Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

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Werner-Bonhoff-Preis 2019: And the winner is…

Oliver Blume, Boxhotel, Foto: Kay Herschelmann

Wer gewinnt dieses Jahr den mit 50.000 Euro dotierten „Werner-Bonhoff-Preis-wider-den-§§-Dschungel“, den zuvor mit Tim Wessels und Christa Weidner bereits zwei VGSD-Vereinsmitglieder gewonnen haben?

Ende Mai hatten wir die drei Finalisten vorgestellt, aus denen die Jury den Preisträger ermittelt hat und an den sie heute Abend in Berlin feierlich den Preis übergeben wird. Mit dabei sind wie inzwischen jedes Jahr – neben Persönlichkeiten aus Politik und Verwaltung und ehemaligen Preisträgern – mehrere aktive VGSD-Mitglieder sowie Vertreter befreundeter Verbände.

 

And the Winner is … Oliver Blume!

Der diesjährige Preisträger ist Oliver Blume aus Hannover. Der Serien-Entrepreneur hatte zuvor bereits die „easyApotheken“ gegründet und betreibt seit 2017 ein ganz besonderes Hotelkonzept, das „BoxHotel“. Es ermöglicht in Innenstadtlagen Übernachtungen zum Niedrigpreis: Ab 24,99 Euro pro Nacht können die Gäste in 4,2 m³ bis 5,3 m³ kleinen, fensterlosen Schlafboxen einchecken.

Im niedersächsischen Göttingen eröffnete er nach einem reibungslosen Genehmigungsverfahren im Mai 2017 das erste BoxHotel. Als Oliver Blume sodann sechs Monate später im gut 120 km entfernten Hannover die Eröffnung eines weiteres BoxHotels plante, wurde er überrascht. Denn trotz Geltung derselben Landesvorschriften, erteilte Hannover die Genehmigung nicht.

 

Gleiches Bundesland – unterschiedliche Regeln

Neue Ideen mit bestehenden Gesetzen in Einklang zu bringen, ist stets eine Herausforung für Behörden. Deshalb sollten sie nach Ansicht der Bonhoff-Stiftung eng zusammenarbeiten und stets eine gemeinsame Linie abstimmen. In diesem Fall war es anders.

Oliver Blume kämpfte weiter für sein Konzept und hatte letztlich, 14 Monate nach seiner Antragstellung, im Januar 2019 vor dem Verwaltungsgericht Hannover Erfolg. Das Gericht gab ihm recht und entschied, dass es sich bei den Schlafboxen zwar um Aufenthaltsräume handeln würde, jedoch erkennbar nicht um solche, die dem Wohnen dienen sollen. Weil Blume darüber hinaus auch die Anforderungen des Brandschutzes, Belüftung und Beleuchtung in seinem Konzept erfüllte, seien – gemäß eines Ausnahmetatbestandes der niedersächsischen Bauordnung – keine Fenster notwendig.

Das BoxHotel in Hannover wird in Kürze eröffnet. Weitere Boxhotels plant Herr Blume in Bremen, Hamburg, Bielefeld und München. Wir drücken ihm die Daumen, dass sich das Spiel dort nicht wiederholt.

 

Einen anderen Gründer hätte das Verwaltungshandeln in den Ruin getrieben

Oliver Blume betont, er sei froh, dass ihn ein derartiger Verlauf nicht bei erstmaliger Unternehmensgründung getroffen habe, denn in dem Fall wäre es wohl nicht möglich gewesen, einen Zeitraum von über einem Jahr finanziell durchzustehen – ohne Pleite zu gehen.

Blume hat der Fall nicht nur jede Menge Geld sondern auch viel Zeit und Nerven gekostet und er hofft, durch die Sichtbarmachung der Kritik einen Verbesserungsprozess grundsätzlich im Austausch der Behörden untereinander anzuschieben.

 

Behörden sollten sich besser untereinander abstimmen

Till Bartelt, Vorstand der Bonhoff-Stiftung, zur Wahl des Preisträgers:

„Bei gleichartigen Sachverhalten und Geltung derselben Landesvorschriften drängt es sich – auch zur Ressourcenschnung beider Seiten – geradezu auf, dass eine interne Abstimmung stattfindet, schließlich wird von der Verwaltung eine einheitliche Rechtsanwendung erwartet. Aus unternehmerischer Sicht würde es ein kaum kalkulierbares Risiko darstellen, wenn damit gerechnet werden müsse, dass dieselben anzuwendenen Vorschriften von verschiedenen Behörden eines Bundeslandeslandes derart unterschiedlich ausgelegt werden.

Der Fall von Herrn Blume macht beispielhaft sichtbar, dass es hier Verbesserungsbedarf in der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Behörden, jedoch insbesondere zwischen den einzelnen Behörden gibt.“

Die ausführliche Falldarstellung ist in der Online-Fallsammlung der Werner Bonhoff Stiftung abrufbar.

 

Bewerbe auch du dich für den Werner-Bonhoff-Preis

Wenn auch du dich schon mit der Bürokratie angelegt oder gegen den §§-Dschungel gekämpft hast und dich für den (nächstjährigen) Bonhoff-Preis bewerben möchtest, dann informiere der Bonhoff-Stiftung über deinen Fall. Auf deren Website gibt es ein kurzes Formular zu diesem Zweck. Dein Fall wird dann nach einer Prüfung mit ggf. Nachfragen bei dir in die Fallsammlung der Stiftung aufgenommen, was deinem Anliegen auch unabhängig von dem Preis zusätzliche Aufmerksamkeit gibt.

Hintergrund: Die Werner-Bonhoff-Stiftung vergibt im Rahmen ihres Projekts „Bürokratie Therapie“ seit 2006 diesen mit 50.000 Euro unseres Wissens höchstdotierten deutschen Wirtschaftspreis. Ausgezeichnet werden unternehmerische Menschen, die Bürokratismus nicht einfach hinnehmen und damit Verbesserungen „von unten nach oben“ anregen. Die Stiftung ermutigt und befähigt unternehmerische Menschen, einen Beitrag zur notwendigen Kontrolle und Motivation der Verwaltung von außen zu leisten.

Galerie

Ein Radiojournalist moderiert die Preisverleihung, Foto: Tim Wessels
Schüler des Julius-Stern-Instituts (Universität der Künste Berlin) leiten den Abend musikalisch ein, Foto: Tim Wessels
Professor GunnarFolke Schuppert begrüßt die Teilnehmer mit einer wie immer sehr amüsanten Rede, Foto: Tim Wessels
Die Wirtschaftsjournalistin Ursula Weidenfeld hält die Laudatio, Foto: Tim Wessels
Stiftungsvorstand Till Bartelt übergibt den Preis und einen symbolischen Scheck, Foto: Tim Wessels
Preisträger Oliver Blume bedankt sich in seiner Rede, Foto: Tim Wessels
Die Veranstaltung wurde von einer Fotografin und einem Kameramann aufgezeichnet, Fotos und Video werden in einigen Wochen auf der Website der Stiftung veröffentlicht werden, Foto: Tim Wessels

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