Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

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Video: Was gibt es Neues zu gesetzlicher und privater Krankenversicherung für Selbstständige?

Auch dieses Jahr werden wir wieder eine Reihe von Videos mit unserem Kooperationspartner exali.de produzieren, in denen VGSD-Vorstand Andreas Lutz die Gelegenheit erhält, über für Selbstständige wichtige Themen zu sprechen. Den Anfang macht ein Video zum Thema Krankenversicherung:

 

 

Andreas ist glücklich über die Senkung der GKV-Mindestbeiträge um 56 Prozent und stolz auf den Anteil, den der VGSD daran hatte. Aber es bleibt im Bereich der GKV noch viel zu tun. Und zunehmend rückt auch die private Krankenversicherung auf die Agenda: Privat versicherte Selbstständige sind zu Recht besorgt über Beitragssprünge im zweistelligen Bereich. Können sie sich die private Versicherung im Alter noch leisten? Was kann man hier und in Bezug auf die GKV tun, um eine Verbesserung für Selbstständige zu erreichen? Fragen, die Andreas in dem rund 6-minütigen Video gut verständlich beantwortet.

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2 Kommentare

  1. Christian schreibt:

    Immer diese Mär, dass die Beiträge in der GKV im Durchschnitt stärker steigen. Hier werden einfach Äpfel und Birnen vergleichen. Die Statistik, die vom PKV-Verband immer gern dazu zitiert werden, beschäftigt sich mit absoluten Besserverdienenden, die oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze verdienen und durch die jährliche Anpassung mehr Beitrag zahlen müssen.

    GKV-Beiträge sind einkommensabhängig, steigt das Einkommen, steigen die Beiträge bei gleichbleibendem Beitragssatz, einfache Mathematik. Sinkt oder bleibt das Einkommen gleich, steigen auch nicht die Beiträge bei gleichbleibendem Beitragssatz. Die PKV hat hingegen einkommensunabhängige Beiträge, hier kann in der Praxis auch bei sinkendem oder gleichbleibenden Einkommen der Beitrag deutlich ansteigen, wenn das Unternehmen feststellt, dass eine Anhebung des Beitrags erforderlich ist, um die Ausgaben zu decken…

    Der Beitragssatz in der GKV lag im Jahr 1995 bei 13,2 %, heute in 2019 liegt er bei 14,6 % + 0,9 % durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz. Das heißt ein Plus von 2,3 % über einen Zeitraum von 24 Jahren!! Spürbare Beitragserhöhungen treffen in der GKV nur Versicherte, die mehr verdienen (bis zur Beitragsbemessungsgrenze) bzw. wenig verdienen aufgrund der jährlich steigenden Mindestbemessungsgrundlage in der freiwilligen Versicherung. Wer gleichbleibend verdient oder sogar ein sinkendes Einkommen hat, besitzt im Vergleich zur PKV nicht die Gefahr massiver Beitragserhöhungen!

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  2. Stefan schreibt:

    Für die gesetzlich krankenversicherten Selbständigen hat sich der VGSD wirklich sehr couragiert ins Zeug gelegt und auch viel erreicht. Glückwunsch! Was die privat Versicherten betrifft, so nehmen sich die Forderungen des VGSD dagegen ziemlich zahm aus. Man müsse den Wechsel innerhalb des PKV-Systems erleichtern, indem man die (vollständige) Mitnahme der Altersrückstellungen ermöglicht, um für mehr Wettbewerb zu sorgen. Das ist die einzige konkrete Forderung, die Andreas Lutz in den Raum stellt. Sehr viel mehr könne man nicht machen, weil ja die linken Parteien im Bundestag die PKV zugunsten einer Bürgerversicherung abschaffen wollen und deshalb Reformen zugunsten einer Beitragsdämpfung für Privatversicherte blockierten. Das ist recht dünn!
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    Selbst wenn es gelänge, den Wettbewerber zwischen den privaten Krankenversicherungen zu verstärken, indem man den Wechsel zwischen den Kassen erleichterte, würde das die künftige Beitragsentwicklung nur in geringem Umfang positiv beeinflussen. Die PKV hat nämlich ein strukturelles Problem, das in den nächsten Jahren zu exorbitanten Beitragssteigerungen führen dürfte, und dieses Problem heißt Niedrigzinsen. Die PKV muss einen Teil ihrer Beitragseinnahmen am Kapitalmarkt anlegen, um Rückstellungen zu bilden, damit die Beiträge im Alter nicht völlig aus dem Ruder laufen. Man kalkuliert dabei meines Wissens mit einer Rendite von 3,5 Prozent p. a. Die Gesellschaften halten zumeist lang laufende Anleihen, die zu einer Zeit gekauft wurden, als die Zinsen noch sehr viel höher waren als heute. Diese Papiere erreichen aber sukzessive ihren Fälligkeitstermin. Die heute am Markt verfügbaren Anleihen sind mit einem sehr viel niedrigeren Zinscoupon ausgestattet. Entsprechend gering sind die erzielbaren Renditen. Können aber die erforderlichen Einnahmen zur Bildung der Altersrückstellungen nicht mehr am Kapitalmarkt erwirtschaftet werden, muss man die Versicherten zur Kasse bitten. Und das heißt: Die Beiträge steigen!
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    Die Kapitalmarktzinsen werden künstlich durch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) niedrig gehalten. Daran wird sich nach Meinung der meisten Experten auf absehbare Zeit auch nichts ändern, weil höhere Zinsen nicht nur viele verschuldete Unternehmen, sondern ganze Staaten vor allem in Südeuropa in den Bankrott treiben würde. Düstere Aussichten für Kunden der PKV also!
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    Genau hier sollte der VGSD aus meiner Sicht ansetzen: Die privat Krankenversicherten sind für die niedrigen Zinsen nicht verantwortlich und konnten die expansive Geldpolitik der EZB auch nicht vorausahnen, als sie sich teilweise vor Jahrzehnten für die PKV entschieden haben (zumal viele auch gar keine andere Wahl hatten, weil ihnen der Zugang zur GKV versperrt war). Während der Staat von den niedrigen Kapitalmarktzinsen profitiert, weil er deutlich weniger Geld für den Schuldendienst aufzuwenden hat, müssen die privat Krankenversicherten horrende Beiträge im Alter bezahlen. Das kann auch nicht im Interesse der Politik liegen, denn viele Betroffene werden am Ende dem Sozialstaat und damit dem Steuerzahler zur Last fallen – und das in einer Zeit, in der die Verteilungsspielräume wegen der demographischen Entwicklung enger sein werden als heute.
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    Wie könnte die Strategie des VGSD in dieser Situation aussehen? – SPD, Grüne und Linkspartei wollen die Bürgerversicherung, also eine Krankenversicherung für alle. Dagegen halten Union und FDP am dualen Krankenversicherungssystem und damit der PKV fest, allerdings nicht aus Sorge um die Versicherten, sondern eher, um die Profite der Versicherungskonzerne nicht zu schmälern, denen bei einem Systemwechsel hin zur Bürgerversicherung herbe Umsatzverluste drohten.
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    Die Zukunftsfähigkeit der Privaten Krankenversicherung wurde von Kritikern unter Hinweis auf die Alterung der Gesellschaft und die steigenden Kosten im Gesundheitswesen schon in der Vergangenheit bezweifelt. Bei dauerhaft niedrigen Zinsen aber hat die PKV keine Überlebenschance, weil weniger Junge nachrücken und immer mehr Bestandsversicherte ihre Beiträge nicht mehr bezahlen können. In dieser Situation wäre auch aus Sicht der meisten Selbständigen eine Bürgerversicherung die bessere Lösung. Deshalb sollte sich der VGSD die Forderung nach einem Systemwechsel zu eigen machen und die Einführung einer Bürgerversicherung befürworten, die nach meiner Einschätzung auf kurz oder lang ohnehin kommen wird. Dadurch würde man sich auf die Seite der linken Parteien stellen und fände vor allem bei der SPD mehr Gehör für die Anliegen privat versicherter Selbständiger mit geringem Einkommen.
    Zuständig für die Private Krankenversicherung ist das Arbeits- und Sozialministerium von SPD-Minister Hubertus Heil.

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