Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

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Selbstständigen Deutschland e.V.

Zahl der Selbstständigen ohne Krankenversicherung seit 2007 von 60.000 auf 24.000 gesunken

Spätestens bei einem Krankenhausaufenthalt geht es ohne Krankenversicherung nicht mehr

Spätestens bei einem Krankenhausaufenthalt geht es ohne Versicherung nicht mehr

Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat die  letztjährige Mikrozensus-Befragung in Hinblick auf das Thema Krankenversicherung ausgewertet und die Ergebnisse unter dem nicht gerade reißerischen Titel „Fachserie 13, Reihe 1.1, Angaben zur Krankenversicherung – Ergebnisse des Mikrozensus 2015“ veröffentlicht.

Aus dem 140 Seiten umfassenden Dokument (inklusive Vor- und Nachbemerkungen sowie Fragebogen, relevant sind die Fragen 166 bis 170) lässt sich erkennen, wie viele Menschen in Deutschland gesetzlich, privat oder gar nicht krankenversichert sind und wie sich diese Gruppen zusammensetzen. Nicht abgefragt wurde leider, wie viele der Versicherten Beitragsschulden bei ihrer Krankenversicherung haben.

 

30 Prozent der Nicht-Versicherten sind selbstständig

Destatis schätzt die Zahl derer, die 2015 über keine Krankenversicherung verfügten, auf 79.000, das entspricht 0,1 Prozent der Bevölkerung – einer von 1.000 hat keinerlei Versicherungschutz. Hinzu kommen allerdings viele Versicherte mit Beitragsschulden, die den Anteil der Betroffenen auf fast ein Prozent erhöhen könnten – dazu und zur Entwicklung im Zeitverlauf unten mehr.

Von den 79.000 Nicht-Versicherten sind 24.000 selbstständig (oder mithelfende Familienangehörige), 7.000 abhängig beschäftigt, 11.000 erwerblos und 37.000 Nichterwerbspersonen. Mit einem Anteil von 30 Prozent an den Nicht-Versicherten sind Selbstständige also deutlich überrepräsentiert. 19.000 (24 Prozent) sind laut Destatis Solo-Selbstständige, ca. 6 Prozent haben Angestellte. Die Hälfte der Nicht-Versicherten sind Deutsche, die andere Hälfte Ausländer. 56 Prozent der Nicht-Versicherten haben einen Migrationshintergrund.

Es ist davon auszugehen, dass diese 79.000 Nicht-Versicherten entweder bereits vor Einführung einer Krankenversicherungspflicht in 2007 (für die GKV) bzw. 2009 (in der PKV) und seitdem durchgängig nicht krankenversichert waren oder in dieser Zeit erst nach Deutschland gekommen sind, da sie ansonsten nicht ohne Weiteres aus dem System hätten herausfallen können. Wenn sie schon einmal in diesem Zeitraum krankenversichert gewesen wären, wären sie dies weiterhin – wenn auch ggf. mit Beitragsschulden.

 


Jetzt mitzeichnen: Mit unserer Petition setzen wir uns für faire Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge ein. Es ist nicht einzusehen, dass Selbstständige deutlich mehr zahlen als Arbeitgeber und -nehmer zusammen. Eine Gesetzesverschärfung zum 1.1.18 macht eine Reform noch dringlicher.


 

Selbstständige Nicht-Versicherte unter der Lupe

Eine Detailauswertung speziell für die Selbstständigen wurde von Destatis nicht erstellt, dafür wurde aber die Gruppe der Erwerbstätigen unter den Nicht-Versicherten, an denen die Selbstständigen 77 Prozent ausmachen, unter die Lupe genommen.

In dieser Gruppe der erwerbstätigen Nicht-Versicherten liegt der Anteil der Frauen bei 29, der der Männer bei 71 Prozent. 77 Prozent der Gruppe sind im Alter 30 bis 60. 29 Prozent von ihnen haben keine berufsqualifizierende Ausbildung – am anderen Ende des Bildungsspektrums verfügen aber immerhin 23 Prozent über einen Studienabschluss. Soweit sie über ein Einkommen verfügen, bewegt es sich ganz überwiegend im Bereich von 500 bis 1.300 Euro netto pro Monat.

Die nicht versicherten Erwerbstätigen verfügen also über ein sehr niedriges Einkommen bzw. sind nur in Teilzeit tätig. Die Selbstständigen unter ihnen, soweit sie nicht Mitglied der Künstlersozialkasse sind, dürften formal trotzdem überwiegend als hauptberuflich selbstständig gelten und entsprechend mit hohen monatlichen KV-Mindestbeiträgen (im Regelfall betragen diese fast 400 Euro/Monat) konfrontiert sein, was die Krankenversicherung für sie unerschwinglich macht. Hinzu kommt, dass sie – obwohl sie keine Versicherungsleistungen in Anspruch genommen haben – im Fall einer Meldung für das laufende und die letzten vier Jahre Beiträge nachzahlen müssten, mit einem Schlag also hohe Beitragsschulden hätten. (Häufig lässt sich mit den Krankenkassen aber in solchen Fällen eine Lösung aushandeln.)

 

Zahl der Nicht-Versicherten hat seit 2007 um 60 Prozent abgenommen

Im Juli 2013 hatten wir für einen Bericht über den damals geplanten Beitragsaltschulden-Erlass die Zahl von 130.000 Nicht-Versicherten und 600.000 Versicherten mit Beitragsschulden recherchiert. In Summe waren damals also fast ein Prozent der Bevölkerung betroffen.

Um zumindest für die Nicht-Versicherten zu klären, wie sich deren Zahl entwickelt hat, haben wir uns auch die älteren Destatis-Auswertungen angeschaut. Die entsprechende Befragung wird alle vier Jahre durchgeführt, es liegen auch Auswertungen zu den Jahren 2007 und 2011 vor.

  • 2007 – bei Einführung der Krankenversicherungspflicht zunächst in der gesetzlichen Krankenversicherung – gab es 196.000 Nicht-Versicherte, darunter 60.000 Selbstständige (31 Prozent), von denen die meisten (24%) soloselbstständig waren.
  • Im Jahr 2011 – vier Jahre später und noch vor dem Beitragsschuldengesetz – hatte die Zahl der Nicht-Versicherten auf 128.000 abgenommen, darunter waren 32.000 Selbstständige (25 Prozent), von denen die meisten (20 Prozent) soloselbstständig waren.

Im Vergleich zum Jahr 2007 ist die Zahl der Nicht-Versicherten bis 2011 um 35%, bis 2015 sogar um 60 Prozent zurückgegangen. Der Anteil der Selbstständigen unter den Nicht-Versicherten ist mit 30 Prozent gegenüber 2007 unverändert geblieben, ebenso der Anteil der Solo-Selbstständigen, die vier von fünf nicht versicherten Selbstständigen ausmachen.

 

Bei der Rentenversicherung schutzbedürftig, bei der Krankenversicherung nicht: Hauptsache man kann uns in die Tasche greifen

Unverständlich erscheinen angesichts dieser Zahlen die jüngsten Ausführungen der Bundesregierung, vertreten durch das Bundesgesundheitsministerium, zu einer Anfrage der Grünen: Die Bundesregierung lehnt eine Senkung der Mindestbeiträge für Selbstständige in der gesetzlichen Krankenversicherung ab. Die bestehende Regelung sei historisch gewachsen und trage dem Umstand Rechnung, dass Selbstständige nicht des gleichen Schutzes der Solidargemeinschaft bedürften wie abhängig Beschäftigte.

Wir lernen: Wenn es darum geht, (Solo-)Selbstständigen per GKV überproportional in die Tasche zu greifen, sind wir nicht schutzbedürftig. Ganz anders, wenn es darum geht, Freelancer in die gesetzliche Rentenkasse zu zwingen: Dann muss die Solidargemeinschaft uns sogar vor uns selber schützen, damit wir im Alter nicht der Allgemeinheit zur Last fallen. Noch Fragen?

2 Kommentare

  1. Andreas Zollinger schreibt:

    jeder halbwegs helle mensch kümmert sich selber um seine gesundheit, möchte man meinen. dieses deutsche zwangs-„sozial“-system ist doch schon seit langem zu einem pfründensicherungssystem der pharma-lobby verkommen. und die politmarionetten greifen im auftrag immer schamloser in jede fremde tasche. man kann sich nur noch (kurz) abmelden um denen eine zeitlang zu entkommen. wirklich sozial wäre eine komplett kostenlose grundversorgung für alle in unserem wirtschafts-wunderland. oder ist es eine babanenrepublik. im krankenhaus und beim doktor besteht auch ein notversorgungszwang ähnlich dem rettungszwang für schiffbrüchige…

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  2. Annegret Krol schreibt:

    „Die bestehende Regelung sei historisch gewachsen und trage dem Umstand Rechnung, dass Selbstständige nicht des gleichen Schutzes der Solidargemeinschaft bedürften wie abhängig Beschäftigte.“

    Wegen allem Möglichen und Unmöglichen will die Regierung etwas ändern. Aber zu diesem Thema kommt grundsätzlich – und ist offenbar den entsprechenden Politikern ins Gehirn eingraviert worden – dass diese Regelung ja historisch gewachsen sei. Es ist gefährlich, auch nur über eine Änderung nachzudenken! :-(((

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