Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

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„Nachgezoomt“: Was wurde aus Christophe Colbeau, dessen Schicksal viele ZDF-Zuschauer bewegte?

Regisseur Norman Laryea befragt Andreas Lutz mit einigem Sicherheitsabstand, Foto: Max Hilgarth

(Update vom 13.01.20) Ihr erinnert euch vielleicht: Im Juli wurde ich (Andreas Lutz) für eine ZDFzoom-Reportage interviewt (Video siehe unten). Am Beispiel der Schicksale von drei Selbstständigen zeigte die Sendung auf, dass die staatlichen Hilfen sich immer wieder als leere Versprechen entpuppten. Besonders bewegt hat viele Zuschauer dabei der Bericht über den Veranstaltungstechnik-Meister Christophe Colbeau und seine Familie.

Heute Abend um 22:45 Uhr geht das ZDF in der Sendung „nachgezoomt“ der Frage nach, was aus den Menschen wurde, über die es im vergangenen Jahr bei ZDFzoom berichtet hat: Wie geht es ihnen heute? Was hat sich verändert? Und haben Politik und Verantwortliche aus der Pandemie gelernt?

Die entsprechende Abschnitt der Sendung beginnt (bei Minute 1:40) mit dem zweiten Besuch des ZDF-Teams bei Christophe Colbeau im November 2020. Weil auch nach der ersten Sendung weiterhin keine wirksamen Corona-Hilfen flossen, der Hartz IV-Anspruch nicht ausreichte, um die bestehenden Verpflichtungen der Familie zu erfüllen und die Ersparnisse zur Neige gingen, sucht Colbeau mit hoher Dringlichkeit nach Auswegen aus dieser schwierigen Situation. Die Redakteure konfrontieren diese mit Videomaterial von den großspurigen Versprechen der verantwortlichen Minister im Frühjahr 2020, bei denen sie großzügige Hilfe für Soloselbstständige versprachen. Und enthüllen dann, ob Colbeau, der 150 Bewerbungen verschickt hat, eine Anstellung findet, was in diesem Fall ja ein „Happy End“ darstellen würde.

Bei Minute 6:15 kommt Professor Alexander Kritikos (DIW) zu Wort. Die Entwicklung sei schlimmer verlaufen, als er erwartet hätte. Statt einer Pleitewelle habe er viele stille Schließungen von Selbstständigen beobachtet, nachdem sie das Gefühl bekommen hätten, entgegen der Versprechungen fallen gelassen worden seien.

„Nachgezoomt“ könnt ihr euch heute Abend um 22:45 im ZDF anschauen oder schon jetzt in der ZDF Mediathek.

 

ZDFzoom: Staatliche Hilfen für Solo-Selbstständige oft nicht mehr als leere Versprechen

ZDF-Regisseure vor den mehr als 100 Zuschriften von VGSD-Mitgliedern, Screenshot

(Update vom 20.08.20) Gestern Abend sendete das ZDF unter dem Titel „Alleingelassen in der Krise“ eine Reportage über staatliche Corona-Hilfen für Solo-Selbstständige. In der ZDF-Mediathek kannst du dir die Sendung jetzt anschauen – oder auch direkt weiter unten auf dieser Seite.

Regisseur Norman Laryea hatte für die Sendung Andreas Lutz vom VGSD interviewt (Minute 10:30). Zusätzlich hatten wir euch Anfang Juli gebeten, eure Erfahrungen direkt an die verantwortliche Produktionsfirma zu senden, was zu mehr als hundert Zuschriften an die Redaktion führte, die unsere Aussagen zur Grundsicherung am Beispiel vieler Einzelschicksale bestätigten (Minute 16:20).

 

Drei Schicksale – ein Fazit

Drei dieser Schicksale griffen Laryea und seine Kollegin Viktoria Timkanicova heraus und interviewten den selbstständigen Tontechniker und Bühnenmeister Christophe Colveau, den Theaterkritiker und Meinungsforscher Klaus Knodt sowie die Sales-Expertin Isabel Stühler.

Das Fazit am Ende der knapp 30-minütigen ZDFzoom-Reportage:

„Die Auswirkungen von Corona treffen Deutschlands Wirtschaft mit voller Wucht. Um so wichtiger ist es, dass staatliche Hilfen unkompliziert, unbürokratisch und zielgerichtet sind. Doch für viele Solo-Selbstständige entpuppen sie sich als leeres Versprechen. Immer mehr fürchten um ihre Existenz.“

Den Regisseuren gelingen bewegende Porträts der Betroffenen. Wenn etwa Christophe Colbeau gefragt wird, wie es für ihn war, Hartz IV zu beantragen oder er und seine Frau gegenseitig beieinander Trost suchen.

 

 

Christophe Colbeau bei der Gartenarbeit. Jetzt ZDFzoom-Reportage anschauen (alternativ in ZDF-Mediathek)

 

 

Wirtschaftsminister Altmaier verweigert sich Gespräch

Der fehlenden Hilfe werden in der Reportage die Versprechungen der Politiker aus der Anfangszeit der Corona-Krise gegenübergestellt, insbesondere von Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Finanzminister Olaf Scholz, der inzwischen Kanzlerkandidat der SPD ist.

Wochenlang hat Normal Laryea versucht, ein Statement von Altmaier zum Thema zu erhalten. Schließlich wurde er von der Presseabteilung des Ministeriums auf einen Minister-Auftritt bei Maybritt Illner verwiesen. Aber auch dort verweigerte Altmaier sich einem Gespräch.

Alexander Kritikos, Forschungsdirektor beim DIW und seit vielen Jahren Experte für Gründungen und kleine Unternehmen berichtet über seine Studie zum Thema und bringt es auf den Punkt: Die Corona-Krise trifft die (Solo-) Selbstständigen stärker als jede andere Bevölkerungsgruppe.

 

Lebensleistung von 30 Jahren verrinnt zwischen den Fingern

Und einige Branchen sind noch schwerer betroffen als andere. Tontechniker Colbeau hat Angst, dass ihm alles zwischen den Fingern verrinnt, was er sich in über 30 Jahren aufgebaut hat. Zwar hat er 9.000 Euro Soforthilfe des ersten Hilfspakets der Bundesregierung erhalten und auch für den Erhalt des Betriebs und den Lebensunterhalt der vierköpfigen Familie ausgegeben.

Das Geld ist aber nur zur Deckung ganz bestimmter Betriebskosten gedacht. Doch als selbstständiger Bühnenmeister hat Christophe Colbeau kaum Betriebskosten. Die hat er nur, wenn er auf Veranstaltungen arbeitet. Keine Veranstaltungen bedeuten keine Arbeit, wenig Betriebskosten.

Das Beispiel von Klaus Knodt bestätigt, dass auch Hartz IV keine Hilfe bringt. Von einem einfachen Verfahren kann keine Rede sein. Wer – wie die große Mehrzahl der Selbstständigen –  für sein Alter vorgesorgt hat, soll erst die Ersparnisse aufbrauchen, um dann später auf Grundsicherung angewiesen zu sein. Kein Einzelfall, sondern verbreitete Praxis.

 

Zuständig sind die anderen

Isabel Stühler, die Verkaufsexpertin aus dem hohen Norden – ist vielen durch ihr sympathisches YouTube-Video („Ein Video-Brief an unseren Ministerpräsidenten“) bekannt, mit dem sie es in die Zeitung und schließlich zu einem Gespräch mit dem Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, Bernd Klaus Buchholz (FDP), geschafft hat. Der nimmt sich eine Stunde Zeit und beauftragt eine Mitarbeiterin, mit Isabel die Antragsunterlagen durchzugehen.

Von Laryea gefragt, warum Schleswig-Holstein nicht dem Beispiel anderer Länder folgt und im Rahmen der Soforthilfe wenigstens das Lebenshaltungsminimum anerkennt, sagt er, dass er zusammen mit den anderen Wirtschaftsministern der Länder beim Peter Altmaier dafür geworben habe, der habe dies aber abgelehnt. Seine Landesmittel könne er dafür nicht einsetzen.

 

Großbritannien als Gegenbeispiel

Dass es auch anders geht zeigt die Sendung am Beispiel von Großbritannien. Dort gibt es fünf Millionen Solo-Selbstständige. Diejenigen, die unter deutlichen Umsatzrückgängen aufgrund der Corona-Krise leiden, haben dort – trotz angespannter Staatskasse – pro Kopf bis zu 2.800 Euro pro Monat erhalten – als Entschädigung für verlorene Einnahmen, die sie ausdrücklich auch für private Ausgaben wie Essen, Miete und Krankenversicherung verwenden durften. Zuständig waren dort – wie vom VGSD immer wieder gefordert – die Finanzämter. Maßnahmen, die schnell und effizient helfen. Anders als in Deutschland.

Hat die Reportage die aktuelle Situation richtig beschrieben? – Das ZDF, die Macher (und auch wir) freuen sich über deinen Leserbrief, Facebook-Kommentar oder Tweet. Und natürlich sind Kommentare auch auf dieser Seite unten möglich. Danke!

 

ZDFzoom am Mittwoch um 22:45 Uhr: „Alleingelassen in der Krise – Selbständige in der Corona-Falle“

Regisseur Norman Laryea befragte Mitte Juli Andreas Lutz – mit Sicherheitsabstand, Foto: Max Hilgarth

(Update vom 18.08.20) Mitte Juli war das ZDF fast drei Stunden für Dreharbeiten zu Gast im VGSD-Büro. Norman Laryea von der Produktionsfirma M.E.WORKS befragte Andreas Lutz mehr als eine Stunde lang zur Ausgestaltung und Wirksamkeit der Corona-Hilfen für Selbstständige. (Vergleiche Bericht unten.)

 

Wie geplant wird die halbstündige Reportage nun morgen Abend (Mittwoch, 19.08.20) um 22:45 Uhr gesendet (ZDFzoom-Website). Fragestellung: Werden die Solo-Selbstständigen von der Regierung in der Corona-Krise im Stich gelassen?

 

Wirkungsvolle Soforthilfe?

Zusammen mit der Kollegin und ZDFzoom Reporterin Viktoria Timkanicova begab sich Laryea auf Spurensuche. Sie trafen Bühnenmeister Murphy Colbeau. Er hat die beantragten 9.000 Euro Soforthilfe des ersten Hilfspakets der Bundesregierung erhalten. Das Problem: Das Geld ist vor allem zur Deckung von Betriebskosten gedacht. Für Lebenshaltungskosten wie Miete, Strom oder Lebensmittel darf es nicht ausgegeben werden.

Doch als selbstständiger Bühnenmeister hat Murphy Colbeau kaum Betriebskosten. Die hat er nur, wenn er auf Veranstaltungen arbeitet. Keine Veranstaltungen bedeuten keine Arbeit, wenig Betriebskosten und letztendlich auch wenig Soforthilfe. Auch die Überbrückungshilfe des zweiten Hilfspakets hilft dem zweifachen Familienvater kaum. Das Problem bleibt das gleiche.

Sein Beispiel zeigt: Auf Hilfsgelder des Bundes haben die meisten Solo-Selbständigen in der Praxis keinen Anspruch. Für Murphy Colbeau bedeutet das: Auf Sparflamme leben, die eisernen Reserven aufbrauchen – im schlimmsten Fall sogar seine Selbstständigkeit aufgeben.

Einige Bundesländer haben zwar reagiert und greifen den Solo-Selbstständigen finanziell unter die Arme. Andere tun dies nicht. Die Konsequenz: ein Flickenteppich.

 

Hartz IV abgelehnt aufgrund bestehender Altersersparnisse? – Einzelfälle oder verbreitete Praxis?

Die Bundesregierung bietet für finanziell in Not geratenen Solo-Selbstständige Hartz IV an, die sogenannte Grundsicherung (VGSD-Experten-Telko zur Antragstellung). Mit einem vereinfachten Zugang sollen Betroffene so „schnell und mit möglichst minimalem bürokratischen Aufwand“ finanziell unterstützt werden. Die Realität sieht für viele jedoch anders aus: Betroffene berichten „ZDFzoom“ von komplizierten und langwierigen Anträgen, Bergen von Papier und aufwändigen Prüfungen, und oftmals auch negativen Bescheiden.

So auch Klaus Knodt. Normalerweise arbeitet er für ein Meinungsforschungsinstitut. Doch seit Corona sind ihm fast alle Aufträge weggebrochen. Mit dem vereinfachten Hartz-IV-Zugang hatte er gehofft, die Krisenmonate überbrücken zu können. Aber sein Antrag wurde abgelehnt. Begründung: Er habe zu viel „verwertbares Vermögen“. Knodt ist wütend, sagt dass dieses Geld seine Altersvorsorge sei. Die Ersparnisse fürs Alter auflösen um dann Hartz IV beantragen zu dürfen – Einzelfälle oder verbreitete Praxis? ZDFzoom geht auch dieser Frage nach.

 

Dreharbeiten: ZDFzoom zu Gast beim VGSD

(Beitrag vom 14.07.20) Heute war das ZDF fast drei Stunden lang zu Gast beim VGSD. Das TV-Team drehte für das investigative Doku-Format ZDFzoom,

Regisseur Norman Laryea befragte Andreas Lutz mehr als eine Stunde lang über Ausgestaltung und Wirksamkeit der Corona-Hilfen für Solo-Selbstständige. (Erfahrungsgemäß kommen allerdings nur ein oder wenige Statements in den fertigen Beitrag.)

Für die Reportage spricht Laryea auch mit Wissenschaftlern und zahlreichen Betroffenen. Auch Wirtschaftsminister Altmaier sollte für die Sendung befragt werden.

ZDFzoom wird Mittwoch abends ausgestrahlt. Voraussichtlicher Sendetermin ist der 19. August um 22:45 Uhr.

Galerie

Regisseur Norman Laryea  befragt Andreas Lutz mit einigem Sicherheitsabstand, Foto: Max Hilgarth
Der Tontechniker befestigt das Mikrofon, Foto: Max Hilgarth
Kameramann und Regiesseur bei den Vorbereitungen, Foto: Max Hilgarth

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