Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

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Zweiter Lockdown: Außerordentliche Wirtschaftshilfe für von temporären Schließungen betroffene Selbstständige

In einer Pressekonferenz mit Michael Müller und Markus Söder hat Angela Merkel die beschlossenen Maßnahmen begründet, Screenshot

(Update vom 28.10.20, 19:25 Uhr) Heute hat die Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzlerin Merkel weitreichende Einschränkungen des öffentlichen Lebens beschlossen, die vom 2. bis 30. November 2020 gelten sollen.

Die Beschlüsse wurden heute zwischen 17:30 und 18.30 Uhr in einer Pressekonferenz begründet. Mit dem 2. Lockdown sind auch erneut Schließungen von Betrieben verbunden. Unter anderem sind folgende Maßnahmen vorgesehen:

  • Kontaktbeschränkungen bis maximal zwei Hausstände, wobei auch aus zwei Hausständen nicht mehr als zehn Personen zusammenkommen dürfen
  • Untersagung von touristischen Übernachtungsangeboten
  • Schließung von Freizeiteinrichtungen (u. a. Kinos, Freizeitparks, Fitnessstudios)
  • Verbot von Unterhaltungsveranstaltungen
  • Schließung von Gastronomiebetrieben (außer Lieferung und Mitnahme von Speisen), allerdings nicht von Betriebskantinen
  • Schließung von Dienstleistungsbetrieben im Bereich der Körperpflege (mit Ausnahme von medizinisch notwendigen Behandlungen und Friseurbetrieben)
  • Einzelhandelsbetriebe sollen mit Schutzmaßnahmen offen bleiben (u. a. nur ein Kunde je 10 qm Fläche)
  • Schulen und Kindergärten sollen mit Schutzmaßnahmen offen bleiben
  • Den Arbeitgebern sollen weitere Pflichten im Arbeitsschutz auferlegt werden
  • Hilfsmaßnahmen für betroffene Unternehmen sollen verbessert und verlängert werden

Die konkrete Umsetzung der Beschlüsse ist Ländersache, wobei alle Bundesländer zugesagt haben, die Regeln weitgehend einheitlich umzusetzen.

 

Außerordentliche Wirtschaftshilfe für von Schließungen Betroffenen, auch für Soloselbstständige

Für die „von den temporären Schließungen erfassten“ Selbstständigen (und damit sind laut Pressekonferenz explizit auch Soloselbstständige gemeint) soll es eine außerordentliche Wirtschaftshilfe geben, die im Rahmen der Überbrückungshilfe ausgezahlt wird. Die Regelung hat erstmals den Charakter einer Entschädigung, offenbar fürchtet die Regierung ansonsten eine Klagewelle der betroffenen Unternehmen.

Hierzu und zu den weiteren Konsequenzen für Unternehmen heißt es auf Seite 4 der schriftlichen MPK-Beschlüsse, die auch viele weitere Details enthält:

„11. Für die von den temporären Schließungen erfassten Unternehmen, Betriebe, Selbständige, Vereine und Einrichtungen wird der Bund eine außerordentliche Wirtschaftshilfe gewähren, um sie für finanzielle Ausfälle zu entschädigen. Der Erstattungsbetrag beträgt 75% des entsprechenden Umsatzes des Vorjahresmonats für Unternehmen bis 50 Mitarbeiter, womit die Fixkosten des Unternehmens pauschaliert werden. Die Prozentsätze für größere Unternehmen werden nach Maßgabe der Obergrenzen der einschlägigen beihilferechtlichen Vorgaben ermittelt. Die Finanzhilfe wird ein Finanzvolumen von bis zu 10 Milliarden haben.

12. Jenseits der umfassenden temporären Beschränkungen führen bereits die bisherigen Maßnahmen dazu, dass einige Wirtschaftsbereiche auch in den kommenden Monaten erhebliche Einschränkungen ihres Geschäftsbetriebes hinnehmen müssen. Deshalb wird der Bund Hilfsmaßnahmen für Unternehmen verlängern und die Konditionen für die hauptbetroffenen Wirtschaftsbereiche verbessern (Überbrückungshilfe III). Dies betrifft zum Beispiel den Bereich der Kultur- und Veranstaltungswirtschaft und die Soloselbständigen. Außerdem wird der KfW-Schnellkredit für Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten geöffnet und angepasst.

13. Auch in der Pandemie wollen wir in Industrie, Handwerk und Mittelstand sicheres Arbeiten möglichst umfassend ermöglichen. Die Arbeitgeber haben eine besondere Verantwortung für ihre Mitarbeiter, um sie vor Infektionen zu schützen. Infektionsketten, die im Betrieb entstehen, sind schnell zu identifizieren. Deshalb muss jedes Unternehmen in Deutschland auch auf Grundlage einer angepassten Gefährdungsbeurteilung sowie betrieblichen Pandemieplanung ein Hygienekonzept umsetzen und angesichts der gestiegenen Infektionszahlen auch nochmals anpassen. Ziel ist u.a. nicht erforderliche Kontakte in der Belegschaft und mit Kunden zu vermeiden, allgemeine Hygienemaßnahmen umzusetzen und die Infektionsrisiken bei erforderlichen Kontakten durch besondere Hygiene- und Schutzmaßnahmen zu minimieren. Bund und Länder fordern die Unternehmen eindringlich auf, jetzt wieder angesichts der hohen Infektionszahlen, wo immer dies umsetzbar ist, Heimarbeit oder das mobile Arbeiten zu Hause zu ermöglichen. Die für den Arbeitsschutz zuständigen Behörden sowie die Unfallversicherungsträger beraten die Unternehmen dabei und führen Kontrollen durch.“

 

Keine Aussagen zu einem Unternehmerlohn / viele Fragen offen

Laut Pressekonferenz haben die Minister Altmaier und Scholz den Auftrag erhalten, noch im Verlauf dieser Woche Details der geplanten „außerordentlichen Wirtschaftshilfe“ zu vereinbaren. Zu den Plänen für einen Unternehmerlohn wurde nichts gesagt, wobei eine Erstattung der Umsatzdifferenz gegenüber dem Vorjahr für die vom Lockdown betroffenen Branchen und bezogen auf den Monat November eine deutlich großzügigere Regelung bedeuten würde, als ein pauschaler Unternehmerlohn von bis zu 1.180 Euro. In Bezug auf den Beschluss bleiben wichtige Fragen offen:

  • Wenn die Differenz zum Vorjahresumsatz erstattet wird: Bleiben dann die ihnen gegenüberstehenden Betriebskosten ohne Anrechnung?
  • Welche Branchen fallen genau unter die Regelung? Was ist zum Beispiel mit Seminaren, Trainings und anderen geschäftlichen Veranstaltungen?
  • Wie wird Selbstständigen geholfen, die schon bisher und auch nach dem Lockdown weiterhin von Einschränkungen wie etwa Veranstaltungsverboten betroffen sind?
  • Nach welchen Regeln wird der Vorjahresumsatz ermittelt? Wie wirken sich z.B. verzögerte Zahlungen aus?
  • Reichen die vorhergesehenen 10 Milliarden Euro? Was geschieht, wenn dieser Betrag ausgeschöpft ist?

 

Update zu Unternehmerlohn: Olaf Scholz will für Umsatzausfall während des zweiten Lockdown entschädigen

Bundesminister der Finanzen und Vizekanzler Olaf Scholz; Foto: Thomas Imo (Photothek)

(Update vom 28.10.20, 14.00 Uhr) In ihrem Corona-Ticker schreibt die Bild-Zeitung, Olaf Scholz sei bereit, kleine Betriebe während des anstehenden zweiten Lockdown zeitlich begrenzt mit bis zu 75 Prozent des Umsatzrückgangs gegenüber dem Vorjahresmonat zu unterstützen, größere Betriebe sollen bis zu 70 Prozent vom Staat ersetzt bekommen. Laut Bild soll es „keine besonderen Nachweispflichten“ geben. Dafür rechnet er mit Kosten von sieben bis zehn Milliarden Euro für einen Monat Lockdown.

 

Söder zahlt „Künstlern“ ab Oktober 1.180 Euro und fordert Unternehmerlohn auch für andere Branchen

Markus Söder in der heutigen Pressekonferenz, Screenshot

(Beitrag vom 28.10.20) Nachdem sich Wirtschaftsminister Altmaier in einer Pressekonferenz letzten Donnerstag für einen Unternehmerlohn ausgesprochen hat, hat dies heute nun auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder getan:

In einer Pressekonferenz hat er über die Ergebnisse der heutigen Kabinettsitzung der bayerischen Landesregierung Folgendes gesagt (Hervorhebung durch uns):

Bei Minute 14:00 „Wir übernehmen jetzt das Soloselbstständigen-Programm der Kultur, das auch Baden-Württemberg genauso hat.“

Bei Minuten 15:00: „Wir werden auch noch Zusatzhilfen für die Wirtschaft brauchen.
Das Thema Soloselbstständige darf nicht nur beim Thema Kultur gelöst werden, es muss auch mit einem fiktiven Unternehmerlohn für alle Bereiche der Solo-Selbstständigen und Erwerbstätigen sein.
Das betrifft den ganzen Gastrobereich, das betrifft den Bereich der Eventbranche, weil es ist relativ absehbar, wer wieder am stärksten betroffen sein wird, nämlich die Bereiche, wo die meisten Kontakte stattfinden werden.

Hinzu muss man noch sagen: Und wir müssen bei der Überbrückungshilfen noch mal als zusätzliches Kriterium das Wort Lockdown einführen. Sollten Lockdowns oder Shutdowns oder Runterfahren passieren, muss das als zusätzliches Kriterium bei allen Wirtschaftshilfen noch mal zum zentralen Kriterium gemacht werden.“

 

Ab Oktober 1.180 Euro für Selbstständige in Kunst und Kultur

Die Aussagen Söders sind etwas verwirrend, denn das Programm Baden-Württembergs richtet sich an alle Soloselbstständigen, nicht nur Künstler. Laut Süddeutscher Zeitung sollen die angekündigten neuen Corona-Hilfen in Bayern sich tatsächlich nur auf Selbstständige in Kunst und Kultur beziehen, worunter nicht nur Künstler, sondern etwa auch selbstständige Bühnentechniker fallen sollen.

Die Hilfe soll bis zu 1.180 Euro pro Monat „als Ersatz des entfallenden Unternehmerlohns“ betragen und ab Oktober zusätzlich zur Überbrückungshilfe des Bundes bezahlt werden, mit der bisher nur fortlaufende Betriebskosten wie die Büromiete gefördert werden. Auch das Volumen von „nur“ 40 Millionen Euro bis Jahresende, was 11.300 Antragstellern entspricht, spricht dafür, dass hier nicht alle Soloselbstständigen gemeint sind.

 

Bund soll Unternehmerlohn für andere Branchen bezahlen

Wenn Söder eine Minute später sagt, dass zusätzliche Hilfen für die Wirtschaft benötigt würden und einen fiktiven Unternehmerlohn für alle Bereiche fordert, erinnert das an die Argumentation Altmaiers in der Pressekonferenz letzte Woche. Offenbar soll die Förderung der anderen Branchen aus Bundesmitteln erfolgen.

Das Timing von Söders Rede am Tag vor dem Treffen der Ministerpräsidenten im Kanzleramt deutet darauf hin, dass es morgen zu einem entsprechenden Beschluss kommen könnte oder zu einer Aufforderung an das Bundeskabinett, ein entsprechendes Gesetz zu entwickeln. Wir drücken die Daumen dafür!

23 Kommentare

  1. Tessa schreibt:

    Sichern Grundgesetz und EU-Sozialpakt nicht allen Menschen Gleichbehandlung und Diskriminierungsverbot zu?

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  2. Josef schreibt:

    Ich wohn in München und zahl monatlich fast das doppelte an Einkommensteuer. Allein meine Wohnkosten betragen rund 1.500.-, was sollte ich also mit so einer Summe machen?!
    Dann schon lieber Hartz4! Dann bleibt wohl mehr zum leben übrig…

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    1. Nils schreibt:

      Wenn Einkommenssteuer bezahlt wird ist aber sicher auch ein Einkommen vorhanden?

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      1. Josef schreibt:

        Wenn Einkommensteuer bezahlt wird, dann gibts – noch – ein Einkommen und ja, dann braucht man keine Unterstützung. Nur dieses Einkommen steht jetzt auf wackligen Beinen.
        Die Unterstützung reicht dann nichtmal für die Miete…

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    2. Roland schreibt:

      An den VGSD spenden?

      Wie schon geschrieben, wer diese Summen zur Verfügung hat, braucht eventuell diesen „Unternehmerlohn“ nicht und wird vermutlich auch kein Hartz4 bekommen/benötigen, oder?

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  3. Gerald Bauer schreibt:

    Ersatz Wiesn für Münchner Schickeria gemacht und nun NUR Künstler fördern, der Rest ist unwürdiges HARTZ 4 Material um die sich der Bund kümmern soll, Baden Württemberg GRÜN regiert zahlt Soloselbständigen 1180.-Euro Unternehmerlohn, ALLEN!!!!! Also man sieht es ist möglich, aber wer eben Bayer 5. Klasse ist, kann nicht auf diese Landesregierung mit Herrn Söder zählen! Freu mich trotzdem für Künstler und Kulturschaffende!

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    1. Josef schreibt:

      Ich weiß ja nicht, wieviel andere Freiberulfer in München verdienen, aber eins weiß ich, mit nichtmal 1.200.- an Unterstützung muss wohl jeder von ihnen in ein 10m2 WG Zimmer einziehen.
      Deswegen bleibt hier nur der Gang in Hartz4, da bleibt mehr Geld übrig…

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      1. Gerald Bauer schreibt:

        Wohne nicht in München, aber prinzipiell Richtig, ich bekomme Hartz4 wie oben beschrieben und nach Abzug aller Kosten habe ich noch 20 euro die Woche für Essen, Trinken, Medikamente und Tanken, Friseur geht nicht mehr und Rücklagen sind durch Krebserkrankung in 2017 und Folgejahre aufgebraucht! Man kann ja seine privaten Fixkosten gar nicht so schnell abbauen, man rechnet ja nicht mit Pandemie!

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  4. Dr. Who schreibt:

    Der VGSD kann in die Zukunft reisen? Heute ist Mittwoch, der 28.10. nicht 29.10. Bitte letztes Update anpassen. Es sei denn, ihr schickt mir die Lottozahlen.

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  5. Rudi schreibt:

    Na, toll. Jetzt habe ich bisher Null Komma Null Unterstützung bekommen, weder über Corona-„Hilfen“ des Bundes und in Schleswig-Holstein ermorden sie die Soloselbständigen wirtschaftlich auch so schon. Es lag zu viel Geld auf dem Konto um Hartz IV zu bekommen und die Umsätze aus Q4 habe ich in 2020 verschoben und musste bisher davon leben, was ja auch halbwegs OHNE STAATLICHE HILFE ging. Nun also, weil ich Risikovorsorge betrieben habe, bekomme ich dann also 75% von Null Euro – na Klasse. Wer jagt sie aus dem Sessel?

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  6. Mark schreibt:

    Frage zum Thema „Wirtschaftshilfe“? Warum wird nur ein Monat (November 2019) herangezogen für die Wirtschaftshilfe? Ich zum Beispiel stelle nicht in jedem Monat Rechnungen an meine Kunden, da sich viele meiner Projekte Monate lang hinziehen – und da bin ich sicherlich nicht der Einzige. Für den Monat November 2019 hatte ich nahezu kein Einkommen (weil kein Rechnungseingang). Was nun? Gehe ich somit erneut leer aus, nur weil ich im betreffenden Vorjahres-Monat zufällig kein Einkommen nachweisen kann?

    Was ist mit Entschädigung für die Monate August bis Oktober? Warum wird nicht das gesamte Umsatzjahr 2019 dem Jahr 2020 gegenübergestellt und dann ein Durchschnittswert für die Wirtschaftshilfe errechnet bzw. auf der Grundlage ein pauschaler Unternehmerlohn gezahlt?

    So wie es jetzt offensichtlich angedacht ist, werden zweifellos neben mir auch viele andere Solo-Selbstständige ERNEUT leer ausgehen? Das ist doch völlig unsinnig, unfair und bescheuert! Oder habe ich etwas falsch verstanden? Ich bitte um Aufklärung, damit mein aktuell stark erhöhter Blutdruck schnell wieder sinkt! Danke.

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    1. sandra schreibt:

      Du bist nicht der / die Einzige*r.
      Ich bin vollkommen entsetzt wie — noch immer — wenig die Bundesregierung das Berufsleben und die damit verbundene Rechnungsstellung / Einkommensverteilung eines Selbständigen begreift.
      Einen einzelnen Monat des vorherigen Jahres als Bemessungsgrundlage heranzuziehen gleicht einer Lottoziehung. Für einige ist der Zufall nun ein glücklicher / für andere nicht.
      Das ist vollkommen irrsinnig. Nur wenn der Durchschnittswert des gesamten vorherigen Jahres als Grundlage genommen wird hätte dies etwas mit der Lebensrealität eines Soloselbständigen zu tun, denn — überrraschung — wir bekommen kein monatlich gleichbleibendes Gehalt.
      Ich könnte so auch das ganze nächste Jahr mtl. die Umsatzsteuer eines einzelnen zufällig bestimmten Monats des Jahres 2020 zahlen — das wäre dann wahrscheinlich 0,00.
      Entschuldigt bitte den Sarkasmus doch ich bin sehr sauer und hoffe auf eine nachträgliche Korrektur dieser Schnapsidee.

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    2. Fiktiver Unternehmerlohn schreibt:

      Das ist ein Problem, das berücksichtigt werden sollte. Man hat als Solo-Selöbstständiger eben keine immer gleichen Zahlungseingänge, es sind oft Projekte über einen längeren Zeitraum. Vielleicht ein Mittel machen vom Jahresumsatz 2019 und dann Auszahlung eines fiktiven Unternehmerlohns/Kurzarbeitergeld für Solo-Selbstständige durch die Finanzämter direkt, denn diese haben doch die Daten und es wäre unbürokratisch. Außerdem sollte die Möglichkeit bestehen, daß diejenigen, die das möchten und benötigen, unbürokratisch und günstig Kredite erhalten können. Im Moment wird wohl im Bundestag darüber diskutiert und Herr Altmaier hat einiges angekündigt.

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    3. Andrea L. schreibt:

      Erst habe ich mich gefreut über die geplante Hilfe – doch die Ernüchterung kam schnell. Es kann nicht sein, dass nur dieser eine Monat herangezogen wird! Ich hatte im Oktober 2019 eine Krebsoperation, daher keine Umsätze im November und Dezember. Dafür habe ich im August / September noch alle Aufträge angenommen, die möglich waren, um im Vorfeld den unvermeidlichen Verdienstausfall irgendwie auszugleichen. Werde ich nun doppelt bestraft?

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    4. Karina schreibt:

      Als Soloselbststänige gebe ich laufende Kurse für Tai Chi und Qi Gong. Die Menschen zahlen vor Kursbeginn den gesamten Betrag für ihren Kurs, der dann über mehrere Wochen/Monate läuft. Dadurch habe ich so gut wie keine Einnahmen, jedoch, ohne Lockdown, viel Arbeit im November. Wird nur dieser eine Monat zur Errechnung herangezogen, ginge ich ziemlich leer aus. Und so wird es sicherlich vielen anderen auch gehen und einige werden sich freuen, weil sie gerade im Vorjahresnovember einen größeren Betrag erwirtschaften konnten. Das ist an unserer Welt des Verdienstes vorbei gedacht und wird zu ziemlicher Ungerechtigkit führen.
      Ich hoffe, das wird den Verantwortlichen klar und die kommenden Hilfen werden besser ausgearbeitet. Denn es gibt nicht wenige, die auf die Hilfe dringend angewiesen sind.

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  7. AndreaL schreibt:

    Und werden die Leute, die dann diese aktuell zugesicherte Unterstützung bekommen, hinterher auch strafrechtlich verfolgt?

    Leider habe ich den Namen der Friseurin nicht mehr, die mich im April angerufen hat. Sie hat auf Verlangen ihrer Behörde in Baden-Württemberg den Antrag auf Soforthilfe sogar fünfmal stellen müssen, weil der angeblich immer wieder verlorgen gegangen ist. Sie war mit den Nerven schon am Ende, weil sich bei ihr inzwischen hohe Schulden aufgetan hatten, und sie auf die Soforthilfe angewiesen war. Da wüsste ich auch gerne, ob gegen diese Frau nun auch staatsanwaltlich wegen mehrfacher Antragstellung ermittelt wird.

    Wir leben in einem komplexen System. Da hat alles seine Konsequenzen in alle Richtungen. Deshalb müssen Maßnahmen überlegt unter Berücksichtigung der Konsequenzen für alle Beteiligten eingeführt und umgesetzt werden. Um eine sinnvolle und nachhaltige Strategie zu entwickeln war in den letzten Monaten genügend Zeit, die leider dafür nicht genutzt worden ist, wie es scheint. Denn man agiert genauso „impulsiv“ wie vorher schon.

    Auch hatten wir schon im Frühjahr zu wenig Pflegepersonal. Diejenigen, die damals bei der Pflege der Coronakranken geholfen haben, wurden in schwülstigen Spots der Bundesregierung hochgelobt. Ihnen wurde ein Bonus und höheres Gehalt versprochen, wovon die wenigsten von denen etwas wahrgenommen haben. Man hat sie einfach vergessen, wie es immer ist, wenn jemand an Unangenehmes, das man am liebsten vergessen möchte, erinnert.

    Und jetzt steht noch weniger Pflegepersonal zur Verfügung. Nun sollen Bürokräfte aus der medizinischen Welt Schnellkurse i.S. Wiederbelebung und Notfallbehandlung machen, damit dieses Manko kompensiert wird. Und wie ich über den Sommer hinweg immer wieder gelesen habe, haben diverse Krankenhäuser die Zahl der Betten für Coronapatienten NACHHALTIG wieder reduziert aus wirtschaftlichen Gründen. Und jetzt?

    Wie gestern ein Virologe (Namen habe ich leider vergessen) in der Sendung „zur Coronalage“ nach der Tagesschau sinngemäß sagte: „Wir können nicht alle zwei Monate einen Lockdown haben, damit die Zahlen der Infizierten abnehmen, danach die Zahlen wieder steigen lassen bis zum nächsten Lockdown. Hier muss nachhaltig agiert werden. Wir können uns jetzt nicht ausschließlich auf das Weihnachtsfest ausrichten, damit wir das im Kreise der Familie feiern können.“

    Ist Weihnachten nun wirklich so wichtig? In anderen Ländern herrscht zu dieser Zeit seit Jahren Krieg mit allem, was dazugehört (Bomben, Erschießungen, Verhungern etc.). Was bitte soll das?

    Da soll dann im November denjenigen, die sich nach dem Lockdown im Frühjahr wieder aufgerichtet haben, der finale Garaus gemacht werden mit dem Versprechen, dass sie nach Antrag 75% des Umsatzes des gleichen Monats im Vorjahr erhalten würden, oder dass sie einen Unternehmerlohn i.H.v. 1.180,- EUR bekommen sollen, der vielerorts nicht mal für die private Miete reicht. Und das mit der Vorgabe von eventuellen strafrechtlichen Konsequenzen, wie man sieht. Diese finanziellen Mittel stehen der Regierung doch gar nicht zur Verfügung!

    Und wieder wird nur ein Teil der Soloselbstständigen herausgegriffen, als ob die Umsatzeinbrüche und Pleiten nicht auch Konsequenzen für andere Branchen hätten, die sich wiederum anhören müssen, dass sie nichts bekommen, weil ihre Tätigkeit per se nicht verboten worden ist. Sie hätten ja andere Kunden derweil bedienen können, die ja bekanntermaßen auf den Bäumen wachsen.

    Wie soll das denn alles weitergehen? Und dann wird tatsächlich über das Thema „Scheinselbstständigkeit“ mit diesen irrationalen Kriterien überhaupt noch nachgedacht. Im Prinzip könnten doch alle froh sein, wenn nicht die Überzahl der Bürger in Armut versinkt und Hartz IV beantragen müssen, sondern ein paar dann wenigstens als Soloselbstständige arbeiten und Umsatz-, Einkommen- und Gewerbesteuer bezahlen.

    Mir wird einfach nur schlecht, wenn ich das alles betrachte. Es geht um alle und jeden, also sollten die Entscheider auch nicht alleine mit ihren Maßnahmen herumhopsen, sondern in entsprechenden Gremien grundsätzlich auch alle über Interessensvertreter anhören und in ihre Entscheidungen einbeziehen. Das sind dann auch keine impulsiven Entscheidungen mehr, sondern vorbereitete und nachhaltige Vorgehensweisen, die bei Bedarf kontinuierlich angepasst werden können. Sie könnens alleine nämlich einfach nicht.

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  8. Gerald Bauer schreibt:

    Und wo ist jetzt der Unternehmerlohn für Soloselbständige statt Hartz4???

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  9. Achim schreibt:

    Mein Antrag auf Überbrückungshilfe II liegt schon beim Steuerberater. Soll ich jetzt warten, ob noch was mit Unternehmerlohn dazukommt? Oder nicht? Kommt das wenn überhaupt rückwirkend? Oder erst ab Januar?

    Es ist immer noch das selbe Trauerspiel, wie mit uns umgegangen wird. Geredet wird nur über uns, nicht mit uns. Und Hilfe ist nach wie vor keine in Sicht.

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    1. Frank schreibt:

      Sehe ich auch so. Seit Wochen steht der Unternehmerlohn nun im Raum. Aber alles bleibt beim Alten. Und was mich am meisten aufbringt ist, dass in den Nachrichten ständig Hilfen für Selbstständige angekündigt werden, die an unserer Realität aber komplett vorbeigehen. Siehe obige Kommentare. Da kommt echt nur ein Murks nach dem anderen. Hinzu kommt, es gibt Null Planungssicherheit. Seit drei Wochen steht die Message: Altmaier ist offen für Unternehmerlohn und es passiert nichts.

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  10. Antworten
  11. Isabel Stühler schreibt:

    Hallo, liebes VGSD-Team,

    vielen Dank für alle Informationen!

    Was ich allerdings jetzt noch nicht ganz verstanden habe – wen alles „trifft“ jetzt genau wieder diese Regelung, dass man den Umsatz aus dem Vorjahr als Grundlage nimmt und dann sogar nur von EINEM Monat?

    Das kann doch nur ein schlechter Scherz sein…?

    Vielleicht habe ich da auch etwas falsch verstanden?

    Viele Grüße aus Nordfriesland,
    Isabel Stühler

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  12. Heiko G. schreibt:

    Es sollen ja jetzt alle direkt oder indirekt von den Schließungen betroffenen Unternehmen durch die Novemberhilfe unterstützt werden.
    Aber wer ist das denn bitte genau?
    Ich mache Event-Hospitality und kümmere mich im Vorfeld und vor Ort um die Teilnehmer, Besucher, Zuschauer, Gäste von Veranstaltungen (z.B. Kongresse, Messen, Kultur- und Sportveranstaltungen) die wegen Verboten jetzt nicht physisch anwesend sein dürfen während die Veranstaltung selbst aber stattfindet (z.B. Bundesliga, Formel 1, virtuelle Konzerte, etc.).
    Bin ich nun antragsberechtigt oder nicht?

    Davon abgesehen wie ist das denn mit Unternehmen die aufgrund des ständigen Maßnahmen-Hü Hott der Regierung und der damit verbundenen Unmöglichkeit zur Planung von Programmen und Veranstaltungen schon seit März keine Aufträge mehr erhalten?

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