Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

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So schützt du dich: Unberechtigte Abbuchungen von Drittanbietern über deine Handyrechnung

Die Handyrechnung zu prüfen, hilft dabei Abzocke von Drittanbietern zu erkennen und sich dagegen zu wehren, Foto: aitoff, Pixabay

Mal ganz ehrlich: Prüfst du jeden Monat deine Handyrechnung auf Korrektheit? Du solltest es tun, denn die Mobilfunkanbieter machen sich zum Inkassounternehmen für zweifelhafte Drittanbieter, buchen Gebühren für Abos ab, von denen man gar nicht weiß, dass man sie abgeschlossen hat. Denn oft genügt schon ein Klick auf einen Werbebanner oder –link auf dem Handy – und das Mobilfunkunternehmen übermittelt deine Rufnummer ungefragt an den Drittanbieter, und der belastet fleißig deine Telefonnummer mit Gebühren.

Das Tückische: Anders als bei unberechtigten Lastschriften oder Kreditkartenzahlungen kannst du die Zahlung nicht einfach durch einen Anruf bei Telekom & Co rückgängig machen. Diese verweisen auf den Drittanbieter, was es fast unmöglich macht, wieder an dein Geld zu kommen. Ein Bericht aus eigener Erfahrung und ein wichtiger Tipp: Mit einem Anruf bei deinem Mobilfunk-Provider kannst du dich wenigstens für die Zukunft gegen solche unberechtigten Abbuchungen schützen – zumindest bei Telekom und Vodafone.

 

Drittanbieter profitieren unter dem Titel „andere Leistungen“

Die Computer-Zeitschrift c’t nennt es „eine der perfidesten Abzockmaschen seit Erfindung des Dialer“ – und es kann jedem passieren. Vielleicht bist du schon betroffen und hast es noch gar nicht gemerkt. Unter dem Posten „Andere Leistungen“ ziehen Telekom, Vodafone, E-Plus und O2 für unbekannte Drittanbieter Beträge zwischen drei und 60 Euro pro Monat ein. Als ich auf meiner letzten T-Mobile-Rechnung 9,98 Euro von dem Anbieter carmunity.com GmbH belastet sah, dachte ich zunächst, der von uns verwendete Call-by-call-Anbieter habe den Namen gewechselt, wunderte mich dann aber doch: Call-by-Call auf der Mobilfunkrechnung? Google vervollständigte den Firmennamen dann gleich mit dem Wort „Abzocke“ und führte zu einer Vielzahl von Erfahrungsberichten, in denen Kunden über ihre Erfahrung mit der Bremer Firma berichteten.

Zwei Anrufe bei der Telekom zeigten, dass die Mitarbeiter dort offensichtlich viele Beschwerden bekommen. Die Namen der Drittanbieter sind sofort bekannt, das Abwimmeln verärgerter Kunden macht wohl einen nicht unbeträchtlichen Teil des Tagesablaufs aus. Man bekommt Tipps wie: „Zahlen Sie, Sie haben ja doch keine Chance“ oder „Wieso machen Sie wegen zehn Euro so einen Aufstand?“. Auf die Frage, warum sie sich als Mitarbeiter der Telekom zu Komplizen solcher Anbieter machen, wird man auf „die höheren Ebenen der Telekom“ verwiesen. Um das Gespräch mit mir schnell zu beenden, verspricht der Telekom-Berater, die zuständige „Taskforce“ würde mich anrufen. In einem zweiten Gespräch erfahre ich dann von einer Kollegin, dass es gar keine „Taskforce“ gibt, dass ich also von ihrem Kollegen angelogen wurde. So etwas hatte ich selbst bei der Telekom bisher nicht erlebt. Kein Wunder, warte ich noch immer auf einen Rückruf…

 

Drittanbieter sperren lassen

Dabei bieten Telekom und Vodafone immerhin die Möglichkeit, sich mit Wirkung für die Zukunft gegen Abbuchungen unseriöser Drittanbieter zu schützen: Rufe – am besten jetzt gleich – die auf deiner Telefonrechnung angegebene Telefonnummer an und bitte darum, Drittanbieter zu sperren, so dass diese keine Abrechnung mehr über die Telefonrechnung vornehmen können. Bei dieser Gelegenheit kannst du auch, sofern du diese ohnehin nicht nutzt, 0900-er Nummer sperren lassen sowie die eigenen Sonderdienste des Anbieters.

Die zu Unrecht abgebuchten Beträge erhältst du auf diese Weise zwar nicht zurück, aber du schützt dich zumindest für die Zukunft. Bei E-Plus ist eine generelle Sperre von Drittanbietern nicht möglich, hier muss man jeden Anbieter einzeln benennen. Die Zeitschrift c’t nennt „als besonders umtriebig im Bereich der Content-Abos für Smartphones“ die Unternehmen MyDoo, W2Mobile und Ericsson IPX. Mögliche Kandidaten für deine Sperrliste?

O2 bietet bisher nach unseren Informationen überhaupt keine Sperre, um sich vor dem Drittanbieter-Inkasso zu schützen. Man kann nur hoffen, dass der Druck verärgerter Kunden im Internet dazu führen wird, dass auch der Münchener Anbieter bald eine Sperrmöglichkeit anbieten wird.

 

Bereits Drittanbietern zum Opfer gefallen – Was tun?

Wenn du bereits Opfer eines solchen Anbieters wurden, so solltest du das angebliche Vertragsverhältnis beim Drittanbieter anfechten, so dass du zumindest eine Kündigungsbestätigung erhältst. Außerdem solltest du die Telefonrechnung auf Überweisung umstellen, ansonsten werden für den Zeitraum bis zur Drittanbietersperre weitere Abbuchungen vorgenommen. Überweise dann die Telefonrechnung gekürzt um die Gebühren des Drittanbieters. Erst wenn die Sache geklärt ist, solltest du wieder zur Lastschrift zurückkehren. Ärgerlicherweise berechnet die Telekom bei Zahlung per Überweisung eine monatliche Zusatzgebühr von 1,50 Euro.

 

Problematische Weitergabe der Daten an die Drittanbieter

Die Mobilfunkunternehmen verdienen laut c‘t an den Abos kräftig mit und sprechen von einem wachsenden Geschäftsfeld. Ist das die Erklärung dafür, dass man bei Vertragsabschluss nicht auf die – datenschutzrechtlich problematische – Weitergabe der Rufnummer an Drittanbieter und deren Inkassomöglichkeit hingewiesen wird? Warum bieten die Mobilfunkunternehmen nicht bei Vertragsabschluss die Möglichkeit, Drittanbieter sperren zu lassen? Und warum arbeiten sie weiterhin, trotz zahlloser Beschwerden und Presseberichte, mit Anbietern zusammen, über die im Internet seitenweise „Abzock“-Berichte zu lesen sind? Warum gibt es nicht tatsächlich eine „Taskforce“ bei der Telekom, die einen Missbrauch ihrer Zahlungsschnittstelle aktiv bekämpft?

Die Weigerung der Telekom, das abgebuchte Geld zurückzuerstatten und den Verweis auf die Drittanbieter empfinde ich als zynisch. Man wird damit, wie die c’t schreibt, zum „Freiwild für die Abzocker“. Also: Gleich bei der Telekom anrufen, Drittanbieter sperren lassen, damit es dir nicht geht wie mir… Hier geht’s zum zitierten Beitrag von c’t.

 

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