Reputation zu befürchten. Vergleichbar ist das Ganze mit einer Scheidung, alles fallbasiert und wenig klare Regeln.
      So notwendig die Eindämmung des Missbrauches bei Schlachtern usw. ist. Der Digitalstandort leidet, seht stark unter diesen Bedingungen. Ich hoffe sehr, dass dieses Thema wieder mehr Gewicht im VGSD findet. Ansonsten bin ich Ende diesen Jahres, nicht mehr in Deutschland.

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      1. Beatrice schreibt:

        Dankeschön, natürlich erwarte ich hier keinen persönlichen „Striptease“, es geht mehr um Erfahrungen im allgemeinen, daher welche Nachzahlungen angefallen sind. Zum Beispiel welche Steuern. Und, wenn der Zoll von einer vermuteten ScheinSe erfährt, wo fallbasiert alle Kriterien zutreffen, ich suche einfach echte, „erfahrene“ Informationen. Die Historie von Frau Weidner kenne ich natürlich. In meinem Fall geht es um Soloselbständigkeit im IT Consultant Bereich. Ein – Personen UG, lange Zeit der selbe und einzige Auftraggeber, keine Angestellten, beim Auftraggeber aber feste Angestellte, die den selben Job machen, natürlich im Engineering auch agile Arbeit daher täglich Besprechungen im Team…was passiert, wenn der Zoll ermittelt?Falls Sie mir anonym noch schreiben Danke und liebe Grüße! Und, ja, ich wünsche mir hier mehr Fälle die Ihren Verlauf berichten, natürlich auch Anonym. So, wie die Rechtslage aktuell ist kommt die doch einem Berufsverbot für jeden Solosebständigen im agilen IT Bereich gleich, oder?

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