Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

Verband der Gründer und
Selbstständigen Deutschland e.V.

Arbeitslosenversicherung für Selbstständige: Starker Rückgang der freiwillig Versicherten / Nur die Hälfte bleibt länger als zwei Jahre

Die Zahl der freiwillig gegen Arbeitslosigkeit versicherten Selbstständigen ist stark rückläufig, Foto: succo, Pixabay

Viele Selbstständige wissen es gar nicht: Existenzgründer, die zum Zeitpunkt der Gründung arbeitslosenversichert sind, können sich freiwillig gegen Arbeitslosigkeit (und somit auch das Wegbrechen von Umsätzen) versichern. Obwohl also nur Gründer von der Regelung profitieren, nutzten 2010 immerhin rund 8,1 Prozent der Solo-Selbständigen diese Form der sozialen Absicherung.

Eine Studie des zur Bundesagentur für Arbeit gehörigen Instituts für Arbeitsmarktforschung (IAB) liefert nun neue Erkenntnisse über die Jahre 2013 bis 2017. Ende 2013 waren noch 6,3 Prozent und Ende 2017 nur noch 3,5 Prozent versichert. In absoluten Zahlen ausgedrückt: Ende 2010 waren 194.400 versichert, Ende 2013 145.000 und Ende 2017 noch 81.000.

 

Einschnitte bei Gründungszuschuss führten zu starkem Rückgang der Neuzugänge

Die IAB-Studie untersucht die Ursachen dieses Rückgangs und die Handlungsmöglichkeiten der Bundesagentur. Dabei erwähnt sie aber – auch durch die Wahl eines vergleichsweise kurzen Betrachtungszeitraums – zwei Hauptgründe für den Rückgang nicht oder nur am Rande:

Ende 2011 wurde der Rechtsanspruch auf Gründungszuschuss (GZ) abgeschafft, die Arbeitsagenturen vergeben ihn seitdem im Rahmen einer Ermessenentscheidung. Das nutzten sie, um entsprechend der Vorgaben des (damals noch CDU-besetzten) Arbeitsministeriums kräftig zu sparen: Die Zahl der genehmigten Förderungen ging um 80 Prozent gegenüber dem Referenzjahr 2010 zurück – eine Entwicklung die bis heute anhält. Da die GZ-Empfänger die Hauptzielgruppe für die freiwillige Arbeitslosenversicherung (ALV) waren und ihnen diese auch aktiv angeboten wurde, nahm damit seit 2010 natürlich logischerweise auch die Zahl der Neuzugänge in die Versicherung stark ab.

 

Vervierfachung der Beiträge machte Versicherung auch für bereits Selbstständige unattraktiv

Parallel verdoppelte die Regierung zum 31.12.2010 und am 31.12.2011 zwei Mal hintereinander die Höhe der Beitragssätze, was insgesamt zu einer Vervierfachung der monatlichen Kosten von 18 auf 79 Euro führte (2010 versus 2012, alte Bundesländer). Das machte die Versicherung natürlich auf einen Schlag viel weniger attraktiv und führte dazu, dass viele Selbstständige, sobald sie sich halbwegs etabliert hatten, die Versicherung verließen. Kosten und Leistung standen – so unsere Beobachtung – für die meisten einfach in keinem Verhältnis mehr. Die damalige Änderung war Teil der gründerfeindlichen Gesetze, die im Sommer 2012 zur Gründung des VGSD führte.

Die Veränderungen spiegeln sich auch in der Zahl der Neuzugänge wieder: Traten 2010 noch 100.649 Gründer neu ein, waren es 2011 – angesichts der massiven Kürzungen beim GZ – nur noch 65.824. Gleichzeitig müssen 2011 sehr viele die Versicherung verlassen haben, denn unter dem Strich nahm die Zahl der Versicherten um 28.000 ab. (Die Zahlen für die Jahre 2010/11 stammen von gruendungszuschuss.de.)

 

Vermutlich wird Arbeitslosigkeitsrisiko von aktuell Gründenden als niedrig eingeschätzt

Im Jahr 2013 gab es nur noch knapp 19.000 und 2017 sogar nur noch gut 8.000 Neuzugänge. Während die Zahl der GZ-Gründer sich in diesem Zeitraum mit 27.000 bis 31.000 pro Jahr auf einem im Vergleich zu früheren Jahren (2010: 147.000) sehr niedrigen Niveau stabilisierte, halbierte sich die Zahl der Anträge auf freiwillige ALV. Ein Grund dafür dürfte die gute Konjunktur in diesem Zeitraum gewesen sein und damit die Erwartung, die kritischen ersten Jahre der Gründung auch ohne ALV gut bewältigen zu können.

 

Gründer mit Hochschulabschluss erhalten 77 Prozent höheres Arbeitslosengeld bei gleichem Beitrag

Ausführlich geht die Studie auf eine Schwäche der freiwilligen ALV ein, die auch wir in der Vergangenheit häufig kritisiert haben: Trotz gleicher Beiträge (die Beitragshöhe unterscheidet sich nur zwischen alten und neuen Bundesländern, ist aber unabhängig vom vorherigen Verdienst) unterscheidet sich das Arbeitslosengeld (ALG), das Selbstständige erwarten dürfen, ganz erheblich. Bei zeitnah nach Gründung auftretender Arbeitslosigkeit wird es vom früheren Einkommen als Angestellter bestimmt, nach etwas längerer Selbstständigkeit allein anhand der formalen Qualifikation des Versicherten.

Ein Selbstständiger ohne Berufsausbildung darf nur mit 866,10 Euro ALG pro Monat rechnen, jemand mit (Fach-) Hochschulabschluss dagegen mit 1.529,40 Euro. Das sind 77 Prozent mehr – und das bei gleichem monatlichem Beitrag! (Die Angaben beziehen sich auf Arbeitslose ohne Kinder in Steuerklasse 3. Ledige in Steuerklasse 1 erhalten weniger, mit Kindern ist es mehr. Bezug in den alten Bundesländer im Jahr 2018).

 

Für Selbstständige mit niedriger formaler Bildung rechnet sich die Versicherung nur selten

Selbstständige mit geringer Qualifikation und ohne Vermögen bzw. deutlich besser verdienende Angehörige stellen sich bei einer solchen Höhe durch die für sie schmerzhaft hohen Beiträge nicht besser, als wenn sie ALG II beantragen. Eine freiwillige Versicherung wäre für sie also ein Verlustgeschäft.

Wenig überraschend kommt die IAB-Studie zum Ergebnis, dass ausgeprägte Unterschiede bei der Inanspruchnahme der Versicherung „vor allem hinsichtlich des höchsten Bildungsabschlusses zu beobachten“ sind: Versicherte mit akademischem Abschluss schließen überproportional häufig (+ 20 Prozent) die Versicherung ab. Versicherte ohne Berufsausbildung nur in Ausnahmefällen (- 66 Prozent). Entsprechend lag der vor der Gründung zuletzt erzielte Bruttomonatslohn der Versicherten im Schnitt um 320 Euro höher als derer, die sich  nicht versichern. Die freiwillige ALV wirkt durch ihre unattraktive Ausgestaltung also sozial selektiv.

 

Versicherung wird vor allem älteren, bereits etwas länger Arbeitslosen genutzt

Aus diesem Grund nehmen auch in erster Linie solche Gründer die Versicherung in Anspruch, die ein vergleichsweise hohes Risiko sehen, wieder in Arbeitslosigkeit zu geraten: Das Durchschnittsalter derer, die sich versichern, ist im Schnitt vier Jahre höher – mit zunehmendem Alter nimmt das Arbeitslosigkeitsrisiko zu. Auch waren die Versicherten vor der Gründung im Schnitt einen Monat länger arbeitslos.

Interessant sind auch die Erkenntnisse dazu, wann die Entscheidung für eine Gründung erfolgte. Die mit GZ geförderten Gründer fallen laut Studie großteils in zwei Lager: Eines kann gar nicht schnell genug gründen und tut dies bereits im ersten Monat der Arbeitslosigkeit. Ein anderes gründet im siebten Monat des ALGbezugs quasi auf den letzten Drücker: Um den Zuschuss zu erhalten, müssen von den typischerweise 12 Monaten ALGanspruch bei Gründung noch 5 Monate übrig sein.

Wer später gründet, dürfte eher risikoavers eingestellt sein, hat (im Idealfall) vorsichtshalber mehr Zeit in die Gründungsvorbereitung investiert – oder aber sieht die Gründung eher als Verlegenheitslösung. Wenig überraschend ist der Anteil derer, die sich freiwillig arbeitslosenversichern, unter den länger als ein Monat und insbesondere den länger als fünf Monate lang Arbeitslosen deutlich höher, als unter denen, die in den ersten 30 Tagen gründen.

 

Jeder zweite Gründer beendet die Versicherung innerhalb von 24 Monaten

Während für die obigen Ergebnisse nur mit GZ Geförderte betrachtet wurden, wurden bei den folgenden Auswertungen auch Gründer einbezogen, die ohne Förderung gründeten und sich trotzdem arbeitslosenversichert haben.

Wie oben bereits erwähnt beenden innerhalb von 24 Monaten 50 Prozent der Gründer wieder die Versicherung. Geförderte Gründer verbleiben während der Förderung und insbesondere den ersten sechs Monaten (1. Förderphase) deutlich häufiger als nicht Geförderte. Nach Ende der Förderung unterscheidet sich das Verhalten der beiden Gruppen nicht mehr.

 

Erfreuliche Ergebnisse, die aber auf Selektionseffekten beruhen könnten

Auf den ersten Blick erfreulich: Sowohl 12 als auch 24 Monate nach Gründung beziehen vergleichsweise wenig geförderte Gründer ALG. Das könnte allerdings auch daran liegen, dass viele zunächst keinen Leistungsanspruch mehr haben oder nur einen kurzen, diesen also erst wieder neu aufbauen müssen.

Ebenfalls auf den ersten Blick erfreulich: Versicherte Gründer landen ein bzw. zwei Jahre nach Gründung deutlich seltener im ALG2-Bezug als nicht Versicherte. Schützt also die freiwillige ALV vor dem Abrutschen in Hartz IV? Eine solche Kausalität sehen wir nicht, Grund dürfte vielmehr der bereits erwähnte Selektionseffekt sein, dass viele Menschen mit geringer Qualifikation, niedrigem Einkommen und hohem Arbeitslosigkeitsrisiko sich nicht versichern, weil die Versicherung ihnen keine Vorteile (gegenüber dem ALG2-Bezug), sondern im wesentlich nur eine zusätzliche Kostenbelastung bringt.

 

Vergleichsweise kurze Inanspruchnahme von Arbeitslosengeld

Untersucht wurde erstmals auch, wie lange die versicherten Gründer im Schnitt in den ersten zwei Jahren ALG beziehen, nämlich 23 Tage im Fall der geförderten Gründer und 48 Tage bei den nicht geförderten Gründern. Die Förderung reduziert das Risiko eines ALG-Bezugs auf den ersten Blick also erheblich.

Allerdings ist hierbei zu bedenken, dass die Geförderten sechs Monate lang den GZ in Höhe ihres ALG-Anspruches plus 300 Euro und weitere neun Monate je 300 Euro erhalten. Dadurch verkürzt sich die Zeit, während der potenziell ALG bezogen werden könnte erheblich. Zudem stellt sich auch hier die Frage, ob nach der Förderung mit GZ überhaupt noch ein Anspruch auf ALG besteht und dieser nicht erst wieder aufgebaut werden muss.

Bezüglich der formalen Qualifikation und des vorherigen Verdienstes ergaben sich keine signifikanten Unterschiede.

 

Studienautor macht Vorschläge, wie Äquivalenz zwischen Beiträgen und Leistung hergestellt werden könnte

Michael Oberfichtner, der Autor der Studie, beschäftigt sich in seinem Fazit mit der Frage, wie (entsprechend des ansonsten in der ALV bestehenden Äquivalenzprinzips) ein stärkerer Zusammenhang zwischen Höhe des ALGanspruchs und der dafür bezahlten Beiträge hergestellt werden könnte.

Dazu sieht er drei Möglichkeiten:

  1. Weiterhin einheitlicher Beitrag, aber auch einheitliches ALG
  2. Ausdifferenzierung des Beitrags, wie die Leistung nach formaler Qualifikation bzw. letztem Bruttoeinkommen des Empfängers
  3. Ermittlung von Beiträgen und ALG abhängig vom aktuellen Einkommen (Gewinn) als Selbstständiger

Bei Variante 1 würden das ALG für gut Qualifizierte sinken und viele würden die Versicherung verlassen. Für weniger Qualifizierte entstünde ein Moral Hazard: Das ALG wäre vielleicht höher als der Gewinn, den sie erzielen können. Eine Ausdifferenzierung von Beiträgen und ALG ist deshalb grundsätzlich sinnvoll.

 

Ausdifferenzierung der Beiträge sinnvoll und gerechter – aber wie?

Variante 2 ist insofern sinnvoller. Allerdings geht Oberfichtner davon aus, dass dann die Beiträge für höher Qualifizierte steigen müssten, was die Versicherung für viele Bestandsmitglieder noch unattraktiver machen würde.

Variante 3, also die Orientierung am Gewinn, ist mit dem Problem verbunden, dass Gründer in der Gründungsphase typischerweise erst einmal eine Durststrecke durchlaufen, dass das ALG in der für die Gründer entscheidenden Anfangsphase also möglicherweise nur wenig über Grundsicherungsniveau läge und die Versicherung aus diesem Grund unattraktiv wäre. Problematisch ist bei dieser Variante auch der damit verbundene bürokratische Aufwand.

 

Beitragspflicht würde ohnehin hoch belastete Selbstständige überfordern

Eine potenzielle Beitragspflicht für alle Selbstständigen deutet Oberfichtner an zwei Stellen an, fordert diese aber nicht aktiv. Sollte sich eine politische Diskussion über eine größere Reform der ALV für Selbstständige entwickeln, würde aber vermutlich auch eine Pflicht diskutiert, mit dem Argument, dass sich momentan eher „schlechte Risiken“ in der freiwilligen ALV absichern würden und diese dann durch die Beiträge von Angestellten und Arbeitgebern quersubventioniert würden.

Da Selbstständige Arbeitgeber- und -nehmerbeitrag alleine tragen müssen und der Gewinn eine höhere Bemessungsgrundlage als das Bruttoeinkommen darstellt, würde eine Pflicht aber zu einer weiteren Erhöhung der Grenzbelastung aus Steuern und Sozialabgaben führen, zulasten des Spielraums der Selbstständigen für ihre Altersvorsorge.

 

Keine Aussagen darüber, ob Versicherung kostendeckend ist

Wir hätten erwartet, dass die Studie auch Aussagen über das Verhältnis der Beitragseinnahmen zu den Leistungen bei Selbstständigen versucht. Dies war nicht der Fall – auch wenn an zwei Stellen­ von einer verhältnismäßig niedrigen Inanspruchnahme von ALG die Rede ist. Dieses Ergebnis ist bemerkenswert, denn die betrachtete Gruppe von Versicherten dürfte gegenüber anderen Selbstständigen ja tatsächlich ein erhöhtes Arbeitslosigkeitsrisiko aufweisen.

Unsere These ist, dass – würde man alle Selbstständigen betrachten – das Risiko einer Arbeitslosigkeit eher geringer als bei Angestellten wäre und eine Versicherungsprämie konsequenterweise für Selbstständige niedriger angesetzt werden müsste (wie es bis 2010 auch der Fall war).

 

Versicherung wurde mit niedrigen Beiträgen eingeführt, um Kürzungen an anderer Stelle zu kompensieren

Historisch gesehen war die Einführung der freiwilligen ALV mit damals ca. 15 Euro Monatsbeitrag zeitlich eng verknüpft mit der ebenfalls 2006 vorgenommenen Reform des GZ. Bis 2006 wurde der ausbezahlte GZ nicht auf den ALG-Anspruch angerechnet: Gründete man etwa im ersten Monat eines 12-monatigen ALG-Anspruchs, erhielt man neun Monate GZ und hätte bei einem Scheitern vier Jahre lang in den elfmonatigen Restanspruch auf ALG I „zurückkehren“ können. Für viele Gründer (auch ich machte mich 2003 zu diesen Bedingungen selbstständig) war das die Chance, sich gut abgesichert in die Selbstständigkeit zu wagen.

Diese Sicherheit nahm man den GZ-Gründern durch die Reform des Jahres 2006: Der GZ wird seitdem auf den ALG1-Anspruch angerechnet. Das führte dazu, dass im Fall eines Scheiterns in der Regel kein oder nur ein ganz kurzer ALG1-Anspruch mehr besteht, was das subjektive Risiko des Gründungsvorhabens deutlich erhöht und die Gründungsneigung tendenziell senkt.

 

Arbreitslosenversicherung für Selbstständige in erster Linie Instrument der Gründungsförderung

Die Einführung der freiwilligen ALV im Jahr 2006 hatte u.a. die Funktion, diese durch die Einsparmaßnahmen an anderer Stelle erhöhte Unsicherheit wieder etwas zu kompensieren, indem die Gründer sich vergleichsweise kostengünstig einen neuen Anspruch auf ALG1 aufbauen konnten.

Die freiwillige ALV hat unseres Erachtens vor allem eine wichtige psychologische Funktion: Sie reduziert die bei Gründung bestehende Unsicherheit bezüglich eines Scheiterns der Selbstständigkeit, weil man schlimmstenfalls Anspruch auf ALG I und damit Zeit hat, um sich wieder eine Anstellung zu suchen – ohne gleich in ALG2 „abzugleiten“.

Diese Funktion ist insbesondere in der Gründungsphase wichtig, wie sich daran zeigt, dass ca. 50 Prozent der freiwillig Versicherten nach zwei Jahren die ALV beenden (wobei hier auch zu berücksichtigen ist, dass die Beiträge zur freiwilligen ALV in den ersten zwei Jahren vergünstigt sind). In der Gründungsphase ist das subjektive Unsicherheitsempfinden so hoch, dass auch relativ hohe Beiträge in Kauf genommen werden. Nach zwei Jahre haben sich viele soweit etabliert und verfügen über genügend Selbstbewusstsein, dass sie das Risiko einer Arbeitslosigkeit als niedrig bewerten und die Versicherung als unangemessen teuer empfinden.

 

Von etablierten Selbstständigen (und auch von vielen Gründern) wird Versicherung als zu teuer wahrgenommen

Bis 2010 sind trotzdem viele Selbstständige auch längerfristig in der Versicherung verblieben, weil die Beiträge niedrig waren und man trotz eines geringen subjektiven Arbeitslosigkeitsrisikos auch aus Solidaritätsgründen blieb, mit der Vervierfachung der Beiträge Ende 2011/12 hat sich dies geändert.

Wir sehen die freiwillige ALV in erster Linie als Instrument der Gründungsförderung, dem insbesondere bei Gründungen aus der Arbeitslosigkeit Bedeutung zukommt. Nach einer Phase der Arbeitslosigkeit ist das subjektive empfundene Risiko des Scheiterns einer Gründung vergleichsweise hoch. Durch eine preisgünstige Absicherung gegen das Risiko der Arbeitslosigkeit lässt sich das Risiko deutlich senken und damit die Gründungsneigung mit vergleichsweise geringem Aufwand erhöhen. Es spricht einiges dafür, im Rahmen der Gründungsförderung diese Phase der Versicherung zu subventionieren.

 

Interesse an Versicherung dürfte erst wieder mit zunehmendem Alter steigen

Nach den ersten Gründungsjahren nimmt die subjektive Unsicherheit ab. Auch wer zuvor arbeitslos war, entwickelt mehr Selbstbewusstsein und die Zuversicht, dass er Aufträge erfolgreich akquirieren und seinen Lebensunterhalt auf diese Weise dauerhaft decken kann. Eine ALV erscheint den meisten Selbstständigen in dieser Phase als nicht nötig.

Tendenziell wird das Interesse an einer ALV aber mit zunehmendem Alter wohl wieder zunehmen. Ähnlich wie bei der ALV für Angestellte bestünde in der Zeit vor der Rente wohl eine erhöhte Wahrscheinlichkeit der Inanspruchnahme. Es stellt sich die Frage, ob das damit verbundene Kostenrisiko solidarisch abgesichert werden sollte. In diesem Zusammenhang möchte ich daran erinnern, dass man bei der Einführung der freiwilligen ALV Anfang 2006 zunächst auch bestehenden Selbstständigen die Möglichkeit gegeben hatte, bis Ende 2006 der Versicherung freiwillig beizutreten. Diese Frist hat der Gesetzgeber dann in einer Nacht- und Nebelaktion vorzeitig beendet.

 

Lasst eure Meinung in unsere Position zum Thema einfließen!

Wir haben die IAB-Studie zum Anlass genommen, mögliche Reformen der ALV für Selbstständige ausführlicher zu kommentieren und freuen uns auf eure Kommentare dazu. Hintergrund ist, dass wir uns als Verband auf Fragen zur Zukunft der freiwilligen ALV rüsten und vorab mit euch abstimmen wollen. Eventuell wird es im Verlauf des Jahres nötig, dazu ein Positionspapier zu schreiben. Also lasst uns bitte eure Meinung dazu wissen!

121 Kommentare

  1. Monika Müller-Herrmann schreibt:

    Ich bin ältere Gründerin, Freiberuflerin mit Hochschulabschluss, und für mich war es eine große Beruhigung, mich freiwllig versichern zu können. Als ich mich mal vorübergehend zwei Monate arbeitslos melden musste, hat es mir finanziell den Kragen gerettet.
    Danke für die Diskussion zu dem spannenden Thema!

    Antworten
    1. Andrea-Susann Liese schreibt:

      Ich bin sehr froh die freiwillige Arbeitslosenversicherung abgeschlossen zu haben. Es beruhigt mich als 50+ Gründerin sehr, im Notfall darauf zurückgreifen zu können.

      Antworten
    2. Daniela schreibt:

      Mir ging es als gründender Mutter auch so, ohne die ALV wären wir als Familie echt in einen Engpass geraten, da ja z.B. die Kinderbetreuungskosten sehr hoch sind, die Schulferien und Kindergartenschließzeiten fast identisch lang und in der Zeit – gerade auf dem Land und für kleine Kinder – keine Möglichkeiten für eine außerhäusige Betreuung existieren und wenn sind diese sehr teuer und die regulären Beiträge muss man ja trotzdem zahlen. Geholfen hat mir auch die Künstlersozialkasse sehr, sonst hätte ich mich nicht krankenversichern können.

      Antworten
  2. Antworten
    1. Antworten
    2. Michael Grimm schreibt:

      Treffende Worte des Hr. Kremser. Finger weg von der Planungsfreiheit und -Souveränität der Selbstständigen in Deutschland. Jede Art von Pflicht ist eine Einmischung in die Entscheidungsfreiheit eines jeden Selbstständigen. Das widerspricht der Idee, sich SELBSTständig gemacht zu haben. Wer sich absichern bzw. für solche Fälle vorsorgen möchte, kann das eigenverantwortlich für sich tun. Und nicht über die Hintertür eines Solidaritätsprinzips (Zwangsversicherung für alle) anderen zur Last fallen.

      Antworten
      1. Sebastian schreibt:

        Ich bin seit Beginn meiner Selbstständigkeit vor ca. 9 Jahren freiwillig versichert und habe den Schutz auch bereits einmal benötigt. Ich finde die Versicherung einfach nur genial. Der Monatsbeitrag ist dieses Jahr auch etwas gesunken, aber selbst wenn er deutlich höher wäre, wäre das Preis-Leistungsverhältnis immer noch genial. So eine Versicherung würde man in der privaten Versicherungswirtschaft nie erhalten. und nochmal: sie ist FREIWILLIG und man kann sie jederzeit kündigen (aber (dann) nicht (mehr) ohne Weiteres (wieder) eintreten). Habe das Gefühl, dass der eine oder Andere hier etwas schlecht auf diese Versicherung zu sprechen ist, weil versäumt wurde diese abzuschließen und jetzt der Zug abgefahren ist 😉

        Antworten
  3. Th. Peter schreibt:

    Mir wäre es am liebsten wenn ich voll in die gesamte Sozialversicherung eingebunden wäre (Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und bei Arbeitslosigkeit).
    Es würde mir jetzt einige Probleme vom Hals schaffen, da mir eine größere OP bevorsteht und es unklar ist, wie es dann weitergeht.
    Das einzige was nicht funktioniert, sind die Mindestwerte für die Berechnungsbasis. Ich habe Monate wo ich nichts oder nur 1000 EUR einnehme – da dann auf 2,5k die Beiträge zahlen zu müssen, würde mich in de Ruin treiben.

    Antworten
    1. Hans Hoefer schreibt:

      Es muss endlich von Seiten der Politik eine Lösung, für das gesamte Problem, geschaffen werden. Un mit dem „gesamten Problem“ meine ich, die gesamten Sozial-Versicherungsbeiträge, die ein Arbeitnehmer pflichtmässig, zu seiner Absicherung, zu zahlen hat.
      Denn auch Selbstständige und Freiberufler können in finanzielle Engpässe, wegen vielerlei Situationen, auch im Krankheitsfalle, geraten. Und nur wenn alle Pflichtbeiträge zahlen, dann sind die Beiträge, für den Einzelnen, auch zu stemmen und zu finanzieren und führen nicht gleich in den Ruin, wie hier auch an verschiedenster Stelle, in den Kommentaren, erwähnt wird. Warum sind Arbeitnehmer pflichtversichert, Selbstständige und Freiberufler aber nicht? Die gleichen Risiken gelten für Arbeitnehmer, wie auch für Selbständige, nur die Versicherungen sind nicht gleichwertig. Denn auch für Arbeitnehmer gilt ja, das die Beiträge nur zu zahlen sind, auch von Geringverdienern, wenn die Beiträge auf allen Schultern verteilt werden und somit die Besserverdienenden höhere und diejenigen, mit weniger Einkommen, dafür kleinere Beiträge z zahlen haben, so das niemand überbelastet wird. Und ich bin sehr stark dafür, das dies endlich auch gesetzlich, für Selbstständige und Freiberufler eingeführt wird – allerdings auf der selben Basis, wie für Arbeitnehmer: kleine und somit gering verdienende Selbständige dürfen da dann auch nicht, beitragsmäßig, überbelastet werden, das muss gesichert sein.

      Antworten
    2. Nils schreibt:

      Für mich klingt das so als wollten Sie lieber Angestellter sein? Das ist jedem selbst überlassen, aber Selbstständigkeit der Festanstelung gleichzustellen halte ich für den falschen Weg.

      Antworten
  4. Lemmy schreibt:

    Absolut notwendig!

    Leider hatte ich nicht die Anwartschaftzeit erfüllt.

    Antworten
  5. Jörg S. schreibt:

    Wichtiges Thema, aber: nicht schon wieder eine „Pflichtversicherung“, die alle Selbständigen über einen Kamm schert und in vermeintlich guter Absicht versucht die „armen Scheinselbständigen“ vor Schaden zu bewahren. Wer selbständig agiert sollte auch in der Lage sein das damit verbundene Risiko abzuschätzen (und ggf. zu akzeptieren), oder sich anderenfalls in der für sie/ihn passenden Weise abzusichern, z.B. durch private Vorsorge, eine selbst abgeschlossene Versicherung oder eine Lebensplanung, die Alternativen bietet für den Fall, dass es nicht so läuft wie erhofft.

    Antworten
    1. Antworten
  6. Rainer schreibt:

    Als der Eigentümer meiner GmbH werde ich sicher nicht vor dem Rentenalter arbeitslos. Meine GmbH hat genügend Rücklagen, um mir mehrere Jahrzehnte lang jeden Monat mehr als 1000 EUR zu zahlen (d.h. dieselbe Größenordnung wie das Arbeitslosengeld, bis ich 75 oder 80 Jahre alt bin). Da ich die Firma kontrolliere, kann ich mich beliebig lange als Angestellter beschäftigen, zur Not mit der Aufgabe des Däumchendrehens. Eine Zwangs-Arbeitslosenversicherung hätte daher für mich keinerlei Nutzen und käme einer Enteignung gleich.

    Antworten
  7. Heribert Thaler schreibt:

    Wann ist man als Selbstständiger denn „arbeitslos“? Ja nach Beruf/Branche können ja Wochen oder Monate zwischen Aufträgen vergehen, bei Filmschaffenden z.B. Wann der nächste kommt weiß man ja oft erst kurz vorher, zu welchem Zeitpunkt soll man sich dann arbeitslos melden? Von daher erschließt sich mir der Sinn nicht ganz.

    Antworten
  8. Christian schreibt:

    Gut, dieses Thema aufzugreifen.

    Habe 2008 mit Gründungszuschuss gegründet und empfand es als beruhigend, dass man bei schlecht laufender Selbständigkeit finanziell abgesichert gewesen wäre. Das Verhältnis von Preis und Leistung (ca. 20 €/Monat) war damals wirklich gut, auch weil ich als Akademiker stark profitiert hätte.

    Mit der Erhöhung der Beiträge Ende 2010 und 2011 war die Sache nicht mehr so interessant. 80 € im Monat waren fast 1.000 € pro Jahr. Die habe ich dann lieber in die Altersvorsorge gesteckt, um dieses Risiko abzusichern.

    Ich befürchte aber bei einer Neuregelung, dass diese sich wieder am Gewinn/Überschuss orientiert und damit für Selbständige mit bürokratischem Aufwand verbunden ist. Auch die bisherige Ungleichbehandlung nach Abschluss sehe ich sehr kritisch.

    Eine Zwangs-Arbeitslosen-Versicherung lehne ich kategorisch ab, da es gerade Inhalt des Unternehmertums ist, das Risiko selbst zu tragen. Da kann man sich auch eine geringe Betriebsausfallversicherung kaufen.

    Antworten
  9. Pascal schreibt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich persönlich halte von der ALV für Selbstständige überhaupt nichts. Es wäre dann mal wieder eine weitere Zwangsabgabe (eine weitere ENTEIGNUNG), wo unser Geld verbrannt wird und man bekommt einfach keinerlei Gegenleistung. Wir bezahlen schon genug Zwangsabgaben und wenn man immer weiter gemolken wird, dann überlegen sich viele arbeitswillige Menschen wohl bald, nicht mehr arbeiten zu gehen.

    Es ist wohl lukrativer, wenn man in den Knast geht. 3 Mahlzeiten pro Tag werden einem ans Bett gebracht, ein eigenes Zimmer + Taschengeld. Zudem muss man dann keine Zwangsabgaben an die „sozialen“ Systeme oder in Form von Steuern leisten.

    Jeder Selbstständige wird sich für schwere Zeiten etwas zurück legen (müssen) – ansonsten ist die Selbstständigkeit eben gescheitert und man muss in eine Festeinstellung zurück. Zudem besteht jeder Zeit die Option sich für diesen Übergangszeitraum Hartz 4 anzumelden – schließlich zahlt jeder Selbstständige auch Steuern. Wer sich selbstständig macht, hat zudem ein gewisses finanzielles Polster zu haben, ansonsten macht die Selbstständigkeit doch schon überhaupt gar keinen Sinn.

    Also mir reicht es schon mit den (aso)zialen Zwangsabgaben an die Krankenkasse. Ich kenne keinen Selbstständigen (mich eingeschlossen), der überhaupt zum Arzt geht und wenn, dann nur um den Tod festzustellen. Medikamente, gescheiter Zahnersatz und gesunde Sachen muss man ohnehin immer selbst bezahlen. Es ist ja auch nicht so, dass die irgendetwas für unsere Gesundheit unternehmen. Jeder sollte sich in einer Demokratie frei entscheiden dürfen, gegen was er sich versichern möchte. Das Geld sollte den arbeitenden Menschen bleiben, um damit ein richtiges Leben führen zu können!

    Auch für die Krankenkasse und co. fordere ich eine Wahlfreiheit. Jeder sollte sich frei entscheiden dürfen. Ich selbst habe lieber die 400 – 850 Euro mehr pro Monat, anstatt alle anderen mitzubezahlen. Man zahlt schon genug andere Zwangsabgaben in Form von Steuern. Wenn ich das schon wieder lese, dass die entsprechenden „Experten“ nicht wissen, wie die das alles finanzieren sollen, … dann seht Euch mal die alljährliche Steuerverschwendungen und die üppigen Gehälter der Staatsorgane an. Wir sind Rekordweltmeister im Zahlen von Steuern – da wäre genug Geld da – um jeden ein normales und würdevolles Leben zu ermöglichen und zwar OHNE einen ZWANG und ohne einen HAMSTERKÄFIG um einen herum.

    – All dies spiegelt meine persönliche Meinung wieder und ich bin strikt gegen eine ALV für Selbstständige! –

    Antworten
    1. Lienke schreibt:

      Herr Pascal,
      Ich schließe mich ihrer Meinung in allen Punkten an.
      Der Absatz über “ selbstständig und krank “ fand ich besonders schön… Da ich mich auch immer frage für was ich hoheKrankengeld zahle… Da ich schon gar nicht mehr weiß wie eine Arztpraxis aussieht. Ok außer für 2 Routine Termine im Jahr… Ein stolzer Preis
      Claudia

      Antworten
    2. Karl-Heinz Blenk schreibt:

      Ich schließe mich Pascals Worten an, was die Beschreibung der IST-Situation anbelangt.
      Für die Zukunft engagiere ich mich für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Das gibt allen Menschen die existenzielle Sicherheit und Freiheit Selbständigkeit wagen zu können. Ein Instrument, das die Zahl der Gründer und die Produktivität aller Tätigkeiten durch Nutzung der intrinsischen Motivation deutlich steigern wird. Das Grundeinkommen begründet eine Gesellschaft, die allen Menschen, losgelöst von ihrer Herkunft, Chancengleichheit bietet, auf einer breiten Solidarität basiert, den Menschen Vertrauen statt Mißtrauen entgegen bringt und sich auf die Chancen der vielen „Willigen“ konzentriert, statt Energie zu verschwenden, um mit einer Monsterbürokratie die kleine Zahl der Systemverweigerer zu stigmatisieren und sanktionieren. Deswegen trete ich auch für die EInführung eines Grundeinkommens zur Europawahl an: https://www.buendnis-grundeinkommen.de/

      Antworten
  10. GS schreibt:

    Ich bin seit 20 Jahren Freiberufler und wusste bis eben gar nicht, dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt. Allerdings sehe ich es als nur natürlich (und Teil meines unternehmerischen Risikos) an, dass bei ausbleibenden Aufträgen eben auch kein Umsatz generiert wird. Das rechtfertigt wiederum höhere Stundensätze.
    Wenn man diese gewisse Unsicherheit nicht aushält, ist man wahrscheinlich in einer Anstellung besser aufgehoben.

    Antworten
    1. Claudia Engelberts schreibt:

      Es gibt Tätigkeiten, wo man seinen Stundensatz nicht einfach mal höher machen oder auch nur selber festlegen könnte. Das betrifft zum Beispiel etwa 45.000 Tagesmütter und -väter in der BRD. Wir müssen nehmen, was uns die Jugendämter bereit sind, zu zahlen. In Dortmund sind das zur Zeit 5,32 Euro pro betreutem Kind und Stunde, und wir sind im Vergleich noch sehr gut dran. Und mehr als 5 Kinder dürfen wir nicht betreuen.

      Antworten
  11. Uwe schreibt:

    Bin gegen alles, was die Unterschiede zwischen Selbstständigen und Angestellten weiter nivelliert und damit den Auftraggebern als Argument zum Drücken der Honorare dient. Wer von seinem Honoraren nicht selbst vorsorgen kann, sollte ins Angestelltenverhältnis eintreten.

    Antworten
  12. Christine W. schreibt:

    Vielen Dank für den Beitrag. Ich habe während einer Weiterbildungsmaßnahme durch die Agentur für Arbeit eher durch Zufall von einem Kollegen gehört, dass es die Möglichkeit der freiwilligen AV bei Selbständigen gibt und bin sehr dankbar dafür. Auch glaube ich, dass es vielen Gründern gar nicht bewusst ist, dass diese Möglichkeit besteht. Ich gehöre ebenfalls zu den älteren Gründern mit Hochschulabschluss und auch nach 2 Jahren der Selbständigkeit ist es für immer noch sehr beruhigend, im Notfall auf diese Versicherung zurückgreifen zu können.
    Ich glaube jedoch, dass die AV keine Pflichtversicherung für alle Selbständigen werden sollte, sondern, jeder für sich abwägen dürfen sollte, ob und wie er sich gegen unvorhergesehene Risiken absichert.

    Antworten
  13. Bianca Braun schreibt:

    Wer es nach den ersten zwei Jahren nicht schafft, mit seiner Selbstständigkeit auf eigenen Füßen zu stehen, sollte überlegen, ob sie wirklich das Richtige für ihn ist, denn man ist in erster Linie Unternehmer. Sollte zusätzlich zu der auch noch im Raum stehenden Rentenversicherungspflicht eine Pflicht zur Arbeitslosenversicherung kommen, werde ich dieses irre gewordene Land endgültig verlassen und meine eh schon viel zu hohen Steuern und Sozialabgaben lieber woanders lassen.

    Antworten
  14. C. Freytag schreibt:

    Als Instrument für Gründer sicherlich interessant. Hatte das auch, bis es dann bei rund 74 € im Monat lag kostenmäßig. Eine Pflichtversicherung wäre nicht gut. Was soll noch alles Pflicht werden? Man ist in diesem Land nur am bezahlen, für ein Fass ohne Boden an Kosten.
    Allein einen Rentenversicherungspflicht würde schon viele kleine Selbständige in den Ruin treiben und dann dann noch Arbeitslosenversicherung? Der falsche Weg. Zudem hat die Agentur für Arbeit derzeit Reserven von 24 Milliarden Euro, also Geld ist genügend da, besser sollte geschaut werden Langzeitsarbeitslose zu unterstützen. Die Autobahnmaut kommt ja auch bald, dann seit diesem Jahr das Verpackungsgesetz es reicht !! Die Grundkosten sind hoch genug.
    Dieser Staat sollte sich auf seine Kernaufgaben konzentrieren und nicht immer noch mehr die Vollkaskomentalität bedienen. Ohne Selbständige, Gründer und Unternehmen würde dieses Land sehr arm aussehen.

    Antworten
  15. Ulrike Bergmann schreibt:

    Mir erschließt sich der Sinn einer Arbeitslosenversicherung für Selbständige nicht. Es widerspricht dem Gedanken der Eigenverantwortung, der für sehr viele Selbständige ein wichtiger, wenn nicht sogar der entscheidende Grund für diesen Schritt ist und war. Gründer*innen in den ersten beiden Jahren mag es ein Gefühl der Sicherheit geben und die Motivation für diesen Schritt stärken. Doch letztlich geht es darum, für die Selbständigkeit ein Geschäftsmodell zu entwickeln, das auf Dauer tragfähig ist, und dieses immer wieder anzupassen.

    Antworten
  16. Sigurd Höppner schreibt:

    Ich bin seit jetzt mehr als 30 Jahren selbständig. Wer sich für diesen Schritt entschließt, sollte um die Risiken und Chancen wissen, sowie sich auch darüber im Klaren sein, dass man nicht alles absichern kann.
    Für Gründer mag eine ALV oder weiter gefasst weiter „Sicherheit“ in der SV am Anfang sinnvoll erscheinen.
    Grundsätzlich gilt aus meiner Sicht „freies Fechten“ in „freier Wildbahn“.
    Oder möchten/t Sie/ihr die Zeit lieber mit staatlicher Bürokratie/Mangelverwaltung als mit Akquise und sinnvoller Arbeit verbringen?

    Antworten
    1. Claudia Engelberts schreibt:

      Ach, das Ausfüllen einer SEPA-Einzugsermächtigung für die Agentur ist weder eine intellektuelle noch eine zeitliche Überforderung. Und es mag ja durchaus Menschen geben, die ihre Tätigkeit nicht als Fechtkampf oder Jagd betreiben oder betrachten. Nicht alle Selbständige sind Risiko-Junkies.

      Antworten
  17. René Kleiner schreibt:

    Ich bin seit 11 Jahren selbstständig und kann den Eindruck im Bericht voll bestätigen.
    Ziert versichert und dann (nach Erhöhung) raus.
    Jetzt sehe ich keine Veranlassung, mich dahingehend zu versichern.
    Auf welcher Basis denn? Gewinn vor/ nach Steuer? Durchschnitt der letzten Jahre?
    Wäre ja logisch, da im Jahr vor der“ Arbeitslosigkeit“ das Geschäft eher rückläufig sein wird.

    Antworten
  18. Dr. Markus Gerle schreibt:

    Ab wann ist man als Selbständiger denn arbeitslos? Hier liegt doch der Knackpunkt. Ich arbeite freiberuflich im IT-Bereich. Einen Auftrag hatte ich kurz vor Weihnachten abgeschlossen. Dann habe ich mit meiner Familie erst mal Urlaub gemacht. Und nun habe ich zwei Wochen gebraucht, um einen neuen Kunden zu akquirieren. War ich jetzt 4 Wochen arbeitslos? Da ich die 50 inzwischen überschritten habe und in meinem Metier eigentlich ganz gut verdiene, genieße ich den großen Vorteil der Selbständigkeit, zwischen Projekten auch mal Auszeiten einzulegen. Unser irres Steuersystem ist nun einmal so gestrickt, dass Weniger häufig Mehr ist. Würde ich mich in den geplanten Auszeiten arbeitslos melden, wäre das im Prinzip ein ziemlicher Missbrauch so einer Versicherung. Also, wann ich ein Selbständiger eigentlich arbeitslos?
    Nächster Punkt: Bei älteren Selbständigen (gehöre ich mit knapp über 50 dazu?) kann doch ein Wunsch nach Sicherheit gar nicht mehr aufkommen, wenn sie verantwortungsvoll gewirtschaftet haben. Man bildet doch als Selbständiger viel eher Rücklagen für schlechte Zeiten und fürs Alter. D. h., man zahlt für die sog. „Solidargemeinschaft“, wird im Notfall aber nie Solidarität erfahren. Die Arbeitslosenversicherung sichert einen doch nur für lächerliche 12 Monate ab. Danach gibt es ALG II, was aus Steuermitteln finanziert wird. Doch bevor man ALG II bekommt, muss man zunächst einmal seine Rücklagen aufbrauchen. Dazu darf man nicht einfach zum nächsten Porsche-Händler und diese für einen 911er verballern. Nein, man muss seine Rücklagen sehr sparsam aufbrauchen. In meinem Fall hieße dies, dass ich im Notfall (schwere Erkrankung, andere Gründe, warum ich keine Aufträge mehr bekomme) niemals ALG II bekommen würde. Zunächst müsste ich sämtliche Rücklagen für Notfälle und fürs Alter bis auf einen lächerlich geringen Schonbetrag aufbrauchen bzw. entsprechende Assets liquidieren. Da sind die meisten erfolgreichen älteren Selbständigen aber längst im Rentenalter. Wenn man das alles berücksichtigt, macht eine Arbeitslosenversicherung für Selbständige überhaupt keinen Sinn. Die Beträge kann man besser am Kapitalmarkt investieren, um eine deutlich bessere Absicherung zu erlangen.

    Antworten
    1. Till schreibt:

      Dem kann ich mich nur anschließen.
      Ich z. B. habe ständig mehrere Projekte gleichzeitig, und dennoch immer mal wieder mehr oder auch weniger zu tun. In einem Jahr lief es sehr schlecht – war ich dann arbeitslos? Nein. Ich habe damals genau dann auch meine Selbstständigkeit genossen, genauso, wie ich sie genieße, wenn ich bis über alle Ohren zu tun habe.
      … SELBSTständig eben … und SELBSTverantwortlich.
      Vielen Dank für die Diskussion und mein Statement ist: Keinerlei Pflichtversicherung.
      Liebe Grüße
      Till

      Antworten
  19. Anja U. schreibt:

    Ich bin ja selbständig, weil ich für mich selber sorgen möchte. Ansonsten kann ich ja auch ein Angestelltenverhältnis wählen.
    Eine Pflicht zur ALV für Selbständige halte ich also für vollkommenen Blödsinn – es würde die Selbständigkeit weiter (vollkommen sinnlos) erschweren.

    Für Gründer macht die ALV evtl. Sinn (auch psycholigisch).
    Vielleicht auch ein Grund dafür, daß sie nach 2 Jahren wieder verlassen wird.

    Antworten
    1. Claudia Engelberts schreibt:

      Angestellte werden also versorgt? Meines Wissens arbeiten sie für ihre Versorgung und müssen für „Versorgungsansprüche“ Beiträge einzahlen, sie erwerben sie also. Ich persönlich würde lieber eine Versicherungsleistung, für die ich bezahlt habe, in Anspruch nehmen als die Allgemeinheit im Fall des Falles durch Inanspruchnahme einer Sozialleistung zu belasten.

      Antworten
  20. Kathrin Singer schreibt:

    Ich bin seit 5 Jahren selbständig, und richtig, nach etwa 2 Jahren hab ich die ALV auch aufgekündigt, weil sie mit mehr als 80 Euro im Monat einfach zu teuer ist.
    Ich wäre auch auf jeden Fall gegen eine Zwangsversicherung, aus Gründen, die die Vorredner bereits angeführt haben. Wer sich freiwillig absichern will, warum nicht? Aber die Berechnungsgrundlage kann dann nicht der Gewinn des Vorjahres sein, denn wenn man aufgibt und sich arbeitslos meldet, wird man in der Regel ein finanziell schlechtes Jahr hinter sich haben.

    Antworten
  21. Imke schreibt:

    Eine weitere Pflichtversicherung für Selbstständige lehne ich nach fast 30 Jahren Selbstständigkeit in unterschiedlichsten Lebenslagen strikt ab, solange wir nicht sämtliche Beiträge vollständig steuerlich absetzen können. Selbstständige werden ohnehin stärker belastet als Angestellte. Für eine Übergangszeit (Gründung plus x Jahre) mag das hilfreich sein. Wer sich jedoch länger am Markt behaupten konnte, ist gegebenenfalls auch findig genug, sein Geschäftsmodell umzustellen, oder findet aufgrund seiner Qualifikation und Initiative einen Angestelltenjob und bräuchte die Versicherung dann ohnehin nicht.

    Das Ziel muss sein, leichter mehr Rücklagen zu bilden – von mir aus könnte man Selbstständigen abverlangen statt immer mehr Versicherungen eine (steuerlich abziehbare!) Mindestquote vom Einkommen in einen Rücklagetopf für finanzielle Notlagen aller Art (Arbeitslosigkeit, längere Krankheit, pflegebedürftige Angehörige, deretwegen man nur eingeschränkt arbeiten kann usw.). Weil solche Rücklagen schließlich von Selbstverantwortung zeugen und das Sozialsystem entlasten (einschließlich der nötigen Verwaltung usw.). Bloß nicht noch mehr Bürokratie und Zwänge.

    Antworten
  22. Andrea schreibt:

    Ich bin gegen eine Pflichtversicherung zur Arbeitslosigkeit. Ich war es vor 11 Jahren mal als Gründerin und hab es dann gekündigt, als die Beiträge explodiert sind. Ich persönlich würde mir eher ein Angestelltenverhältnis bei einem meiner Kunden suchen, bevor ich zu Hause sitze und „arbeitslos“ bin.

    Antworten
  23. Michael DuMont schreibt:

    Man kann dies, so denke ich, nicht pauschal beantworten. Direkt nach der Gründung und in bestimmten Branchen oder bei bestimmten Tätigkeiten, die am Markt nicht regelmäßig verlangt werden, mag diese Absicherung gerade in konjunkturellen Abschwungphasen sinnvoll sein. Es sollte aber einerseits die Freiwilligkeit erhalten bleiben und andererseits – ähnlich wie bei Arbeitern und Angestellten – einen klaren Bezug zwischen Beitrag und „Ertrag“ bei Arbeitslosigkeit geben. Dem scheint derzeit nicht so, wenn ich den Beitrag richtig verstanden habe. Für mich persönlich ist die ALV nicht interessant.

    Antworten
  24. Gerd Hildebrandt schreibt:

    Die Arbeitslosenversicherung für Selbstständige war wohl eher das trojanische Pferd das in unsere Berufstätigkeit gerollt wurde um uns Solo-Selbstständigen demnächst die Freiheit der Wahl in Altersversorgung und Selbstabsicherung zu nehmen. Natürlich immer gut gemeint in unserem Interesse.

    Seit anderthalb Jahrzehnten findet landesweite Demagogie statt um uns Solo-Selbstständige in die Buh-Ecke zu drängen und dann zu melken bzw. abzuschaffen (Scheinselbstständigkeit).
    Unverständlich wie die SPD so lange erfolgreich diese Diskreditierungs-Kampagne gegen Freiberuflichkeit mit immer neuen Mitteln führt ohne dass sich (merklicher) Widerstand regt.
    In Kneipen-Gesprächen und Afterwork-Veranstaltungen höre ich zunehmend das wir Freiberufler schädlich sind für die Interessen der Angestellten – die Gewerkschafts-Propaganda (gefakte Altersarmut-Studie etc.) wirkt.

    Immer neue Zukunfts-Projekte werden mit großem Tamtam übers Land und durch die Medien gerollt ohne je die Innovations-Bringer Solo-Selbstständige zu berücksichtigen oder zu beteiligen.

    Antworten
  25. Soloselbstständiger schreibt:

    Ich bin seit 20 Jahren solo-selbstständig und habe von dieser Möglichkeit bereits in den ersten Jahren meiner Selbstständigkeit erfahren, sie aber bewusst nicht gewählt: Grund war, dass die Basis zur Berechnung des Arbeitslosengeldes nicht meine in den letzten Jahren erwirtschafteten Umsätze wären, sondern mein Ausbildungsabschluss. Nun habe ich zwar direkt nach dem Abi studiert, aber nicht abgeschlossen. Womit ich vor dem Amt als „ungelernter Arbeiter“ gelte und entsprechendes ALG (+ Jobangebote) erhielte. Mal wieder sehr symptomatisch dafür, wie stark der Amtsschimmel die Realität Selbstständiger abzubilden imstande ist: gar nicht.

    Antworten
  26. Tobias Klatt schreibt:

    Wann ist man eigentlich Arbeitslos als Selbstständiger? Ich finde es nicht zielführend, wenn regelmäßige Pausenzeiten zwischen Projekten auf Kosten der Sozialversicherung gehen.
    Ein Selbstständiger sollte in der Lage sein Rücklage für „Arbeitslosigkeit“ zu bilden, ansonsten trägt das Geschäftsmodell nicht und sollte eingestellt werden. Das solche Überlegungen sich nicht allen erschließen, bzw. es im europäischen Ausland teilweise anders gehandhabt wird, ist an der Preisgestaltung einiger Kollegen abzulesen. Die Überlegungen zu einer Versicherungspflicht entspricht leider dem momentanen Trend; als Selbstständiger sollte ich es mir aber aussuchen können ob und wie ich welches Risiko absichere.

    Antworten
  27. Rainer schreibt:

    Ich bin mit Pascals Kommentar (18. JANUAR 2019, 13:21) nicht ganz einig.

    Die Krankenversicherung sichert gegen unkalkulierbar hohe Risiken ab. Hier ist eine Versicherungspflicht sinnvoll, weil man die Leute, die dieses Risiko aus ihrem Ersparten oder Ererbten selbst abdecken können, wohl an einer Hand abzählen kann. Das von Pascal implizit vorgeschlagene Verhalten, sich die KV-Beiträge lieber in die eigene Tasche zu stecken und dann im Fall einer teuren Krankheit anderen auf der Tasche zu liegen, ist mit Recht geächtet.

    Die Arbeitslosenversicherung dagegen zahlt nur Peanuts (wie lange? Ein Jahr? und höchstens 1500 EUR/Monat? also kaum über Hartz IV). Dagegen kann man sich selbst absichern. Ob man es lieber über eine Versicherung regelt, sollte dem persönlichen Geschmack überlassen werden.

    Antworten
  28. Laura schreibt:

    Mit Aufnahme meiner Selbstständigkeit bin ich freiwillig in die Arbeitslosenversicherung gegangen. Die Beiträge habe ich tatsächlich auch als relativ hoch empfunden aber der Vorteil, wenn man sich arbeitslos gemeldet hat, ist ja auch, dass man nicht nur ein paar Euros von der AA kriegt, sondern auch, dass die Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung während der Zeit der Arbeitslosigkeit getragen werden (Achtung, das gilt nicht für Leute, die über die KSK versichert sind. Die müssen trotz Arbeitslosigkeit die Rentenbeiträge an die KSK abführen).
    Ich bin dann allerdings mit folgender Begründung aus der Versicherung geschmissen worden (Zitat):

    „Sie haben keine der genannten Voraussetzungen erfüllt: Innerhalb der letzten 24 Monate vor Aufnahme der Tätigkeit/Beschäftigung haben Sie keine 12 Monate in einem Versicherungspflichtverhältnis gestanden (§28a Abs. 2 Nr. 1 SGB III).

    Das Versicherungspflichtverhältnis ist ausgeschlossen, weil Sie als Selbstständiger bereits nach § 28a SGB III versicherungspflichtig waren, die selbstständige Tätigkeit zweimal unterbrochen und Arbeitslosengeld bezogen haben (§28a Abs. 2 Satz 2 SGB III).“

    Daraufhin habe ich Widerspruch eingelegt und mich von einer Anwältin beraten lassen. Leider musste diese bestätigen, dass die Kündigung durch die Agentur rechtmäßig war.
    Im Klartext heißt das, dass man, wenn man sich als Selbstständiger gegen Arbeitslosigkeit versichert, die Leistung nur zweimal in Anspruch nehmen darf und danach automatisch raus ist. Bei Antragstellung erzählt einem das natürlich niemand.
    Zum ersten Absatz der Begründung stellt sich mir die Frage, wie ich während meiner Selbstständigkeit in einem Versicherungspflichtverhältnis stehen soll (Ich bin 2012 nach 4 Jahren in einer Anstellung in die Versicherung eingetreten und 2016 kam die Kündigung).
    Meiner Meinung nach gibt es hier noch einiges nachzubessern um Existenzgründer nicht aus allen Wolken fallen zu lassen wenn sie sich eigentlich auf ihre Versicherung verlassen wollten.
    Vielleicht wurde hier ja auch schon nachgebessert. Da ich seit zwei Jahren nicht mehr in der Versicherung bin, bin ich sicherlich nicht mehr auf dem neuesten Stand. Da ich aber zu der Problematik nichts im Artikel gefunden habe, wollte ich das einbringen.

    Antworten
    1. Peter schreibt:

      Dass man nur die ALV nur zweimal in Anspruch nehmen darf, stand bei meinem Eintritt (2013) ganz klar in allen Broschüren.

      Antworten
  29. Kerstin Engelhardt schreibt:

    Ich bin für eine Absicherung von Selbständigen vergleichbar den Angestellten (und dann müsste noch das Beamtenrecht entsprechend angepasst werden), d.h. ALG-Versicherung, Altersvorsorge sowie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.
    Kerstin

    Antworten
    1. Nils schreibt:

      Wie soll das funktionieren? Also wer übernimmt die Lohnfortzahlung z.B.? Stellen Sie sich mal vor sie waren vor 2 Wochen beim Friseur, dieser wird jetzt krank, wären Sie bereit den Friseur weiter zu bezahlen?

      Antworten
  30. Gabriel schreibt:

    Ich habe zu Beginn meiner selbstständigkeit (2010) ebenfalls die damals noch neue, freiwillige ALG Absicherung abgeschlossen. Selbige habe ich dann knapp 1 Jahr später bei den ersten horrenden Preiserhöhungen wieder gekündigt! Damals waren es mtl. glaube ich um die 15 Euro, mit Erhöhung über 30 Euro.

    Heute würde ich so etwas keinem mehr Empfehlen oder es selbst nutzen. Entweder man möchte langfristig selbstständig sein (in dem Fall ist die ALG Absicherung hinfällig) oder man möchte die Selbstständigkeit ausprobieren und sich die Option frei halten zurück in ein Angestelltenverhältnis zu gehen.

    Ich persönlich halte die freiwillige ALG genau so für Geldverschwendung, wie die gesetzliche Rentenabsicherung! Ich sichere mich hier selbst ab. Im worst-case reicht das Geld dann doch nicht und man landet trotzdem wieder bei Hartz-IV. In letzterem Fall ist dann aber eine anderweitige Absicherung für die man Jahrelang zahlen musste hinfällig, weil allenfalls der Staat davon profitiert dass man dies getan hat.

    Ich persönlich zahle schon genug Abgaben und Steuern, als dass ich dem Staat eine Erleichterung bringen möchte.

    Antworten
    1. Antworten
  31. Stefan schreibt:

    Gerade für Wandel in meinem Geschäftsmodell finde ich es, ähnlich wie in der Gründungsphase, hilfreich, auch als selbständiger eine ALV zu haben. Leider hatte ich die recht kurze Antrags-Frist zu Beginn wegen zahlreicher anderer Verpflichtungen verpasst und stehe nun ohne ALV da. Hier würde ich mir mehr Flexibilität wünschen. Warum nur 60 Tage (genaue Frist nach Gründung weiß ich nicht mehr)? Warum sind die jahrelangen Beiträge aus meiner Festanstellung damit verloren?
    An einer Pflicht habe ich hingegen auch kein Interesse.

    Antworten
  32. Heike Kurtz schreibt:

    Ich bin seit 20 Jahren selbstständig und komme aus einer Unternehmerfamilie. Für mich stand von vornherein fest, dass man auch in dieser Hinsicht selbst-ständig ist, also für Eventualitäten wie Auftragsflaute, Urlaub, Krankheit, Rente usw. vorsorgen muss. Dazu gehört auch, dass man sich erst selbstständig macht, wenn man die Finanzierung des Lebensunterhalts in den ersten Jahren gesichert hat – notfalls durch Teilzeitanstellung. Dort wäre man dann auch arbeitslosenversichert. Freiheit (also Selbstständigkeit) ist halt immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Wer das nicht aushalten kann, sollte eine Festanstellung anstreben. Wer denn unbedingt eine solche Versicherung abschließen will, kann das aus meiner Sicht gerne tun, eine Pflichtabgabe lehne ich aber ab. Bei der Rentenversicherung wäre ich für eine Nachweispflicht ohne vorzuschreiben, wie diese Vorsorge auszusehen hat.

    Antworten
  33. Antworten
  34. Renate Wettach schreibt:

    Eine verpflichtende ALV macht für Selbstständige, die es sich nicht leisten können, dort einen Betrag in einer versicherungstechnisch sinnvollen Höhe einzuzahlen, keinen Sinn, denn es würde ihre Liquidität gerade in der prekären Anfangssituation zu sehr schmälern.

    Und für solche, die es sich leisten können, einen hohen Beitrag einzuzahlen, macht es auch keinen Sinn, weil sie ja höchstwahrscheinlich sowieso nicht arbeitslos werden, da ihr Geschäft ja gut läuft.

    Ich wäre daher für eine freiwillige Lösung für alle, die so etwas abschließen wollen (es könnte ja welche geben, die das wollen). Aber eine Verpflichtung für alle Selbstständigen lehne ich ab.

    Bevor sich die Politik solcher Themen annimmt, wäre es besser, eine Lösung zu finden für die unterschiedlichen Krankenkassenbeiträge. Dort macht es viel mehr Sinn, alle Beitragszahler (gesetzliche und private) in einem Topf zusammenzufassen. Dann hätten wir endlich nicht mehr diese Zwei-Klassen-Gesundheitsvorsorge. Die Diskussion über verpflichtende Arbeitslosigkeitsversicherungen für Selbstständige halte ich für ein Ablenkungsmanöver von den wirklich brennenden Themen unserer Gesellschaft.

    Antworten
  35. Norbert schreibt:

    Auf freiwilliger Basis ist das eine Idee. Aber dann heißt es auch entsprechende Leistungen. Also hohes ALG I. Und eine Arbeitsförderung, die auch Weiterbildung im Wert von mehreren 1000 Euro beinhaltet. Ein besonderes Problem sind Aufträge, die nur ein paar Monate laufen und wenn man dann nicht sofort einen Anschlussauftrag hat. EINE WARTEZEIT IST BEI EINER BESCHÄFTIGUNGSART, DIE NICHT AUF DAUER ANGELEGT IST, EIN UNDING. Und DAVON wollen die Sozialpolitiker natürlich nichts wissen, die sehen nur hohe Beiträge. Dieses Risiko macht unter anderem den Unterschied aus.

    Antworten
  36. Barbara H. schreibt:

    Ich habe mich im Alter von 44 Jahren selbständig gemacht.
    1. um es zu bleiben! Ich habe mir den Schritt also gut überlegt und geplant
    2. weil ich bereit war und mich auch in der Lage sah mich gegen schwankende Einkünfte selbst abzusichern.
    3. weil ich als Angestellte die Erfahrung gemacht hatte, dass ich in einem unbefristeten Job auch nicht „sicher“ bin und mir 12 Monate Versicherungsleistung vielleicht auch nicht reichen.
    4. weil ich für mich selbst sorgen kann, solange ich gesund bin (Kranken- und Unfallversicherung ist ein völlig anderes Thema)
    Ich benötige keine staatlich verordnete Zwangsversicherung mit Beiträgen, die in keinem Verhältnis zu den Leistungen stehen. Zum Schritt in die Selbständigkeit gehört auch die eigene Verantwortung für ein mögliches Scheitern genügend finanziellen Puffer aufzubauen, um bis zur Rückkehr in ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis über die Runden zu kommen. Für mich bedeutet eine „eigene Existenz“ auch, nicht mehr in staatliche „(Schein-)Sicherheit“ gezwungen zu werden.
    Jeder Neueinsteiger in eine Selbständigkeit hat doch die Möglichkeit sich freiwillig zu versichern. Wenn viele nach 2 Jahren wieder kündigen, dann lohnt sich für diese die Versicherung nicht (aus welchen Gründen auch immer).

    Antworten
  37. steffi beck schreibt:

    ich bin seit 1994 freiberufler.
    ich habe von 2006 bis 2010 eingezahlt.
    in der zeit haben sich die beiträge vervierfacht.
    niemand konnte mir sagen, was ich denn dafür im ernstall, mal ausgezahlt bekommen würde.
    und als ich mich dann einmal zwischen 2 projekten für 6 wochen arbeitslos melden wollte,
    hätte ich 3 termine beim arbeitsamt wahrnehmen müssen – und der letzte genannte termin
    lag dann schon in der zeit der nächsten buchung – und hätte einen katalog an unterlagen
    ausfüllen müssen.
    damit hatte sich der versuch, mich freiwillig und zusätzlich abzusichern, für mich erledigt.
    einzahlen ohne eine klare aussage zur leistung – macht keinen sinn und das ganze ist zu weit
    weg von der freiberuflichen realität.

    Antworten
  38. Bernd Kronach schreibt:

    Wie immer sticht die AfA mit Unfähigkeit hervor. Auch wenn ich diese Versicherung selbst nie abgeschlossen hätte, wurde ich aber trotzdem nicht über die Möglichkeit unterrichtet.

    Ich stimme allen zu, die meinen, dass diese Art von Versicherung etwas für „Neueinsteiger“ ist, um evtl. das Gewissen anfangs zu beruhigen. Spätestens nach 2 Jahren sollte dann aber der eigene Businessplan funktionieren – und dazu gehört für mich auf jeden Fall auch die eigene Vorsorge für den jeweiligen unbezahlten Übergang von Projekt zu Projekt.

    Für mich persönlich war es auf jeden Fall wie ein innerer Reichsparteitag, endlich nichts mehr mit dem unnützen Haufen dieses Amtes zu tun zu haben. Jetzt zahle ich mein eigenes Übergangsgeld – ohne mir Anträge stellen zu müssen oder mit frustrierten Bediensteten zu tun haben zu müssen.

    Einer Pflichtversicherung stehe ich vollkommen ablehnend gegenüber. Zeit-, Geld- und Nervenverschwendung. Das gilt für diese, als auch die Rentenversicherung. Die lächerlich niedrige Arbeitslosenrate hilft eh nichts un niemand.

    Antworten
  39. Frank schreibt:

    Eine potenzielle Beitragspflicht für alle Selbstständigen finde ich nicht richtig. Wer diese Sicherheit sucht, sollte lieber den Weg des Angestellten gehen. Zur Natur der Selbstständigkeit gehört es, sich Risiken auszusetzen. Es kann nicht alles abgesichert werden. Ich fürchte, hier käme eine Riesenbürokratie auf einen zu. Die Einnahmen schwanken. Ab wann ist man „arbeitslos“? Ein Selbstständiger muss lernen, vorausschauend zu agieren und potenziell immer etwas zu viel als zu wenig Arbeit vor der Brust zu haben. Auf diese Weise lassen sich Ausfälle kompensieren. Eine Versicherung würde ich freiwillig jedenfalls nicht abschließen.
    – Frank (selbstständig seit 1995, mit allen Höhen und Tiefen)

    Antworten
  40. E. Möller schreibt:

    Als freiberufliche Hebamme mit ungewissen Zukunftsaussichten, was den gesamten Berufsstand angeht und kaum Möglichkeiten meine eigenen Preise zu machen, bin ich zur Zeit froh, dass ich wenigstens die ALV als minimal Absicherung habe.
    Letztes Jahr bin ich wegen einer Schleimbeutelentründung der Schulter mehrere Wochen ausgefallen (zum Glück im Urlaub…haha). Hätte es sich noch länger gezogen, hätte ich mich arbeitslos melden können und von der ALV gegenüber HartzIV profitiert.

    Ich sehe es allerdings kritisch an, den Beitrag für alle gleich hoch zu setzen und den tatsächlichen Output, dann nach Ausbildungsstand zu verteilen… Welche Logik steckt dahinter?
    Und wonach werden die eingeteilt, die beides haben? Also Hochschulabschluss und Ausbildung, aber in einer anderen Sparte arbeiten?

    Für mich tut die Politik (?), der Staat (?) eindeutig zu wenig für die „Kleinen“ Selbstständigen! Sowohl Ausfälle im Krankheitsfall, als auch schlechte Auftragslage und dann auch noch Altersvorsorge etc… Wie soll ein Selbstständiger, der unter 40.000 Umsatz macht, seine Kosten decken und Vorsorge betreiben und dann auch noch davon leben können ?

    Wir Hebammen haben da noch eine Sonderstellung, weil wir (zunächst gut gemeint, aber schlecht durchgeführt) vom Staat verpflichtet sind in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Ich zahle also jährlich 6000 € für eine Rente, von der ich womöglich später nur einen Bruchteil wieder sehen werde. Habe dadurch aber auch kein Geld mehr übrig, um mich zusätzlich privat abzusichern…

    Jetzt bin ich vom Thema abgekommen, Entschuldigung. Ich bin gegen eine Arbeitslosen PFLICHT Versicherung für Selbstständige, aber für eine sozial gerechte Absicherung für die Selbstständigen, die sich diese Absicherung aus ihrer Selbstständigkeit nicht selbst generieren können.
    Danke.

    Antworten
  41. Martin Züchner schreibt:

    Bin seit 2009 selbständig, nun aber im 10. Jahr. Dennoch bin ich als Familienvater weiterhin in der freiwilligen ALV, die ja auch in 2019 um 15% günstiger ist als noch im Vorjahr.

    Die ALV ist für einen Solo-Selbständigen ein Rückhalt in schwierigen Zeiten. Zwar zahlt sie nur 12 Monate, doch gerade für Neu-Orientierungen oder Berufskrankheiten ist sie besser geeignet als eine private BU, zumindest für Akademiker. Denn einen Job zu finden in einem anderen Beruf ist bei der aktuellen Fachkräftesituation nicht sehr komplex. Langfristig (13+ Monate) ist natürlich eine private BU durchaus sinnoll.

    Würde mich daher einigen Vor-Kommentaren anschliessen, dass es weiterhin eine ALV für Selbständige geben sollte, diese jedoch frewillig sein sollte. Auch die nur zweimalige Inananspruchnahme der Leistungen hallte ich für nicht gerechtfertigt. Hier sollten Selbständige, die aus unterschiedlichen Gründen arbeitslos werden können (und nicht allein aufgrund mangelender Tragfähigkeit des Geschäftsmodells) den Angestellten gleich gestellt werden. Insgesamt sollte die Sozialversicherung für Selbständige auf Basis der Besonderheiten der Selbständigkeit für alle Zweige gelten. Die Neuerungen in der KV sind hier ein erster Anfang. Gleiches sollte für die wohl kommende RV-Pflicht gelten.

    Wenn die Leistungshöhe bei Selbständigen angepasst wird, sollte das auch für Personen gelten, die aus anderen Gründen anspruchsberechtigt sind und kein Vorversicherungszeiten haben. Dazu gehören z.B. nach Deutschland entsendete EU-Bürger (auch Deutsche, die zuvor im EU-Ausland arbeiteten), die nach Ende Ihrer Entsendezeit ohne Job da stehen und in Deutschland ihren Lebensmittelpunkt etabliert haben. Mit einer eintägigen Pflichtversicherung erhalten Sie ja dann Zugang zur deutschen AV, wobei die Vorversicherungszeiten im EU-Ausland nachgewiesen werden müssen (E-Formular).

    Antworten
  42. Jürgen schreibt:

    Eine Arbeitslosenversicherung für Selbständige konterkariert meines Erachtens das Wesen der selbständigen Tätigkeit. Entweder (selbständig, mit allen Konsequenzen) – oder (angestellt, ebenfalls mit allen Konsequenzen).
    Ich sehe eher die Gefahr, dass der Gesetzgeber dann eine Zwangsversicherung für alle Selbständigen ohne Angestellte einführt. Die Selbständigen werden sowieso schon über Gebühr reguliert.

    Antworten
    1. Annegret schreibt:

      Dem ersten Satz muss ich widersprechen. Denn viele sind mehr oder minder gezwungen, sich selbständig zu machen, um ihre Fähigkeiten gezielt einsetzen zu können. Grund ist oft, dass Arbeitgeber von allen Arbeitnehmern die gleiche Verhaltensweise, Arbeitsweise, Arbeitsgeschwindigkeit und mehr verlangen. Dabei ist jeder Mensch einzigartig. Und viele Menschen entsprechen nicht dem „üblichen“ Bild, dass alle total motiviert sind, alle die gleiche Energie haben, sie alles schnell abarbeiten, alle Fähigkeiten ihres erlernten Berufes 100%ig beherrschen. Und viele Menschen verhalten sich anders, als es „normalerweise“ üblich ist, z. B. Autisten, Menschen mit psychischen Störungen, Schwerbehinderte, Personen mit AD(H)S. Es gibt viele Menschen dieser Art, die irgendwann keine Lust mehr haben, sich von Arbeitgebern gängeln und kündigen zu lassen. Daher machen sie sich selbständig – übrigens auch mit Empfehlung/Unterstützung des Arbeitsamtes -, um endlich ihre Fähigkeiten einsetzen zu können. Lieber am Rande der Existenz selbständig sein, als ständig die Arbeitsstelle wechseln zu müssen.

      Antworten
  43. Annegret schreibt:

    Ich bin gegen eine zwangsweise Arbeitslosenversicherung für Selbständige, aber dafür, dass jeder so eine abschließen kann, wenn er es möchte.
    Mitte 2007 habe ich mich selbständig gemacht, bekam einen Gründungszuschuss, schloss eine Arbeitslosenversicherung ab. Die große Erhöhung damals hatte mich geschockt, ist mir bei meinem Gewinn immer noch eine Belastung. Aber dank Eurem Kampf hinsichtlich der Krankenversicherung ist der Beitrag ab diesem Jahr auf 77,88 € gesunken.
    Obwohl ich von meiner Selbständigkeit nicht leben kann (wenige Aufträge, die mich aber vollauf beschäftigen), und mein Lebensgefährte jährlich schimpft, dass ich die Arbeitslosenversicherung doch kündigen sollte, behalte ich sie aus wichtigem Grunde bei. Denn ich bin schwerbehindert, kann seit 20 Jahren nur noch 30 Stunden/Woche arbeiten, teils sogar noch weniger, habe aber großes Fachwissen. Wenn ich meine Selbständigkeit aufgeben würde, hätte ich Probleme, eine meinem Berufswissen entsprechende Teilzeitstellung zu bekommen. Außerdem gibt es bei mir unregelmäßig Tage, an denen ich „geistig“ eingeschränkt bin. Ein neuer Arbeitgeber würde mich nach kurzer Zeit wieder entlassen. Das heißt, dass ich länger oder öfter arbeitslos wäre.
    Hätte ich als Selbständige keine Arbeitslosenversicherung, müsste ich mich komplett von meinem Lebensgefährten unterstützen lassen, wenn ich meine Selbständigkeit aufgeben würde, da ich keinen Anspruch auf Hartz IV hätte. Sollte ich jedoch jetzt (mit Arbeitslosenversicherung) meine Selbständigkeit aufgeben, würde ich zumindest eine ganze Zeit lange Geld vom Arbeitsamt bekommen.
    In dem Zusammenhang wundert mich allerdings, dass man noch mindestens fünf Monate Arbeitslosigkeit vor der Selbständigkeit haben muss, um Arbeitslosengeld bekommen zu können. Als ich diese abschloss, war von drei Monaten die Rede. Diesbezüglich habe ich bis jetzt keine anderslautende Mitteilung erhalten.
    Eine andere Möglichkeit gibt es für Selbständige mit Arbeitslosenversicherung, von der ich erst kürzlich erfuhr: Wenn man eine Zeit lang nur wenige Aufträge bekommt, kann man auch Arbeitslosengeld bekommen. Allerdings muss man dann weniger als etwa 15 Stunden arbeiten. Obwohl ich wenige, niedrig bezahlte Aufträge (Honorar kann ich aus rechtlichen Gründen nicht erhöhen) habe, beschäftigen diese mich in der Regel so viel, dass ich fast immer 30 Stunden pro Woche arbeite. Daher kann ich diese Version nicht in Anspruch nehmen. Aus all diesen Gründen ist es für mich wichtig, eine Arbeitslosenversicherung zu haben, auch wenn ich gerne weniger zahlen möchte.
    Ich habe übrigens noch geschätzt 11 Jahre zu arbeiten, bis ich in Rente gehen „dürfte“.

    Antworten
  44. Günther Görlich schreibt:

    Da war ich nie drin. Meiner Meinung nach eine Versicherung für abhängig Beschäftigte, Unternehmer haben da drin nichts zu suchen.

    Ich sehe die Gefahr einer Zwangsversicherung, wie sie auch bei der gesetzlichen Rentenversicherung droht.

    Antworten
  45. Karsten Paulsen schreibt:

    Einer Arbeitslosenversicherung bin ich nie beigetreten. Das widerspricht meinem Verständnis von Selbsständigkeit. Ein Selbsständiger der keine Aufträge hat wird vom Markt nicht genug nachgefragt und sollte sein Angebot daraufhin abstimmen, oder wieder in die Unselbsständigkeit gehen.

    Antworten
  46. Sabine schreibt:

    Ich habe 2013 gegründet mit Gründungszuschuss nach 2 Monaten Arbeitslosigkeit und wusste bis soeben nicht mal, dass es eine ALV für Selbständige gibt. Aber auch wenn ich es gewusst hätte, hätte ich sie nicht genutzt.
    Mein Businessplan sieht vor, dass ich ein halbes vollzeit (mit Reisetätigkeit) Jahr arbeite und ein halbes Jahr frei nehme und mich weiterbilde oder tue, was mir gefällt. Wäre ich dann arbeitslos? Wann ist denn bitte ein Selbständiger arbeitslos? Wenn er ohne Projekte oder Auftrag ist? Was wenn man ein 20% Projekt hat, ist man dann die restlichen 80% arbeitslos?
    Was wenn er künstler ist und mal. Ist er dann arbeitslos, wenn er kein Bild verkauf bekommt oder dann wenn er gerade nicht malt aber trotzdem noch Bilder verkauft?

    Je mehr ich drüber nachdenke, umso weniger erschließt sich mir, wie jemand der nicht „Scheinselbständig“ aber selbständig ist, jemals arbeitslos werden kann. Das ist ein Widerspruch in sich.

    Evlt passt es auf Schauspieler, die ein Engagement brauchen, und sich ohne dann arbeitslos melden, aber diese sind mit anderen Selbständigen ja gar nicht wirklich vergleichbar.
    Wenn ich Akquise betreibe, dann arbeite ich ja auch. Wer diese Phasen nicht in seinem Businessplan einplant, hat nicht verstanden, was Selbständigkeit bedeutet.

    Als Selbständige nehme ich ja Projekte an, sie es vor Ort oder zu Hause, aber bin ja nicht zeitlich gebunden, außer den vertraglich abgesprochenen Lieferterminen.

    Und eine Arbeitslosenversicherung für die zeit nach der Selbständigkeit macht für ich auch keinen Sinn. Wenn ich nicht mehr Selbständig wäre, dann nur, weil ich wieder eine Festanstellugn angenommen hätte.

    Sollte jemand eine Zwangs-ALV einführen, dann soll er mir bitte ganz genau erklären, in welchen Fällen ich diese nutzen kann.

    Antworten
  47. Sascha Justus schreibt:

    In den ersten Jahren der Selbständigkeit war ich in der freiwilligen Arbeitslosenversicherung. Diese habe ich aber später wieder gekündigt, als ich mir sicher war, dass meine Firma angelaufen ist und dies so bleibt. Es ist prima, wenn es auf freiwilliger Basis diese Möglichkeit gibt, es sollte aber auf keinen Fall eine Zwangsverpflichtung werden.

    Antworten
  48. Susanne schreibt:

    Ich halte eine frei wählbare ALV auch für Selbständige für sinnvoll. Vergessen wird oft, dass die Arbeitsagentur neben dem Arbeitslosengeld auch die Kosten für die Krankenversicherung voll übernimmt. Darüber hinaus bin ich privat krankenversichert. Meine ALV ist für mich daher auch ein Weg, mich bei starken PKV Kostensteigerungen durch eine (auch nur kurzfristige) Arbeitslosenmeldung (vor Vollendung des 54. Lebensjahres) zurück in die gesetzliche Krankenversicherung zu begeben. Darüber hinaus kann man auch als arbeitslos gemeldete Person kurzfristige Aufträge annehmen. Dazu muss man sich lediglich bei der Arbeitsagentur „nicht verfügbar“ melden. An diesen Tagen (oder auch Wochen) kann man selbständig verdienen, muss keine Kürzungen vom Arbeitslosengeld befürchten, erhält lediglich kein Arbeitslosengeld für die entsprechenden Tage, bekommt die Tage aber sogar an das Ende der Arbeitslosenzeit drangehängt. Darüber hinaus bietet die Arbeitsagentur durchaus interessante Weiterbildungsmöglichkeiten bei Arbeitslosigkeit. Diese Absicherung und die damit verbundenen Möglichkeiten sind mir auf jeden Fall 77€ im Monat wert.

    Antworten
  49. Jan Brinkmann schreibt:

    Ich finde, diese Signale bringen genau die falschen Eindrücke. Selbstständig machen bzw. Unternehmen gründen wird immer weniger Attraktiv.

    Na klar wäre eigentlich die erste Reaktion, in den ersten 2-3 Jahren sicher sinnvoller als später. Aber gerade zu Beginn kann es doch schon bei 70.000€ Gewinn vor Steuern schon bei 2,5% mal eben 1750€ weitere Abgaben bedeuten.

    Darum befürchte ich, dass dies wenn im Zusammenspiel mit verpflichtender gesetzl. Rentenversicherung kommt. Denn die 1800 € bleiben schon mal nicht für die Rente. Und wenn man die ersten Jahre ohnehin jeden Monat noch etwas öfter rechnen muss, sind auch 100€ im Monat einfach der nächste Kostentreiber.

    Zudem könnte man auch argumentieren, dass viele Unternehmer sogar die ersten 2 Jahre locker überstehen, dann aber manchmal der Dicke Hammer bei den Steuern kommt. Oder halt viele Unternehmen nach 5 oder 7 Jahren erst Pleite gehen.

    Dieser Vorschlag klingt um ehrlich zu sein wieder mal stark nach SPD Handschrift. Die verfolgen ja ohnehin, vorsichtig gesagt, den Ansatz jeden vor sich selbst schützen zu wollen.

    Ich lehne den Vorschlag jedenfalls deutlich ab, und bin selbst seit 2011 selbstständig, wenn auch davon die ersten 2 Jahre neben dem Beruf. Ich habe das Risiko gekannt und mich bewusst vorbereitet. Und um ehrlich zu sein, gäbe mir auch die ALV keinen Funken mehr an Ruhe oder irgendwie Sicherheit.

    Wenn ich die 2,5% jedes Jahr in meine eigenen Puffer investieren kann, beruhigt mich das um ehrlich zu sein viel mehr.

    Antworten
  50. Dieter Koppe schreibt:

    Ich war 2006 nach schweren Gewinneinbrüchen im Vorjahr in die freiwillige ALV eingetreten. Nach der massiven Erhöhung der Beiträge bin ich 2010/11 wieder ausgetreten.
    Nachdem 2010 ein Projekt ausgelaufen war und ich noch nicht sofort ein neues gefunden hatte, wollte ich die ALV ‚mitnehmen‘.
    Ich habe mich also arbeitslos gemeldet. Aber dann begann der reinste Horror auf Arbeitsamt. Sie wollten alle möglichen Beschäftigungsunterlagen der letzten Jahre sehen. Zahlen wollten sie zunächst gar nichts.
    Erst nach einem langen Hin und Her – ich stand zwishcenzeitlich kurz davor zu klagen – bekam ich dann ein
    Arbeitslosengeld zugesprochen. Dies habe ich ca. 1 1/2 – 2 Monate in Anspruch genommen. Der Ertrag war aber mehr als kläglich.
    Ich war jedenfalls froh, als ich 2011 wieder aus der ALV raus war.
    Mein Fazit: lieber selbst vorsorgen und sich den Beitrag zur ALV sparen.

    Antworten
  51. propella schreibt:

    Ich bin Spätgründerin und habe die ALV seit rund 5 Jahren. Für mich ist das eine gefühlte Sicherheit, falls das Leben mal nicht ganz schnurgrade verläuft oder mein Angebot plötzlich keinen Absatz mehr findet, weil mich vielleicht einige plötzlich zu alt für meinen Beruf finden (Grafik-Designerinnen müssen ja immer jung und frisch sein, statt erfahren). Eine Chance auf dem Angestelltenmarkt hätte ich dann erst recht nicht mehr. Ich kenne viele Frauen, die kurz vor ihrem Rentenbeginn arbeitslos wurden oder nicht mehr die Energie haben. Das kann im Notfall also ein Jahr verfrühte Rentenrettung für mich sein. Wer weiß…

    Die Versicherung sollte in jedem Fall freiwillig bleiben. Denn es gibt Selbstständige die ein stabiles Gewerbe bis zum Grab ausführen können.

    So viel ich weiß, darf die ALV nur einmal gewährt werden. D.h. wenn ich sie für ein paar magere Monate in Anspruch nehmen würde erlöscht der Anspruch, oder bin ich da falsch informiert?

    Antworten
    1. Susanne Braun-Speck schreibt:

      Nein, die erlöscht nicht! Du musst nur danach – wie Angestellte auch – wieder in die freiwilige AL Versicherung eintreten (worauf du Anspruch hast, wenn du arbeitslos gemeldet warst) und eben einen Mindestzeitraum von 12 mon. eingezahlt haben.

      Antworten
  52. Steffen Schulz schreibt:

    Die Problematik einer Arbeitslosigkeit stellt sich aus meiner Sicht wohl überwiegend für den Solo-Selbständigen.

    Es gibt aber zahlreiche Selbständige, die entweder (wie ich) die Rechtsform einer GmbH gewählt haben oder in Form des Einzelunternehmers selbst Beschäftige haben. Hier ergibt sich schon allein das Problem der Feststellung des Eintritts einer Arbeitslosigkeit (müssen erst alle Mitarbeiter entlassen sein und die GmbH liquidiert oder woran will man dies festmachen ?).
    Aber auch bei einem Solo-Selbständigen ist die Frage, ab wann Arbeitslosigkeit herrscht (ab Tag 1, wenn kein Anschlussauftrag vorhanden ist oder wie soll das abgegrenzt werden – wenn ich also Urlaub zwischen 2 Aufträgen mache, könnte ich mir dann das Arbeitslosengeld quasi als Urlaubsgeld auszahlen lassen :-)).

    Außerdem darf nicht vergessen werden, dass im Rahmen der Selbständigkeit immer die AG- wie die AN-Beträge aus der gleichen Tasche bezahlt werden müssen und somit immer eine deutlich schlechtere „Rendite“ vorliegt, da die Kosten im Gegensatz zu einer Firma mit Angestellten ja von dem Betreffenden nicht als Kosten geltend gemacht werden können (Stichwort Ungleichbehandlung).

    Daher sehe ich diese Idee wieder nur als Mittel, um weitere Gelder in Richtung Staat umzulenken (europäische AV – ik hör Dir trapsen…). Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass, wenn von Solidarität gesprochen wird, keine echten Argumente für ein Vorhaben vorhanden sind und deswegen die Nebelkerze der Moral geworfen wird, um dem Adressaten in die Tasche zu langen.

    Da es auch heute schon die Möglichkeit gibt, sich freiwillig zu versichern, halte ich dies für ausreichend. Ansonsten sollte eher die Möglichkeit geschaffen werden, ein Gläubiger-geschütztes Sondervermögen (z.B. auf Treuhandkonto) anzusparen aus den zu versteuernden Einkünften (Abzug vor Steuern zur Vermeidung der Ungleichbehandlung), auf das nur unter bestimmten Umständen zugegriffen werden kann (die Einrichtung solcher Konten sollte in unseren Zeiten der IT kein übermäßiges Problem sein).

    Antworten
    1. Susanne Braun-Speck schreibt:

      Dazu kann ich sagen: Ein GmbH-GF muss im Fall der Fälle nur sich selbst als GF kündigen und weder seine Mitarbeiter entlassen, noch die Firma liqudieren. Du kannst kannst selbst auch weiterarbeiten, sofern es – offiziell – nicht mehr als 15 Std/Wo sind. Das kann – wenn es hart auf hart kommt – als Chance genutzt werden.

      Antworten
  53. Kerstin schreibt:

    Ich habe kein Interesse an der Arbeitslosenversicherung und finde eine Pflichtversicherung nicht ok. Auf freiwilliger Basis – ja, von mir aus.

    Aber entweder bin ich selbständig mit allen Freiheiten und natürlich auch den Konsequenzen. Oder ich bin angestellt mit entsprechender Absicherung. Eine Verpflichtung dazu erhöht nur die Hürde, sich selbständig zu machen.

    Antworten
  54. Martin Schulmeyer schreibt:

    Ich verstehe den Begriff „arbeitslos“ in Zusammenhang mit Selbständigkeit nicht.
    Für mich ist das: Eine Weile keinen (guten) Auftrag finden.

    Für mich ist das ein weiterer Schritt dazu, eine Gruppe von Menschen zwangszubeglücken, von denen ein größerer Teil das nicht will.
    Kann die Politik die Selbständigen nicht lieber einfache in Ruhe lassen? Dann besser keine neuen Gesetze.
    Klingt nach SDP „Kümmer-Politik“.

    Antworten
  55. DieDa schreibt:

    Ich habe mich in Q4 letzten Jahres selbstständig gemacht und ein Einzelunternehmen gegründet. Ich bin im E-Commerce-Bereich tätig. Bisher läuft es mehr als mager, aber es leigt daran, dass sich das Ganze erst noch weiter entwickeln muss. Da bin ich mir meiner Sache sicher – Zeit ist hier der entscheidende Faktor.

    Bei einer verpflichtenden ALV bin ich mir da schon weniger sicher; besser gesagt bin ich prinzipiell dagegen.

    Ich habe aktuell nebenbei einen Minijob, von dem ich meine Freiwillige KV bezahle, die sich ja zum Glück auf nicht mehr so astronomische Beträge reduziert hat, und ich investeire einen Teil in meine Altersvorsorge. Jetzt noch zusätzlich 80€ an Pflichtbeiträgen abzusttern würde mir nicht unerheblich ins „Fleisch“ schneiden.
    Wenn Pflicht-ALV, dann wenigstens irgendwie sinnvoll bzw. fair gestaffelt von den Beiträgen her. Aber irgendwie habe ich meine Zweifel, dass die Verantwortlichen das fair und sinnvoll hinbekommen.
    Also sollte man es wie gesagt mit der Pflicht besser sein lassen.
    Und als Akademikerin kann ich zum Thema Kopplung des ALG an die Qualifikation nur sagen: Dieser Unsinn ist unfair und gehört abgeschafft.

    Antworten
  56. Claudia Engelberts schreibt:

    Nach Ende meines ALG1-Bezugs hatte ich noch eine Maßnahme der RV absolviert, ich war damals ein Reha-Fall. Danach machte ich mich selbständig, zu der Zeit war mir der Zugang zur freiwilligen Weiterversicherung versperrt. Ich bedaure das bis jetzt, 12 Jahre später, immer noch. Das Geschäft läuft, ich kann davon leben. Aber ich bin Einzelkämpferin und allein stehend, reich kann ich davon auch nicht werden. Es gibt auch keine Mitarbeiter, die weiter für mich Umsatz generieren würden. Jeder von uns kann krank werden, auch länger. Dann gibt es nach dem Krankengeld-Bezug noch eine soziale Abfederung vor dem ALG2-Bezug. Ich bin Akademikerin, würde also den Höchstsatz beziehen. Ich sehe, dass es für wenig qualifizierte Menschen eher keinen Sinn macht, aber den (freiwilligen?) Zugang für alle (!) Selbständigen fände ich wichtig und erstrebenswert. Warum nicht einkommensbezogene Beiträge erheben, wie auch bei Arbeitnehmern?

    Antworten
  57. Gunther schreibt:

    Als selbstständiger Handwerker kann ich Diskussionen um eine ALV (wie auch alle anderen Zwangsversicherungen) nicht nachvollziehen und lehne diese auch vollumfänglich ab!
    -> insbesondere da diese Punkte Teil des Betriebskonzepts sein müssen und damit Bestandteil des unternehmerischen Risikos.

    In meinem Bereich gibt es keine Arbeitslosigkeit, höchstens ertragsschwache Monate – das liegt schon darin begründet, dass meine laufenden Betriebs-Kosten (Zu ca 85% aus Zwangsversicherungen mit erhöhtem Beitrag und teils willkürlich festgesetzten Quartals-Abschagszahlungen sowie den monatlichen erheblichen Sozialversicherungen) als Handwerker im Risikobereich etwa das dreifache des möglichen maximalen ALG eines Akademikers betragen würden, der ich nicht bin.
    -> dann ist aber die Miete noch nicht bezahlt.

    Wie die staatlichen (Zwangs-)Versicherungen funktionieren – braucht man nur genau hinschauen:
    > Als ich mich selbstständig machte hieß es, eine Rürup-Rente ist das beste was man machen kann
    – kurz darauf wurde diese Variante heimlich in der Rentensteuer erhöht -> Vorteil dahin!

    > Bis zu meiner Selbstständigkeit habe ich 39 Jahre in die Rentenkasse einbezahlt
    – wenn ich in Rente gehe, reicht das Geld (gemäß Rentenbescheid) gerade noch für die Miete
    (nach Steuern und KV)

    Das muss allerdings jedem vor der Gewerbeanmeldung klar sein, genau wie der Fakt, dass ich als Einzelunternehmer in München mit einer 40h Woche keine Familie ernähren kann.
    Wer sich das trotzdem erarbeitet, wird grundsätzlich in allen Bereichen als Spitzenverdiener eingestuft – was unter dem Strich übrig bleibt ist ein anderes Thema.

    Deshalb neige ich dazu, jeden Cent, den ich übrig habe in meine eigene Absicherung zu stecken (die funktioniert)

    Antworten
  58. Stephan Merkel schreibt:

    Solange es Gründern Mut macht und begrüßt wird, was hier nicht wenige bezeugen, scheint mir die ALV sinnvoll. Man könnte sie wohl besser ausgestalten bzgl. Bemessung von Beiträgen und Leistungen. Ich selbst will keine Pflichtversicherung. Zukunftsfähige Rahmenbedingungen für Solo-Selbstständige, die wir dringend brauchen, sehe ich nicht in der Gleichstellung mit Arbeitnehmern.

    Antworten
  59. Bernd Hoffmann schreibt:

    Ich bin privat kranken versichert. Ich habe auch eine freiwillige Arbeitslosenversicherung. Man kann bei einer PKV eine Beitragsvorauszahlung von bis zu 36 Monaten leisten. Ich bekomme dafür 3 % Skonto und kann dann in den Jahren in denen ich keine Krankenkassenbeiträge zahle die freiwillige Arbeitslosenversicherung und andere Versicherungen von der Steuer absetzen.

    Ab 58 hat man Anspruch auf 2 Jahre Arbeitslosengeld. In diesem Zeitraum werden Arbeitslosengeld, die Beiträge an die PKV und auch Beiträge an die Rentenversicherung bezahlt.

    Antworten
  60. Thimo Klüser schreibt:

    Als Freiberufler hat man Auftragslücken einzuplanen und entsprechend vorzusorgen. Das berücksichtigt man im Honorar. Da ist eine ALV nicht nötig. Wer freiwillig seinen Umsatz versichern möchte soll das gerne machen. Für mich wäre eine Pflicht-ALV wieder etwas, das ich bezahlen muss ohne es jemals zu nutzen.

    Antworten
  61. Ulrike Cintron schreibt:

    Ich bin Rentnerin und habe eine Nebenbeschäftigung im Direktvertrieb. Meine Steuern und Krankenkasse nehmen mir ca 55% vom Gewinn weg. Ich bin gegen weitere Zwangsabgaben. Ich bin gegen eine Pflichtversicherung Arbeitslosengeld im Bereich der Selbständigen Unternehmer, sonst bleibt irgendwann von unserem Gewinn fast nichts mehr übrig. Es soll nicht so enden – der Fleissige ist der Dumme!

    Antworten
  62. Bernd Rauleder schreibt:

    Wer sich freiwillig versichern möchte soll das gerne machen. Aber man verschone uns mit weiteren uns angeblich glückselig machenden Zwangsmitgliedschaften und -beiträgen.

    Antworten
  63. heidi schreibt:

    Krankengeld, Berufsunfähigkeit, Unfallversicherungen sind nicht Aufgabe der Arbeitslosen Versicherung.
    .
    Ich bezweifle, dass die Arbeitslosenversicherungen Umsatzausfälle bei vorübergehenden Auftragsflauten zahlen wird bzw. dies nachhaltig kann. Sie ist wie schon erwähnt eine Gründungsabsicherung um sanfter wieder ins Angestelltenverhältnis zurückzukommen.
    .
    Rücklagenbildung und die Frage des leistbaren Verlustes gehören zum Unternehmertum dazu. Wenn ein Geschäftsmodell, das nicht langfristig kann ist es wirtschaftlich sehr riskant. Also Finger weg davon. Risiko gehört zum Unternehmertum dazu und rechtfertigt höhere Vergütungen.
    .
    Das viele von einer Anstellung oder Beamtentum träumen, liegt eher an den politischen Rahmenbedingungen, die die Groko zugunsten von Angestellten und Beamten geschaffen hat. Selbstständigkeit wird leider seit Jahren meiner Meinung nach schlecht geredet. Freiberufler werden nicht als Unternehmer betrachtet, sondern als eine ungeliebte Form der Beschäftigung.
    .
    Der grundsätzlichen Frage der Bürgerversicherung widme ich mich erst dann, wenn die Politiker selbst in die hochgelobten Sozialsysteme einzahlen. Bürger bedeutet nicht nur Angestellte und Selbstständige. Sondern auch Beamte und Politiker. Eine privilegierte Ständegesellschaft wurde vor 100 Jahren abgeschafft.
    .
    Was möchte man erwarten, wenn die Vertreter der unterdrückten Massen, hoch so Rosse die Welt erkunden und auf ihrer Rolex, Freitag den 13. fürchten. Das war Satire 😉

    Antworten
    1. oskar schreibt:

      Ergänzend:
      Arbeitslosengeld gibt es nur für maximal zwölf Monate. In einigen Berufen wie IT wird die Inanspruchnahme wohl höchstens im Bereich von drei – sechs Monaten liegen. Der ALG 1 Höchstsatz liegt bei ca. 2030 Euro. 2030 * 6 = 12180. Enspricht auf zwie Jahren eine monatliche Sparbetrag von 507 Euro (12180 / 12) auf vier Jahr 253,75 (12180 / 48).

      Ist die Summe nach zwei oder drei Jahren angespart, entfallen die Beiträge. Zusätzlich steht einem der angesparte Ausfallbuffer am Ende des Berufsleben zur Verfügung. Oder der Buffer kann für Fortbildungen etc. verwendet werden und man bildet neue Rücklagen. Wichtiger wäre das Unternehmer hier selbst steuerbegünstige Rücklagen bilden können.

      Antworten
  64. HGFRANK schreibt:

    Ich habe 2009 mit Gz gegründet und die ALV abgeschlossen, deren spätere Erhöhungen mich schon schmerzten. Ende 2017 waren Auftragslage und Aussichten so schlecht, dass ich mich (mit fast 58 Jahren) arbeitslos gemeldet habe. Nach knapp drei Monaten ALG-Bezug erfolgte eine fünfmonatige Unterbrechung der AL, um in einem neuen Tätigkeitsfeld als Angestellter Fuss zu fassen. Dieses Intermezzo brachte die Erkenntnis, dass die neue Tätigkeit meinen Fähigkeiten entsprach, allerdings auf Dauer eine zusätzliche Qualifikation notwendig sein würde. Sehr schnell willigte die AA in eine 8-monatige Fortbildung in meinem neuen Fachgebiet ein, die ich sehr erfolgreich abschließen konnte. Direkt im Anschluss trat ich eine sehr gute neue Arbeitsstelle im neuen Beruf an. Ich bin sehr dankbar für die Möglichkeiten, die sich mir aufgrund der AL-Versicherung eröffnet haben.

    Antworten
    1. Peter schreibt:

      Vielen Dank für diesen Tatsachenbericht. Es werden ja häufig Ängste geschürt, dass die ALV im Zweifelsfall keine Leistung gewährt.

      Antworten
  65. Olaf Welling schreibt:

    Ein Vorschlag: Wie wäre es mit einer Gründungs-ALV? Also einer freiwilligen, eventuell auch bezuschussten Möglichkeit, sich für die ersten zwei bis fünf Jahre zu versichern, wenn sich jemand neu selbständig macht. Das könnte die Sorge nehmen, dass man ohne irgendwas dasteht, wenn sich das Geschäftsmodell doch nicht so entwickelt wie erhofft. Es wäre allerdings nicht eine zeitweilige Auftrags-/Arbeitslosigkeit mit all den Schwierigkeiten der Definition und Überprüfung abgesichert, sondern Leistungen würden nur für den Fall der Geschäftsaufgabe im genannten Zeitraum erfolgen, was natürlich auch die Kosten einer solchen Versicherung senken würde. So könnte es als Instrument der Gründungsförderung dienen, ohne unüberschaubare Folgekosten und ausufernde Bürokratie zu produzieren. Dabei sollten natürlich transparent nebeneinander stehen, welche Leistungen für welche Beiträge zu erwarten sind. Ggf. könnte die Gründerin, der Gründer selbst wählen, will ich mich mit X Euro monatlich auf 2000 Euro versichern, weil ich eine Familie ernähren muss, oder reichen mir 1000 Euro mit entsprechend niedrigeren Leistungen.

    Antworten
  66. Susanne Braun-Speck schreibt:

    Ich bin seit dem ersten Tag der Einführung freiwillig arbeitslosenversichert und kann nur Jedem dazu raten!

    Verkehrt ist der Vergleich mit mit ALG2/Hartz4, denn: Selbst wenn du dir selbst kündigst (z.B. wenn du GF deiner eigenen GmbH bist), und dir selbst kein Gehalt mehr zahlst, können ggf auch 1.000 EUR/Monat dich wenigstens ernähren, OHNE das deine Firma aufgegeben werden muss. Zu vergessen ist auch nicht, dass ein eigentlich Selbständiger im Falle der übergangsweisen Arbeitslosigkeit aus wirtschafltichen Gründen, dann günstig sozial- vor allem günstig Krankenversichert ist (über das ALG1).

    Mein „Geheimtipp“ an alle unter 55 Jahren: Wer privat Krankenversichert ist, und daraus will, hat z.B. die Chance über eine kurze Arbeitslosigkeit zurück in die gesetztliche KV zu kommen.

    Antworten
  67. Stephan Schlote schreibt:

    Warum müssen gering verdienende Selbständige i. Vgl. zu Angestellten höhere Beiträge zahlen? Ich finde das ein Riesen-Ärgernis und ungerecht. Dennoch bin ich in dieser teuren Versicherung und habe sie auch schon mal für 12 Monate (mit mehrfachen Unterbrechungen) gebraucht. Es gibt immer wieder Durststrecken für allein kämpfende Freiberufler, wo sich für eine Weile fast gar nichts tut. Dafür brauche ich eine (bezahlbare) Absicherung. Ich bin 55 + , Hochschulabschluss und nicht mehr so risiko-freudig. Deshalb, liebe Leute vom VGSD, wäre es prima, ihr nehmt Euch der Sache an. Danke!!

    Antworten
  68. Joachim Mutter schreibt:

    Meine Frau und ich sind beide sebständig und sind seit Anfang an (ich glaube seit 2005/2006) AL versichert. Ich kann alle zuvor genannten Argumente dagenen nachvollziehen, aber für uns bedeutet es einfach ein Stück Sicherheit und doppelter Boden. Ansonsten kann das ja durch die Freiwilligkeit jeder halten wie er will.

    Antworten
  69. Gerhard Ecaroh Fröhlich schreibt:

    Auch wenn es ein wenig off-Topic ist, wir könnten uns viel sparen, wenn wir unser Steuersystem radikal vereinfachen würden (3 Steuersätze auf Umsatzsteuer – sonst kaum Steuern: 1 extrem niedriger für alles ohne das man nicht leben kann, einen mittleren für normale Dinge und einen hohen für Luxusartikel). Und um den ganzen Krampf und ALG 1 und ALG 2 zu beenden nimmt man einfach ein bedingungsloses Grundeinkommen. Hätte ich das, könnte ich mit meiner Firma in Ruhe weitermachen. So muss ich aus Risikoabwägung wegen gestiegener Kosten die Hauptgeschäftsbereiche einstellen, einen Nebenzweig zum Hauptzweig machen und hoffen, das ich schnell genug Aufträge mit meiner neuen Dienstleistung bekomme, um nicht doch noch abzusaufen. Ich bin nach wie vor freiwillig ALV versichert, trotz es hohen Beitrages. Und sehr sehr froh jetzt, das ich nicht nach zwei Jahren raus bin. Grundsätzlich kann ich mir auch vorstellen, wieder als Angestellter zu arbeiten. Ob sich das mein zukünftiger junger dynamischer Chef auch vorstellen kann, jemanden einzustellen der bald Rente bekommt wag ich allerdings zu bezweifeln. Daher: Grundeinkommen. Bedingungslos.

    Antworten
    1. hans schreibt:

      Volle Zustimmung. Leider hat der Mensch es nicht richtig zurück in die Partei geschafft. Übrigens das System funktioniert in Kroatien super. Estland hat ein ähnlich gutes System und private Leute machen die Steuern in 15 Minuten elektronisch. Reicht in Deutschland noch nicht mal um Änderungen zu verstehen und sich dann über die Weltfremdheit von Berufspolitikern abzuregen.

      Ich befürchte das der rheinische Katholizismus in Form von A. Nahles u. AKK mehr umverteilt und verkompliziert. Mehr Netto hat noch keiner Volkswirtschaft geschadet!

      Antworten
      1. hans schreibt:

        Korrektur, Gehard du wohl meinst wohl die Idee von Götz Werner Grundeinkommen plus komplette Reform des Steuersystem. Finde ich persönlich gut, wird leider nie im Bundestag disktuiert werden.

        Dachte, an F. Merz und die Steuererklärung auf dem Bierdeckel.

        Antworten
  70. Peter schreibt:

    Ich habe mich aus der Arbeitslosigkeit aus der Arbeitslosigkeit heraus selbständig gemacht und mich freiwillig in der ALV weiter versichert. Motivation waren die folgenden Punkte:

    1) Rückzahlung der Leistungen, die ich von der Versichertengemeinschaft bekommen habe
    2) Psychologische Beruhigung für die Anfangsphase
    3) Sicherheit für meine Auftraggeber, dass „Scheinselbständigkeit“ kein Risiko darstellt, da ich in allen Sozialversicherungen (ALV, Rentenverischerung und gesetzl Unfallversicherung) in voller Höhe einzahle. Das Damoklesschwert „Nachzahlung unterschlagener Sozialversicherungsbeiträge“ existiert also für mich nicht. Ich kann so auch als Solo-Selbständiger langjährig für einen Hauptkunden tätig sein (arbeitnehmerähnlicher Selbständiger) und bin voll gesetzeskonform (da Sozialversicherungspflichtig).

    Skandalös ist allerdings die Tatsache, dass ich als Arbeitnehmer damals ALG1 in maximaler Höhe bezogen habe (Verdienst oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze), jetzt aber als Selbständiger in der ALV bei ca. gleichen Beiträgen nur 800€ als Leistung bekommen würde, da ich formal ein „ungelernter Arbeiter“ bin (ohne Ausbildung oder Studium). Das ist grotesk. Dieser leistungslose finanzielle Transfer von „Ungebildeten“ zu „Gebildeten“ muss dringend abgeschafft werden.

    Antworten
  71. Eugen schreibt:

    Als 60+ benötige ich keine Arbeitslosenversicherung.

    Wenn wir allerdings als Selbständige die leidige Scheinselbständigkeitsdiskussion beendet bekämen, indem wir wie alle anderen den für alle gleichermaßen festgelegten Prozentsatz von unserem Gewinn in die Sozialversicherungen einzahlen müssten und auch die gleichen Leistungen wie die Angestellten bekämen, sähe ich das als Vorteil.

    Antworten
  72. Heike schreibt:

    Viele Schreibende hier stellen darauf ab, dass „man bei zu geringem Einkommen aus der Selbstständigkeit in ein Angestelltenverhältnis wechseln“ könne. Das mag verständlich sein, wenn man jung ist und in einer Gegend lebt, in der eine Chance auf ein passendes Arbeitsstellenangebot besteht. Wer 58 Jahre alt und mit Immobilie (und Liebe für Heimat) an eine sogenannte „strukturschwache“ Gegend gebunden ist, hat diese Option eher nicht. Außerdem bin ich alleinstehend mit jetzt drei studierenden Kindern.
    Wer vier Jahre in die freiwillige ALV eingezahlt hat und mindestens 58 Jahre alt ist, hat einen Anspruch auf zwei Jahre ALG.
    Der Beitrag ist für 2019 auf 60,60 € (Ost) gesenkt worden.
    Ich hatte schon einmal so eine Flautezeit mit Unterstützung der Agentur für eine Weiterbildung (nach eigenem Wunsch) nutzen und nebenher eingeschränkt meine freiberufliche Tätigkeit weiterführen können, wofür ich sehr dankbar bin.
    Einen Zwang lehne ich hingegen ab.

    Und hier schließe ich mich auch Pascals Meinung (18. Januar 2019, 13:21) zur Krankenversicherungspflicht an. Solange unser „Gesundheitssystem“ so ist, wie es ist, möchte ich nicht „leitliniengetreu“ durch „nur zugelassene Leistungserbringer“ durch ein Krankheitsgeschehen begleitet werden. Wer erforscht, von wem diese „Leitlinien“ mit wessen „finanzieller Unterstützung“ erstellt werden, kann schnell große Ernüchterung erfahren.

    Generell will ich keinen Zwang zu irgendwelchen Zahlungen an Institutionen, die mir dann mein Geld für etwas einteilen, was ich nicht will und brauche. (Warum fällt mir hier sofort der Zwang zur Zahlung von „Rundfunkgebühren“ ein? Und das zweimal, obwohl ich weder privat noch beruflich auf die entsprechenden Angebote zurückgreife?)

    Da ich vorab schon 35 Jahre angestellt erwerbstätig war, lohnt es sich für mich, weiter in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Aber auch hier will ich nicht dazu gezwungen werden.

    Wenn schon irgendeine Versicherungspflicht dann nur wenn alle, die Einkommen generieren (und besonders Regierungs“beamte“), in die gesetzliche Renten- oder Kranken- oder Arbeitslosenversicherung einzahlen müssen – entsprechend ihrem Einkommen und ohne Mindest- oder Höchstbemessungsgrenze. Dann wären die Beiträge auch für Geringeinnehmende zu stemmen und – oh Wunder! – die Leistung wäre eine ganz andere.

    Manche schreiben von „SDP-Kümmer-Politik“. Das klingt mir zu nett. Ich denke da eher an Überwachungs- und Regulierungswahn, nicht umsonst stehen gerade Solo-Selbstständige scheinbar unter Generalverdacht. Mich erinnert das an Flügelstutzen: quadratisch, praktisch, klein – so passen wir besser in die Verfügungsmasse rein.

    Antworten
    1. rita schreibt:

      Heike, finde Deinen Kommentar super. Landleben hatte viele Vorteile, der größte Nachteil ist die schlechte Anbindung an die Bahn und den Nahverkehr. Zusätzlich sind die Bahn und der Nahverkehr unverhältnismäßig teuer. Gerade jetzt bei den drohenden Dieselfahrverboten, ein existenzbedrohendes Thema für alle (auch Angestellte). Je nach Kilometerleistung sind Benziner unwirtschaftlicher und E-Autos haben nicht die notwendige Reichweite und sind unerschwinglich. Da sehe ich zum Westen keine Unterschiede.
      Wie hoch waren Deine Auszahlungen zu den geleisteten Einzahlungen ungefähr?
      Bei uns im Westen ist die Agentur für Arbeit, keine sehr hilfsbereite Behörde, zumindest was ich in meinem Umfeld gehört habe. Sind natürlich Einzelfälle und nicht statistisch bewiesen, es reicht jedoch um Angst vor der immer erdrückenden Verwaltung zu haben.

      Antworten
    2. Nils schreibt:

      Ich finde die Beitragsbemessungsgrenze sehr sinnvoll da diese auch die Leistungen deckelt, dieses wird von Kritikern oft ignoriert. Man stelle sich mal vor die gesetzliche Rentenversicherung würde Renten in Millionenhöhe an ehemalige Manager / Vorstände ausschütten…

      Antworten
  73. Michael Dahmen schreibt:

    Eine Pflichtversicherung erscheint mir unangemessen, das Angebot einer freiwilligen Versicherung wie jetzt entspricht mehr der Idee von Selbständigkeit. Allenfalls könnte man überlegen, die freiwillige Versicherng auch denen anzubieten, die schon länger selbständig sind, also nicht nur direkt beim Wechsel aus der angestellten Tätigkeit bzw. Arbeitslosigkeit wie heute. Das bei gleichem Beitrag je nach Qualifikation unterschiedlches ALG bezahlt wird, erscheint mir grotesk. Oder habe ich da was missverstanden ?

    Antworten
  74. DeutscherMichel schreibt:

    Mir wurde bei Gründung vor 10 Jahren (da war ich 52) dringend zu einer ALV geraten. Als dann die Vervierfachung der Beiträge einsetzte, fand ich das Verhältnis zwischen (sicheren) Einzahlungen und (möglichen) Auszahlungen zu ungünstig und kündigte. Ich hab es nicht bereut. Für den Fall längerer schwerer Krankheit habe ich ein Krankentagegeldversicherung, die (weil vor vielen Jahren abgeschlossen) nicht teuer ist und einmal ohne Wenn und Aber zahlte, nachdem der Arzt Arbeitsunfähigkeit bescheinigte – aber wann ist ein Selbstständiger arbeitslos? Es ist doch mit Händen zu greifen, dass es da Diskussionen mit der Versicherung gibt. Was die „tollen“ Gründungsberater vor zehn Jahren zu erwähnen „vergaßen“: dass es sehr sinnvoll sein kann, freiwillige Rentenbeiträge zu zahlen. Denn die ermöglichen es einem u.U., mit 63 in Rente zu gehen.

    Antworten
  75. Stephan Junghans schreibt:

    Ich war als Mitglied der Inhaber-Familie im Unternehmen angestellt und daher gesetzlich versichert, auch Alo. Als unser Unternehmen kurzarbeiten mußte, habe ich zu dem (damals noch Arbeitsamt-) Prüfer gesagt, den Anteil des Kurzarbeitergeldes für mich soll er an die Firma auszahlen. Daraufhin wurde mir beschieden, daß das nicht gemacht werde. Auf meinen Einwand, ich würde schließlich in die Alo einzahlen, hat man mir gesagt, ich solle das als „Solidarbeitrag“ sehen. Ich habe, noch am nächsten Tag, die gesetzliche Versicherung verlassen und mich privat versichert. Überall, wo der Staat die Finger hat, sind der Verschwendung und der Inkompetenz Tür und Tor geöffnet. Deshalb stehe ich auf dem Standpunkt: Komplett weg mit dem Staat aus den Versicherungen. Jeder soll verpflichtend einen fixen Bestandteil seines Einkommens zur Absicherung verwenden müssen, aber wo er das tut, bleibt ihm überlassen. Und dann müssen DRAKONISCHE Strafen eingeführt werden, für Versicherungsunternehmen, die diese Gelder eventuell veruntreuen.

    Antworten
  76. Nils schreibt:

    Auch von mir ein klares Nein zur Zwangsversicherung. Man kann überlegen die Versicherung für Selbstständige interessanter zu machen, z.B. ist es absolut absurd dass die Beiträge nach Einkommen aber die Leistungen nach Bildungsabschluss bestimmt werden. Aber die Frage bleibt ab wann gilt man als arbeitslos und wie bürokratisch ist der Prozess? Ich würde mich wohl eher um die Akquise kümmern als seitenlang Formulare auszufüllen, ich höre auch eher selten dass jemand positive Erfahrungen mit der Arbeitsagentur gemacht hat.

    Statt ständig zu versuchen Selbstständige zu ihrem Glück zu zwingen sollte man über vernünftige Anreize nachdenken.

    Antworten
  77. Gregor schreibt:

    Ich habe eigene Erfahrungen mit dem Thema gemacht und muss leider sagen, das die freiwillige Arbeitslosenversicherung unter den gegebenen Umständen mich interessant für mich ist.

    1. Ärgernis: Zuerst wurde ich gut beraten. Dann ist die MA des Arbeitsamtes krank geworden und ich wurde zu einem Kollegen überwiesen. Dieser hat mich komplett falsch beraten und war nicht offen für Informationen zu dem Thema. Nach einigen Wochen stellte sich heraus, das seine Kollegin und ich recht hatten und er mich völlig falsch beraten hat.

    2. Ärgernis: Ich habe alle Informationen und Dokumente zu weit vor dem fälligkeitstermin abgegeben (durfte es per Mail verschicken). Aus irgendeinem Grund wurden diese Dokumente aber nicht gefunden und ich der Versäumnis beschuldigt. Ich musste in einem langwierigen Prozess dazu stellung bewiehen, in welchem ich auch noch die Übersendungsbestätigung aus dem @Mailordner mitsenden musste.

    3. Ärgernis: Auch nachdem ich Arbeitstage mit Aufträgen angemeldet habe (2 Monate vorher) und mich danach wieder Arbeitslos gemeldet habe, wurde das nicht anerkannt. 10 Tage wurden mir gestrichen.

    4 Ärgernis: Im laufe der nächsten Monate wurden mir insgesammt noch ca. 10 Briefe geschickt, in welchem das Arbeitsamt noch zusätzliche Beträge zurück verlangt hat, welche aber jeweils nur einen 30€ Beträge waren, so das sich der mehrstündige Aufwand, welche mit der Rechtfertigung verbunden war nicht rechnete.

    Zusammenfassung: Von den ca. 1400€/ die mir über die Zeit zugestanden hätten, habe ich nur knapp 800€ bekomen. Der Arbeitsaufwand (Mindestens 20 Stunden) und die Nerven, die mich das Arbeitsamt zu der zeit gekostet haben waren unbeschreiblich hoch und mit keinem Geld der Welt auf zu wiegen.

    Ich kann das Arbeitslosengeld nicht empfehlen, da es meines Erachtens nur Schikane ist.

    Schöne Grüße, ein nicht mehr Wähler.

    Antworten
  78. Jens schreibt:

    Ein Freiberufler (oder Selbständiger) ist nicht arbeitslos.
    Er ist maximal ohne Auftrag.

    Arbeit ist immer da: Werbung, Webseite und Angebot weiterentwickeln, Marketing, Netzwerken, Fortbildung, DSGVO-Prüfen, AGBs prüfen, neue Rechtsvorschriften prüfen, Buchhaltung, Steueroptimierung, VGSD-Arbeit und natürlich Akquise.

    Antworten
    1. inge schreibt:

      Stimme Dir zu Jens. Diese Versicherung nutzt nur was bei Geschäftsaufgabe. Aber dann ist man gleich in den Fängen der Sachbearbeiter. Und für einen Hochschulabschluss sind auch Tätigkeiten mit Mittlere Reife schnell zumutbar. Oder wollen Sie nicht arbeiten? Fahren Sie zumindest zum Vorstellungsgespräch. Solution Architekt ist ja gleich Bausoftware!! Und das kann ein ERP Berater ohne Problem (Statik ist ja Teil jedes BWL Studiums). Selbstredend werden die 100km Fahrkosten auch nicht von der Agentur übernommen, man bekommt ja schon im Vergleich zu anderen ein üppiges Arbeitslosengeld. Das der Vorschlag zu einer nicht passenden B-Firma von der Agentur selbst kam, interessiert keinen. So ging es einen Bekannten.

      Antworten
  79. Gerwin Müller schreibt:

    Ich habe vor 10 Jahren mit 46 gegründet und mich gegen Arbeitslosigkeit versichert. Trotz der gestiegenen Kosten bin ich dabei geblieben und schätze die Sicherheit, gerade im mittlerweile gestiegenen Alter.

    Wenn ich tatsächlich arbeitslos werden sollte, bin ich als Hochschulabsolvent einigermaßen abgesichert. Sollte sich dies durch eine mögliche Gleichschaltung aller verschlechtern, muss ich neu nachdenken; selbstverständlich habe ich aber nichts dagegen, wenn auch für andere der Betrag des Arbeitslosengeldes dem für Akademiker angeglichen wird. Eine Orientierung am Umsatz erachte ich als Hohn, denn gerade wenn man arbeitslos wird, wird der letzte Umsatz davor vermutlich nicht üppig gewesen sein. Im Übrigen führt das nur wieder zu noch mehr Bürokratie und Planstellen im öffentlichen Dienst.

    Von einer Pflichtversicherung halte ich überhaupt nichts; meine individuellen Beweggründe müssen ja für andere durchaus nicht gelten, hier sollte Entscheidungsfreiheit bestehen bleiben.

    Antworten
  80. Christian Schmidt-Gütter schreibt:

    Ich weiß die freiwillige Arbeitslosenversicherung zu schätzen – aber mir ist wichtig, dass das Attribut nicht gestrichen wird: Zwangsabgaben und -versicherungen stehe ich grundsätzlich ablehnend gegenüber.

    Antworten
  81. Lars Lubienetzki schreibt:

    Danke für den Beitrag! Ich bin seit 1992 selbständig. Sicherlich würde es eine gewisse Sicherheit für mich bringen, wenn ich jetzt mit zunehmenden Alter eine Absicherung hätte. Ich glaube aber, am Ende ist es eher ein Gewinn für die Versicherung. Vielleicht denke ich da auch komplett falsch. Aber bin eher skeptisch, wenn es um eine verpflichtende Abgabe für Selbständige geht.

    Ein anderes Thema: Mir wäre eine Entkopplung von Arbeit und Erwerbstätigkeit lieber, egal ob angestellt oder selbständig – Stichwort: Grundeinkommen.

    Antworten
  82. Markus schreibt:

    Die unterschiedlichen Leistungen bei gleichen Beiträgen finde ich auch höchst ungerecht.
    Bei den Lösungsvarianten fehlt mir jedoch eine vierte: die Versicherungswilligen selbst entscheiden zu lassen, welches Monatseinkommen sie versichern wollen! Und die Beiträge entsprechend daran anpassen.
    So kann jede selbst einschätzen und entscheiden, wie hoch für sie das Risiko ist, wie lange sie von Ersparnissen leben kann, etc.
    Nicht zu vergessen: ganz existenzielle Risiken sind ja über das ALG 2 abgesichert. Zumindest in der Theorie …

    Ich würde aber auch die Arbeitslosigkeits-Versicherung für Angestellte überdenken. Muss diese wirklich verpflichtend sein?

    Ein Problem ist doch, dass die Absicherung wirtschaftlicher Risiken verbunden wird mit der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz, Weiterqualifizierung usw.
    Ich würde das trennen. Einerseits eine freiwillige Versicherung finanzieller Risiken, andererseits eine verpflichtende, solidarische Finanzierung eines effizienten Beratungs-, Arbeitsvermittlungs- und Weiterqualifizierungssystems.
    Sollten dann weniger in die freiwillge Absicherung einzahlen, und dadurch auch diese Beiträge steigen: geschenkt. Schließlich sollten m.E. wirklich existenzielle Dinge anderweitig solidarisch abgesichert werden, wie aktuell durch ALG 2 bzw. Sozialhilfe aber auch Dinge wie Wohngeld, Kindergeld etc. (auch wenn diese Schwächen haben)

    Antworten
    1. Nils schreibt:

      Ich denke „verpflichtend“ und „effizient“ schließen sich meist gegenseitig aus, gerade wenn es um mehr geht als nur Geld umzuverteilen.

      Antworten
  83. Markus schreibt:

    P.S. der Grund für die von mir vorgeschlagene Trennung: beim Bezug von ALG-Leistungen zum Lebensunterhalt wird grundsätzlich Missbrauch unterstellt und demzufolge Druck ausgeübt. Auch das Unwesen ineffizienter Weiterbildungs-Einrichtungen. in die Teilnehmer „geschickt“ werden, ist eine Folge davon.
    Ich möchte nicht in ein solches System hineingezwungen werden – egal ob als Angestellter oder als Selbstständiger.

    Antworten
    1. tim schreibt:

      Markus volle Zustimmung. Ist eher eine Steuer für eine undurchsichtige und teurere Behörde. Wie einige Kommentare hier beschreiben, ist ein Grundeinkommen vielleicht eine günstigere Reform der Systeme. Die Quote von Bürokratiekosten und Auszahlung an die Berechtigten wird leider selten diskutiert. Ähnlich ist es in der Landwirtschaft bis auf EU-Ebene. Die Kommentare zeigen deutlich, dass die Hilfsbereitschaft der Sachbearbeiter der Schlüsselfaktor zur Zufriedenheit der Bürger ist. Hier gibt es vielleicht ein Ost – Westgefälle zugunsten des Ostens. Die Berater der Agentur müssen von der Reinigungskraft bis zum Professor alles beraten. Daher ist nachzuvollziehen, dass es bei Digitalisierung enorme Defizite gibt. Wie sollen die Sachbearbeiter da zukünftig zielgerechte gute Bildung vermitteln? Vielleicht wäre ein Effizientes-Bürger-Gesetz für Behörden die erste große Reform der unendlich wirkenden GroKo‘s? Schöner günstiger und sinnvoller als das Rad der Gebühren, Verordnungen, Steuern und Bußgelder immer weiter zu erhöhen. China und der Rest der Welt schläft nicht!

      Antworten
    2. karl schreibt:

      Aus aktueller Tagesschau Meldung:

      Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken-Bundestagsfraktion, Sabine Zimmermann, sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Aus persönlichen Gesprächen weiß ich, dass sich viele erwerbslose Menschen von den Arbeitsagenturen mehr Unterstützung wünschen, wie zum Beispiel eine Weiterbildung, diese ihnen aber verwehrt wird.“ Sie forderte die Arbeitsagentur auf, das Geld künftig besser auszuschöpfen.
      .
      Neben beruflicher Weiterbildung werden mit den zur Verfügung stehenden Geldern auch andere Eingliederungsmaßnahmen finanziert. Regional variieren die Werte stark: Während in Sachsen 2018 nur 13 Prozent der zur Verfügung stehenden Mittel übrig blieben, waren es in Niedersachsen und Bremen 30 Prozent.
      https://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitslose-weiterbildung-101.html

      Antworten
  84. Francesca schreibt:

    Ich habe mich in 2017 selbstständig gemacht – mit Gründungszuschuss. Die Beraterin der AfA hat mich auf die freiwillige ALV hingewiesen aber gleichzeitig kein Druck gemacht. Das fand ich super. Für mich war das am Anfang auch ein sehr gutes Gefühl, diese Absicherung zu haben.
    Nur zwei Dinge finde ich wirklich verbesserungsbedürftig:
    1) den halben Beitrag zahlt man in den ersten zwei Jahren nach der Gründung – allerdings geht es hier um Kalenderjahre. Weil ich mich Mitte Oktober für die ALV angemeldet habe, hat das für mich zur Folge gehabt, dass ich den halben Beitrag nur für 14 Monate hatte und dann zum vollen Beitrag wechseln musste. Also nichts mit 2 Jahre! Das finde ich überhaupt nicht in Ordnung.
    2) auch die Bindung für 5 Jahre finde ich viel zu lang. Man könnte ja sagen, Minimum sind 3 Jahre (also 2 ganze !!! Jahre mit dem halben Beitrag und 1 Jahr mit dem vollen Beitrag), das würde mir vernünftiger erscheinen.

    Ansonsten finde ich aber, dass für Selbstständige die ALV weiterhin freiwillig bleiben sollte. Es soll jeder/jede für sich entscheiden, welche unternehmerische Risiken er/sie eingehen möchte und welche nicht.

    Danke für diese Umfrage und viele Grüße!

    Antworten
  85. Markus schreibt:

    Meines Wissens ist die einzige Möglichkeit, von der privaten ggf wieder in die gesetzliche Krankenversicherung zu wechseln, dass man sich arbeitslos meldet. Muss man halt machen, wenn man grad kein Projekt hat. Diese Option möchte ich behalten. Ansonsten lohnt sich die Versicherung für mich nicht.

    Antworten
  86. Andreas Schnelle schreibt:

    Im Prinzip finde ich die Möglichkeit der Arbeitslosenversicherung sehr gut. Besonders in Bezug auf die soziale Absicherung bei Familien (mit ihren Selbstständigen). Ungerecht dagegen ist Art und Weise der Einstufung und das alle den gleichen Beitrag bezahlen, egal ob ungelernt oder studiert. Ich selbst habe sie nicht, weise aber jeden meiner Gründer auf die Möglichkeit hin. Insgesamt finde ich unserer gesetzliches Sozialversicherungssystem unnötig kompliziert und überbürokratisiert. Der Verband könnte da den amtierenden Minister Heil noch mehr auf den Wecker gehen. Ich hätte da schon Vorschläge und Ideen. Im Zeitalter der Digitalisierung sind da Potenziale zu stemmen, die den Gesamtbeitrag Sozialversicherung immens senken könnte. Aber allein der Glaube fehlt, dass die Politik, Gewerkschaften und Beamtenbund bereit ist, die Horden von Menschen in Kauf zu nehmen, die dadurch ohne Job wären.

    Antworten
  87. Ann schreibt:

    Alles, was mir verpflichtend als monatliche Ausgaben auferlegt wird, sehe ich kritisch.
    Und ich frage mich auch: ab wann bin ich als Selbstständige arbeitslos? Bin ich krank und kann ich nicht arbeiten, so springt die KV ein – zum Glück. Sind meine Einnahmen bzw. Aufträge seit Monaten zurückgegangen oder kommt ein wichtiger Auftrag nicht, springt die ALV als „Überbrückung“ ein? Wie werde ich nachweisen können/müssen, dass ich derzeit keine bzw. nicht genug Aufträge habe, aber alles dafür getan habe, die Situation zu bessern, vergleichbar ALG bei Angestellten.
    Ich persönlich bin eher für günstige „Überbrückungskredite“ für den Notfall, als für die permanente monatliche Erhöhung meiner Ausgaben.

    Antworten
  88. Ulrike schreibt:

    Hallo alle zusammen,
    ich möchte noch meinen FRAUEN-Aspekt in die Diskussion einfließen lassen und meine Geschichte erzählen:
    Bloß gut, ich hatte die ALV. Jetzt, nach zwei Unterbrechungen, bin ich rausgeflogen und da ist sie wieder, die Unsicherheit. Die Höhe des Beitrags hat mich nicht so sehr gestört. Mein AG war auch in Ordnung, ich war der höchsten Quali.-Stufe zugeordnet. Ich bin nach der Elternzeit und kurzer AL, also „auf den letzten Drücker“ in die Selbständigkeit, Beginn 12/12. Dann folgten GZ1+GZ2. Ich habe die ganze Zeit gebraucht, um die fixe Idee in ein ordentliches Geschäft zu überführen. Dummerweise wurde ich schwanger, Geburt 10/14. Berechnungsgrundlage für Elterngeld war das letzte vollständige Geschäftsjahr, also ausgerechnet 2013. Dumm gelaufen, könnte man sagen. Für mich war das kein Spaß – das hat man also davon, wenn man als promovierte Frau so doof ist und sich selbständig macht. Es gibt zum Dank für Risikobereitschaft 300,00 EG, na toll. Ich musste meinen Stolz runterschlucken und ALG nehmen. Mein Einspruch hat nix gebracht, ich habe versucht, dass wenigstens die viel günstigeren letzten 12 Monate als Grundlage genommen werden. Als ich ein Jahr später wieder in die Selbständigkeit ging, erst dann kam die Ablehnung des Einspruchs. So ein Quatsch. Ich bin dafür, auch wenn es mir nichts mehr nützt, dass solche Frauenprobleme irgendwie anders abgesichert werden. Die zweite Unterbrechung habe ich aktiv gewollt und war drei Monate, um mich mal voll auf Marketing zu konzentrieren. War leider keine gute Idee. Wieder etwas gelernt… Nun konnte ich meinen Frust mal loswerden, danke! 😉

    Antworten
  89. Tanja Lübbers schreibt:

    Hallo Andreas, hallo an alle,

    ich wollte nach 2 Jahren ebenfalls die Versicherung kündigen, allerdings sagte man mir bei der ARGE dass ich erst nach 5(!) Jahren kündigen kann, es sei denn, man ist wieder angestellt tätig oder geht insolvent.
    Hat jemand von Euch auch diese Erfahrung gemacht?
    Viele Grüße und ein schönes Wochenende!

    Antworten
  90. Traenkler schreibt:

    Als Selbständiger ist man wohl kaum arbeitslos, aber je nach Fach durchaus mal verdienstlos. In Zeiten vordergründiger Auftragslosigkeit ist dennoch immer mehr als genug zu tun (Steuer, Warenproduktion, Werbung, Weiterbildung, Übung etc.).Den Sinn einer Arbeitslosenversicherung verstehe ich da nicht. Auch die Berechnungs- und Zuteilungssystematik ist wirr, der Hochschulabschluß erzeugt nicht an sich höheres Einkommen (und damit Alg-Anspruch); vielmehr zählt bei den meisten Selbständigen die fertige Leistung und die Marktstruktur/Kundenvermögen.
    Recht seltsam finde ich die Meinung mancher Kollegen in diesem Kreis, das ein Selbständiger, der finanziell nicht überaus erfolgreich ist, doch besser im Angestelltenverhältnis aufgehoben wäre. Gerade weil generell keine Jobs verfügbar sind (nicht jeder lebt in München oder Berlin) oder es keine Jobs gibt, die mit Familien- oder Gesundheitssituation kompatibel sind, müssen viele auf Selbständigkeit ausweichen. Und bei der derzeitigen Wirtschaftslage mit der sich drastisch ausweitenden Armut ist in vielen Fällen einfach kein hohes Einkommen möglich.
    Das einzig Richtige und Wichtige ist, die gesamten Sozialversicherungsbedingungen für die Selbständigen an die Angestellten anzugleichen, damit überhaupt noch ein wirtschaftliches Arbeiten möglich ist. Denn oft liegen die eigentlich erforderlichen Soz.vers.Ausgaben über dem erzielbaren Einkommen. Wieso geht das für Angestellte im Niedriglohnbereich??
    Die Alternative wäre in diesem Fall bis jetzt, die Selbständigkeit sofort aufzugeben, wenn da nicht der Optimismus und der große Arbeitswille da wäre… oder alle diese drängen in die wenigen Branchen ein, wo es soviel dicke Kohle zu verdienen gibt, daß man ganz herablassend auf allgemeine Soz.Vers. pfeifen kann, weil die 1 – 2 Tausender pro Monat eh locker drin sind. Aber ob dann für alle noch genügend Kunden da wären??

    Antworten
  91. Dirk schreibt:

    Was die meisten nicht wissen, ist das man nach dem zweiten Bezug von Arbeitslosengeld I nicht wieder in die freiwillige Arbeitslosenversicherung aufgenommen wird. Paragraf 28a Absatz 2 SGB III begrenzt diese Möglichkeit allerdings.

    Der Gesetzgeber steuert damit still und leise die freiwillig Versicherten auf ein Abstellgleis, der ins Aus führt – ohne Rückkehr.
    Stellen Sie sich vor, das wäre bei der Krankenversicherung so. Dann würde jeder nach der zweiten Krankschreibung aus der Versicherung ausgemustert.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.