Mehr Wahlfreiheit für Selbstständige, weniger Bürokratie für kleine Unternehmen und bessere Bedingungen für eine kapitalgedeckte Altersvorsorge: Dafür setzen wir uns als VGSD ein. In einer gemeinsamen Stellungnahme der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbstständigenverbände (BAGSV) zum Fachdialog des Bundesarbeitsministeriums haben wir unsere Forderungen eingebracht.
Wer selbstständig arbeitet, muss seine Altersvorsorge vollständig selbst finanzieren. Zugleich stehen Selbstständigen weniger Möglichkeiten der staatlich geförderten zusätzlichen Altersvorsorge offen als abhängig Beschäftigten. Auch bei der Weiterentwicklung der betrieblichen Altersversorgung (bAV) muss sich das ändern. Wir wollen, dass die Reform auch Solo-Selbstständigen neue Möglichkeiten eröffnet und die Situation von Kleinstunternehmen berücksichtigt.
Die BAGSV hat dazu im September eine Stellungnahme an das Bundesministerium für Arbeit und Soziales übermittelt. Der VGSD gehört zu den zwölf unterzeichnenden Verbänden. Gemeinsam bringen wir die Perspektive von Selbstständigen mit und ohne Beschäftigte in die Diskussion ein.
Als VGSD-Mitglied kannst du dir die Stellungnahme hier ansehen (PDF):
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Mehr Wahlfreiheit für Selbstständige
Unser Ziel ist ein freiwilliger Zugang zur betrieblichen Altersversorgung – ausdrücklich auch für Solo-Selbstständige. Wer sein Einkommen selbst erwirtschaftet und seine Vorsorge daraus vollständig bezahlt, sollte auch von geeigneten Vorsorgeinstrumenten und deren steuerlichen sowie sozialversicherungsrechtlichen Vorteilen profitieren können.
Die Basisrente, häufig als Rürup-Rente bezeichnet, bietet zwar eine steuerliche Förderung. Sie ist jedoch mit Einschränkungen bei der Verfügbarkeit und Ausgestaltung verbunden. Selbstständige brauchen mehr Auswahl, um eine Vorsorgeform zu finden, die zu ihrer beruflichen und persönlichen Situation passt.
„Selbstständige tragen die Kosten ihrer Altersvorsorge vollständig selbst. Deshalb müssen ihnen auch attraktive, steuerlich geförderte Vorsorgewege offenstehen. Welche Lösung zu ihrem Leben passt, sollten sie selbst entscheiden können“, erklärt Jörn Freynick, Leiter Politik des VGSD und Generalsekretär der BAGSV.
Besonders wichtig ist das bei einem Wechsel der Erwerbsform: Wer aus einem Angestelltenverhältnis in die Selbstständigkeit geht, sollte einen bestehenden bAV-Vertrag zu vergleichbaren steuerlichen Bedingungen fortführen können. Der Schritt in die Selbstständigkeit darf nicht dazu führen, dass eine bereits aufgebaute Vorsorgelösung an Attraktivität verliert.
Renditechancen nutzen und Kosten senken
Für eine gute Altersvorsorge zählt nicht nur, wie viel eingezahlt wird. Entscheidend ist auch, wie viel nach Kosten tatsächlich für das Alter zur Verfügung steht. Wir setzen uns deshalb für eine stärker kapitalmarktorientierte, kostengünstige und flexible betriebliche Altersversorgung ein.
Dazu gehören breit gestreute Fonds- und ETF-Anlagen, mehr Wettbewerb zwischen den Anbietern und der Verzicht auf zwingende Beitragsgarantien, soweit dies innerhalb des jeweiligen Vorsorgemodells möglich ist. Garantien können die Anlagemöglichkeiten einschränken und damit langfristige Renditechancen verringern. Risiken sollten durch breite Streuung und geeignete Anlagestrategien begrenzt werden.
Auch bei der Auszahlung wünschen wir uns mehr Wahlfreiheit. Neben lebenslangen Renten sollten flexible Auszahlungspläne möglich sein, sofern eine ausreichende Absicherung im Alter gewährleistet bleibt.
„Hohe Kosten und starre Vorgaben können einen erheblichen Teil der Rendite aufzehren. Wir brauchen eine Altersvorsorge, bei der möglichst viel vom eingezahlten Geld tatsächlich für das Alter arbeitet“, so unser Leiter Politik Jörn Freynick weiter.
Einfache Vorsorgelösungen für kleine Arbeitgeber
Die Stellungnahme zeigt, wie unterschiedlich die betriebliche Altersversorgung verbreitet ist: Ende 2023 hatten in Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten lediglich 25 Prozent der Beschäftigten eine aktive Betriebsrentenanwartschaft beim aktuellen Arbeitgeber. In Großunternehmen waren es 86 Prozent.
Kleine Unternehmen brauchen Lösungen, die sie ohne großen Verwaltungsaufwand nutzen können. Deshalb unterstützen wir den Vorschlag, Arbeitgeberzahlungen in persönliche Altersvorsorgedepots der Beschäftigten zu ermöglichen. Solche Zahlungen sollten in ausreichend hohem Umfang steuerlich begünstigt werden; die Besteuerung der daraus entstehenden Leistungen sollte erst in der Auszahlungsphase erfolgen.
Ein persönliches Depot könnte die Vorsorge zudem bei einem Arbeitgeberwechsel oder einem Wechsel in die Selbstständigkeit erleichtern. Für Kleinstunternehmen wäre dies eine sinnvolle Ergänzung oder Alternative zur klassischen bAV.
Vorsorge muss bei beruflichen Wechseln mitgehen
Auch bestehende bAV-Angebote müssen einfacher und besser übertragbar werden. Wir unterstützen standardisierte Übertragungsprozesse, digitale Schnittstellen und einheitliche Bewertungsverfahren.
Zudem sollten Abschlusskosten über einen längeren Zeitraum verteilt werden. Werden sie überwiegend zu Vertragsbeginn fällig, können häufige Arbeitsplatzwechsel die Rendite besonders stark belasten. Wer mehrfach wechselt, sollte am Ende nicht mit vielen kleinen, kostenbelasteten Vorsorgeverträgen dastehen.
Selbstständige gehören an den Verhandlungstisch
Damit die Reform im Alltag funktioniert, müssen Selbstständige und Kleinstunternehmen unmittelbar am weiteren Fachdialog beteiligt werden. Ihre Erfahrungen ergänzen die Perspektiven großer Arbeitgeber und der klassischen Sozialpartner. „Ein Betrieb mit drei Beschäftigten hat andere Möglichkeiten als ein Konzern mit eigener Personalabteilung. Wer praxistaugliche Regeln schaffen will, muss kleine Arbeitgeber und Solo-Selbstständige von Anfang an an den Tisch holen“, fordert Freynick.
Als VGSD setzen wir uns gemeinsam mit der BAGSV dafür ein, dass zusätzliche Altersvorsorge unabhängig von der Erwerbsform attraktiver wird. Die Reform bietet die Chance, bestehende Nachteile abzubauen und Selbstständigen mehr Entscheidungsfreiheit bei ihrer Vorsorge zu geben. Diese Chance muss genutzt werden.
Wie blickst du auf das Thema: Sollten Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen bei einer Reform der betrieblichen Altersvorsorge mitgedacht werden? Erzähl davon in den Kommentaren.
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