Mit Ideen wie dieser ist der Wettbewerb mit Apple, Google & Co. so gut wie gewonnen

Interesse an einem Porsche? – Bitte warten Sie mit dem Absenden einer E-Mail bis zum nächsten Morgen bzw. bis zur Rückkehr des zuständigen Mitarbeites aus seinem Urlaub  – Foto: Toby_Parsons, Pixabay

Die Diskussion um Arbeiten 4.0 treibt immer kuriosere Blüten. Beim Lesen des Spiegel-Artikels „Porsche-Betriebsratschef will E-Mails löschen lassen“ musste ich mich mehrfach vergewissern, dass wir heute wirklich den 19. Dezember 2017 haben und nicht etwa den 1. April – und zwar des Jahres 1967.

 

Eintreffende Mails sollen außerhalb der Arbeitszeiten gelöscht werden

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück reicht die bei Konzern-Mutter VW bestehende „E-Mail-Pause“ nicht: Außerhalb der Arbeitszeiten sind eingetroffene E-Mails von Tarifbeschäftigten dort nicht abrufbar. Hück will mehr, nämlich dass alle Mails, die zwischen 18 und 6 Uhr, am Wochenende und während des Urlaubs eines Mitarbeiters eintreffen, sofort gelöscht werden. Wörtlich:

„Was nützt dir eine Mailsperre, wenn du ins Büro kommst und erst mal Unmengen an Mails abarbeiten musst.“

 

Empfänger wird aufgefordert, Mail später noch einmal zu senden

Immerhin soll der Absender vor dem Löschen benachrichtigt und aufgefordert werden, die E-Mail zu den Öffnungszeiten noch einmal zu senden.

Die Porsche-Kunden freuen sich über dieses Service-Plus sicherlich und die Kollegen bemerken die Löschung nicht, denn die Benachrichtigung darüber wird ja bei ihnen auch gelöscht…

Nur weniger E-Mails wird es nicht geben, denn die gelöschte E-Mail wird ja nur durch eine andere E-Mail ersetzt, die besagt, dass sie gelöscht wurde. Im Gegenteil: Am nächsten Tag wird die Mail noch einmal gesendet oder es wird eine Mail gesendet, um herauszufinden, ob die Mail nicht doch angekommen ist.

Das ist aber kein Problem: Zweifellos werden findige deutsche Startups (nur in Deutschland benötigte) Dienste anbieten, mit denen man die E-Mails zeitversetzt zu Beginn der Arbeitszeit versenden kann, um die durch den Hück-Vorschlag angestiegene Zahl von E-Mails wieder zu reduzieren.

 

Vorsicht: Ironie!

Wenn die Regelung sich bei Porsche bewährt hat, dürfte dann in einigen Jahren die Forderung erhoben werden, sie auch den Selbstständigen vorzuschreiben, denn diese sind entweder sowieso alle scheinselbstständig oder unterlaufen die Sozialstandards, die man für Arbeitnehmer hart erkämpft hat.

Aber keine Sorge: Die von der „E-Mail-Pause“ betroffenen Angestellten bei den Automobilherstellern haben schon jetzt einen Workaround entwickelt und nutzen ihr privates E-Mail-Postfach oder Whatsapp für wirklich wichtige geschäftliche Kommunikation. Dadurch werden dann zwar erst recht Geschäftliches und Privates vermischt, die Mitarbeiter riskieren eine Kündigung und vertrauliche Information werden womöglich ungeschützt kommuniziert – aber was macht man nicht alles, um den Laden halbwegs am Laufen zu halten?

Wir finden: Ein interessanter Diskussionsbeitrag zum richtigen Umgang mit der Digitalisierung. Mit solchen innovativen Ideen ist der Wettbewerb mit Apple, Google, Uber & Co so gut wie gewonnen!

Was meinst du? – Wir freuen uns auf deinen Kommentar

16 Kommentare

  1. Katharina Hausmann schreibt:

    Seltsam, dass bisher noch niemand auf die nahe liegende Idee gekommen ist, auch die Vernichtung von Briefen zu fordern, die außerhalb der Arbeitszeiten des Postboten in den Briefkasten geworfen wurden… Der Briefkasten sollte sich in diesen Zeiten in einen Reißwolf verwandeln, der alles schreddert, was nicht innerhalb der vorgegebener Zeiten eingeworfen wurde – natürlich gegen Quittung an den Empfänger. Am besten schafft man die Briefkästen ab und erlaubt nur noch die Abgabe der Briefe beim Postamt während dessen Öffnungszeiten.

    Antworten
  2. Die Stimme aus dem Nirvana schreibt:

    Derartige Forderungen zeigen, wo Betriebsräte, Gewerkschaften und die SPD als ihr politischer Arm im Jahr 2017 stehen. Der Vergleich mit dem Shreddern von Briefen, die außerhalb der Arbeitszeit in den Briefkasten geworfen werden, bringt es auf den Punkt.
    .
    Bemerkenswert ist, das in den Konzepten der Roten nirgends Ansätze zu finden sind, die die individuelle Entscheidung sowie die Eigenverantwortung der Mitarbeiter berücksichtigen. Mit derartigen Forderungen erbringen sie sowohl für den Wirtschaftsstandort als auch die Arbeitnehmer einen Bärendienst.
    .
    Die Gewerkschaften haben im Jahr 2017 noch immer nicht die Parabel vom zerbrochenen Fenster verstanden, die Frédéric Bastiat in seinem Aufsatz „Was man sieht und was man nicht sieht“ im Jahr 1850 veröffentlicht hat.

    Antworten
  3. Antworten
  4. oskar schreibt:

    Der Workaround, passt ja richtig gut zum Datenschutz und zum Schutz von Betriebsgeheimnissen. Das Risk-Management freut sich bestimmt, das keine „Data Loss Prevention“ mehr möglich ist.
    .
    Das Löschen von E-Mails finde ich bedenklich, der Absender kann nur die Briefpost oder besser Brieftauben verwenden. Werden E-Mails mit Beförderungen u. Gehaltserhöhungen in dieser Zeit gelöscht?
    .
    Dachte immer asynchronen Systeme entlasten Mitarbeiter, der Mitarbeiter kann sein Arbeitspensum selbst steuern.
    .
    Wird nun endlich auch das Ministerium für „Silly Walks“ eingeführt. Finde der gesamte VW-Konzern benötigt einen solchen Beauftragten. Bestimmt sinnvoller als solche Ideen 😉 https://www.youtube.com/watch?v=iV2ViNJFZC8

    Antworten
  5. Antworten
    1. Antworten
  6. Juergen schreibt:

    Zwischen dem Ende einer täglichen Arbeitszeit und dem Beginn einer neuen täglichen Arbeitszeit müssen mindestens 11 Stunden ununterbrochene Ruhezeit liegen (§ 5 (1) ArbZG). Außer in Schichtbetrieben bedeutet dies: Zwischen dem Arbeitsende am Abend und dem Arbeitsbeginn am Morgen liegen 11 Stunden Ruhezeit.

    Detaillierter hier (und auch da, Ausnahmen bestätigen die Regel):

    http://www.arbeitszeit-klug-gestalten.de/alles-zu-arbeitszeitgestaltung/arbeitszeitrecht/ruhezeiten-zwischen-zwei-arbeitstagen/

    Auch ist der Vergleich von Briefen die außerhalb der Öffnungszeiten eingeworfen werden wie der Vergleich von Äpfel und Birnen… paßt einfach nicht oder rennt jemand von daheim außerhalb der Geschäftszeiten ins Geschäft an den Briefkasten?

    Das sind vielleicht nicht die Probleme von Selbständingen aber mit Sicherhheit die von Tarifangestellten.

    Antworten
    1. oskar schreibt:

      Wie tim schon schrieb, es gab zur jederzeit interne schriftliche Kommunikationswege in den Unternehmen. Mir ist keine Richtlinie aus dieser Zeit bekannt, die es verbietet schriftliche Dokumente im Feierabend oder zur Hause zu lesen (höchstens Datenschutz, Patentschutz etc.). Diese alten Systeme wie Rohrpost oder Hauspost sind der heutigen E-Mail sehr ähnlich und wurden meistens von einer eigenen Abteilung erledigt. Eine neue Form der Hauspost einzuführen, kann nicht das Ziel im Jahr 2018 sein?
      .
      Meine Befürchtung ist es, dass die Tätigkeiten von heutigen Sachbearbeitern in den nächsten 10 – 20 Jahre zum größten Teil von KI erledigt wird. Diese Forderung wird die Automatisierung in diesem Bereich beschleunigen und somit vielleicht schneller Arbeitskräfte freisetzen. Als Softwareentwickler freue ich mich natürlich über neue Projekte, falls ich diese in Deutschland noch ausüben darf (Scheinselbständigkeit)!!!.
      .
      In Projekten herrscht internationaler Wettbewerb, an dieser Stelle gefährden solche starre Regeln den Standort. Die Forschung und Entwicklung kann auf jeden Ort der Erde unabhängig der Produktion betrieben werden. Neben dem Steuerwettbewerb sind wird im europäischen und internationalen Wettbewerb der gesamten Arbeitsvorschriften. Sorry die Idee nützt keinem!
      .
      Oder diskutieren wir bald über die Geschwindigkeiten und Beladungen von „Brief-Schwalben“? https://www.youtube.com/watch?v=E58q1dTZa68

      Antworten
  7. tim schreibt:

    hmm, es gab Hauspost und Rohpost ? E-Mail ist einfacher und schneller. Sollte der Rest nicht Verhandlungssache sein? Für mich gehört E-Mail zur Arbeit und somit ist es schon vom jetztigen Arbeitsrecht abgedeckt. Wir brauchen keine neuen zusätzlichen Arbeitsgesetze!
    .
    Bei Ryanair scheinen die alten Arbeitsgesetze zu wirken. Die Jahre lang beklagte Scheinselbständigkeit bei Piloten wurde nicht mit den neuen Gesetzen von Frau Nahles beseitig. Einfache, eindeutige und klare Gesetze sind für alle oft wirkungsvoller, gerechter und sozialer!

    Antworten
  8. Nils schreibt:

    Ich denke viele der Generation „Internetausdrucker“ haben den Umgang mit E-Mail einfach nicht so recht verstanden. Dass die meisten E-Mails grausam formatiert sind (ellenlange Signatur + Disclaimer, nichtssagender Betreff) und das volle Zitat der E-Mail unten drangeklatscht wird ist leider vor allem MS Outlook geschuldet welches die sonst übliche Netiquette (aus dem Usenet und von Mailinglisten) ignoriert. Man muss sich dann nicht wundern dass Leute alles in Meetings klären wenn die E-Mails unüberschaubar sind.

    Dazu kommt bei einigen Leuten auch das „me too“ Syndrom: Kommt eine Mail nach Feierabend wird immer darauf geantwortet damit die Kollegen denken man ist noch fleißig… Für dringende Dinge gibt es bessere Kommunikationswege als E-Mail.

    Antworten
  9. Eike Sonnenschein schreibt:

    Ein sehr tendenziöser Artikel. Im Grunde geht es doch um die Frage, wie wir uns Erwerbsarbeit vorstellen und wie viel Einsatz man von Menschen fordern kann. Da es perspektivisch keinen Mangel an (auch überqualifiziertem) Personal geben wird, muss sich auch ein Selbständiger fragen, von wem man überhaupt verlangen können darf, ständig erreichbar zu sein. Um so dringender, wenn man sich in sozialen Umfeldern bewegt, in denen es cool ist, sich selbst auszubeuten und kein Privatleben zu haben. Hier wird kritisiert, dass Selbständigen das Recht genommen werden könnte(!), sich unter Wert zu verkaufen – oder für den (zu kleinen) Wert auch Nachts zu glühen. Leuchtet mir unter nachhaltigen Prämissen nicht ein. Statt sich über die konkrete Ausgestaltung auszulassen sollten wir uns um den Sinn des Gedanken kümmern, und darauf, dass wir auch in Zukunft gebraucht werden.

    Antworten
    1. Wolfgang Uhl schreibt:

      Na ja – es ist halt verkehrt angegangen.
      Wer nicht wieder in die Zeiten zurück möchte, in denen eine Email doch nochmal zusätzlich ausgedruckt verschickt wird, sollte nicht einfach Mails löschen.
      Sinnvoller wäre es dann, einfach den Zugriff auf die Mails zu beschränken. VPN in die Firma meinetwegen ab 18 Uhr nicht mehr möglich oder sowas – kann ja auch weniger starr sein.
      Stress durch das Backlog, das am nächsten Tag zu bearbeiten ist – so what? Was wäre der Unterschied bzw. die Entlastung dazu, wenn der Kunde die Mail am nächsten Morgen schickt?
      Scheint mir sinnfrei zu sein und nur die Vorteile, die man durch asynchrone Kommunikation bekommen hat, wieder auszuhebeln.

      Antworten
    2. hans schreibt:

      Hallo Frau Sonnenschein, ich verurteile keinen Menschen dafür, wenn er Dienst nach Vorschrift machen möchte. Im Gegenzug erwarte ich aber auch Toleranz wenn jemand was bewegen möchte, was neues schaffen möchte. Hätten die Generationen nach dem zweiten Weltkrieg nichts aufgebaut, Selbstausbeutung nach Ihren Worten, wo wären wir dann heute? Keiner von uns könnte über solche Luxusprobleme philosophieren.
      .
      1989 wurde die Planwirtschaft abgeschafft, nicht weil der Kapitalismus gesiegt hatte. Weil die Menschen in der DDR mehr wollten, ihre Zukunft selbst bestimmen! Leben und Leben lassen, wir bewegen uns auf Arbeitnehmermärkte, die wenigsten Arbeitgeber werden ihre Leute außerhalb der Arbeitszeit zwingen können.

      Antworten
    3. BauerEwald schreibt:

      Das passt doch wunderbar zum Standort Deutschland. Der Selbständige ist der „reudige Hund“ der erschlagen gehört. Kein Zutrauen, alles rechtfertigen, mehr Bürokratie, mehr Verbote als Weiterentwicklung…

      Trotz Trump, wird Deutschland das Silicon Valley nicht aufholen können.
      Bitte SPD, Linke und Gewerkschaft denkt um, sonst sind in 20 Jahren wieder die „Rote Laterne“ in Europa und auf der Welt.

      Antworten
      1. BauerEwald schreibt:

        upps, Smartphone

        Bitte SPD, Linke und Gewerkschaft denkt um, sonst sind wir in 20 Jahren wieder die „Rote Laterne“ in Europa und auf der Welt.

        Antworten
  10. Die Stimme aus dem Nirvana schreibt:

    @Eike Sonnenschein:
    Vorweg: ich bezweifle, dass Sie wirklich selbstständig sind. Der tendenziöse Begriff „Selbstausbeutung“ dürfte ebenso wie der beleidigende Kampfbegriff „Scheinselbständigkeit“ den sprachlichen Giftlaboren gewerkschafsnaher „Think“-Tanks entstammen und wird ausgehend von diesen Kreisen in die Öffentlichkeit gestreut; mit dem Ansinnen, das etwas „hängenbleibt“.
    .
    Wenn berufliche Selbstverwirklichung, die über das Ausmaß von gewerkschaftlich verordneten Dienst nach Vorschrift hinausgeht, als „Selbstausbeutung“ schlechtgeschrieben wird, drängt sich die Frage auf, welches Attribut Sie Leuten umhängen, die sich in ihrer Freizeit selbstverwirklichen und fordernde, zum Teil aufzehrende und risikoreiche Herausforderungen (z.B. Extremsportarten) suchen.
    .
    Ein Marathonläufer wird sich nicht von einer Gewerkschaft vorschreiben lassen, dass er alle 5 km eine Pause einlegen muss, weil dem Bevölkerungsdurchschnitt mehr als 5 km am Stück nicht mehr zuzutrauen ist, ohne, dass sich jemand überfordert fühlt. Die Menschen sind hochgradig unterschiedlich mit ihren Fähigkeiten bzw. Interessen; sie wissen selbst am besten was ihnen in welcher Lebensphase guttut.
    .
    Ausgehend von einem völlig falschen Narrativ („Das Ende der Arbeit“), der von Gewerkschaftsfunktionären immer dann aus der Mottenkiste geholt wird, wenn es darum geht die eigene Macht auszubauen, glauben Sie den Menschen vorschreiben zu müssen, was, wie und wie lange sie arbeiten sollen.
    .
    Hohe Löhne sind dort möglich, wo die Produktivität hoch ist. Und dort wo hohe Löhne vorhanden sind, die mit einer realen Wertschöpfung des Unternehmens korrelieren und nicht zulasten der Substanz gehen, entsteht immer wieder eine neue Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen, die wiederum zu neuen Erwerbsmöglichkeiten führen.
    .
    Das „kleine Geheimnis“ über das sich Gewerkschaften mit dem auffälligen Aktionismus der letzten paar Jahre drüber schwindeln wollen, ist, dass immer offenkundiger wird, dass das Kapital nicht der Feind der Arbeit ist, sondern sich beides gegenseitig bedingt.
    .
    Die künstliche Dichotomie Arbeit vs. Kapital – ein zentrales Element vom gewerkschaftlichen Geschäftsmodell – löst sich in Luft auf und die Genossen bangen um ihre Macht. Somit dürfte klar sein, warum Gewerkschaften wie ver.di hochbezahlte selbständige Experten in „Clickworker“, „Crowdworker“, „Heimarbeiter“ oder „Leiharbeiter“ umwandeln möchte.
    .
    Der Begriff „Selbstausbeutung“ gibt keinen realen Sachverhalt wieder, sondern er dient dazu falsche Annahmen im Raum stehen zu lassen, auf die einige, die nicht die impliziten Annahmen hinterfragen, durchwegs reinfallen.
    .
    Ein Konzept, bei dem man sich derart rhetorisch verbiegen muss um die eigentliche Intention (hier: die erhebliche Schlechterstellung von Leistungsträgern, die in Summe bereits mehr als die Hälfte ihrer Produktivität an den Staat abführen), zu verbergen, gehört besser heute als morgen auf der Müllhalde der Geschichte entsorgt. Es schädigt die Betroffenen in ihrer individuellen Freiheit wie auch die Gesellschaft in ihren Möglichkeiten.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.