Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.

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Experten-Telko "Automatisiertes Messenger-Marketing: Wie ein Telegram-Bot deinen Kundenservice revolutioniert"

Wir laden dich herzlich ein zu unserer VGSD-Telko ein:

"Automatisiertes Messenger-Marketing: Wie ein Telegram-Bot deinen Kundenservice revolutioniert"

  • Was ist ein Bot und welchen Mehrwert bietet er mir?
  • Brauche ich Programmierkenntnisse, damit er für mich arbeiten kann?
  • Wie gebe ich dem Bot meine individuelle und persönliche Note?
  • Muss ich Angst haben, als SPAM-Versender wahrgenommen zu werden?
  • Hast du konkrete Beispiele für solche Bots?
  • Gibt es bereits vorgefertigte Lösungen?
  • Wieviel Zeit und Geld kostet die Einrichtung eines Bots?

Als Teilnehmer kannst du auch eigene Fragen stellen.

Bitte melde dich rechts oben mit deiner E-Mail-Adresse an, damit wir dir die Zugangsdaten zusenden können. Außerdem erfahren wir auf diese Weise, mit wie vielen Teilnehmern wir ungefähr rechnen können. Danke!

15.07.2020
17:30 bis 18:30 Uhr

Permalink

Lars Bösel Moderator

Michael Adler Co-Moderator

9 Kommentare

  1. Christian Süßenguth schreibt:

    Hi Mona, das gibts schon 🙂

    Einfach anmelden und dann in der Mail, die du bekommst bei „Zum Kalender hinzufügen“ z.B. auf „iCal“ klicken.

    Gruß
    Christian

    Antworten
  2. Hagbard Celine schreibt:

    Warum beschäftigt sich der VGSD mit Telegram. Die Verschlüsselung gilt bei Experten als dubios. Russische Entwickler, die über Dubai das System betreiben. Der Messenger war im Verdacht vom IS genutzt zu werden neuerdings von Rechtsextremen. Nach meiner Kenntnis nicht 100 % DSGVO konform. Alles keine gute Werbung für Unternehmer. Die EU hat selbst den Open Source basierten Signal für interne Kommunikation frei gegeben.
    https://www.heise.de/news/Studie-Telegram-ist-wichtiger-Knotenpunkt-fuer-Rechtsextreme-4840960.html

    Antworten
    1. Antworten
    2. Christian Süßenguth schreibt:

      Hallo Celine,

      schön dass du dich für meine Experten-Telko interessierst. Hier kann ich vielleicht gleich das erste Missverständnis ausräumen: Denn nicht der VGSD beschäftigt sich mit Telegram, sondern ich tue das.

      Ich kann einige deiner Bedenken verstehen, jedoch möchte ich diese in einen mit Quellen belegten Kontext stellen.

      > Die Verschlüsselung gilt bei Experten als dubios.
      Eine Verschlüsselung kann nicht „dubios“ sein. Entweder sie ist sicher oder sie ist es nicht. Desweiteren gibt es hier einen wichtigen Unterschied zwischen der Transportverschlüsselung der Daten zwischen Endgerät und Telegram-Server und der Telegram-eigenen Verschlüsselung innerhalb der sogenannten „sicheren Chats“. Das Telegram eine eigene Verschlüsselungsmethode auf Basis der auch im üblichen Internet verwendeten „SSL/TLS-Verschlüsselung“ implementiert hat, ist korrekt. Wie genau das funktioniert, wird seitens Telegram ausführlich erklärt: [1]

      Die Verschlüsselung des verbesserten Protokolls MTProto 2.0 ist ebenfalls ausführlich erläutert und dokumentiert und jeder kann sie nachvollziehen oder versuchen, sie anzugreifen: [2]

      Sofern du dieser Verschlüsselung nicht vertraust, steht es dir frei, den Messenger nicht zu verwenden. Dann solltest du aber auch darüber nachdenken, wie sicher deine Kommunikation beim Telefonieren, bei SMS, bei WhatsApp oder anderen Messengern ist. Denn Stand heute (Juli 2020) gibt es keinen (!) Messenger, der dir absolute Sicherheit und gleichzeitig den Komfort von bswp. Telegram oder WhatsApp bieten kann. Es ist und bleibt damit immer eine Gratwanderung.

      Im Jahr 2018 wollte Russlands Staatsoberhaupt bei Telegram mitlesen und ist gescheitert: [3]

      Übrigens hat Russland erst vor einem Monat die Blockade des Messengers im Land aufgegeben, weil Telegram kontinuierlich daran gearbeitet hat, deren Plattform trotz staatlicher Überwachungs- und Sperrmethoden in Russland nutzbar zu machen. Ganz im Sinne von freier Meinungsäußerung und dem Aufgebot gegen staatliche Zensur: [4]

      > Russische Entwickler, die über Dubai das System betreiben.
      Auch hierfür gibt es vielfältige Gründe, die immer wieder von Pavel Durov in seinem Blog erläutert wurden: [5]
      Der Umzug nach Dubai hatte bspw. mit Repressalien in seinem Heimatland Russland zu tun: [6]

      > Der Messenger war im Verdacht vom IS genutzt zu werden neuerdings von Rechtsextremen.
      Das war er nicht nur, sondern er wird es. Wie alle andere Messenger und Social-Media-Plattformen auch. Denn dort kommunizieren Menschen mit Menschen. Einziger Unterschied ist, das Telegram bereits seit 2017 diese IS-Gruppen kontinuierlich blockiert und dagegen vorgeht: [7]
      Das kannst du selbst ganz transparent und offen in der Telegram-Gruppe nachvollziehen: [8]

      > Nach meiner Kenntnis nicht 100% DSGVO konform.
      Das hängt ganz davon ab, wie du den Messenger verwendest. Es steht dir frei, keine Kontakte auf die Telegram-Server hochzuladen und auch sonst keine „geheime“ Kommunikation darüber laufen zu lassen. Dann ist der Messenger genauso „mitlese-sicher“ wie SMS, Telefon oder andere nicht Ende-zu-Ende verschlüsselten Messenger oder Dienste.

      > Die EU hat selbst den Open Source basierten Signal für interne Kommunikation frei gegeben.
      Selbst Signal betreibt seine Server in der Amazon-Cloud und damit auf US-amerikanischem Terrain. Der Patriot-Act kann also auch hier verwendet werden, um Amazon zur Herausgabe der Daten zu zwingen. Und der fehlenden Komfort des Messengers Signal für die Unternehmenskommunikation kommt noch oben drauf.

      In den Telegram-FAQ werden viele deiner Kritikpunkte ebenfalls ausführlich behandelt:
      https://telegram.org/faq/de

      Solltest du noch weitere Fragen haben, stelle mir diese gerne während der Experten-Telko heute abend.

      Schöner Gruß
      Christian Süßenguth

      Quellen:
      [1]: https://telegram.org/faq/de?ln=f#f-wie-verschlsselt-ihr-nun-genau-daten
      [2]: https://core.telegram.org/file/811140746/2/CzMyJPVnPo8.81605/c2310d6ede1a5e220f
      [3]: https://www.zeit.de/2018/19/russland-telegram-sperrung-internet-pawel-durow
      [4]: https://t3n.de/news/telegram-russland-gibt-blockade-1293107/
      [5]: https://telegram.me/durov
      [6]: https://www.businessinsider.de/tech/das-erstaunliche-leben-von-pavel-durov-russlands-mark-zuckerberg-2016-3/
      [7]: https://www.bbc.com/news/business-40627739
      [8]: https://t.me/isiswatch

      PS: Interessantes Pseudonym, was du verwendest: https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Koch_(Hacker)

      Antworten
  3. Bletchley Park schreibt:

    Vielen Dank, für diese ausführliche Antwort. Wer stellt der technisch unbedarften Yoga-Lehrerin oder dem Versicherungsvertreter, eine Auftragsdatenbescheinigung aus? Wo kann ein Unternehmer/in den EU konformen Vertrag herunterladen? Schließlich möchte Sie doch mit Kunden oder Mitarbeitern agieren?
    .
    Bei Signal ist das Routen über diverse Server nicht schlimm. Es werden ausschließlich verschlüsselte Daten übertragen. Die entsprechen Schlüssel, sind dem Signal Netzwerk nicht bekannt. Die Nachrichten können nur auf den jeweiligen Endgeräten gelesen werden. Weiter speichern die Signalserver keine Nachrichten. Letztes Jahr galt die Verschlüsslung von Telegram bei Kryptoexperten als umstritten. Es werden zwei Verfahren kombiniert. Wobei unklar ist, welchen Grad der Sicherheit mit diesem Verfahren erreicht wird und ob mit dieser Kombination die Verschlüsslung angreifbarer wird. Übrigens ist Signal die Empfehlung von Edward Snowden.
    .
    https://www.sueddeutsche.de/digital/telegram-chat-krypto-sicherheit-hongkong-1.4577747

    Antworten
    1. Christian Süßenguth schreibt:

      Ich greife das Thema Auftragsverarbeitungs-Vertrag bei Telegram gerne auf. Da ich kein Jurist bin, kann ich keine rechtsverbindliche Aussage machen. Meine Überlegungen sind in erster Linie mit gesundem Menschenverstand und etwas Recherche entstanden.

      Auf die Frage, wieso Telegram ebenso wie WhatsApp keinen AV-Vertrag anbietet, gibt es eine einfache Antwort: Die Dienste richten sich primär an private Nutzer. Hier greift die DSGVO schlichtweg nicht („Die DSGVO gilt nicht für die rein persönliche oder familiäre Datenverarbeitung.) [1]. Selbst bei WhatsApp Business gibt es keine AV-Verträge, da „dieser Dienst von WhatsApp insbesondere für Kleinunternehmen angeboten wird und einen effizienteren, zeitnäheren und persönlicheren Kontakt mit den Kunden fördern soll.“ [2]

      Ein Auftragsverarbeitungs-Vertrag (AV-Vertrag / AVV) ist immer dann erforderlich, wenn ein Unternehmen in deinem Auftrag Daten verarbeitet und als “Auftragsverarbeiter” fungiert (siehe Definition Art. 4 DSGVO Art. 8 und Kapitel 4 DSGVO). [3]

      Die Datenverarbeitung bei Telegram erfolgt in meinen Augen nicht „im Auftrag“, da die Kontaktaufnahme mit einem Bot NICHT vom Bot / der Unternehmer:in zur Kund:in, sondern anders herum aufgebaut werden muss. Die Kund:in handelt hier eigenverantwortlich. Jede Kund:in hat beim Anlegen des Accounts bei Telegram den Nutzungsbedingungen und der Datenschutzerklärung von Telegram zugestimmt. Ein analoges Beispiel aus der Welt der E-Mail: Ich schreibe meinen Kund:innen auch nicht vor, dass sie mir keine Mails von einem GMX-Account schicken dürfen, mit denen ich keinen AV-Vertrag habe und die in meinen Augen kein ausreichendes Schutzniveau der Daten gewährleisten. Und doch biete ich eine E-Mailadresse an (hier vergleichbar mit dem Telegram-Bot) an den sich sich wenden können, wenn sie das möchten. Da die eigentlichen Nachrichten des Bots erst bei deinem Webhoster verarbeitet werden, kannst du hier problemlos einen AV-Vertrag mit diesem abschließen.

      Der Vollständigkeit halber:

      Die personenbezogenen Daten, die bei Telegram-Kommunikation anfallen sind:
      – IP-Adresse der Anfrage
      – Handynummer
      – Benutzer-ID bei Telegram

      Telegram kann ich mit einer Wegwerf-Handynummer und über das Tor-Netzwerk anonym nutzen.

      Der von dir zuletzte gepostete Link hat in meinen Augen keinerlei kritische Aussagekraft – außer dass er durch die reisserische Überschirft die Klickzahlen des Artikels in die Höhe schnellen lässt. Hier bestätigt sich nur, wie gering scheinbar die „Awareness“ vieler Nutzer ist, wenn Sie Messengerdienste oder allgemein das Internet nutzen. Jedem halbwegs vernünftig denkenden Menschen sollte klar sein, dass in ÖFFENTLICHEN Gruppen auch Personen mitlesen können, von denen man das vllt. nicht möchte. Das ist als würde ich mich in einem Cafe über geheime Unternehmensdetails unterhalten und mich hinterher wundern, dass der Herr am Nebentisch vom Konkurrenzunternehmen war :/

      Ähnliche Artikel über Telegram gab es in der Vergangenheit schon einmal. Da ging es drum, wie „einfach“ man Telegram-Konten hacken konnte. Telegram rät auf seiner Seite dazu, die Zweifache Bestätigung zu aktivieren. Und das bereits seit diese Funktion in die App eingebaut wurde. Diese verhindert wirkungsvoll, dass ein Account durch abgefangene SMS gekapert werden kann. Wenn man das natürlich nicht einsetzt, gibt es auch keinen Grund sich über mangelnde Sicherheit zu beschweren. [4]

      Auch das „Auslesen“ der Chats auf einem kompromitierten Endgerät ist keine Sicherheitslücke, sondern ein grundsätzliches Problem aller Endgeräte und Apps. [5]

      Zu guter Letzt noch ein Wort zu Signal:
      „Die Nachrichten können nur auf den jeweiligen Endgeräten gelesen werden.“: Damit ist dieser Messenger in meinen Augen für flexible und einfache Kundenkommunikation durchgefallen. Genau darum gehts aber mit den Telegram-Bots und dem Webinar.

      Quellen:
      [1] https://www.janalbrecht.eu/2018/05/dsgvo-haeufig-gestellte-fragen-haeufig-verbreitete-mythen/
      [2] https://www.blogmojo.de/av-vertraege/
      [3] https://www.datenschutzkanzlei.de/die-nutzung-von-messaging-diensten-in-unternehmen/
      [4] https://netzpolitik.org/2016/bundeskriminalamt-knackt-telegram-accounts/
      [5] https://www.vice.com/de/article/53dnv8/bka-telegram-hack-mitarbeiter-gericht-muenchen

      Antworten
  4. Marian Rejewski schreibt:

    Wird ein Verstoß der DSGVO festgestellt reden wir von einer Strafe von bis zu des vierfachen Umsatzes oder 20 Millionen Euro. Wird relevant, wenn Namen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Termine, vielleicht Gesundheitsdaten oder Termine (Yoga Sitzung, Treffen der Schokoholiker etc.) versendet werden. Es kann schon bei einer Werbemitteilung, die eine Telefonnummer oder E-Mail beinhaltet greifen. Was sagen die DSGVO Experten des VGSD dazu? Bei einer Webseite ist eine Auftragsdatenverarbeitung notwendig, vor allem für die Kontaktseite. Das Telegramm Netzwerk entspricht keiner öffentlichen Infrastruktur, sondern eher einem privaten Dienstanbieter. Dieser ist nicht eindeutig mit Firmensitz und Rechtsform zu benennen. Was meiner Meinung nach kritisch juristisch geprüft werden sollte. Ich verstehe die DSGVO so, dass keine Kunden oder Mitarbeiterdaten bei jeglicher Datenverarbeitung von Dritten eingesehen werden können. Wenn dieses technisch nicht möglich ist, muss der Dienst dieses in einer Auftragsdatenverarbeitung zu sichern.
    .
    Technisch kann ich diesen Messenger für geschäftliche Zwecke nicht empfehlen. 100 % DSGVO Compliance ist nur Threema. Signal ist von der EU nun geadelt, wohl aber nicht in allen Punkten zu 100 % DSGVO Compliance. Gerade die Krise zeigt, wie unterschiedlich verschiedene Landesdatenschutzbeauftragte Remotetools einordnen. Das die Kritik nicht unbedingt Werbung trifft, ist mir klar, nur kann dies eindeutig ein Laie ohne tiefere IT-Kenntnis unterscheiden? Spätestens bei einem Response vielleicht sogar in die Gruppe nähert man sich der Grauzone. Vielleicht sollte der VGSD das Problem mal grundlegend für die meisten Messenger untersuchen.
    .
    Wie bei vielen anderen Themen der Selbstständigkeit: It’s not about technique or entrepreneurship, it’s about regulation!
    .
    Warum ich Telegram nicht für die beste Wahl halte:
    https://courses.csail.mit.edu/6.857/2017/project/19.pdf
    https://www.wired.com/story/telegram-bots-tls-encryption/
    https://www.zdnet.de/88351983/telegram-forcepoint-meldet-schwachstelle/
    https://www.golem.de/news/datenschutz-telegrams-privatsphaereeinstellung-laesst-sich-leicht-umgehen-1908-143492.html

    Antworten
    1. Christian Süßenguth schreibt:

      > „Wird ein Verstoß der DSGVO festgestellt reden wir von einer Strafe von bis zu des vierfachen Umsatzes oder 20 Millionen Euro.“
      Genau, die Betonung liegt hier auf „von bis zu“. Stichwort: pflichtgemäßes Ermessen („Die Verhängung von Geldbußen bei Datenschutzverstößen steht im pflichtgemäßen Ermessen der Aufsichtsbehörden.“) [1] Der, im Falle einer veröffentlichten Telefonnummer oder E-Mailadresse in der Praxis entstandene „Schaden“ dürfte verschwindend gering ausfallen. Gesundheitsdaten standen hier nicht zur Debatte. Ich setze voraus, dass sich im Gesundheitsbereich tätige Unternehmer:innen vor Erstellung eines Telegram-Bots Gedanken über den Schutzbedarf der von Ihnen abgefragten personenbezogenen Daten machen. Schließlich fallen diesenicht „einfach so“ beim Gebrauch eines Telegram-Bots an, sondern müssten aktiv erfragt werden. Hier kann ich jedem, der sich unsicher ist, nur empfehlen sich professionelle Unterstützung an die Seite zu holen.
      .
      > „Das die Kritik nicht unbedingt Werbung trifft, ist mir klar, nur kann dies eindeutig ein Laie ohne tiefere IT-Kenntnis unterscheiden?“
      Der Laie vielleicht nicht, aber der verantwortungsvolle Telegram-Bot-Betreiber! Es muss nicht alles gemacht werden, was technisch möglich wäre. Wer Angst vor (dem in meinen Augen geringen Risiko von) DSGVO-Verstößen hat, der kann den Bot als reinen Frage-Antwort-Bot nutzen und ist so auf der sicheren Seite.
      .
      > „Spätestens bei einem Response vielleicht sogar in die Gruppe nähert man sich der Grauzone.“
      Auch hier ist nicht nur die verantwortungsvolle Unternehmer:in gefragt, sondern auch der Nutzer:in kommt hier Verantwortung zuteil. Um das zu verdeutlichen, greife ich gern noch einmal mein plakatives Bespiel auf: Ich kann auch nicht eine E-Mailadresse bei einem Freemailer anlegen, diese aktiv in Mailing-Listen hinterlegen und nachfolgend klagen, dass ich von diesen Mailing-Listen Nachrichten bekomme oder die Betreiber nun wissen, dass ich mich mit meiner E-Mailadresse dort eingetragen habe. Bei Telegram-Gruppen und auch Telegram-Bots muss jede Benutzer:in selbst aktiv werden, was einer Einwilligung bei Mailing-Listen gleichkommt.
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      Einige Grundsätzlichkeiten möchte ich gerne noch erwähnen:
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      Nie habe ich in den Raum gestellt, Telegram sei die sicherste und datenschutzfreundlichste Messenger-Anwendung auf dem Markt. Im Gegenteil – sowohl in meinen Telkos zum Thema Telegram als auch auf meinem Blog andersgood.de weise ich explizit auf diese kritischen Themen hin und beziehe Stellung dazu.
      Aber um bei sicheren und datenschutzfreundlichen Messengern zu bleiben: Da sind Threema und Signal zweifelsohne die Sterne am Messengerhimmel. Hier sind wir durchaus einer Meinung. Und doch sind deren Sicherheitshürden gleichzeitig enorme Komfort-Nachteile, die kundenfreundliche Bot-Anwendungen, wie ich sie hier gezeigt habe, nicht ermöglichen.
      .
      Telegram bietet mit seiner Bot-API eine gute Möglichkeit, schnell und einfach kundenfreundliche „Helferanwendungen“ zu entwickeln, die den Kundenservice verbessern können. Bei den per Telegram-Bot ausgetauschten Nachrichten entscheidet jeder Bot-Autor selbst, welche personenbezogenen Daten seine Benutzer preisgeben dürfen und welche nicht. Die in der Telko gezeigten Bots erheben beide keinerlei personenbezogene Daten und der Botbetreiber erhält außer der für die Kommunikation technisch notwendigen Telegram-User-ID, den öffentlich sichtbaren Angaben wie Vorname, Nachname (optional), Profilbild (optional), Benutzername (optional) und den Nachrichteninhalt keine weiteren Informationen.
      .
      Ansonsten empfehle ich noch, immer die Frage nach dem Ziel zu stellen – oder bezugnehmend auf deine Linksammlung: Die beste Wahl wofür? Hier kann ich mich nur wiederholen. Ist das oberste Ziel die sicherste und datenschutzfreundlichste Messengerlösung, dann ist Telegram nicht die beste Wahl. Sucht man allerdings einen gangbaren Kompromiss zwischen Nutzerfreundlichkeit, Komfort und Sicherheitsapsekten, so steht Telegram auf meiner Liste ganz oben.
      .
      Die schon angesprochenen Links sind aus dem Zusammenhang gerissen und haben mit dem hier dargestellten Szenario von Telegram-Bots als Helfer im Kundenservice nichts zu tun.
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      Der Link 1 bezieht sich auf MTProto 1.0, welches bereits seit Ende 2017 von MTProto 2.0 abgelöst wurde. Die Inhalte sind damit überholt und nicht mehr relevant. Siehe [2] [3] [4]
      .
      Link 2 und 3 wiederholen das, was auch auf heise im Jahr 2019 auf Deutsch veröffentlicht wurde. Bitte hierzu selbst den heise.de-Artikel von 2019 lesen [5] und anschließend insbesondere die Kommentare [6]. Allen voran diesen Kommentar [7]. Nicht alles, was von „Sicherheits-Experten“ veröffentlicht wird, ist in der Praxis auch relevant. Wenn hier vom Aufbrechen von TLS-Verschlüsselung die Rede ist, dann ist damit die Integrität von Anwendungen wie E-Health, Banking oder Onlineshopping ad absurdum geführt. Hier wird nämlich auch nichts Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Das sind keine Argumente und die Welt hat ganz andere Probleme, wenn dieser Fall eintritt.
      .
      Link 4 hat leider nichts mit Sicherheitseinstellungen zu tun. Salopp gesagt ein klarer Fall von „Read the fucking manual“. Beim Umstellen der Funktion zur Sichtbarkeit der Nummer in Telegram steht auch wenn man „Niemand“ auswählt darunter: „Nutzer, die deine Nummer in Ihren Kontakten gespeichert haben, sehen sie auch bei Telegram“. Des Weiteren gibt es darunter eine Einstellung, die lautet „Wer darf mich unter meiner Nummer finden?“. Dort kann man „Jeder“ oder „Meine Kontakte“ wählen. „Niemand“ gibt es hier nicht. Damit ist klar, dass genau dieses Angriffsszenario, wie es im verlinkten Artikel von dir beschrieben ist, leider nicht verhindert werden kann. Zumindest, wenn man sich in öffentlichen Telegram-Gruppen aufhält.
      .
      Quellen:
      [1] https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/faqs/DE/themen/it-digitalpolitik/datenschutz/datenschutzgrundvo-liste.html
      [2] https://core.telegram.org/techfaq/mtproto_v1#q-how-is-mtproto-2-0-different-from-version-1-0
      [3] https://core.telegram.org/mtproto
      [4] https://core.telegram.org/techfaq
      [5] https://www.heise.de/security/meldung/Telegram-Bots-lassen-sich-anzapfen-4282130.html
      [6] https://www.heise.de/forum/heise-Security/News-Kommentare/Telegram-Bots-lassen-sich-anzapfen/forum-418130/comment/
      [7] https://www.heise.de/forum/heise-Security/News-Kommentare/Telegram-Bots-lassen-sich-anzapfen/Absolut-falscher-Artikel-ohne-Quellen/posting-33789791/show/

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  5. W. Friedman schreibt:

    Danke für die ausführliche Darstellung. Für das neue Protokoll ist mir noch kein tieferes Audit bekannt. Vielleicht, weil Signal mehr ins Bewusstsein rückt. Grundsätzlich ist die Schonzeit bei DSGVO Verstößen vorbei.
    Es gibt den nicht messbaren Reputationsschaden und Kunden könnte Schadensersatz geltend machen. Fehlende Auftragsdatenverarbeitung, keine Datenschutzerklärung auf der Webseite wurden bislang mit ca. 6000 Euro bestraft. Natürlich ist Widerspruch möglich, mit Anwalt sind es zusätzliche Kosten. Ich nehme an, mit einem solchen Verstoß gewinnt man vielleicht eine allumfassende DSGVO Prüfung. Ob Kunden mit Datenschutz Bewusstsein ein solches Geschäftsmodell langfristig belohnen, bleibt für mich fraglich. Die Strafhöhe ist ermessen deiner Landesdatenschutzbehörde. Die aktuellen Skandale (Tönnies, Wirecard) zeigen, dass innerhalb von Deutschland mit zweierlei maß geprüft wird. Wünsche Dir ein schönes Wochenende…
    .
    https://www.heise.de/ct/artikel/Die-DSGVO-wird-erst-2020-richtig-scharfgestellt-4657760.html

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