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Berufliche Chancen im Alter Ist es sinnvoll, die Bezugsdauer von Arbeitslosengeld für Ältere zu kürzen?

Die Bundesagentur für Arbeit rechnet dieses Jahr mit zehn Milliarden Euro Defizit. Es wird darüber diskutiert, die Arbeitslosengeld-Bezugsdauer für Ältere zu kürzen. Andererseits dauert es mit zunehmendem Alter länger, eine Anstellung zu finden.

Der Bundesagentur für Arbeit steuert dieses Jahr auf rund 10 Milliarden Euro Defizit zu

Viele heute Selbstständige haben nach (meist kurzer) Arbeitslosigkeit mithilfe von Überbrückungsgeld oder Gründungszuschuss gegründet – besonders viele in den "Ich-AG-Jahren" zwischen 2003 und 2006. Für die große Mehrzahl war das die richtige Entscheidung. Gerade gründen viele Jüngere, um sich ein zweites Standbein aufzubauen.

Wie lange hätte man ALG1-Anspruch? Wie lange würde die Stellensuche dauern?

Aufgrund der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Situation machen sich aber auch nicht wenige Gedanken darüber, wie es wäre, notfalls wieder in eine Anstellung zurückzukehren. Nur ein kleiner Teil ist (heute noch) freiwillig arbeitslosenversichert. Die große Mehrheit würde deshalb vermutlich selbstständig bleiben, bis sie ein interessantes Jobangebot erhält – und zumeist parallel ihre Selbstständigkeit weiterführen in der Hoffnung, dass sich die wirtschaftliche Situation bald wieder bessert.

Nun ist mehr als die Hälfte der Solo-Selbstständigen über 50 Jahre alt. Wie lange hätte man eigentlich im fortgeschrittenen Erwerbsalter Anspruch auf Arbeitslosengeld, wenn man noch versichert wäre? Wie lange dauert es typischerweise, bis man eine Stelle findet? Wie verändern sich die Jobchancen im Lebensverlauf? 

Das zur Bundesagentur für Arbeit gehörige Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat dazu eine Studie ("Kurzbericht") unter dem Titel "Wer wie lange Arbeitslosengeld bekommt und was es kostet" veröffentlicht und dafür Versicherte untersucht, die zwischen Herbst 2021 und 2022 in den Arbeitslosengeldbezug kamen und abhängig vom Alter und anderen Umständen unterschiedlich lange darin verblieben.

Ab 58 Jahren Anspruch auf 24 Monate Bezug

Bis zu einem Alter von 49 Jahren hat man maximal Anspruch auf zwölf Monate Arbeitslosengeld (ALG1), im Alter von 50 bis 54 Jahren steigt der Anspruch auf 15 Monate, mit 55 bis 57 Jahren hat man 18 Monate Anspruch, ab 58 Jahren dann auf bis zu 24 Monate. 

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Die Dauer des Anspruchs ist auch dann von erheblicher Bedeutung, wenn man nach einer Zeit der Arbeitslosigkeit zum Schluss kommt, dass man bessere Chancen als Selbstständige/r hat, denn zum Zeitpunkt der Gründung muss noch ein Restanspruch von 150 Tagen, also rund fünf Monaten, bestehen. Der Anspruch auf Arbeitslosengeld kann sich zudem verkürzen, wenn man selbst gekündigt oder einem Aufhebungsvertrag zugestimmt hat, üblicherweise erhält man dann drei Monate Sperrzeit: Die ersten drei Monate erhält man dann kein ALG1 und der Restanspruch verkürzt sich entsprechend.

"58+" verbleiben mehr als drei Mal so lange in Bezug wie unter 49-Jährige

Mit steigendem Alter und der damit einhergehenden längeren Bezugsdauer verbleiben Arbeitslose im Schnitt länger im Bezug. Die älteste Gruppe (ab 58 Jahren) verbleibt im Schnitt 13 Monate, die jüngste Gruppe (16 bis 49 Jahre) dagegen nur vier Monate. Die Chancen der Älteren auf eine neue Stelle seien deutlich geringer als die der Jüngeren, schreibt das IAB in seiner Pressemitteilung.

Gleichzeitig gibt es Stimmen, die davon ausgehen, dass eine kürzere Bezugsdauer den Anreiz stärken würde, schneller Beschäftigung zu finden. Dabei dürfte auch eine Rolle spielen, dass manche kurz vor dem Rentenbezug Stehende eine Arbeitslosigkeit bewusst wählen, um die Übergangszeit finanziell zu überbrücken – natürlich mit der "Gefahr", dass die Arbeitsagentur ihnen eine (gar nicht ernsthaft gewünschte) Stelle vermittelt.

Einsparpotenzial sehr begrenzt

Insgesamt sehen die IAB-Forscher Kürzungen der Bezugsdauer kritisch. Eine Vereinheitlichung der maximalen Bezugsdauer auf zwölf Monate bis hoch zu den "58+" würde "nur" 2,4 Milliarden sparen, bei 15 Monaten wären es 1,4 Milliarden und bei 18 Monaten 0,7 Milliarden Euro.

Zugleich müssten nicht wenige Arbeitslose im Alter in die Grundsicherung wechseln. Das würde zu Mehrausgaben bei der Grundsicherung und Mindereinnahmen in der Rentenversicherung führen. Und auch die Konsumausgaben würden sinken und die Konjunktur weiter belastet. IAB-Forscher Simon Tränkle: "Es gibt gute Gründe dafür, gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten längere maximale Bezugsdauern des Arbeitslosengelds als in Boomphasen zu haben." Die Mehrausgaben in Krisenzeiten müssten dann natürlich durch erhöhte Einnahmen in Boomphasen ausgeglichen werden.

Was hältst du von dem Vorschlag, die Bezugsdauer von ALG1 für Ältere zu kürzen? Und wie schätzt du generell deren Jobchancen ein?

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