Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

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Selbstständigen Deutschland e.V.

Wir kündigen unsere Vodafone-Verträge! – Reaktion auf Freelancer-Verbot des Mobilfunkanbieters

Abbildung: Pixabay, geralt

Heute vor zwei Wochen hat der Einkauf von Vodafone seinen Lieferanten und Geschäftspartnern den Einsatz von Freelancern verboten und bei Zuwiderhandlung Regressforderungen angedroht. Damit ist neben dem direkten auch der mittelbare Einsatz bei Vodafone stark erschwert bis unmöglich geworden, denn jede Ausnahme muss geprüft und bewilligt werden.

Zahlreiche betroffene Selbstständige, die bis vor kurzem bei Vodafone eingesetzt waren, meldeten sich bei uns und berichteten, dass ihre Verträge teilweise sogar schon Anfang 2019 gekündigt worden waren und viele Beauftragungen bereits zum 30. Juni ausgelaufen sind.

 

Vodafone hat nicht reagiert – jetzt reagieren wir

Kündigung von Andreas (zum Vergrößern anklicken)

Vodafone selbst hat sich bis heute nicht bei uns gemeldet, obwohl wir den verantwortlichen Mitarbeiter vor der Veröffentlichung angerufen und um eine Stellungnahme gebeten hatten.

Auf den angekündigten Rückruf seines Vorgesetzten bzw. dessen Stellungnahme warten wir bis heute.

Das ist auch deshalb ärgerlich, weil wir als Verband viele Jahre einen Rahmenvertrag mit Vodafone hatten und an eine große Zahl von Mitgliedern vergünstigte Mobilfunkverträge empfohlen haben.

Auch  persönlich (Max und Andreas) hatten wir bei Vodafone Verträge abgeschlossen, um mit gutem Beispiel voranzugehen.

 

„Wenn Sie nicht mehr mit Selbstständigen zusammenarbeiten wollen, möchte ich auch nicht mehr mit Ihnen zusammenarbeiten“

Kündigung von Max (zum Vergrößern anklicken)

Den Hinweis auf vergünstigte Vodafone-Konditionen haben wir zeitgleich mit der  Veröffentlichgung des“Freelancer-Verbots“ von unserer Website entfernt.

Heute sind wir nun den nächsten Schritt gegangen. Max Hilgarth und ich (Andreas Lutz) haben unsere Mobilfunkverträge gekündigt. In unserer Kündigung haben wir den Schritt wie folgt begründet:

 

Kündigung meines Mobilfunkvertrags mit der Kundennummer xxx (Handynummer yyy/zzz)

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit kündige ich als Ausdruck meines Protests gegen Ihre Geschäftspratiken (s.u.) den obigen Mobilfunkvertrag zum nächstmöglichen Zeitpunkt (laut Telefonrechnung ist dies der xx.yy.zzzz).

Anbei ein PDF der letzten Telefonrechnung.

Ich möchte meine bisherige, oben genannte Rufnummer mitnehmen. Die Übernahme soll zum Vertragsende stattfinden.

Bitte senden Sie mir eine Kündigungsbestätigung zu.

Grund meiner Kündigung: Vodafone hat entschieden, die Zusammenarbeit mit Selbstständigen zu beenden und auch seine Lieferanten verpflichtet, im Rahmen von Vodafone-Projekten keine Selbstständigen mehr zu beauftragen (vgl. https://www.vgsd.de/?p=30504).

Wenn Sie als Unternehmen nicht mehr mit Selbstständigen zusammenarbeiten möchten, möchte ich als Selbstständiger auch nicht mehr mit Ihnen als Unternehmen zusammenarbeiten. Dafür haben Sie sicherlich Verständnis.

Ich bedauere diesen Schritt, denn ich bin seit vielen Jahren Kunde bei Ihnen und habe Sie  häufig weiterempfohlen.

Sollte sich Ihre Geschäftspraxis ändern und Sie wieder Selbstständige beauftragen, werde ich meine Entscheidung gerne überprüfen.

Vielen Dank für Ihre Mühe!

Beste Grüße

Kündigung als Form des Protests

Eine solche Protest-Kündigung mag den Falschen treffen, denn nicht Vodafone, sondern die Bundesregierung hat die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen, die nun zu diesem Schritt geführt haben. Auch ist Vodafone nicht das einzige große Unternehmen, das einen solchen Schritt gegangen ist.

Aber vielleicht motivieren Kündigungen wie unsere Vodafone, noch einmal nachzudenken und mehr Druck in Richtung Bundesarbeitsministerium aufzubauen, statt einfach mal eben alle Selbstständigen „zu verbieten“ und uns quasi im eigenen Unternehmen zu Geächteten zu erklären.

Wenigstens ein Wort des Bedauerns hätten wir bei einem so weitgehenden Schritt in der Mail an die Lieferanten oder später uns gegenüber erwartet. Das Beispiel anderer Unternehmen zeigt, dass auch moderatere Reaktionen auf die Rechtsunsicherheit möglich sind.

Es geht hier um die Interessen unserer Mitglieder. Wir können nicht einfach weiter mit ansehen, wie ein Unternehmen nach dem anderen uns Selbstständige vor die Tür setzt.

 

PS: Wer kann uns helfen, einen neuen Rahmenvertrag mit einem anderen Anbieter auszuhandeln oder uns und unseren Mitgliedern auf andere Weise Zugang zu günstigen Mobilfunktarifen verschaffen? Dann gerne Kontakt per E-Mail mit uns aufnehmen.

12 Kommentare

  1. Antworten
  2. Branko Trebsche schreibt:

    Guten Morgen!

    Ich schätze eure Arbeit sehr und emotional betrachtet kann ich die Reaktion nachvollziehen.

    Strategisch und taktisch halte ich Sie für falsch. Übertragen wir das Vorgehen aufs große Ganze.
    Wandern wir jetzt mit unsren Familien alle aus? – Schwer möglich!
    Oder lösen wir den Verband auf, weil der Gesetzgeber untaugliche Gesetze erläßt? – Nicht sinnvoll!

    Die Vodafone würde noch nicht einmal merken, wenn 10000 Mobilfunkverträge gekündigt werden (Ausnahme die Verträge liegen in einem Account). Insofern ist der ganze Vorgang wirkungslos.

    Lasst uns lieber überlegen, welche Aktionen konstruktiv dazu beitragen unsere Interessen zu vertreten und durchzusetzen.

    Grüsse Branko Trebsche

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  3. Antworten
    1. Antworten
  4. eva strauss schreibt:

    Die Aktion ist für mich nicht möglich. Hier, wo ich am meisten arbeite, gibt es
    Keine Festnetzleitung, allein Vodafone. Ich habe 25 GB LTE auf dem Handy und zusätzlich 50 GB auf einer Box. Ja, die brauche ich. Nicht zum Streamen, sondern vorrangig zum Arbeiten.

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  5. Heinrich Klausner schreibt:

    Wenn man sich erfolgreich gegen die Zwangsansteller zur Wehr setzen möchte, muss man deren Interessen und Methoden verstehen.
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    Wertschöpfung entsteht am Markt. Echte Selbständige zeichnen sich durch Zugang zum Markt aus. Sämtliche eingesetze Methoden zielen darauf ab, diesen Markzugang durch das Dazwischenschalten eines Intermediärs zu nehmen, der dann zunächst faktisch und auf kurz oder lang auch offiziell als Arbeitgeber im Zusammenspiel mit Gewerkschaften als Gatekeeper auftritt.
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    Durch eine Zwangsanstellung wird dem bis dato echten Selbständigen ein grosser Teil der Früchte seiner Arbeit geraubt, die er ohnedies zu versteuern hätte. Die Erwerbsfreiheit wird dabei so ausgehölt, dass nur noch eine Hülle übrig bleibt. Wirtschaftspolitisch ist dies ein Rückschritt in eine Zeit ohne Gewerbefreiheit.
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    Es ist eine Kartellbildung von staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren auf Kosten von Dritten, die meiner Meinung nach durchwegs eine strafrechtlich relevante Dimension hat. Wirtschaftshistorisch gab es solche Konstellationen in Europa und in den USA während der 1930iger und 1940iger Jahre; über die zugrundeliegende politische Philosophie erspare ich mir weitere Worte.
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    Besonders in der Frühphase solcher Verknechtungsbestrebungen werden falsche Behauptungen breitflächig gestreut, die – sofern sie nicht zeitnah richtig gestellt werden – dann nicht mehr weiter hinterfragt als (falsche) Grundannahme in politische und wirtschaftliche Entscheidungen eingehen.
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    Beispiele: Menschen würden in die Selbständigkeit gedrängt, sie würden ein neues Präkariat bilden, sie würden schlecht verdienen und nicht vorsorgen, sie wären häufiger krank, etc. Von bedauernswerten Einzelschicksalen abgesehen, sind diese Behauptungen grossteils unrichtig. Sie bleiben aber oft haften, weil sie nicht rechtzeitig richtig gestellt werden.
    .
    Eine solche falsche Grundannahme findet sich in der „Freelancer“-Defintion von Vodafone. Sie deuten Freelancer schlichtweg in Arbeitnehmer ohne Sozialversicherung um, um sie damit zu Halbkriminellen und wirtschaftlich zu ächtende Unpersonen zu machen.
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    Viel wichtiger als Boykottaktionen wäre die umgehende Richtigstellung dieser verleumderischen Freelancer-„Definition“.

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  6. Andreas schreibt:

    Auch wenn man sich dann vielleicht besser fühlt – hier wird der „falsche Hund“ getreten. Vodafone ist ja mehr der Überbringer schlechter Nachrichten (die ja traditionell gerne erschossen werden).

    Aber – die aktuelle Rechtssituation ist doch so, dass nach (von vielen Seiten als suboptimal bezeichneter Rechtsberatung) dem CEO ein Horrorszenario an die Wand gemalt wurde. Und er jetzt abschätzen darf – kann ich sagen „Mir egal – wo kein Kläger – da kein Richter“, oder auf die ganz sichere Seite gehen, und das Thema erst einmal zu beenden.
    Bin selber bei Vodafone schon lange Kunde, und werde definitiv nicht kündigen (bin ja soweit zufrieden). Und Vodafone hat schon tolle Produkte für Selbständige (breche hier aber mal die Werbung ab).

    Viel wichtiger wäre, Politiker anschreiben – und somit versuchen, das Thema zu treiben. Habe mir auch mal die Webseite der SPD Selbständigen angeschaut (ags.spd.de). Da ist seit 2018 Funkstille. Vermutlich haben die alle aufgeben. Lt. letzten Wahlumfragen geht es noch weiter in den Keller, demnächst wird auch die FDP mehr stimmen bekommen, die beiden trennen nur noch 2% lt. letzter INSA Umfrage.

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  7. Heinrich Klausner schreibt:

    In der Schweiz gibt es von Behördenseite eine rechtsverbindliche Vorabprüfung samt die Möglichkeit sich bei Vorliegen bestätigter Selbständigkeit in ein öffentliches Register eintragen zu lassen auf das sich potentielle Auftraggeber berufen können. Ein derartiges Modell wäre auch für Deutschland und Österreich überlegenswert.
    .
    Sollte dies im behördlichen Rahmen nicht bzw. nicht mit dem Mass an gebotener Unabhängigkeit möglich sein, wäre die Schaffung einer wirklich unabhängigen Organisation zur Statusfeststellung überlegenswert. Auch hier mit der Möglichkeit sich in ein öffentliches Register eintragen zu lassen und als Premium-Service im Paket mit einer Rechtsschutzversicherung.

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  9. Daniel Mietasch schreibt:

    Auch ich schätze eure Arbeit und Kommunikation sehr. Die Lobbyarbeit für selbstständige Fachkräfte ist mehr als überfällig und aufgrund der Einzelkämpfermentalität von einigen bis vielen auch sicher nicht leicht.

    Die öffentlichkeitswirksame Kündigung der Vodafone Verträge halte ich allerdings für keinen guten Schritt, weil:
    – es war höchste Zeit dass sich ein Konzern CEO aus der Deckung wagt und dieses Thema öffentlich angeht und von der Politik Lösungen fordert. Viele Vorstände trauen sich das nicht, auch weil die Unternehmen damit unmittelbar in den Fokus von Zoll und Rentenversicherung kommen können.
    – für die betroffenen Selbstständigen ist das sicher besonders hart und die Kommunikationspolitik in ihre Richtung hätte offensichtlich besser laufen können. Mittelfristig ist die Lösung des Problems auf politischer Ebene aber für jeden einzelnen viel wichtiger als kurzfristige Umsatzeinbrüche.

    In diesem Sinne ist Vodafone ein Verbündeter aller selbstständigen (IT-)Fachkräfte in Deutschlannd und sollte als solcher auch unterstützt werden. Der Ansatz „wie du unsersgleichen so wir dir“ ist hier vollkommen fehl am Platz.

    Sucht lieber die Kommunikation und den Schulterschluss mit den Verantwortlichen bei Vodafone die hier offensichtlich von Großunternehmensseite Lobbyarbeit betreiben und Druck auf die Politik aufbauen.

    PS: Der Druck muss viel größer werden um Deutschland wettbewerbsfähig zu halten und einen fairen Umgang mit selbstständige Experten zu erreichen. Aus meiner Sicht will die Politik keine Klarheit, weil Sie so:
    1. … verhindert das immer mehr Leute in die Selbstständigkeit gehen und die Beiträge zu den Sozialkassen schwinden
    2. … ein Instrument hat bei Geldbedarf ohne viel Aufwand bei den Unternehmen Kasse zu machen

    Wenn es um den Schutz von ausgebeuteten Billiglöhnern und die Auflösung prekärer Arbeitsverhältnisse ginge, könnte man diesen leicht mit einer Mindestverdienstgrenze als eindeutiges Kriterium der Selbstständigkeit einführen.

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  10. Jürgen Fornal schreibt:

    Ich hab zwar keinen Mobilfunkvertrag mit Vodafone aber einen (alten) Kabelvertrag, den ich mit so einer ähnlichen begründung gekündigt habe. Es gab keinerlei Nachfrage.

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