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Lesetipp Unser Ziel fürs Alter Leben wie ein Grundschullehrer im Ruhestand

Wer als Selbstständiger im Ruhestand so viel Rente haben möchte wie ein Grundschullehrer, muss mehr als eine Million Euro angespart haben. Und gilt damit für viele Politiker als reich. Ein paar Rechenbeispiele. 

So fröhlich kann ein Rentner aussehen - vorausgesetzt, dass er finanziell gut versorgt ist.

Im Alter verlassen sich viele Angestellte auf die Zahlungen aus der Gesetzlichen Rentenkasse. Beamte erhalten garantierte Pensionen, die sich am Bruttogehalt der letzten zwei Arbeitsjahre orientieren. Und Selbstständige? Die müssen private Rücklagen schaffen. Nur, wie viel Geld sollte man angespart haben, um im Alter gut versorgt zu sein?

1,1 Millionen Euro

Ein Grundschullehrer bekommt im Höchstfall nach 40 Arbeitsjahren eine monatliche Pension von rund 3.600 Euro, abzüglich Einkommensteuer und den Beiträgen für Kranken- und Pflegeversicherung. Der VGSD hat sich deshalb gefragt, wie viel Geld ein Selbstständiger bei Rentenbeginn angespart haben müsste, um auf einem ähnlichen Niveau wie ein Grundschullehrer leben zu können. Das Ergebnis: mindestens 1,1 Millionen Euro!

So kommen wir auf diese Summe: Wer als Selbstständiger mit 65 Jahren in den Ruhestand gehen will, von einer Rentenbezugsdauer von 25 Jahren ausgeht (das ist aus finanzmathematischer Sicht sinnvoll, damit der Entnahmeplan auf sicheren Füßen steht) und den Lebensstandard eines Grundschullehrers haben will, kommt gerundet auf 1,1 Millionen Euro. Würde man eine durchschnittliche jährliche Inflation von 2 Prozent miteinrechnen, wären es sogar rund 1,6 Millionen Euro. 

Ist dieses Ziel Summe unrealistisch? Nicht wenn du rechtzeitig anfängst!

Die besten Helfer für Sparerinnen und Sparer heißen Zeit und Rendite. Wer seine Ersparnisse zum Beispiel in breit streuende Indexfonds (ETFs) anlegt, muss die Million nicht aus versteuertem Einkommen aufbauen. Das ist die Summe, die bei Rentenbeginn im Depot sein sollte. 

Hier eine Beispielrechnung: Die Million ist zu schaffen, indem man 30 Jahre lang 10.000 Euro jährlich anlegt. Das entspricht 833 Euro im Monat. Zusammen macht das knapp 300.000 Euro (293.378 genau). Rechnet man mit einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 7 Prozent (was in den vergangenen Jahrzehnten der Durchschnitt weltweit anlegender Aktienfonds war) kommen Kursgewinne in Höhe von über 700.000 Euro obendrauf (706.624 Euro genau). Insgesamt kommen so zu Rentenbeginn rund 1,1 Millionen Euro zusammen. 

833 Euro zur Geldanlage klingen erst einmal nach einer sehr großen monatlichen Belastung. Der Wert ist aber durchaus realistisch: Angestellte zahlen (zusammen mit dem Arbeitgeber) auch leicht diese Summe in die Gesetzliche Rentenversicherung ein. Gerade als Berufsanfänger sollten sich Selbstständige deshalb von Beginn an daran gewöhnen, Geld zurückzulegen oder zu investieren. Wer es spätestens nach drei Jahren nicht schafft, 20 Prozent seines Einkommens monatlich zurückzulegen, sollte sein Geschäftsmodell überdenken.

Die große Ungerechtigkeit

Selbstständige sorgen, wie oben bereits beschrieben, privat für das Alter vor. Zum einen, weil sie in der Regel nicht rentenversicherungspflichtig sind, zum anderen, um auf einen möglichen Geschäftseinbruch vorbereitet zu sein. Versicherungsprodukte wie etwa Lebensversicherungen sehen sie wegen Intransparenz und hoher Verwaltungskosten oft kritisch. Andere Geldanlagen – Wertpapiere, Immobilien oder Spareinlagen – sind aber im Insolvenzfall nicht geschützt. Und anders als etwa Renten- und Pensionsansprüche werden diese beim Bürgergeld-Bezug angerechnet. Das hat zur Folge, dass Selbstständige – wie während der Corona-Krise geschehen - keine Hilfen erhalten, bevor sie nicht große Teile ihre Altersvorsorge aufgebraucht haben. 

Das wäre eine Lösung

"Ich wünsche mir für Deutschland ein Alterssicherungsprogramm, das mehr auf Eigenverantwortung setzt und so aufgebaut ist, dass die investierten Gelder in breit streuende ETFs fließen und nicht zu großen Teilen in den Taschen der Versicherungswirtschaft landen und dadurch die Rendite schmälern", sagt VGSD-Vorstand Andreas Lutz. Konkret schlägt er ein Alterssicherungs-Depot nach US-amerikanischem Vorbild vor. Dies wäre insbesondere deshalb für Selbstständige geeignet, weil sie bereits gewohnt sind, sich um ihre Finanzen selber zu kümmern und vor allem im Alter auch niemandem auf der Tasche liegen wollen. Auch Finanzminister Christian Lindner (FDP) hat diese Idee in einem Interview bereits aufgegriffen.

Lutz führt aus: "ETFs haben sich als Form der Altersvorsorge in Deutschland etabliert. ETFs bilden Indizes nach und verzichten bewusst auf teures aktives Management um die Gesamtkosten niedrig zu halten. Auf diese Weise kommen die erzielten Kursgewinne, Zinsen und Dividenden auch wirklich bei den Sparerinnen und Sparer an. ETFs werden häufig mit reiner Aktienanlage gleichgesetzt, es gibt aber auch Geldmarkt- und Renten-ETFs. Auf diese Weise können Investoren je nach persönlicher Risikobereitschaft und je nach Alter individuell ihr Geld anlegen."

Warum machen wir diese Zahlenspiele?

Ziel des VGSD ist, dass auch Selbstständige, die ihr Leben lang gearbeitet haben, am Ende die Chance haben, auf das gleiche Versorgungsniveau wie ein Grundschullehrer zu kommen. Aktuell geht die Lücke zwischen Pensionen und gesetzlicher oder privater Vorsorge jedoch auseinander. 2022 lag die durchschnittliche Rente in Deutschland bei 1204 Euro (Männer) und 856 Euro (Frauen). 

Vor allem aber neidet niemand in der Öffentlichkeit dem Grundschullehrer seine Pension – Selbstständige jedoch, die über eine Million Euro für den Ruhestand ansparen (müssen), gelten in der politischen Debatte schnell als reich, so dass zusätzliche Steuern und Abgaben gerechtfertigt erscheinen. Das ist so ungerecht wie unbegründet. 

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