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Lesetipp Mehrere Studien zeigen Mehr Frauen arbeiten, aber nicht in der Selbstständigkeit

Trotz steigender Erwerbstätigkeit bei Frauen bleibt die Selbstständigkeit in Deutschland männlich geprägt: So ist nur ein Drittel der Selbstständigen weiblich. Wir beleuchten die Ursachen und zeigen, in welchen Branchen der Unterschied am größten ist.

Obwohl Frauen die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland bilden, sind sie auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor unterrepräsentiert.

Frauen sind in der Selbstständigkeit deutlich unterrepräsentiert 

Laut einer aktuellen Erhebung des Statistischen Bundesamts (StBA) aus dem Jahr 2024 sind 46,9 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland weiblich. Damit nähern sich Männer und Frauen einer 50:50-Verteilung in der Erwerbsbeteiligung weiter an – ein Trend, der positiv zu bewerten ist. Zugleich zeigt der Blick auf den Gesamtbevölkerungsanteil von Frauen, der derzeit bei 50,9 Prozent liegt, allerdings, dass sie in der Erwerbstätigkeit weiter strukturell unterrepräsentiert sind. 

Besonders deutlich wird diese Unterrepräsentanz in der Selbstständigkeit: Laut StBA liegt der Frauenanteil bei Selbstständigen mit Beschäftigten bei nur 24 Prozent, während er bei Solo-Selbstständigen zumindest 41 Prozent erreicht. Die Zahlen zeigen: Frauen sind in der Selbstständigkeit nicht nur seltener vertreten, sondern übernehmen dort auch deutlich seltener Führungsverantwortung. Die Freelancer-Studie 2026 kommt zu dem Schluss, dass sogar nur 23 Prozent – und damit weniger als ein Viertel – der Selbstständigen weiblich ist. Dabei muss man allerdings beachten, dass bei der Studie viele Selbstständige aus der IT-Branche und damit insgesamt auch viele Männer unter den Befragten waren.

Zu den Studien

Die Angaben des Statistischen Bundesamts basieren auf dem Mikrozensus 2022. Für diese repräsentative Bevölkerungsumfrage wurden rund 810.000 Personen in etwa 370.000 Haushalten, und somit etwa ein Prozent der Bevölkerung, vorwiegend telefonisch oder online befragt. 

Die Freelancer-Studie 2026 von freelance.de beruht auf einer Befragung von 3.300 Selbstständigen, die zwischen Januar und März 2026 online erfolgte.

Die stellvertretende Geschäftsführerin des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn (IfM), Rosemarie Kay, sieht in diesen Zahlen kein spezifisch deutsches Problem, sondern ein internationales Phänomen. So gibt es neben Deutschland auch in vielen anderen europäischen Ländern, etwa in Schweden oder Irland, eine erhebliche Diskrepanz zwischen dem Männer- und Frauenanteil bei Selbstständigen – und das trotz der ökonomischen und sozialen Unterschiede zwischen den Ländern. Das spricht dafür, dass strukturelle Begebenheiten ursächlich für den geringen Anteil weiblicher Selbstständiger sind.

Kluft beginnt bereits beim Gründungsinteresse 

Entscheiden sich Frauen für die Selbstständigkeit, bleiben sie laut Rosemarie Kay ähnlich lange am Markt wie Männer. Das zeigt: Die Kluft zwischen Männern und Frauen muss bereits vor dem Eintritt in die Selbstständigkeit beginnen – etwa beim Gründungsinteresse. 

Diese Tendenz spiegelt sich auch in aktuellen Zahlen wider: Laut einem Research Paper der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zum Thema "Female Entrepreneurship" entfielen in den vergangenen Jahren im Durchschnitt nur 39 Prozent aller Neugründungen auf Gründerinnen. Im Jahr 2025 lag dieser Anteil laut KfW-Gründungsmonitor 2026 sogar bei nur 35 Prozent und damit deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt. Besonders stark fiel der Rückgang bei den Vollerwerbsgründungen von Frauen aus: Ihr Anteil sank von 33 Prozent im Jahr 2024 auf 27 Prozent im Jahr 2025. Bei den Nebenerwerbsgründungen blieb der Gründerinnenanteil dagegen stabil bei 38 Prozent.

Männer und Frauen unterscheiden sich jedoch nicht nur in der Anzahl der Gründungen, sondern auch in deren Ausrichtung. So sind Frauen nur an etwa 19 Prozent aller Start-up-Gründungen beteiligt. Dagegen gründen sie mit 50 Prozent besonders häufig freiberuflich. Laut dem Länderbericht Deutschland des Global Entrepreneurship Monitors 2025/26 (kurz: GEM) gaben 55 Prozent der deutschen Gründerinnen und 47 Prozent der Gründer als Gründungsmotiv "um die Welt zu verändern" an. Zum Vergleich: 2024 waren es nur 46 Prozent der Gründerinnen. "Großen Wohlstand oder sehr hohes Einkommen erreichen zu wollen" benannten dagegen 68 Prozent der Männer und 62 Prozent der Frauen als ausschlaggebenden Punkt für die Gründung.

Der Frauenanteil bleibt während des gesamten Gründungsprozesses auf niedrigem Niveau.

Was sind Gründe für den geringen Gründerinnenanteil in Deutschland? 

  • Geschlechterstereotype und risikoscheue Erziehung: Mädchen wachsen aufgrund tief verankerter gesellschaftlicher Wertevorstellungen und Rollenbilder häufig bereits mit weniger Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten – etwa im MINT-Bereich – auf und wagen später deshalb auch seltener den Schritt in die Selbstständigkeit.
  • Familiäre Doppelbelastung: Frauen tragen durch Care-Arbeit oft einen viel größeren Teil der familiären Arbeitslast als Männer, was eine Gründung zusätzlich erschwert.
  • Weniger Eigenkapital: Frauen sind mehrheitlich in Teilzeit erwerbstätig. Dadurch verfügen sie im Durchschnitt über geringere finanzielle Eigenmittel und beantragen zudem seltener Kredite. 
  • Unbewusste Vorurteile gegenüber Gründerinnen: Sie beeinflussen nicht selten Kreditvergabe- Entscheidungen und benachteiligen Frauen bei der Mittelvergabe und darüber hinaus.

Wenn du mehr zu diesen Themen lesen willst, wirf gerne auf unserer Website einen Blick in die Rubrik "Selbstständig mit Kind“.  Dort findest du viele Artikel zu Themen wie Gender-Pay Gap, Mutterschutz und hohen Sozialabgaben für weibliche Selbstständige.

Unterrepräsentanz verstärkt sich in einzelnen Branchen weiter

Laut dem Gleichstellungsbericht der Bundesregierung 2025 sind selbstständige Frauen besonders in der Informatik sowie in den Informations- und Kommunikationstechnologieberufen unterrepräsentiert. Dabei bieten gerade die IT- und Digitalbranche für Selbstständige eigentlich gute Voraussetzungen wie etwa flexible Arbeitsmodelle und ortsunabhängiges Arbeiten. Laut Freelancer-Kompass 2026 sind genau das zwei der wichtigsten Gründe, die Frauen überhaupt in die Selbstständigkeit ziehen. 

Die Ursachen für die geringen Zahl an Frauen in diesen Bereichen ähneln den bereits genannten. Vor allem in der IT-Branche wirken weiterhin viele Stereotype gegen Frauen, wie eine Bitkom-Studie zum Weltfrauentag 2026 zeigt: Demnach werden sie in dieser Branche nicht nur durch fehlende Weiterbildungsmöglichkeiten während der Elternzeit, sondern vor allem in Unternehmen aufgrund einer strukturellen Benachteiligung bei gleichen Qualifikationen ausgebremst. Diese basiert dabei oft auf tief verankerten Rollenbildern. Aus unserer Sicht ein Teufelskreis: denn aus diesen Gründen vertrauen Frauen oftmals auch weniger in die eigenen Fähigkeiten und wagen sich viel seltener in diese Branchen.

Im Dienstleistungssektor – etwa im Bereich Beratung und Management, in Marketing und Kommunikation oder im Bereich Design, Medien und der Kreativbranche verhält es sich anders: In diesen Branchen ist ein Großteil der selbstständigen Frauen tätig. Ein Phänomen, das bereits aus dem Angestelltenverhältnis bekannt ist. 

Was müsste passieren, um mehr Frauen zur Selbstständigkeit zu bewegen? 

Aus unserer Sicht liegt das Kernproblem im System selbst. So müssen dort erst Strukturen, die selbstständige Frauen benachteiligen, abgeschafft werden. Nur so können neue Anreize geschaffen werden, mehr Frauen zur Selbstständigkeit zu bewegen.

Zum Beispiel bei der Höhe der Sozialversicherungsbeiträge. Derzeit zahlen Selbstständige nicht nur den Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil zur Kranken- und Pflegeversicherung, sondern nochmals mindestens 20 Prozent obendrauf. Gerade Teilzeit-Selbstständige unterliegen sehr hohen prozentualen Sozialabgaben. Das betrifft besonders häufig Frauen, die primär in Teilzeit tätig sind, etwa um noch Care-Aufgaben nachzukommen. Sie müssen dann hohe Mindestbeiträge zahlen, die auf ein fiktives Einkommen berechnet werden – auch wenn sie in Teilzeit deutlich weniger verdienen. Außerdem müssen sie auch Beiträge auf Einkünfte aus Kapitalvermögen und Mieten zahlen (Angestellte müssen das nicht). Das ist besonders ungerecht, weil Selbstständige in vielen Fällen privat vorsorgen. Durch die Pflicht zur Verbeitragung dieser Einkünfte wird die Rendite ihrer mühsam aufgebauten Altersvorsorge abgeschmolzen und unter die Inflationsrate gedrückt.

Doch auch die derzeitigen Bedingungen zum Mutterschutz für Selbstständige reduzieren den Anreiz für Frauen, sich selbstständig zu machen erheblich. So haben sie während der Schwangerschaft derzeit mit erheblichen finanziellen Einbußen zu rechnen, da es ein Mutterschutzgesetz wie für Angestellte nicht gibt. Mehr dazu in unserem Beitrag "Ausgestaltungsvorschläge für verbesserten Mutterschutz für Selbstständige“.

Du hast Interesse an einer Gruppe für Frauen oder Gründer/innen? Dann melde dich bei uns!

Da wir uns als VGSD seit Jahren intensiv mit der Situation selbstständiger Frauen in Deutschland beschäftigen, würden wir uns sehr freuen, wenn sich motivierte Mitglieder für die Gründung einer VGSD-Frauengruppe finden. In dieser könnten sich selbstständige Frauen über ihre Erfahrungen und Herausforderungen austauschen. Hast du Interesse daran, eine solche Gruppe zusammen mit anderen auf den Weg zu bringen? Dann melde dich gern unter info@vgsd.de.

Außerdem wurde beim VGSD kürzlich die Gruppe "Gemeinsam Gründen" ins Leben gerufen. Der Gründungszirkel richtet sich an Gründungsinteressierte, Existenzgründende und junge Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich Wissen, Orientierung und ein starkes Netzwerk wünschen. Ein erstes Treffen ist für den 30. September geplant. Sei gern dabei und vernetze dich mit anderen Menschen, die ebenfalls gründen – deutschlandweit und über alle Branchen hinweg. Nutze die Gelegenheit für einen offenen Austausch in einem geschützten Rahmen über alles, was dich in deiner Gründung bewegt. Nach der Sommerpause soll es losgehen: Wenn du Interesse hast, melde dich gern unter gruendung@vgsd.de oder info@vgsd.de bei uns. Alle Informationen zur Gruppe findest du zudem gesammelt auf unserer Website. Dort kannst du auch gleich den Gruppen-Newsletter abonnieren.

Deine Erfahrung ist uns wichtig!

Sind dir auf deinem Weg in die Selbstständigkeit ähnliche Hürden begegnet? Wenn ja, welche? Was müsste sich deiner Meinung nach in Politik und Gesellschaft ändern, damit mehr Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen? Wir freuen uns auf den Austausch!

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