Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

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Bis zu 160 Euro pro Monat für vorgeschriebene Schnelltests pro Mitarbeiter und Monat?

Foto: Pixabay, Alexandra_Koch

(Update vom 04.03.21) Gestern Abend haben Kanzlerin und Ministerpräsidenten über die weitere Verlängerung des Lockdowns entschieden sowie über ein Öffnungskonzept (Beschlüsse). Schnelltests spielen dabei eine wichtige Rolle.

Anders als ursprünglich erwogen werden Selbstständige ihren Mitarbeitern nur einen Schnelltest pro Woche anbieten müssen, was wie unten berechnet mit Kosten von ca. 160 Euro pro Monat und Mitarbeiter verbunden sein wird. In unserem ursprünglichen Beitrag waren wir noch von zwei Tests pro Wochen und 320 Euro Kosten ausgegangen.

Der Schnelltest soll „soweit möglich“ mit einer Bescheinigung verbunden sein, sie ist also nicht zwingend vorgeschrieben:

„Für einen umfassenden Infektionsschutz ist es erforderlich, dass die Unternehmen in Deutschland als gesamtgesellschaftlichen Beitrag ihren in Präsenz Beschäftigten pro Woche das Angebot von mindestens einem kostenlosen Schnelltest machen. Soweit möglich soll eine Bescheinigung über das Testergebnis erfolgen. Dazu wird die Bundesregierung mit der Wirtschaft noch in dieser Woche abschließend beraten.“

Wir werden euch über die Ergebnisse der abschließenden Beratungen berichten!

 

Das kann teuer werden: Bis zu 320 Euro pro Monat für vorgeschriebene Schnelltests pro Mitarbeiter und Monat?

(Beitrag vom 02.03.21) Die EU-Kommission wollte sparen und hat deshalb etwas länger über den Preis für Impfstoffe gegen Covid 19 verhandelt. Letztlich zahlt sie nun wohl 15,50 Euro pro Biontech/Pfizer-Impfdosis. Die USA waren schneller entschlossen und bezahlen einen höheren Preis: 16,00 Euro. Dafür bekommen sie den in Deutschland entwickelten Impfstoff deutlich schneller.

Ob diese Informationen der Tagesschau bzw. die zugrundeliegenden Informationen der Bild-Zeitung stimmen wissen wir nicht. Im Juni 2020, als die Gespräche begannen, waren noch 54 Euro pro Impfdosis im Gespräch. Da zwei Impfungen nötig sind, hätte der Gesamtpreis für das Serum dann also 108 Euro pro Kopf betragen. Hinzu kommen natürlich die Kosten der Impfungen selbst. Es hätte sich bei volkswirtschaftlicher Betrachtung sicherlich gelohnt, auch diesen Preis zu zahlen, wenn man dadurch die Wirtschaft früher wieder in Schwung gebracht hätte und wahrscheinlich schon alleine in Hinblick auf die Kosten für Tests, die man sich hätte sparen können:

 

Müssen Selbstständige Arbeitnehmern bald ein oder zwei Schnelltests pro Woche bezahlen?

Da die Impfungen länger brauchen als geplant, will die Bundesregierung auf Schnelltests (auch „Antigen-Schnelltests“ genannt) setzen, um trotz sich schnell verbreitender Coronavirus-Mutanten langsam wieder öffnen zu können. Unternehmen sollen verpflichtet werden, ihren Beschäftigten ein oder sogar zwei Mal pro Woche einen Schnelltest zu finanzieren.

Gemeint sind damit nicht die Selbsttests, die man ab nächster Woche wahrscheinlich für fünf bis zehn Euro im Drogeriemarkt kaufen kann, sondern Schnelltests „einschließlich einer Bescheinigung über das Testergebnis“, die in Testzentren von medizinisch geschultem Personal vorgenommen werden (nicht jedes Unternehmen hat einen eigenen Betriebsarzt…).

Diese Testzentren sind in größeren Städten wie auch hier in München wie Pilze aus dem Boden geschossen. Der Service scheint sich für die Betreiber zu lohnen. Wir haben mehrere Anbieter verglichen. Der gängige Preis beträgt 40 Euro pro Schnelltest, teilweise gibt es sie auch schon für 30 Euro, oft sind sie aber auch teurer (vgl. Bericht der Süddeutschen Zeitung, die Preise haben sich inzwischen teilweise geändert).

 

Kosten von bis zu 320 Euro pro Monat

40 Euro mal vier sind 160 Euro, bei zwei Tests pro Woche 320 Euro. Ein Selbstständiger mit eine/r Mitarbeiter/in zahlt dann also bis zu 640 Euro pro Monat. Der zusätzliche Zeitaufwand für die Terminvereinbarung, Wege- und Wartezeit sowie die eigentliche Testung ist dabei nicht eingerechnet. Dabei sind die Kosten dafür vermutlich auch vom Arbeitgeber zu tragen.

Unklar ist noch, welche Regeln gelten werden, wenn man einen Mitarbeiter in Teilzeit beschäftigt oder wenn der Mitarbeiter im Unternehmen einen eigenen Raum nutzt. Immerhin sind die Mitarbeiter nicht gezwungen, sich jede Woche ein oder zwei Mal testen zu lassen. Und die Vorschrift wird dann nicht gelten, wenn die Beschäftigten im Homeoffice arbeiten.

 

Nur Tests „mit Bescheinigung“ werden anerkannt

Vom Test bis zum Vorliegen des Ergebnisses dauert es typischerweise 15 bis 30 Minuten. Oft wird das Ergebnis des Tests per SMS mitgeteilt. Natürlich hat eine solche SMS keine Beweiskraft. Wir hoffen, dass Wege gefunden werden, dass man die Bescheinigung auf elektronischem Weg erhalten kann, sie z.B. in einer App abrufen kann, statt im Testzentrum auf das Ausstellen eine schriftliche Bescheinigung warten zu müssen. Das Ergebnis einfach per E-Mail zu versenden widerspräche der DSGVO, denn es handelt sich ja um besonders geschützte Gesundheitsdaten.

Schnell- und Selbsttests bieten keinen sicheren Schutz, denn Neuinfektionen mit noch geringer Viruslast werden unter Umständen nicht erkannt und natürlich kann auch nach dem Test eine Infektion erfolgen. Mindestens kurzfristig geben Schnelltests aber mehr Sicherheit und helfen, Infizierte zu erkennen, die keine Krankheitssymptome zeigen. Die Rede ist von einer 90-prozentigen Trefferquote.

Vielleicht erbarmt sich ja die Regierung auch und erkennt auch Selbsttests an, das würde die Kosten für die Arbeitgeber sicher dramatisch senken und erhebliche Zeiteinsparungen bringen. Für einen Schnelltest durch einen externen Dienstleister spricht nicht nur eine etwas höhere Zuverlässigkeit, sondern auch, dass dieser den Infizierten an das Gesundheitsamt meldet.

 

Auf positiven Schnelltest folgt PCR-Test und Quarantäne

Bei einem positiven Schnell- und auch Selbsttest muss man sich sofort isolieren und zwingend einen Bestätigungstest mittels PCR machen. Ein solcher PCR-Test kann schon jetzt in vielen Bundesländern kostenlos durchgeführt werden. Er ist zuverlässiger, es dauert aber länger bis man das Ergebnis erhält, wobei einige Testzentren hier Ergebnisse schon innerhalb weniger Stunden bereit stellen, weil sie die Auswertung an Ort und Stelle vornehmen.

Neben Schnell- und PCR-Tests gibt es auch noch Antikörpertests. Mit ihm kann man erkennen, ob man vielleicht schon in der Vergangenheit unbemerkt an Corona erkrankt war und Antikörper gebildet hat. Eine hundertprozentige Garantie, dass man dadurch immun ist, bietet dieser Test allerdings nicht.

 

Was bedeutet das in der Praxis?

Wir gehen davon aus, dass regelmäßige Selbsttests zuhause und in Betrieben schon sehr bald zu einer Selbstverständlichkeit werden, wie zuvor schon OP- und FFP2-Masken. Das Interesse an Antigen-Schnelltests „mit Bescheinigung“ wird auch stark zunehmen, da bestimmte Vergünstigungen daran geknüpft werden.

Wo die Antigen-Schnelltests Voraussetzung für die Eröffnung eines Geschäfts sind, werden Arbeitgeber die zusätzlichen Kosten wahrscheinlich gerne in Kauf nehmen. Wo die Arbeit digital erbracht werden kann, wird der eine oder andere sich sicher noch mehr für großzügige Homeoffice-Regelungen erwärmen können.

 

Wie siehst du die Entwicklung?

Kinos, Diskotheken und Gastronomen, die ihre Räumlichkeiten an Testzentren vermieten, können ihre Mieten wenigstens zum Teil refinanzieren. Und die Ärzte, die Testzentren betreiben, dürften sich über das großzügigere Testen ohnehin freuen.

Das sind natürlich teilweise noch Spekulationen. Morgen nach der Ministerpräsidentenkonferenz und nächste Woche nach dem Verkaufsstart für Selbsttests werden wir mehr wissen.

Wie siehst du die Entwicklung? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!

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