Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

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„Wir sind systemrelevant“: Warum Daniel Domdey nicht müde wird, Demos zur Rettung der Veranstaltungsbranche zu planen

Daniel Domdey leitet die d2m Berlin GmbH, ein Veranstaltungsplanungsunternehmen in Berlin. Er hat die erste Demo der Veranstaltungsbranche in der Coronakrise organisiert, Foto: d2mberlin GmbH

Unter dem Motto „Rettet die Veranstaltungsbranche!“ haben Daniel Domdey und sein Team bisher vier Demos in Berlin organisiert. Die Teilnehmerzahl steigt – die Ungeduld darüber, dass die Politik mit Antworten auf sich warten lässt, auch. Daniel Domdey ist Geschäftsführer der d2mberlin GmbH, einer Berliner Veranstaltungsfirma, sowie des Berliner Kabarett-Theaters „Die Wühlmäuse“. Im Gespräch mit dem VGSD zeigt er Lösungswege für die angeschlagene Veranstaltungsbranche auf und spricht über die Demos in Berlin.

 

VGSD: Hallo Daniel, was machst du beruflich und seit wann bist du selbstständig?

Daniel: Seit mehr als zehn Jahren bin ich Geschäftsführer der d2mberlin GmbH, einem Berliner Veranstalter, der vorwiegend Comedy- und Kabarett-Veranstaltungen in der Hauptstadt und den neuen Bundesländern realisiert. Wir sind vom ersten Moment der Planung bis zur Durchführung am Abend dabei. Zudem agieren wir als Ticketing-Dienstleister und als Booking-Agentur einiger ausgewählter Künstlerinnen und Künstler. Parallel dazu bin ich Geschäftsführer des Berliner Kabarett-Theaters „Die Wühlmäuse“.

 

„Aufgeben ist für mich gar keine Option“

VGSD: Wie geht es dir persönlich in der Coronakrise?

Daniel: Es ist natürlich keine einfache Situation, aber prinzipiell bin ich eher kämpferisch eingestellt. Aufgeben ist für mich gar keine Option.

 

VGSD: Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf deine Selbstständigkeit?

Daniel: Beide Firmen stehen auf einem soliden Fundament. Eine gewisse Zeit lang kommen wir also ohne laufende Einnahmen zurecht. Dennoch benötigen wir eine klare Perspektive seitens der Politik, wie wir wieder Veranstaltungen durchführen können, die sich wirtschaftlich rechnen. Wenn die Entwicklung der Pandemie das nicht zulässt, muss man uns eben finanziell stärker unterstützen, als das bisher der Fall ist.

 

60 Veranstaltungswirtschafter schreiben offenen Brief an den Berliner Senat

VGSD: Was hast du in der Krise unternommen, um auf die Situation Selbstständiger in der Veranstaltungswirtschaft aufmerksam zu machen?

Daniel: Ab Mitte Juni gab es schon vereinzelte Aktionen wie zum Beispiel die „Night Of Light“, die auf die prekäre Situation der Veranstaltungsbranche aufmerksam machte. Was mir dabei fehlte, war der Gang auf die Straße, das „Lautwerden“ und das Wahrgenommen werden von der Berliner Bevölkerung und natürlich von den Verantwortlichen in der Politik. Deswegen entschlossen sich mein Team und ich dazu, die erste Demo auf den Straßen Berlins zu organisieren.

Parallel dazu verfasste ich zusammen mit ca. 60 Unternehmerinnen und Unternehmern aus der Berliner Veranstaltungsbranche einen offenen Brief an den Berliner Senat. Diesen haben wir am 11. August im Roten Rathaus übergeben. Darin fordern wir einen schnellen Gesprächstermin mit der Politik, um über verbindliche Perspektiven für die Branche zu sprechen. Diese könnten sich einerseits durch eine stufenweise Kapazitätserhöhung der möglichen Zuschauerzahlen ergeben. Andererseits wären auch finanzielle Entschädigungen eine Möglichkeit. Letztere sind nötig, wenn die aktuell steigenden Infektionszahlen wirtschaftlich sinnvolle Veranstaltungen verhindern.

 

Motto der Demos: „Rettet die Veranstaltungsbranche!“

Mit der Message „Wir sind systemrelevant“ nehmen Veranstalterinnen und Veranstalter an den Berliner Demos teil, diese tragen sie teils auf bedruckten T-Shirts, wie hier der Organisator Daniel Domdey. Foto: d2mBerlin GmbH

VGSD: Unter welchem Motto laufen die Demos?

Daniel: Das Motto der Demos lautet „Rettet die Veranstaltungsbranche!“, darunter sind Infos darüber auch in den sozialen Netzwerken zu finden.

 

VGSD: Wie viele Demos hast du organisiert und wie beurteilst du die Reichweite der Aktion?

Daniel: Bislang haben wir vier Demos organisiert. Die erste Ende Juni, die letzte Mitte August. Bei der ersten Demo hatten wir ca. 200 bis 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Bei der zweiten konnten wir diese Zahl verdoppeln und an den letzten beiden Demos nahmen jeweils um die 1000 Menschen teil.

 

VGSD: Wie steht es mit deiner Motivation, woher nehmen du und die Teilnehmer die Kraft, weiter auf eure Notlage aufmerksam zu machen, wo die Politik doch nicht reagiert?

Daniel: Solange sich unsere Situation nicht maßgeblich verändert, sei es durch eine Verbesserung der Rahmenbedingungen bei der Durchführung von Veranstaltungen oder durch einen finanziellen Verlustausgleich, werden wir weiterkämpfen und nicht aufhören, auf unsere prekäre Lage hinzuweisen.

 

VGSD: Wie funktioniert die Organisation einer Demo?

Daniel: Als erstes muss eine Demo bei den zuständigen Polizeidezernaten unter Angabe der Wunschroute und der zu erwartenden Teilnehmerzahl angemeldet und genehmigt werden. Die Route sollte möglichst so gewählt werden, dass sie viele Anwohner erreicht und möglichst neuralgische Orte passiert. Bei der letzten Demo wählten wir den Mercedes-Platz in Berlin für die Abschlusskundgebung. Zum einen bietet er den nötigen Raum und zum anderen wartet er mit viel gut besuchter Außengastronomie auf, sodass wir mit unseren Forderungen allein durch die gewählte Location viele Menschen erreichten.

 

„Wir müssen uns noch besser zusammenschließen“

VGSD: Was ziehst du für ein Fazit aus der Krise und der Reaktion der Politik darauf?

Daniel: Ein wahres Fazit wird man erst im Anschluss ziehen können. Diese Situation zeigt unserer Branche, welchen Stellenwert wir seitens der Politik haben und dass wir uns – so vielschichtig und verzweigt wir auch sein mögen – noch besser organisieren und zusammenschließen müssen. Das ist wichtig, damit wir bei künftigen Ereignissen schneller und stärker agieren können.

 

VGSD: Gibt es noch etwas, das du gerne sagen würdest?

Daniel: Wir dürfen uns von dieser Situation nicht unterkriegen lassen. Das soll nicht leicht daher gesagt klingen – allerdings müssen wir für unsere Branche kämpfen und dürfen nicht eher nachgeben, ehe wir wieder normal arbeiten können oder von der Politik „abgeholt“ werden.

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