Lebenserwartung und Rentenbezugsdauer steigen weiter: Warum Versicherungsmathematiker mit so hohen Lebenserwartungen kalkulieren

Die Lebenserwartung wird immer länger, Foto: silviarita, Pixabay

Die Lebenserwartung für in Deutschland geborene Babys hat gegenüber dem Vorjahr um zwei Monate zugenommen, berichtete das Statistische Bundesamt (Destatis) heute:

Jungen prophezeien die Statistiker eine Lebenserwartung von 78 Jahren und vier Monaten, Mädchen sogar von 83 Jahren und zwei Monaten. Diese Angaben in der Sterbetafel 2014/16 haben sich gegenüber einem Jahr zuvor (Sterbetafel 2013/15) um je zwei Monate erhöht.

 

Lebenserwartung steigt alle vier bis sechs Jahre um ein Jahr

Wenn sich dieser Trend fortsetzt, steigt alle sechs Jahre die Lebenserwartung um ein Jahr. Mit 67 Jahren hätten die heutigen Babies also eine um elf Jahre und zwei Monate höhere Lebenserwartung. Die Männer würden im Schnitt 79 Jahre und sechs Monate alt, die Frauen 94 und vier Monate. In diesen zusätzlichen elf Jahren steigt die Lebenserwartung jedoch noch weiter an, was man genau genommen einrechnen müsste und was noch einmal rund zwei Jahre ausmachen würde – bei Frauen liegt man dann schon bei fast 97 Jahren…

Zeitweise hatte das statistische Bundesamt in früheren Jahren sogar einen Anstieg der Lebenserwartung von drei Monaten pro Jahr ausgewiesen, was einem noch schnelleren Anstieg der Lebenserwartung entspricht.

 

Heutige Rentner haben als „Überlebende“ höhere „fernere“ Lebenserwartung

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass heutige Rentner bei ihrer Geburt eine eine deutlich niedrigere Lebenserwartung hatten. Sie sind in einer „ungesünderen“ Zeit geboren und aufgewachsen, haben im Schnitt mehr physisch gearbeitet und weniger gesundheitsbewusst gelebt.

Aber: Sie haben das alles überlebt und stellen sozusagen eine Positiv-Auswahl dar. Entsprechend haben heute 65-jährige Männer eine „fernere“ Lebenserwartung von 17 Jahren und 10 Monaten, die Frauen von 21 Jahren. Ihre Lebenserwartung beträgt also 82 Jahre bzw. 10 Monate bzw. 86 Jahre.

 

Auch die Lebenserwartung von Rentnern steigt während des Rentnbezugs

Auch ihre Lebenserwartung bleibt im Zeitverlauf nicht unverändert, sondern nimmt mit dem medizinisch-technischen Fortschritt weiter zu. Gegenüber dem Vorjahr waren das laut Statistischem Bundesamt (gerundet) ein Monat bei Männern und zwei Monaten bei Frauen.

Rechnet man auch hier mit einem Anstieg der weiteren Lebenserwartung um zwei Monate pro Jahr ergäbe sich für Männer eine nochmals um drei Jahre längere Lebenserwartung (85 Jahre und 10 Monate) und für Frauen von 3,5 Jahren (89 Jahre).

 

Deshalb kalkulieren Versicherungsmathematiker mit hoch erscheinenden Lebenserwartungen

Diese Effekte sind der Grund dafür, dass Versicherungsmathematiker bei der Prognose privater Renten mit teils sehr hoch erscheinenden Lebenserwartungen kalkulieren: Sie dürfen nicht einfach die Lebenserwartung von Babys benutzen, sondern müssen berücksichtigen, dass im Lebensverlauf die Lebenserwartung ansteigt und sie nicht Neugeborene versichern, sondern Versicherte, die beim Abschluss oft schon 30, 40 und mehr Jahre überlebt haben.

Hinzu kommt, dass Menschen, die private Rentenversicherungen abschließen, nochmals eine Positivselektion darstellen und höhere Lebenserwartungen als die Gesamtbevölkerung aufweisen.

Das heißt aber auch, dass wir als Versicherte uns über eine immer längere Lebensdauer  (davon hoffentlich viele Jahre in Gesundheit) freuen düfen und entsprechend lange auch die Rentenzahlungen in Anspruch nehmen.

 

Pressemeldung des Statistischen Bundesamtes

1 Kommentar

  1. otto schreibt:

    Natürlich kann ein persönlicher Eindruck täuschen. Leider staben einige meiner Verwandeten im Alter zwischen 73 – 75. In der Region gibt es sehr viele Sterbefälle die die Rente mit 67 gar nicht erleben. Vielleicht ausgehend von 5 oder gar keine Rentnerjahre, lohnt es sich sein ganz Leben auf ein „Vielleicht“ auszurichten. Mein Großvater starb im Berufsleben.
    .
    Zur Diskussion: Warum für die Renten der anderen arbeiten? Warum für die Fehler der Politiker aufkommen, die man als Kind oder in seiner Jugend gar nicht beeinflußen konnte. Die Fehler reichen von Adenauer bis Kohl. Von nach Schröder bis Nahles und Seehofer.

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