Eben noch ein vielversprechender Erstkontakt – und dann herrscht plötzlich Funkstille. Viele Selbstständige kennen solche Situationen aus dem Berufsalltag. Doch warum kommt es zu Ghosting durch Auftraggeber/innen? Und wie können Betroffene damit umgehen?
Der Begriff "Ghosting" stammt ursprünglich aus dem Dating-Kontext und beschreibt den plötzlichen Abbruch der Kommunikation ohne Erklärung oder klare Absage. Inzwischen ist dieses Verhalten allerdings längst nicht mehr nur aus dem privaten Umfeld bekannt, sondern begegnet vielen Menschen auch im Berufsalltag.
Wie präsent das Phänomen Ghosting im Alltag von Selbstständigen inzwischen ist, zeigen aktuelle Zahlen des Freelancer-Kompass 2026. Dazu wurden im Zeitraum von November 2025 bis Februar 2026 insgesamt 5.412 Selbstständige befragt. 84 Prozent der Befragten gaben an, beruflich bereits von Ghosting betroffen gewesen zu sein. Das verdeutlicht, dass Ghosting im Berufsalltag von Selbstständigen längst keine Randerscheinung mehr ist, sondern ein strukturelles Problem.
Besonders häufig passiert Ghosting beim Erstkontakt
Ein ähnlicher Trend zeichnete sich bereits in der Freelancermap-Erhebung aus dem Vorjahr ab. Dort gaben 76 Prozent der insgesamt 3.778 Befragten an, besonders häufig während des Erstkontakts Ghosting-Erfahrungen gemacht zu haben.
In welcher Phase kommt Ghosting durch Auftraggeber am häufigsten vor?
- Erstkontakt – 76 Prozent
- Vertragsverhandlung – 11 Prozent
- Nach Projektbeginn – 10 Prozent
- Sonstiges – 4 Prozent
Quelle: freelancermap (2025)
Diese Art des frühen Kontaktabbruchs bezeichnet man als "Kunden-Ghosting". Von "Projekt-Ghosting" ist dagegen die Rede, wenn vereinbarte Fristen in einem bereits laufenden Projekt verstreichen und Rückmeldungen durch den Auftraggeber plötzlich ausbleiben. Zehn Prozent der Befragten gaben an, überwiegend von dieser Art des Ghostings betroffen zu sein.
Warum Kontakte abgebrochen werden und welche Folgen für Selbstständige entstehen
Warum es im Berufsalltag von Selbstständigen immer häufiger zu Ghosting kommt, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Denkbar ist zum Beispiel, dass die schwächelnde Konjunktur nicht nur zu veränderten Rahmenbedingungen auf Kundenseite führt, etwa in Form von Budgetkürzungen, sondern sich auch auf das Arbeitsklima auswirkt. Grundsätzlich als mögliche Gründe für Ghosting auf Kundenseite gelten u.a. Malt zufolge etwa unklare Erwartungen hinsichtlich Projektumfang und Zeitplanung – oder auch der Versuch, unangenehme Absagegespräche zu vermeiden.
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Unabhängig von den individuellen Motiven hat Ghosting für Selbstständige – insbesondere vor dem Hintergrund einer zunehmend schwierigeren Auftragslage – oftmals negative Auswirkungen. Nicht nur münden bereits geleistete Aufwände nicht in ein Projekt: Wer Zeit und Mühe in Akquise und Angebot steckt und hinterher keinerlei Rückmeldung erhält, bleibt oft mit einem schalen Gefühl von mangelnder Wertschätzung und Augenhöhe zurück. Außerdem erschweren fehlende oder verspätete Rückmeldungen sowohl die Planung als auch die wirtschaftliche Stabilität der Betroffenen. Wenn jegliches Feedback dazu ausbleibt, warum eine Zusammenarbeit nicht zustande kommt (oder frühzeitig endet), nimmt das den Selbstständigen nicht zuletzt die Chance, ihre Leistungen entsprechend weiterzuentwickeln.
Das Vertrauen leidet
Auch das Vertrauen zwischen Selbstständigen und Kund/innen leidet nachweislich unter Ghosting. Laut Freelancermap würden 36 Prozent der befragten Freelancer/innen nach einer Ghostingerfahrung keinen erneuten Kontakt zu diesem Kunden suchen. Weitere 36 Prozent zeigen sich unentschlossen. Lediglich 29 Prozent wären bereit, zu einem späteren Zeitpunkt erneut mit diesem Kunden in Kontakt zu treten.
Tipps für die Praxis
Ein allgemeingültiges Mittel gegen Ghosting gibt es nicht. Dennoch gibt es einige Tipps und Strategien zum Umgang mit diesem herausfordernden Phänomen in der Selbstständigkeit:
- Klare Prozesse und Verbindlichkeiten: Der Kunde wünscht sich ein Angebot? Prima! Nutze das Erstgespräch und lege gemeinsam mit ihm fest, bis wann du dein Angebot schickst und in welchem konkreten Zeitfenster er Rückmeldung geben sollte. Nach Verstreichen dieser Frist hast du einen Aufhänger, um freundlich nachzufragen.
- Vertrag aufsetzen: Haltet die Bedingungen eurer Zusammenarbeit vertraglich fest – auf diesem Weg kannst du dich bestmöglich absichern.
- Regelmäßige Updates einplanen: So bleibst du beim Auftraggeber präsent, ohne zu aufdringlich zu wirken.
- Nachfassen: Wenn sich dein/e Ansprechpartner/in nicht mehr meldet, zögere nicht zu lange, sondern hake zeitnah nach (und zwar im Zweifelsfall schriftlich, um deine Aktivität nachweisen zu können).
- Mehrere Ansprechpartner/innen: Sofern du die Möglichkeit hast, sammle die Kontaktdaten von zwei oder drei Personen auf Kundenseite. So hast du mehrere "Eingänge" ins Unternehmen und kannst im Fall der Fälle an verschiedenen Stellen nachfassen.
- Parallelakquise: Reduziere Abhängigkeiten von nur einem (potenziellen) Auftraggeber.
- Nicht persönlich nehmen: Ghosting hat in den seltensten Fällen mit dir als Person zu tun. Deshalb – Kopf hoch und weitermachen!
Erlebst du Ghosting in deiner Selbstständigkeit?
Hast du in deiner Selbstständigkeit schon Erfahrungen mit Ghosting gemacht? Wie gehst du damit um? Wir freuen uns auf deine Perspektiven und den Austausch in den Kommentaren!
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