Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

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0,5 Prozent des Sozialprodukts als Kredit aufnehmen und anlegen: Ergäbe langfristig 1.270 Euro Zusatzrente pro Jahr für jeden Einwohner

0,5 Prozent sparen, 1.270 Euro Rente bekommen, Foto: Pixabay, nattanan23

Das Geheimnis einer guten Altersvorsorge: So früh wie möglich anfangen und mit niedrigen Verwaltungskosten langfristig rentabel anlegen. Wenn man diese Regel beherzigt, kann man dank Zinseszinseffekt auch mit kleinen Sparraten sehr viel erreichen. Was weitsichtige Eltern für ihre neugeborenen Kinder tun, hat das ifo-Institut jetzt für Deutschland als Ganzes vorgeschlagen.

„Deutscher Bürgerfonds“ nennt ein Team um ifo-Präsident Clemens Fuest und den Bochumer Professor Martin Werding sein Konzept. Im Gegensatz zum „Deutschlandfonds, bei dem die Erwerbstätigen zusätzlich zur gesetzlichen Rentenversicherung Ersparnisse in einen staatlich beaufsichtigten, besonders kostengünstigen Fonds anlegen, legt beim Bürgerfonds der Staat selbst Geld an, das er ggf. sogar durch Schulden finanziert.

 

Relativ niedrige Staatsverschuldung bietet Chance zu Einführung

Dafür sehen die ifo-Forscher jetzt den nötigen Spielraum. Denn die Staatsschuldung hat die mit den anderen Euro-Staaten vereinbarte Obergrenze von 60 Prozent der Wirtschaftsleistung unterschritten. Zugleich liegt die Neuverschuldung deutlich unter den erlaubten drei Prozent, längere Zeit wurden sogar Schulden reduziert.

Der Bund könnte den Schuldenabbau verlangsamen bzw. Schulden aufnehmen und diese Mittel international breit gestreut u.a. in Aktien und Immobilien anlegen. Würde er auf diese Weise 0,5 Prozent der Wirtschaftsleistung pro Jahr anlegen und wäre die Rendite der Anlage im Schnitt zwei Prozent höher als der Zinssatz, mit dem er sich refinanziert, könnte ein heute 14-Jähriger Deutscher beim Renteneintritt mit 67 Jahren 1.270 Euro jährlich ausgezahlt (preisbereinigt, mit der Kaufkraft des Jahres 2020, bei den Älteren von uns würde die Leistung geringer ausfallen).

 

Kreative Lösung, die auf viele Fragen eine Antwort gibt

Prof. Dr. Clemens Fuest ist Präsident des ifo-Instuts, Foto: ifo

Fuest und Werding entwickeln damit eine kreative Antwort auf die Herausforderungen von Niedrigzinsen und demographischem Wandel, die zunächst viele überraschen dürfte. Ist das denn nichts Anderes als eine kreditfinanzierte Spekulation?

„In großem Umfang neue Staatsschulden aufzunehmen und die Mittel am Kapitalmarkt zu investieren, erscheint schwer vereinbar mit der Einsicht, dass die Bürger am besten selbst für ihre Altersvorsorge sorgen sollten“, räumt Fuest ein. „Aber aus ökonomischer Sicht ist es sinnvoll, eine allgemeine Pflicht zur Altersvorsorge vorzugeben, um zu verhindern, dass sich Einzelne auf sozialstaatliche Unterstützung im Alter verlassen.“

 

Die Altersvorsorgepflicht würde der Staat dem Bürger abnehmen

Mit Altersvorsorgepflicht ist hier gemeint, dass Angestellte zusätzlich zu ihren Pflichtbeiträgen Vermögen aufbauen müssen, um ausreichend hohe Alterseinkünfte zu erhalten, dafür war ja eigentlich die Riesterrente gedacht.

Diese zusätzliche Altersvorsorge(pflicht) würde quasi – nach unserem Verständnis des Vorschlags – der Staat nun wieder für die Bürger übernehmen. Da die Vermögensbildung letztlich nach finanzieller Leistungsfähigkeit aus Steuermitteln erfolgt, die resultierende Rente aber quasi eine für alle einheitliche Grundrente wäre (die Menschen mit niedrigem Einkommen eine Absicherung bietet) ist das Konzept für Sozialpolitiker und Vertreter linker Parteien eine attraktive Lösung, die zugleich auch der deutschen Staatsgläubigkeit entgegen kommt: Der Staat würde wieder vollumfänglich für die Alterssicherung sorgen. Von der Umverteilungsseite erinnert das Modell an das bestehende Schweizer System.

 

Die Vorsorge würde deutlich rentabler erfolgen als bisher

Auch der Aversion vieler Deutscher gegen eine als riskant wahrgenommene, aber tatsächlich langfristig deutlich rentablere Anlage mit breiter Streuung und hohem Aktienanteil käme die Lösung entgegen. Der Staat würde sich bei den Bürgern mit vergleichsweise niedrigen, aber als sicher wahrgenommenen Zinsen verschulden und selbst eine deutlich höhere Rendite erzielen – zumindest mittel- und langfristig gesehen.

Was mir zudem an dem Vorschlag gefällt: Der Spielraum für Politiker, die Staatsverschuldung zu erhöhen, wird kleiner. Das Geld ist ja schon anderweitig verplant. Diesen Effekt kennt jeder, der eine Versicherung abgeschlossen hat: Das Geld wird abgebucht und man kommt dann mit dem, was noch auf dem Konto ist, schon zurecht.

Und natürlich gilt auch: Die Kostenbelastung eines solchen Fonds wäre, zumindest in der Anlagephase, deutlich geringer als bei anderen denkbaren Lösungen. Würde man bei einem Einkommen von 2.500 Euro 0,5 Prozent anlegen wollen, so wären das 12,50 Euro/Monat – die Anlage eines so kleinen Betrages wäre mit unverhältnismäßig hohen Transaktionskosten verbunden.

 

Berechtigte Einwände – befriedigende Antworten?

Freilich – könnte man einwenden – wäre der Wert eines solchen Fonds – auch durch die Kreditfinanzierung – stärkeren Schwankungen unterworfen. Der Staat müsste diese in einem gewissen Umfang an die Rentenbezieher weitergeben. Sonst müssten die (noch) Erwerbstätigen das Kapitalmarktrisiko für die Rentner übernehmen, was nicht gerecht wäre. Statt dessen müsste dieses Risiko wohl geteilt werden. Das Modell würde von der Anlage- und Leistungsseite eher einem (kapitalgedeckten) Versorgungswerk ähneln als dem Umlagesystem der Deutschen Rentenversicherung.

Nicht unbegründet sind angesichts staatlicher Kontrolle über den Fonds auch Bedenken, dass in Wahlzeiten die Regierenden versucht sein könnten, Mittel des Bürgerfonds zweckfremd einzusetzen. „Die Verwaltung des Deutschen Bürgerfonds sollte dem politischen Tagesgeschäft entzogen sein und beispielsweise durch die Bundesbank erfolgen“, erklärt Fuest zu diesem Thema.

Es stellt sich auch die Frage, wer von einem solchen Fonds profitiert. Wie würden zum Beispiel Zu- und Auswanderer behandelt? – Die Antwort der Forscher: Entscheidend ist, wie viele Jahre man im Alter zwischen 14 und 67 Jahren in Deutschland verbringt.

 

Was haltet ihr von dem Vorschlag?

Fazit: Ein interessanter Vorschlag, der Antworten auf viele ganz unterschiedliche Fragen und Anforderungen gibt. Was haltet ihr denn davon?

5 Kommentare

  1. Der Volkswirt schreibt:

    Die einen haben Erdöl, die anderen Negativzinsen (bzw. günstige Refinanzierungsmöglichkeiten). Diesen Vorteil zum Aufbau eines Staatsfonds zu nutzen klingt nach Science Fiction, ist aber letztlich nur konsequent. Letztlich ist es ja nichts anderes, als billig ein- und teuer zu verkaufen.
    Es ist auch konsequent, dass der Nutzen daraus den Bürgern zugute kommt, die aufgrund der Negativzinsen Probleme haben, privat „sicher“ für ihr Alter vorzusorgen. Eigentlich müssten sie die über die Basisversorgung hinausgehenden Altersersparnisse in Aktien etc. anlegen. Weil viele Deutsche damit auf Kriegsfuß stehen, soll der Staat das für sie übernehmen.
    Der Staat schafft eine Altersvorsorgepflicht ohne erkennbare Pflichtbeiträge, denn er übernimmt sie gleich selbst, finanziert sie notfalls auf Pump.
    Das Ganze ist letztlich eine steuerfinanzierte Zusatzrente, genau das, was sich Grüne, Linke und SPD wünschen, sie dürften mit einer verstärkten Schuldenfinanzierung keine ernsthaften Probleme haben, eher noch eine höhere, früher einsetzende Zusatzrente fordern und eine höhere Staatsverschuldung – geht diese doch vor allem zu Lasten der Besserverdienenden.
    Die AfD dürfte Honig daraus saugen, dass Zuwanderer nur für die Zeit ihrer Präsenz in Deutschland Vorteil ziehen (wobei selbst das ihr natürlich zu viel sein wird).
    Union und FDP können sich vielleicht für den disziplinierenden Aspekt der Regelung in Hinblick auf die Staatsverschuldung begeistern. Außerdem wird auf diese Weise eine kapitalgedeckte Altersvorsorgekomponente eingeführt
    Was zuerst als Kartenspieler-Trick erscheint, weil der Staat etwas unternehmerisches tut, quasi kreditfinanziert Spekulation betreibt, könnte tatsächlich ziemlich genial sein. Vor allem auch, weil Clemens Fuest für Konzepte steht, die von vorn bis hinten durchdacht sind, die Mathematik sollte also stimmen. Wobei die Akzeptanz einer solchen Lösung trotzdem sicher höher wäre wenn der Staatsfonds die Beiträge formal nicht zu 100 Prozent durch Staatsverschuldung aufbringt.
    Das schwierigste wird sein, das ganze Konstrukt so einzuführen, dass der Regierung die Kontrolle über das Sondervermögen dauerhaft entzogen bleibt, dessen Ausgestaltung aber trotzdem sinnvoll weiterentwickelt werden kann. Wenn man die Kontrolle an die Bundesbank überträgt, dann könnte man ihr bei dieser Gelegenheit auch gleich die Kontrolle über die Deutsche Rentenversicherung anvertrauen, denn auch diese Kasse wird immer wieder für durchsichtige Wahlkampfmanöver geplündert.
    Ich finde, dass der „Deutsche Bürgerfonds“ eine ernsthafte Diskussion verdient hat.

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    1. Andreas Lutz schreibt:

      Ich denke der Fonds wäre bei der Bundesbank auch deshalb gut aufgehoben, weil man ihr zutraut, mit hohen Milliardenbeträgen umzugehen (hier geht es im Jahr 2080 um 800 Mrd. Vermögen und 550 Mrd. Schulden in heutigen Preisen). Außerdem erzielt sie auch jetzt schon „Bundesbankgewinne“ von denen nur wenige verstehen, wie sie zustande kommen, über die sich aber alle freuen. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul… Ich bin gespannt, was die Bundesbanker von dem Konzept halten, ob sie die Verantwortung zu übernehmen bereit wären…
      Andere Euro-Staaten würden dann vielleicht auch auf die Idee kommen, sich mit der (teilweise) „geliehenen“ guten Bonität Staatsfonds aufzubauen. Aber immerhin steht den Schulden dann ein Vermögen gegenüber. Sie müssten sich aber ebenfalls gut überlegen, wie sie dieses Schatzkästchen dauerhaft vor dem Zugriff der Regierung schützen.

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      1. hans schreibt:

        Hallo Andreas, insgesamt ein sehr guter Vorschlag. Die Bundesbank hat andere Aufgaben und arbeitet der EZB zu. Es sollte eine von der Politik unabhängige neue Organisation entstehen. Dies bietet den Vorteil, dass sie nicht an die veraltete IT der DRV gebunden ist. Noch besteht die Gefahr das die Gelder als Einlagensicherheitsfond oder Währungsreserven im europäischen Kontext gesehen werden. Was wäre, wenn die EZB diese Gelder zu Deckung von möglichen Eurobonds sieht? Dann haften, die deutschen Pensionsrücklagen für Griechenland u. Italien automatisch mit. Die Bundesbank ist keine rein deutsche Organisation mehr. Bislang hat die EZB gute Arbeit geleistet, aber eine Aufgabenerweiterung finde ich für gefährlich und falsch.
        .
        Es sollte so was wie den Bürgerfond Bank gegründet werden. Bei der keine Regierung mal ebenso Geschenke verteilen darf. Nicht das die Politik, diese Gelder für den Flughafen Berlin als großes Rendite Objekt verwendet. Die Bundesbank könnte natürlich diese neue Bank federführend in der Gründung unterstützen. Die Bundesbank könnte jedoch treuhänderisch das Vermögen für den Bürgerfond verwalten. Die Niederlande haben ein Säulensystem was im Einzelfall bis zu 105 % Rente ermöglicht.

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        1. Antworten
  2. Nils schreibt:

    Das ganze basiert auf der Annahme dass der Aktienmarkt immer stärker steigen wird als das Bruttoinlandsprodukts was ich für sehr gewagt halte – natürlich wird sich erstmal der Markt nach oben bewegen wenn der Staat massiv Aktien kauft (quantitative easing), allerdings wird das System irgendwann einen Zustand erreichen in dem wieder mehr Geld abfließen muss als reinkommt – das gleiche gilt für die gesamte private Vorsorge und ist demographisch bedingt. Das drückt die Preise. Ein entsprechendes Sondervermögen würde auch in wirtschaftlich schweren Zeiten Begehrlichkeiten wecken – ist das Defizit einmal zu hoch bedient sich der Staat einfach dort und verkauft zum ungünstigsten Zeitpunkt.

    Ich halte überhaupt nichts davon. Sinnvoll wäre es aber auf jeden Fall die Schuldenbremse und den kompletten Abbau der Staatschulden in Frage zu stellen. Mir ist es deutlich lieber dem Staat Geld zu leihen als es durch Steuern abgezogen zu bekommen.

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