Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

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Homeoffice mit Kind: Tipps, wie der Spagat (besser) klappen kann

Häufig bleibt die Kinderbetreuung an der Mutter hängen, Foto: Chuck Underwood, Pixabay

Für viele ist es eine neue Situation: die Arbeit im Homeoffice, um sich, die Kunden und Kollegen zu schützen. Andere hingegen kennen es nicht anders: Die Arbeit im Homeoffice ist für viele Solo-Selbstständige Alltag.

Was dennoch auch für sie neu ist, sofern sie Eltern sind: dass auch ihre Kinder für einige Wochen oder Monate ständig daheim sind. Je nach Alter der Kinder scheint es schwierig bis unmöglich zu sein, unter diesen erschwerten Bedingungen zu arbeiten.

Da bleibt oft nichts anderes übrig als auf den langen Mittags- und den frühen Nachtschlaf zu hoffen. Sind die Kinder älter, helfen gute Regeln weiter – und manchmal auch übermäßiger Fernsehkonsum 😉 seitens der Kinder.

 

Unsere Autorin Nadine und ihr Mann Harry haben einen tollen Weg gefunden, ihre Kinder auf kreative Weise zu beschäftigen. Hier stellen sie ihn in einem Beitrag des Bayerischen Fernsehens vor.

 

Einen Königsweg gibt es nicht, aber ein paar Tricks und Strategien, wie die Arbeit dennoch einigermaßen unter diesen erschwerten Bedingungen bewältigt werden kann.

 

Im Homeoffice mit Kind: So geht’s besser

  • Mache Regeln. Im Homeoffice lenkt dich potenziell alles ab: der Wäscheberg, der abgetragen sein will, das Bad, das geputzt werden sollte – und jetzt sind noch dazu die Kinder daheim, die Entertainment einfordern. Um die Arbeitsdisziplin zu wahren, gilt es, jetzt Regeln zu erstellen, die für alle gelten – denn dann nehmen deine Familienmitglieder und auch du selbst deine Arbeit ernst.
  • Ein Stundenplan kann helfen. Idealerweise arbeitest du jetzt gemeinsam mit deinen Kindern einen Stundenplan aus. Das ist sowieso nicht verkehrt, auch die Kinder sind jetzt auch aus ihrer täglichen Routine gerissen und dürften sich freuen, eine neue Struktur als Orientierungshilfe zu erhalten.Wenn du also etwa zwei Stunden am Vormittag arbeitest, gilt vielleicht für die Kinder derweil eine Stunde Bastel- und eine Stunde E-Learning-Zeit. Idealerweise verstehen es auch kleinere Kinder: Wenn sie jetzt eine Weile alleine ein Bild malen, gern an einer Kante von Mamas oder Papas Schreibtisch, gibt es später ein Hörspiel als Belohnung.Das Gute an einem Stundenplan ist auch: Hast du diesen abgearbeitet, kannst du wirklich guten Gewissens Feierabend machen. (Wir hoffen, du kannst das wirklich. Hast du tatsächlich einen 8-Stunden-oder-mehr-Tag, ist das mehr als schwierig jetzt.)Falls es nicht klappt, musst du vielleicht abends oder frühmorgens, wenn die Kinder schlafen, nochmals ran an den Schreibtisch. Jedenfalls: Ohne Struktur dürfte es dir manchmal schwer fallen, mit der Arbeit anzufangen oder Schluss damit zu machen.Tipp: Auch wenn dies zunächst absurd klingen mag, er ist ungemein wirkungsvoll: Wenn du es nicht schaffst, nach geleisteter Arbeit abzuschalten und immer wieder zum Schreibtisch zurückkehren, dann schließe dein Arbeitszimmer für den Rest des Tages ab.
  • Quelle: Pixabay, EvgeniT

    Kommunikation und Belohnung. Überhaupt gilt es, gut zu kommunizieren. Wenn ein wichtiges Telefonat ansteht, bei dem die Kinder ruhig bleiben sollten – dann rede mit ihnen, dass das jetzt wichtig ist.Sie verstehen, dass Mama oder Papa diese Arbeit eigentlich ungestört tun, wenn sie in Kindergarten oder Schule sind – theoretisch jedenfalls.
    Damit es besser klappt: Wie wäre es mit einer Belohnung hinterher als Ansporn dafür, nun wirklich nicht zu stören? Das könnte eine gemeinsame Spielerunde oder eine Süßigkeit sein.

  • Konzentriert arbeiten. Wichtig für ein gutes Zeitmanagement ist auch, dass du etwa gleich alle nötigen Anrufe am Stück erledigst, wenn du dir gerade Freiraum fürs Telefonieren beschafft hast. Wenn du nicht alles durchziehst, wenn du gerade Zeit hast, ärgerst du dich hinterher.
  • Immer locker bleiben. Wichtig ist Gelassenheit. Die Situation ist nicht grundlegend zu ändern. Wenn das Kind bei einer Telko dazwischen plappert, ist das kein Beinbruch, oder? Gerade in der aktuellen Situation sollte jeder Verständnis dafür haben, dass die Kinder anwesend sind, und das hört man halt auch mal.Und obwohl man am Text sitzt und konzentriert arbeiten will, wird man das nicht schaffen, wenn das Kind dringend Hilfe beim Papierfliegerbauen braucht. Dann gilt es, ein Päuschen einzulegen, verbunden mit der Hoffnung, dass das Kind hinterher längere Zeit allein mit den Basteleien spielt.
  • Kinder-Arbeitsplatz einrichten. Die Kinder aus dem Arbeitszimmer zu verbannen, funktioniert meist nur, wenn sie älter sind, Ansonsten: Richte ihnen doch auch einen Arbeitsplatz ein, falls möglich. Es ist nicht absurd, wenn neben der arbeitenden Mama oder dem Papa auch ein Kind mit seinem Stickerheft hantiert.Tipp: Kauft doch Bastelkram, der bei den Kindern gut ankommt, in rauen Mengen, gerne derzeit online. Ein Stickerheft ist bei vielen Familien ein Garant dafür, dass Tochter oder Sohn lange intensiv und still beschäftigt sind.

 

Weitere Tipps im Ratgeber „Selbstständig in Teilzeit“

Als freiberufliche Journalistin betreue ich den VGSD-Social-Media-Account, organisiere Experten-Telkos und schreibe Beiträge wie diesen. Aus dem Homeoffice – zurzeit auch in Gesellschaft meiner beiden Kinder. Alle Tipps sind also von mir persönlich einem Praxistest unterzogen worden.

Viele weitere Tipps zur Solo-Selbstständigkeit mit Kind gibt es übrigens im Ratgeber „Selbstständig in Teilzeit“, den ich (Nadine Luck) zusammen mit VGSD-Vorstand Andreas Lutz geschrieben habe. Das Buch erscheint in Kürze und ist der erste Titel der neuen VGSD-Buchreihe „VGSD-Praxisratgeber“.

Am besten aus Solidarität bei der Buchhaltung um die Ecke vorbestellen – die darf nämlich (mit Ausnahme von Bayern) seit heute wieder öffnen!

 

Wie kriegst du Homeoffice und Kinderbetreuung unter einen Hut? – Verrate uns deine besten Tipps!

Haben dir unsere Tipps geholfen? Oder verfolgst du eigene Strategien? Nutze gerne die Kommentarfunktion unten, um deine Erfahrungen und Tipps mit den anderen Home-Office-Eltern zu teilen!

25 Kommentare

  1. Annika Sommer schreibt:

    Danke für die Tipps. Natürlich ist jede Hilfe willkommen und ich greife nach jedem Strohhalm. Als alleinererziehende Solo-Selbständige mit zwei Kindern (12 und 7), die seit bald fünf Wochen daheim „eingesperrt“ sind, ich noch dazu in völliger wirtschaftlicher Unsicherheit, dazu Home-Schooling satt (Zettelberge, Mails von diversen Lehrern), kann ich euch nur sagen: Wenn mir jemand Antidepressiva verschreiben würde – ich würde sie sofort nehmen! Ich kann nicht mehr! Niemand hilft, Familien und Künstler haben keine Lobby! Und das beste sind die Kommentare à la „Hättest ja auch Kassiererin lernen können! Dann hättest du jetzt noch einen Job!“

    Bin an manchen Tagen kurz davor aus dem Fenster zu springen!

    Antworten
    1. Thomas schreibt:

      Zum Thema „Niemand hilft“: Zuerst sollte man vielleicht die Realität akzeptieren. Man bekommt kein Sorglospaket frei Haus geliefert und wir durchleben jetzt eine Krisensituation.. Man kann da nur versuchen, die derzeit wohlwollend angebotenen Unterstützungen für sich so gut wie möglich zu nutzen und das Beste daraus zu machen. Des weiteren würde ich folgendes bedenken: Heute gibt es die Bedrohung durch Corona, morgen kann schon wieder eine ganz andere neue Situation die Abläufe dominieren. Daher ist es das Wichtigste die Gesundheit zu erhalten. Zukunftsplanungen auf kurze überschaubare zeitliche Zyklen zu beschränken dürfte dabei besser sein, als Versuche sein Leben über Jahre hinweg voraus planen zu wollen. Es gibt da auch Sprichwörter wie: „Erstens kommt es anders und zweitens….“ Daher sage ich mir: Genieße jeden Tag und freue Dich über jeden Tag an dem die Famile gesund ist und sei Dir im Klaren, dass jeder Tag seine eigene, besondere Herausforderung an Dich stellt, die es zu meistern gilt. Wenn man den Medien glaubt, was man besonders in der jetzigen Situation tun sollte, dann besteht die Hauptgefahr in einer extremen gesundheitlichen Bedrohung durch ein neuartiges Virus. Probleme im häuslichen Umfeld in Verbindung mit Existenzängsten sind zwar auch relevant, aber das ist alles nicht entscheidend. Viel wichtiger ist die Frage, wie es überhaupt weitergeht. Bei der in Aussicht gestellten und zu erwartenden weiteren Durchseuchung der Bevölkerung mit dem Virus, werden wir mit hoher Wahrscheinlichkeit bald an Covid-19 erkranken . Wenn das geschieht, könnten die jetzigen Probleme und Sorgen ganz schnell wie Seifenblasen zerplatzen.

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      1. Eva-Maria schreibt:

        Lieber Thomas!
        Du bist auch alleinerziehend mit zwei kleinen Kindern?
        Verstehe tatsächlich deine nonchalante drüberbügelnde Reaktion nicht. Es ist soweit, dass Familien jetzt(!) geholfen werden muss. Es braucht da langsam eine Lösung.
        Sonst werden die Kollateralschäden schwerer wiegen als die Zahl der Coronatoten, dessen bin ich mir sicher.
        Herzlichst, eine alleinerziehende Mutter mit nur einem Kind (4 Jahre).
        P.S.: Und ja, auch ich freue mich über jeden Tag an dem
        wir gesund sind.

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        1. Dominique schreibt:

          Hallo zusammen,
          Auch mir sprecht ihr aus der Seele.
          Ebenfalls alleinerziehende Soloselbstständige mit einem 9-jährigen, der null Bock hat. Ich habe gerade so unglaublich viel zu tun und frage mich jeden Tag, ob das Geld verdienen oder das Kind wichtiger ist (komische Frage, aber ich stelle sie mir tatsächlich). Denn ich falle nicht (und da bin ich hauptsächlcih natürlcih froh drum) nicht in die Gruppe dere, die irgendwelche Soforthilfen beantragen. Nur hätte ich finanzielle Einbußen dann, wenn ich mich mehr um mein Kind kmmern würde…. Allerdings immernoch nciht so wenig, dass ich irgendetwas bekomme..
          Wer kriegt das Dilemma ab – leider das Kind. Und klar, Gelassenheit ist immer gut, aber die geht halt auch nach 6 Wochen so langsam verloren. MIt der Aussucht, dass die 4-Klässler ab Anafng Mai (bei uns) für ganze 2 Stunden in der Schule sen können ist auch erstmal nicht so viel gewonnen.
          Es ist schön zu wissen, dass es nicht nur mir so geht.
          Haltet durch, ihr Mamas! Die Kinder können dadurch auch etwas wichtiges lernen: dass Mama auch Grenzen hat. Wir dürfen auch mal schwach sein!!!!

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    2. Angela schreibt:

      Liebe Annika

      hier gibt es eine Hotline die professionell geführt wird, wo man dir vllt den Rücken stärken kann.

      Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP e.V.) bietet in den kommenden Wochen eine besondere Form der psychologischen Beratung an: die BDP-Corona-Hotline. Realisiert wird diese durch den ehrenamtlichen Einsatz der Mitglieder des BDP. Die Hotline (0800 777 22 44) ist täglich von 08:00 bis 20:00 Uhr geschaltet.

      Sonnige Grüße,
      Angela

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  2. Antworten
  3. Matthias schreibt:

    Wir haben einen 1-jährigen daheim. Das heißt **entweder** arbeiten **oder** ums Kind kümmern. Keine Ahnung wie da jemand auf die Idee kommt, dass man beides unter einen Hut bekommen soll.

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  4. Markus schreibt:

    Vielen Dank liebe Nadine für die tollen Tips, insb. den Stundenplan werde ich ausprobieren, das klingt sehr hilfreich!

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  5. Dagmar Kaufhold schreibt:

    Mein Mann und ich teilen uns die Aufgabe, unseren aufmüpfigen 14 jährigen Sohn zu bändigen und zu den Hausaufgaben via Internet zu bringen.Das ist nicht immer ganz leicht, er chillt lieber!! Derzeit mache ich eine Fortbildung in Yogatherapie mit vielen eigenen Hausaufgaben, so dass ich für die Unterstützung meines Mannes sehr dankbar bin. Finanziell sieht es sehr mau aus, denn als Yogalehrerin auf Honorarbasis habe ich weniger Fixkosten. Allerdings habe ich eine Autoimmunerkrankung, die viele private Arztkosten erzeugt, die ich normalerweise mit dem Yogahonorar bezahle. So hoffe ich sehr, dass ich bald wieder arbeiten kann oder von der Soforthilfe die Arztkosten bezahlen kann.

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  6. Claudia Engelberts schreibt:

    Eine Journalistin bat mich (Dipl.-Päd., Tagesmutter in Dortmund in eigenen Räumen) neulich um Tipps. Hier könnt ihr bei Interesse nachlesen.
    https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=1433281733528086&id=162022227320716.

    Hier ein Ausschnitt:

    „Home Office: Struktur hilft auch in der Krise
    Jenen Eltern, die nun sowohl Home Office als auch Kinder unter einen Hut bringen müssen, hilft es vermutlich sehr, zu wissen, dass in dieser Zeit die gleichen Regeln gelten, wie auch sonst im Alltag. Allerdings hat der Coronavirus einige feste Strukturen aufgeweicht oder gar herausgelöst. Wer jetzt zuhause den stressigen Alltag gut bewältigen möchte, sollte gegebenenfalls darüber nachdenken, sich wiederum einige feste Strukturen zu schaffen.

    »In meiner täglichen Arbeit als Tagesmutter ist eine Tagesstruktur mein wichtigstes pädagogisches Mittel. Sie sorgt für Sicherheit, Orientierung und Halt. Je kleiner die Kinder sind, desto wichtiger ist eine Tagesstruktur, denn sie sind in besonderem Maße auf Halt und Sicherheit angewiesen, aber letztlich hilft sie uns allen, besonders in schwierigen Zeiten.

    Gerade jetzt brechen viele Tagesstrukturen weg. Arbeit findet gar nicht mehr oder zu Hause statt, Kinder sind jetzt den ganzen Tag zu Hause und selbst der Spielplatz ist tabu. Das Alltagsleben wird jetzt viel mehr als chaotisch empfunden.

    Um wieder ein Stück Sicherheit und Orientierung zu schaffen und auch, um Home Office und Betreuung zu bewältigen, ist es jetzt sehr wichtig, eine neue Tagesstruktur zu schaffen«,weiß auch Claudia Engelberts. Sie ist Diplom-Pädagogin und REFA-Technikerin für Industrial Engineering, seit 2012 tätig als Tagespflegeperson in angemieteten Räumen in Dortmund, langjährige berufliche Erfahrung als Sozialarbeiterin, außerdem seit 2007 Inhaberin einer kleinen Unternehmensberatung mit Schwerpunkt Existenzgründung.

    Home Office in Krisenzeiten mit Kind und Kegel: Wie schafft man eine Tagesstruktur?
    Bei den meisten Familien hat sich die Tagesstruktur über einen längeren Zeitraum etabliert, so fällt es nicht leicht, in der jetzigen Krisensituation mit den aktuellen Einschränkungen von jetzt auf gleich eine neue Tagesstruktur zu etablieren. Trotzdem ist dies der richtige Weg, denn mit einer festen Struktur stellt sich auch das Gefühl von Sicherheit wieder ein.

    »Natürlich sind nicht alle Eltern gleich, und nicht alle Kinder. Der eine ist ein strukturierter Typ, der andere ist froh, wenn die Strukturen gesetzt werden. Das klappt jetzt natürlich nicht immer. Ich denke, der einfachste Weg ist, feste Zeiten für bestimmte Aktivitäten und Aktionen zu bestimmen. Meiner Erfahrung nach lernen euch kleinere Kinder schnell, wie der neue Alltag funktioniert, wenn man das auch konsequent umsetzt.

    Ruhig einen Tagesplan aufstellen: So könnte das zum Beispiel aussehen: Frühstück um 8.00 Uhr, danach arbeitet Mama oder Papa drei Stunden, Mittagessen um 12.00 Uhr, danach vielleicht der Mittagsschlaf für die Kleinen, das schafft vielleicht noch Raum für etwas Home Office, anschließend Aktivitäten mit den Kindern, Abendessen um 18.00 Uhr, zu Bett gehen für die Kinder, eventuelll danach noch Home Office. Vielleicht kann der Rhythmus sogar angelehnt werden an die Tagesstruktur der Kita, was Essens- und Schlafenszeiten angeht.

    Und es ist an den Erwachsenen, diese Struktur zu setzen und auch konsequent umzusetzen«, rät die langjährige Tagesmutter.

    Die Empfehlung die Tagesstruktur beizubehalten, geben auch Experten. So rät Prof. Dr. Stephan Mühlig, Inhaber der Professur Klinische Psychologie und Psychotherapie der TU Chemnitz und Leiter der Raucherambulanz Chemnitz sowie der Psychotherapeutischen Hochschulambulanz: »Behalten Sie einen regelmäßigen Tagesrhythmus mit festen Aufsteh-, Arbeits- und Schlafenszeiten auch im Home-Office oder Homeschooling bei. Dies schafft eine regelmäßige Tagesstruktur und begünstigt die emotionale Stabilität.

    Achten Sie darauf, dass auch die Kinder eine angemessene Tagesstruktur aufrechterhalten, auch wenn sie nicht zur gleichen Zeit geweckt werden müssen wie zur ersten Schulstunde. Schulkindern sollte dabei geholfen werden, die übermittelten Schulaufgaben zu strukturieren und in sinnvollen „Portionen“ zu bearbeiten. Andernfalls fühlen viele Kinder sich durch die ungewohnte Menge an Aufgaben, die von den Lehrern „geballt“ für eine Woche oder länger übermittelt werden, regelrecht „erschlagen“ und reagieren mit Verängstigung, Stress und Widerstand.

    Gerade für berufstätige Alleinerziehende kommt es unter den gegebenen Bedingungen zu einer akuten Doppelbelastung zwischen Home-Office-Beanspruchung und gleichzeitiger Kinderbetreuung im eigenen Haushalt. Im Zweifelfall sollte die Fürsorge für kleine Kinder Vorrang haben vor den beruflichen Aufgaben.

    Um eine angemessene Balance zu erzielen, sollten Home-Office-Aufgaben tageszeitlich so eingetaktet werden (zum Beispiel in die Abendstunden verlegt), dass sie sich mit der Kleinkinderbetreuung vereinbaren lassen. Arbeitgeber und Vorgesetzte sind gefordert, unter den Ausnahmebedingungen Verständnis zu zeigen und Zugeständnisse an die Arbeitsleistung der Mitarbeiter zu machen.«

    Kinder erleben die Krise anders
    Dass Kinder die Coronakrise und die damit verbundenen Einschränkungen anders erleben, ist sicherlich nicht weiter verwunderlich, aber auch eine Frage des Alters. Claudia Engelberts erklärt: »Je nach Alter der Kinder empfinden sie die aktuelle Situation sicher wie ein sehr langes Wochenende oder lange Ferien. Denn das sind ja die typischen Zeiten, in denen man nicht in die Betreuung gebracht wird und zu denen die Eltern den ganzen Tag zu Hause sind und nicht arbeiten müssen.

    Älteren Kindern kann man sicher schon erklären, dass es sich nicht um Ferien handelt und warum jetzt trotzdem alle zu Hause bleiben und sogar dort arbeiten müssen.

    Bei jüngeren Kindern wird es in besonderem Maße eine gute Tagesstruktur sein, die ihnen hilft, mit der veränderten Situation umzugehen und die neue Normalität zu akzeptieren. Sie ist auch in meiner Tagespflege das Mittel, um neuen Kindern die Gewöhnung an eine neue Situation zu erleichtern.«

    Kinderbetreuung und Home Office in Zeiten von Corona
    Tatsächlich erscheint es in der heutigen Zeit mit einigen Einschränkungen recht schwierig, die Kinderbetreuung und die Arbeit zu Hause unter einen Hut zu bringen. Insgesamt heißt es jetzt, kreative Lösungen zu suchen.

    »Die Möglichkeiten sind natürlich zurzeit sehr begrenzt, Spielplätze sind gesperrt, mit Freunden treffen geht auch nicht.

    Auch hier ist jetzt die Kreativität der Eltern gefordert. Als Familie darf man ja noch zusammen raus, zum Beispiel in den Wald. Dort können sich Kinder bewegen und die Natur entdecken.

    Im Internet finden sich jetzt auch viele kreative Ideen anderer Eltern, zum Beispiel einen Parcours in Haus oder Garten zu bauen und Kindern damit die nötige Bewegung zu verschaffen.
    Und große Kinder kann man ja vielleicht auch in spannende „Großprojekte“ in Keller, Haus und Garten einbeziehen«, empfiehlt Claudia Engelberts.“

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  7. Carsten schreibt:

    Mit dreijährigen Zwillingen geht auch nur etweder–oder. Die ganzen Tipps sind wirklich toll für Kinder im (Grund-)Schulalter, aber für kleinere einfach nur in Ausnahmefällen machbar.

    Frühmorgens oder am Abend zu arbeiten ging früher mal und war auch meine präferierte Arbeitszeit, aber nach nem ganzen Tag Kinderbespaßung ist man einfach nur fertig – fragt mal echte Erzieher. Immerhin stärkt es den Familienzusammenhalt, aber DER zahlt keine Rechnungen.

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    1. Benjamin schreibt:

      Carsten, Deine Erfahrung teile ich. Bei mir ist es *eine* Zweijährige, nicht zwei Dreijährige. Hätte ich nicht eine angestellte Ärztin zur Frau, hätte ich bereits das Handtuch werfen müssen und Grundsicherung beantragen. *Nach* einem Vierzehn-Stunden-Kindertag noch produktiv zu sein, gelingt mir nicht – *währenddessen* auch nicht sonderlich. So bleiben mir knapp zwei Arbeitstage/nächte in einer Siebentagewoche in denen ich so diszipliniert wie möglich ackere, um Oberwasser zu behalten.
      Einen guten Weg durch diese immense Herausforderung wünsche ich allen!

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    2. Isabel schreibt:

      Ja, hier ist es ebenso. Bei Solo-Selbständigkeit und 2,5-jährigen Zwillingen geht eigentlich nur entweder oder. Und meistens gewinnen die oders 🙂

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  8. Antworten
  9. Alexander Dommnich schreibt:

    Ich bin zwar kein großer Freund medialen Konsums, aber wenn man ihn dosiert und eine gute Wahl trifft, finde ich, dass auch Kinder sich damit auf interessante und nützliche Weise allein beschäftigen können.
    Hier habe ich eine handverlesene Auswahl von Spiele-Apps für Kinder ca. zwischen 5 und 14 (die meisten für Jüngere), mit denen sich auch etwas lernen lässt: https://www.evernote.com/shard/s246/sh/3b5575cf-5538-4813-8c1b-98f610780fb4/22c21cab507c687ed80f77d731619365

    Unser Sohn hört auch sehr gerne Hörspiele und Hörbücher (Geschichten und Sachthemen). Finde ich tendenziell deutlich besser als Videos. Bei Rebuy etc. findet man günstig gebrauchte. Bibliotheken öffnen hoffentlich auch bald wieder. Gut finde ich auch die echte Hörbuch-Flatrate von BookBeat.

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  10. T schreibt:

    Das ist alles wirklich toll und auch sehr gut gemeint. Es gibt viele Angebote. 1000de Tips, überall weiß jemand was und man was nachlesen, sich beraten lassen oder Youtubevideos anschauen. Alles vielfach Lehrbuchwissen und Tips, wie es laufen könnte / sollte.
    Die Realität ist ganz klar eine andere!
    Konkretes Beispiel: Eine wild vor sich hin pubertierende 16 jährige mit ADS, einen 12 jährigen, vorpubetären Bruder und einen 9 jährigen, der die beiden zum Teil versucht zu kopieren. Einen Freiberuflichen Vater im Homeoffice mit Teltows und Onlinemeetings, die nicht auf Abends nach 1800 verschoben werden, eine Mutter in der Pflege tätig… und dann noch in der Nachbarstadt Einoma und einen Opa – beide dement und kein Pflegedienst…
    Das braucht Nerven und individuelle Konzepte, kein: lest hier mal nach, probiert das mal aus, so könnte das doch gehen… und am besten noch ja, jetzt stell Dich doch mal nicht so an…
    Mit einen Kind auf dem Schoß vor dem Bildschirm was arbeiten… sorry… das ist Wunschdenken!
    An dieser Stelle dürfen auch gern mal die Mütter beklatscht werden, die die zukünftige Generation Steuer- und Rentenzahler auf die Welt gebracht haben und jetzt schauen müssen, wie Sie das Beste aus der Situation machen….
    Wir müssen irgendwie da durch…

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    1. Brigitta schreibt:

      Auch ich finde, es gibt unzählige tolle Tipps, Links, Angebote und co. Aber in der Realität brauchen die Kinder auch für diese Angebote erstmal Unterstützung. Neben Selbständigkeit und Homescooling und einem Partner, der unter der Woche nicht anwesend ist, nicht zu leisten. Auch wenn die Kinder älter sind (meine sind 10 und 9), schaffe ich produktiv zu arbeiten nur, weil ich um 5 Uhr aufstehe und die Kinder bis 9:30 Uhr schlafen lasse. Der ganze Tag bis spät in den Nachmittag gehört eigentlich den Kindern, da sie bei jeder Kleinigkeit Unterstützung brauchen und einfordern und dann ist man wieder raus aus dem was man selber gerade macht. Nicht zu vergessen: Kochen, Schulaufgaben ausdrucken, Kontrollieren, ob überhaupt irgendetwas gemacht wurde, mal mit den Kinder rausgehen, damit sie frische Luft kriegen…
      Auch ich sitze bis spät in den Abend noch am Rechner und bin gerade in der Corona-Krise sehr hart an meine Grenzen gekommen. Das einzige, was etwas geholfen hat, war meine eigenen Ansprüche an meine Arbeit zurückzuschrauben. Was auf Dauer nicht optimal ist.
      Gutes Durchhaltevermögen an euch alle!

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      1. Katarina schreibt:

        Danke für diese Anwort@Brigitta! Ich höre immer nur „Blogbeitrag“ oder „Buch“, in dem ganz toll beschrieben wird, wie Home-Office und Kinderbetreuung möglich ist. Nö! Ich bin vollselbständig, habe 4 Kinder zwischen 2 und 9, der Papa arbeitet momentan im Home-Office. Kinderbetreuung zu, zum Glück… Die Menschen, die diesen Job normalerweise machen, erhalten (glücklicherweise weiter) ihr Gehalt. Ich aber nicht. Ich bin jetzt einfach alles in einem und stehe, wie einige Redner hier um 5 auf, gehe um 23 Uhr ins Bett, um das Pensum zu schaffen. So war das nicht geplant und so ist das auch nicht auszuhalten. Ich bitte um finanzielle Entlastung (bspw. bei der Steuer), damit wenigstens minimale Fairness eintritt.

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        1. T schreibt:

          Und dann kommt ja noch dazu, dass die Kinder ja nicht blöde sind… die merken auch was abgeht, dass das alles nicht normal ist. Das macht auch was mit denen, die haben vielleicht auch schlicht Angst, die wir – die Erwachsenen, denen ja auch irgendwie erklären müssen, was Einfühlungsvermögen und Zeit kostet… vielleicht haben wir selbst auch ein wenig Angst, die irgendwohin muß.
          In einer solchen Situation kann man von Kindern nicht verlangen, dass sie funktionieren, wie uns die Blogs, Videos und Lehrbücher das vormachen wollen… so läuft das nunmal nicht… es sind eben spezielle Zeiten, die und allen was abverlangen. Es geht eben alles nur mit halber oder sogar noch weniger Kraft und das soll dann auch so sein… der Selbstschutz ist an dieser Stelle auch ganz wichtig… ich meine damit nicht nur Hände waschen und Maske tragen… auch die Psyche ist hier dran und die geht so einfach mit Wasser und Seife nicht sauber!

          Antworten
  11. Katrin Mathis schreibt:

    Mit einer 1,5 Jahre alten Tochter ist an arbeiten tagsüber auch nicht zu denken. Mein Partner arbeitet in einem systemrelevanten Beruf, in Schichtdienst mit kaum planbaren Arbeitszeiten. Unsere Haushaltshilfe fällt als Alleinerziehende mit Zwillingen ebenfalls aus.

    Ich arbeite während des Mittagsschlafs meiner Tochter und abends, sobald sie schläft, an 6 Tagen in der Woche. Das habe ich letztes Jahr schon so gemacht, bis wir einen Kita-Platz hatten.

    Aber jetzt bekomme ich nur noch Elterngeld Plus und in ein paar Tagen gar kein Elterngeld mehr. Damit ist der Druck, zu arbeiten, um die Kosten zu decken, ungleich höher. Das Schwierigste ist es, meinen Kunden Telefon- und Videokonferenz-Termine anzubieten. Abends gehe ich vom Schreibtisch meistens direkt ins Bett, Zeit zum Abschalten bleibt keine. Das kostet enorm viel Kraft!

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  12. Esther schreibt:

    Als Alleinerziehende Kreative profitiere ich von jahrelang erarbeiteten Strukturen, da mein Atelier immer zu Hause war – im Moment sogar ohne Tür zum Wohnbereich.

    Meine Kinder sind im „besten“ Pubertät Alter 😉 / Mädchen 12Jahre – Junge 14 Jahre alt, aber vor Home Office Zeiten knallten da mehr Türen, einfach weil wir uns mehr Zeit für Absprachen nehmen.

    Wir profitieren sehr von einfachen gemeinsam aufgestellten Regeln: (So-Do)
    Abends spätestens 21:30 Licht aus – morgens 8:45 aufstehen
    feste Hausarbeitshilfe -Tage von Tischdienst bis Wäsche
    gemeinsame Essenszeiten, morgens mal Yoga zusammen, gemeinsam Kochen
    verabredete Spiele a la Kniffel, Fahrradtouren, Garten- Arbeit
    ganz wichtig: Auszeiten VONEINANDER: durch Alleine Fahrradfahren, lesen, chatten mit Freunden, Als Alleinerziehende Kreative profitiere ich von jahrelang erarbeiteten Strukturen, da mein Atelier immer zu Hause war – im Moment sogar ohne Tür zum Wohnbereich.

    Und wir besprechen morgens unsere Wünsche aneinander- wer hat Instrument per ZOOM wann? – wer braucht das I Pad? – wann Essen wir? wer kommt hilft wem bei was? wer hat Lust …zu Kochen?

    Meine Kinder genießen übrigens das Home Office : endlich in Ruhe selbstbestimmt lernen, da lümmelt sich der Sohn auch schon mal den ganzen Tag im Bett und übt Vokabeln oder es werden Filme zum Thema geguckt, die man selber recherchiert (Geschichte) .
    Ich bekomme mehr von Themen mit als sonst – der Instrumenten Unterricht findet nun ja in den eigenen 4 Wänden statt – das ist für uns alle interessant.

    Was ich sehr einschränke ist der Handy und PC Konsum (ich habe immer noch das Passwort zum PC meines Sohnes)

    Wir fahren bis jetzt ganz gut damit, haben aber auch das Glück einer Terrasse und 2 Etagen zum Zurückziehen.

    Ich bin sehr froh das Ganze mit so großen Kindern durch stehen zu müssen – nicht auszudenken, wären sie kleiner – da ginge definitiv nur eins: Nie wieder schlafen und nachts durcharbeiten 😉

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  13. Antworten
  14. Markus Salamon schreibt:

    Ich habe es gewagt eine Notbetreuung zu beantragen zumal meine Frau in einem klar systemrelevanten Beruf arbeitet und die Bestätigung innerhalb eines Tages einholen konnte. Was mich betrifft, nun ja ich bin ITler und arbeite Firmen zu die selbst definitiv systemrelevante Aufgaben übernehmen, bis hin zu Entwicklung von COVID-19 Tests in weit verzweigten Tochterfirmen. Tatsächlich habe ich es nach zwei laaangen Wochen Homeoffice mit unserer Maus dann einfach gewagt und den Antrag gestellt, und siehe da bereits zwei Tage später hatten wir sogar nen Platz. Natürlich bemühe ich mich seither um die Bestätigung seitens meines großen Auftraggebers, aber die HR ziert sich natürlich wegen „Scheinselbständigkeitsblahblah“. Bisher kam vom Amt keine weitere Nachfrage meine Bestätigung betreffend und der Betreuungsvertrag wurde gestern (nun auch kostenpflichtig) verlängert. Also ich würde mal sagen „wer wagt gewinnt“!
    Viel Erfolg Euch!

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  15. Anne schreibt:

    Versucht es doch auch Mal in einem der wenigen Coworking mit Kinderbetreuung, wie das Work’n’Kid in Berlin Friedrichshain. Da gibt es sonst regulär und jetzt ab Mai zumindest Corona-Notbetreuung für Eltern ohne Kita Notbetreuungsanspruch. Kosten können dann erstattet oder geltend gemacht werden. Ich, als Gründerin, stehe voll hinter dieser Entwicklung!

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  16. EM schreibt:

    Seit der Schließung der Kitas bin ich rund um die Uhr für zwei Vorschulkinder (Krippenkind und Kindergartenkind) zuständig. Einen Anspruch auf Notbetreuung habe ich nicht. Deshalb muss ich größere Aufträge ablehnen oder unterbeauftragen, weil ich größere Aufträge gar nicht bearbeiten und verbindliche Auskünfte zu realistischen Bearbeitungszeiten derzeit nicht geben kann, Telefonate mit Kunden den Kindern im Hintergrund nicht möglich sind und konzentriertes Arbeiten auch nicht. Die kleinen Aufträge, die ich derzeit nachts abwickeln kann, decken kaum mehr als meine Betriebskosten wie Büromiete, Telefon usw. – Solange es keine Kinderbetreuung gibt, würde ich gern mehr arbeiten, kann aber nicht. Das Thema wird bisher m. E. wenig diskutiert.

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